Berechenbares Material

Der Freie Zahnarzt, Apr 2018

Was gelten OP-Zuschläge nach GOZ wirklich ab? Versicherer finden gern Gründe, warum eine Kostenerstattung nicht vorgesehen ist. Häufig stimmt dies aber nicht — Unstimmigkeiten um berechenbare Verbrauchsmaterialien sind programmiert. Richtig ist: Neben OP-Zuschlägen nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) können alle zulässigen Einmalmaterialien berechnet werden.

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Berechenbares Material

Berechenbares Materia l AUTOR: DR. PETER H. G. ESSER 0 0 Dr. Peter H. G. Esser GOZ-Experte und Berater der ZA - Die Allgemeinen Bestimmungen zu Abschnitt „L. Zuschläge zu bestimmten zahnärztlich-chirurgischen Leistungen“ sagen: „Bei nichtstationärer Durchführung bestimmter zahnärztlicher Leistungen (…) können zur Abgeltung der Kosten für die Au‹ereitung wiederverwendbarer Operationsmaterialien bzw. -geräte und/ oder von Materialien, die mit der einmaligen Verwendung verbraucht sind, Zuschläge berechnet werden.“ Dazu erfolgt von Kostenerstattern eine fehlerha“e Kom mentierung zwecks Nichterstattung: „Nicht zulässig ist es, neben den Zuschlägen nach 0500 bis 0530 GOZ entsprechende Kosten als Einzelauslagenersatz zu berechnen, zum Beispiel atraumatisches Nahtmaterial, Membranen.“ MATERIAL AUF DER POSITIVLISTE Material- statt Zuschlagberechnung oder umgekehrt, wird aus der „Allgemeinen Bestimmung“ zu den Nrn. 0500–0530 GOZ abgeleitet. Das soll angeblich auch gelten für Materialien, die im Gebührenverzeichnis der GOZ eindeutig als berechnungsfähig erwähnt sind. Der (Nicht-) Erstatter stützt diese Behauptung auf sein subjektives Verständnis der „Allgemeinen Bestimmung“ zu Abschnitt L. Zuschläge. Der Rechnungsaussteller aber stützt seine Berechnung auf gleichrangige „Allgemeine Bestimmungen“ sowohl zu Abschnitt K. Implantologie als auch zu den Abschnitten D. Chirurgie und E. Parodontologie. So missgestaltet ist die GOZ denn doch nicht, dass in einer Allgemeinen Bestimmung glatt das Gegenteil von drei anderen zu oenden wäre. Und woher will die Versicherung wissen, dass ein bestimmtes Verbrauchsmaterial wegen nichtstationärer Behandlung welcher Leistung verbraucht wurde oder welches Material exakt nur für Zuschlag bedachte Leistungen in Frage kommt? Ob Naht/Membran zu GOÄ-Leistungen trotz GOÄ-Zuschlag berechnungsfähig angefallen sind? - In der GOZ gibt es eine Art „Positivkatalog“ von berechnungsfähigen Verbrauchsmaterialien: Alle, die ausdrücklich im Gebührenverzeichnis als berechnungsfähig erwähnt sind, können uneingeschränkt auch tatsächlich berechnet werden. - In der GOÄ gibt es eine „Negativliste“ von nicht berechnungsfähigen Materialien, ansonsten sind alle dort nicht ausgeschlossenen Materialien berechnungsfähig. Dazu passt die Allgemeine Bestimmung zu den OP Zuschlägen der GOÄ. FOLGEN DER GOÄREGELUNG? Die entsprechende Bestimmung lautet im Kern: „(…) können für (…) Kosten für wieder verwendbare Operationsmaterialien bzw. -geräte Zuschläge berechnet werden.“ Die Frage lautet also: Zuschläge für ansonsten nicht berechnungsfähige, wiederverwendbare Materialien (GOÄ) oder Zuschläge für ansonsten selber berechnungsfähige Verbrauchsmaterialien (GOZ) oder wie in der GOÄ die GOZ-Zuschläge für nicht berechnungsfähige, „mit der einmaligen Verwendung verbrauchte“ Materialien? Nur diese letzte Deutung ist textund zahnmedizinisch-fachlich logisch. Es gibt GOÄ-Zuschläge (insbesondere Ä442– Ä445) für Kosten von wiederverwendbaren OP-Materialien, zusätzlich neben der Einzelberechnung von nicht wieder verwendbaren. Das bedeutet, dass neben den OP-Zuschlägen nach GOÄ alle zulässigen Einmalmaterialien berechnet werden können. Dazu sagen amtliche „Besondere Begründungen“ zur GOZ-Novelle von BMG, Bundesregierung/ Bundesrat: „Die Abrechnungsbestimmungen entsprechen denen, die nach (...) GOÄ für die dort aufgeführten Zuschläge gelten.“ Das heißt eindeutig, dass auch neben GOZ-Zuschlägen alle sowieso berechnungsfähigen Verbrauchsmaterialien zusätzlich berechnet werden können. Es geht in den Allgemeinen Bestimmungen zu den GOZ-Zuschlägen nur um diejenigen Materialien, die zwar bei den einzelnen operativen Leistungen verbraucht werden, jedoch nicht gesondert berechnungsfähig sind. In der Rangfolge stehen die Paragrafen der Gebührenordnung höher als Allgemeine Bestimmungen, sie sind also vorrangig. Daraus folgt: Abgeltung durch GOZZuschläge gilt für Praxiskosten, die im Gebührenverzeichnis nicht ausdrücklich gemäß § 4 (3) GOZ als berechnungsfähig erwähnt werden. FAZIT: Abgeltung durch OP-Zuschlag gibt es nicht für ausdrücklich im Gebührenverzeichnis als berechnungsfähig ausgewiesene Praxiskosten, speziell nicht für dort erwähnte Verbrauchsmaterialien.


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Peter H. G. Esser. Berechenbares Material, Der Freie Zahnarzt, 2018, 57-57, DOI: 10.1007/s12614-018-7319-5