Chronisch-entzündliche Lebererkrankungen

Der Internist, Apr 2018

M. P. Manns

A PDF file should load here. If you do not see its contents the file may be temporarily unavailable at the journal website or you do not have a PDF plug-in installed and enabled in your browser.

Alternatively, you can download the file locally and open with any standalone PDF reader:

https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs00108-018-0433-2.pdf

Chronisch-entzündliche Lebererkrankungen

Chronisch-entzündliche Lebererkrankungen M. P. Manns 0 1 C und D identifiziert 0 1 die nicht nur die chronischen Virushepatitiden 0 1 0 Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie, Medizinische Hochschule Hannover (MHH) , Hannover , Deutschland 1 Interessenkonflikt. M.P. Manns gibt folgenden Interessenkonflikt an: Fördergelder: AbbVie , Biotest, Boehringer Ingelheim, Bristol Myers Squibb, Eiger , Falk Pharma , Gilead, GlaxoSmithKline, Intercept, Janssen, Merck (MSD), Novartis, Roche; Beratung: AbbVie, Biotest, Boehringer Ingelheim, Bristol Myers Squibb, Eiger , Enyo Pharma, Falk Pharma , Gilead, GlaxoSmithKline, Intercept, Janssen, Medgenics, Merck (MSD), Novartis, Roche; Vorträge: AbbVie , Bristol Myers Squibb, Falk Pharma , Gilead, Janssen, Merck (MSD), Roche; Reisekostenunterstützung: AbbVie, Biotest, Boehringer Ingelheim , Bristol Myers Squibb, Falk Pharma , Gilead, GlaxoSmithKline, Janssen, Merck (MSD), Novartis , Roche; Monitoring Board/ Data Analysis: Falk Pharma » Auch für die autoimmunen Lebererkrankungen gibt es mittlerweile spezifische Therapien Der Internist - Chronische Leberentzündungen sind ätiologisch heterogene Krankheitsbilder, die über die chronische Hepatitis zur Leberzirrhose und deren Komplikationen einschließlich des hepatozellulären Karzinoms führen können. Die Dekompensation einer Leberzirrhose und die Entwicklung eines Leberzellkarzinoms können Tod oder Transplantation zur Folge haben. Die Klassifikation der chronischen Hepatitis beruht zunächst auf der Definition der Ätiologie der Erkrankung, gefolgt von der Festlegung der entzündlichen Aktivität (sogenanntes Grading) und des Krankheitsstadiums (sogenanntes Staging). Letzteres wird durch das Ausmaß der Fibrose bestimmt, bis hin zur Leberzirrhose. Alle Leberzirrhosen, gleich welcher Ätiologie, müssen als Präkanzerose eines Leberzellkarzinoms betrachtet werden. Bei den chronischen Hepatitiden richtet sich der Entzündungsprozess gegen die Hauptleberzelle, den Hepatozyten; bei chronischen Entzündungen der Gallenwege richtet er sich gegen die Gallenwege und hier insbesondere das Gallengangsepithel. Diese verschiedenen Formen chronischer Leberentzündungen sind für die große Mehrheit der Lebertransplantationen verantwortlich. Im vorliegenden Schwerpunkt der Zeitschrift Der Internist werden die aktuelle Diagnostik und Therapie der chronischen Hepatitiden B, C und D, der Autoimmunhepatitis sowie der chronischen nichtinfektiösen Gallenwegsentzündungen – primär biliäre Cholangitis, primär sklerosierende Cholangitis und IgG4-assoziierte Cholangitis – dargestellt. Nicht berücksichtigt sind Leberentzündungen bedingt durch Toxine wie Alkohol, Arzneimittel oder auch Fettablagerungen Die Hepatitis C hat über viele Jahre die medizinische Aufmerksamkeit weit über die Grenzen der Hepatologie hinaus dominiert. Nach Entdeckung des Virus im Jahr 1989 hat ein Zusammenspiel von Grundlagenwissenschaften und klinischer Forschung zur Entwicklung innovativer Therapien geführt, die es zum ersten Mal ermöglicht haben, eine chronische Virusinfektion des Menschen zu heilen. Inzwischen ist eine Kombination mehrerer direkt antiviral wirksamer Medikamente, der sogenannten „directacting antivirals“ (DAA), in der Lage, unabhängig von Viruslast und Genotyp über 90 % der Patienten zu heilen. Jetzt geht es darum, die neuen erfolgreichen Standardtherapien der Hepatitis C anzuwenden und möglichst bald eine Elimination der Erkrankung zu erreichen, national wie global, auch ohne Impfung. Die chronische Hepatitis-B-Virus-Infektion bleibt auf absehbare Zeit nicht heilbar. Es stehen jedoch Therapien zur Verfügung, die den Krankheitsprozess aufhalten und so die Dekompensation einer Leberzirrhose oder die Entwicklung des Karzinoms verhindern können. Eine unverändert