Gilt auch für COPD: Sitzen ist das neue Rauchen

MMW - Fortschritte der Medizin, May 2018

Angelika Bischoff

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Gilt auch für COPD: Sitzen ist das neue Rauchen

MMW Fortschritte der Medizin Gilt auch für COPD: Sitzen ist das neue Rauchen Wenn Sie einem COPD-Patienten zu körperlicher Aktivität raten, werden Sie zur Antwort bekommen: „Das kann ich nicht, ich bekomme doch auch so schon keine Luft.“ Sie sollten ihn trotzdem motivieren, sich mehr zu bewegen. Denn er wird erheblich davon profitieren. Wie bringt man den COPD-Patienten in Bewegung? Da die Leistungsfähigkeit der Patienten begrenzt ist, gelten allgemeine Sportempfehlungen nicht. Man braucht neue Trainingskonzepte. Es geht darum, die muskuläre Bewegung und den Energieumsatz in kleinen Schritten zu steigern. Jede Minute mehr Training, jeder Schritt mehr zählt. Man muss nicht gleich mit 30 Minuten moderater Aktivität pro Tag anfangen, sagte Prof. Christine Graf, Köln. Viele Patienten lassen sich beispielsweise gut mit Schrittzählern motivieren. - _ Medikamente stellen bei COPD nur einen schmalen Bereich dessen dar, was wir für den Patienten tun können, so Dr. Matthias Krüll, Pneumologe aus Berlin. Schon vor einigen Jahren hat eine kleine prospektive Kohortenstudie untersucht, wie sich körperliche Aktivität im Lauf von 48 Monaten auf die Mortalität von COPD-Patienten auswirkt. Tatsächlich war das Risiko zu versterben bei „Couch-Potatoes“ im Vergleich zu körperlich aktiven Patienten signiŠkant erhöht. Erhebliche Limitationen Allerdings bieten COPD-Patienten für körperliche Aktivität denkbar schlechte Voraussetzungen. Zum einen betriŒ die Ab zum Lungensport! COPD als systemische In’ammation nicht nur die Lunge, sondern o“ auch Muskulatur und Herz-Kreislauf-System. Dazu kommt, dass die Patienten aufgrund ihrer Inaktivität immer mehr Muskulatur abbauen. Und schließlich spielt die Lunge nicht mit: Ein erheblicher Teil der eingeatmeten Lu“ bleibt beim Ausatmen in der Lunge zurück. Da der Patient bei Belastung schneller atmen muss, kommt es rasch zu einer dynamischen Überblähung, die Zwerchfellexkursionen kaum mehr möglich macht. Trotzdem lässt sich mit Bewegung sehr viel erreichen. Eine Metaanalyse hat gezeigt, dass COPD-Patienten, die – zusätzlich zu einer guten medikamentösen Eine gute Idee ist die Teilnahme an dem evaluierten Rehabilitationsprogramm „Lungensport“ mit 120 Übungseinheiten. Unter www.lungensport.org lässt sich nach Eingabe der Postleitzahl herausfinden, wo die nächste Gruppe ist. Im Lungensport lernen die Patienten atemer- © M. Spielmanns leichternde Stellungen wie den Kutschersitz oder den Einsatz der Atemhilfsmuskulatur, durchlaufen ein inspiratorisches Muskeltraining. Patient und Trainer beim Mit Krafttraining muss bei Patienten mit schwe- sensomotorischen Krafttraining. rer COPD zunächst wieder etwas Muskulatur aufgebaut werden. Selbst schwer kranke COPD-Patienten nach einer Exazerbation sind trainierbar, z. B. auf einem Vibrationsmuskeltrainer. Nur 3 x 2 Minuten pro Tag bringen schon Effekte. Schließlich gehören Koordinationsübungen und Ausdauerbelastung zum Programm. Beim Ausdauertraining, z. B. Treppen steigen, muss der Atemrhythmus bewusst an die Schritte angepasst werden mit dem Fokus auf einer langen Ausatmung. Beispiel: Über 2 Treppenstufen einatmen, über 3 Treppenstufen ausatmen. Wenn es zu schwer wird, kann der Patienten auch beim Ausatmen mit dem Gehen pausieren.


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Angelika Bischoff. Gilt auch für COPD: Sitzen ist das neue Rauchen, MMW - Fortschritte der Medizin, 2018, 20-20, DOI: 10.1007/s15006-018-0461-9