Wie viel Technik gehört ins Pflegeheim?

Heilberufe, Apr 2018

Technische Innovationen halten nur zaghaft Einzug in Pflegeeinrichtungen, obwohl Umfragen zufolge, die Akzeptanz unter den älteren Menschen zugenommen habe. Eine aktuelle Studie hat sich nun mit den Gründen für die Zurückhaltung befasst und Leiter von Pflegeeinrichtungen befragt.

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Wie viel Technik gehört ins Pflegeheim?

Das P€egemagazin Wie viel Technik gehört ins P€egeheim? 0 Markus Hieber M.A., Diplom- P€egewirt (FH), Altenp€eger in der Residenz Zehlendorf , Berlin P. Fehling, T. Dassen. Retrospektive und prospektive Deutung technischer Innovationen in P€egeheimen: eine qualitative Studie. P€egewissenschaft 9/10 2017. k c o ts k n i h T / k c o it S /s e g a m I y tt e G / v e n z e l k s y e g rs e © - Technische Innovationen halten nur zaghaft Einzug in P€egeeinrichtungen, obwohl Umfragen zufolge, die Akzeptanz unter den älteren Menschen zugenommen habe. Eine aktuelle Studie hat sich nun mit den Gründen für die Zurückhaltung befasst und Leiter von P€egeeinrichtungen befragt. M nen Leitfaden gestützten Studie ittels einer qualitativen, durch eigingen die beiden P egepädagogen Prof. eo Dassen und Patrick Fehling der Frage nach, wie Entscheidungsträger von P egeheimen technischen Innovationen im Allgemeinen und sensorieller Überwachungssysteme im Besonderen gegenübertreten. Die technischen Innovationen wurden dazu von den Forschern in vier Gruppen unterteilt: 1. Etablierte Hilfsmittel wie elektrisch verstellbare P egebetten, Anti-Dekubitussysteme, Hebeliˆer und Notrufsysteme. 2. Sensorische Überwachungssysteme (Sensormatten, Ortungsgeräte für Demenzkranke, Bed-Exit-Sensoren, Sensoren in Tassen zur Trinkmengenbestimmung, Feuchtigkeitssensoren im Inkontinenzmaterial). 3. „Visionäre“ Hilfsmittel wie P egeroboter. 4. Medien wie die Kommunikationssoˆware „Skype“. In Berlin, Brandenburg, MecklenburgVorpommern und Sachsen-Anhalt wurden von Mai bis August 2016 insgesamt zwölf Leitungen stationärer P egeeinrichtungen zu ihrer Haltung gegenüber technischen Innovationen in der P ege befragt. Die Einrichtungsleiter (EL) erklärten, dass die bisherigen Einführungen technischer Innovationen sehr mühevoll verlaufen seien. Viele Mitarbeiter hätten eine deutliche Abwehrhaltung gegenüber den neuen Technologien – obwohl die meisten privat durchaus Geräte wie Smartphones nutzen. Die Akzeptanz Ÿel deutlich höher aus, wenn die Mitarbeiter in die Anscha¡ung der Geräte involviert worden waren. Die Befragung zeigte weiter, dass sensorische Überwachungssysteme zur Unterstützung des Risikoassessments von den EL überwiegend abgelehnt werden. Vielmehr setzten die EL auf die Fachlichkeit und die professionelle Wahrnehmung ihrer Mitarbeiter. Außerdem könnten einige Bewohner die Systeme überlisten oder aber versehentlich damit Alarme auslösen, was zu mehr Arbeit der P egenden führen würde. Der Einsatz von Ortungsgeräten bei Bewohnern mit Hinlauˆendenz allerdings wurde positiv bewertet – trotz rechtlicher, ethischer und funktionaler Bedenken. Fünf EL lehnten den Einsatz von P egerobotern bei der Körperp ege ab: Ein Roboter könne keinen menschlichen Körperkontakt ersetzen, nicht individuell auf die Bewohner eingehen und würde sogar Arbeitsplätze gefährden. Geteilter Meinung waren die EL zum Einsatz von Robotern bei der Reinigung, beim Verteilen von Wäsche und beim Anbieten von Getränken. Neue Medien eignen sich laut der Befragten dagegen kaum für die jetzige Generation von Heimbewohnern, da sie bereits beim Einzug derart multimorbide und dement sind, dass sie mit den modernen Medien meistens gar nicht mehr umgehen können. Die meisten der befragten EL beschrieben den Einsatz von technischen Innovationen als sinnvoll. Die Studienautoren beanstandeten, dass die EL ihren Blick auf das P egesetting verengten und zu wenig proaktiv technische Innovationen in ihren Einrichtungen einführen. Kommentar Technische Innovationen in Heimen haben eine ganze Reihe von Vorteilen: Erhalt der Selbstständigkeit der Bewohner und Entlastung der P€egenden. Die beiden Forscher entwickelten eine sehr allgemeine Fragestellung, auf die sie dižerenzierte Antworten erhielten. Diese interpretierten sie dann leider als negative Haltung der EL gegenüber den technischen Innovationen. Bezeichnend ist auch, dass der Radius der infrage kommenden Heime von den Forschern sukzessive erweitert werden musste, wahrscheinlich weil direkt in Berlin nicht genügend EL für diese Studie rekrutiert werden konnten. Daran zeigt sich, dass dieses Thema den Verantwortlichen nicht unter den Nägeln brennt – sie haben ganz andere Probleme: Personalmangel, MDKPrüfungen, hoher Konkurrenzdruck auf dem P€egemarkt und Qualitätssicherung.


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Markus Hieber. Wie viel Technik gehört ins Pflegeheim?, Heilberufe, 2018, 19-19, DOI: 10.1007/s00058-018-3440-8