große Herausforderung ist die Behandlung der chronischen Hepatitis D, bei der es sich um eine Doppelinfektion mit dem Hepatitis-B- und dem Hepatitis-D-Virus handelt. Außer pegyliertem Interferon stehen bisher keine Therapien zur Verfügung und die Interferontherapie hat nur bei einem Bruchteil der Patienten mit Hepatitis D Erfolg. Andererseits gibt es hoffnungsvolle neue therapeutische Ansätze und auch schon Medikamente, die in verschiedenen Phasen der klinischen Entwicklung sind. Für die Autoimmunhepatitis, eine Autoimmunerkrankung der Leber, gibt es zwar eine erfolgreiche Standardtherapie mit Predniso(lo)n allein oder in Kombination mit Azathioprin, und damit kann der Krankheitsprozess auch häufig aufgehalten werden. Es handelt sich aber bei der weiten Mehrzahl der Patienten um eine Dauertherapie. Als Alternative zu Predniso(lo)n steht das topische Steroid Budesonid für Patienten ohne Leberzirrhose zur Verfügung. Eine Herausforderung stellt die Zweitlinientherapie bei Versagen oder Intoleranz einer Standardtherapie dar. Hier bewegen wir uns im experimentellen Bereich; kontrollierte, prospektive klinische Studien sind selten. Die Autoimmunerkrankungen der Gallenwege sind eine ganz besondere Herausforderung. Zwar wird seit vielen Jahren die Ursodesoxycholsäure (UDCA) als Standardtherapie der primär biliären Cholangitis eingesetzt. Es gibt auch ausreichend Daten, die zeigen, dass dadurch die Notwendigkeit einer Lebertransplantation reduziert werden kann. Andererseits ist genereller Konsensus, dass es eine signifikante Anzahl von Nonrespondern gibt, bei denen UDCA den Progress nicht aufhalten kann. Inzwischen bestehen Alternativen wie die Obeticholsäure. Andere Therapien befinden sich in verschiedenen Stadien der klinischen Entwicklung. Die Definition des Nonresponderstatus ist hierbei von besonderer Bedeutung und immer noch eine Herausforderung. » Die primär sklerosierende Cholangitis gilt als „Black Box der Hepatologie“ Die primär sklerosierende Cholangitis wird auch als die „Black Box der Hepatologie“ bezeichnet. Es handelt sich um eine Erkrankung, die junge Menschen betrifft, vor allem Männer, und in 80 % mit entzündlichen Darmerkrankungen assoziiert ist. Die Ätiologie ist ebenso unbekannt wie die Pathogenese. Bisher ist keine medikamentöse Therapie etabliert, für die eine Lebensverlängerung erwiesen ist. Des Weiteren ist diese Erkrankung eine Präkanzerose für die Entwicklung eines Gallengangskarzinoms. Darüber hinaus besteht auch ein erhöhtes Tumorrisiko außerhalb der Leber, so etwa in Bauchspeicheldrüse und Kolon. Gerade aktuell gibt es neue Erfolg versprechende Therapieansätze, die in verschiedenen Phasen der klinischen Entwicklung sind. Ein Beispiel ist der Einsatz der Norursodesoxycholsäure. Eine ganz besonders aktuelle Entwicklung zeichnet sich für das relativ neue Krankheitsbild der IgG4-assoziierten Cholangitis ab. Während die primär sklerosierende Cholangitis mit Steroiden nicht behandelbar ist und diese Therapie sogar Schaden auslösen kann, sind Steroide eine hocheffektive Therapie der IgG4-assoziierten Cholangitis. Größte Herausforderung ist eine korrekte und frühzeitige Diagnosestellung, die wegen einer Verwechslung mit der primär sklerosierenden Cholangitis häufig überhaupt nicht oder zu spät erfolgt. Darüber hinaus ist die IgG4-assoziierte Cholangitis Teil des IgG4-assoziierten Syndroms, einer systemischen Erkrankung der B-Lymphozyten. Die Herausgeber von Der Internist hoffen sehr, dass die Wahl der Themen und ihre Darstellung das Interesse der Leser findet. Die chronisch-entzündlichen Lebererkrankungen haben sich gewandelt von Krankheitsentitäten ohne therapeutische Perspektive hin zu Erkrankungen, die basierend auf einer Differenzialdiagnose oft gut mit einer gezielten, an der Ätiologie der Erkrankung orientierten Differenzialtherapie behandelt werden können oder, wie im Falle der chronischen Hepatitis C, sogar heilbar geworden sind. Es handelt sich mehrfach um Musterbeispiele erfolgreicher Translationsforschung. M.P. Manns Korrespondenzadresse


This is a preview of a remote PDF: https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs00108-018-0433-2.pdf

M. P. Manns. Chronisch-entzündliche Lebererkrankungen, Der Internist, 2018, 1-2, DOI: 10.1007/s00108-018-0433-2