Muskulär oder entzündlich? Ein Fragebogen hilft

Schmerzmedizin, May 2018

Springer Medizin

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Muskulär oder entzündlich? Ein Fragebogen hilft

Schmerzmedizin Muskulär oder entzündlich? Ein Fragebogen hilft oder auch andere diagnostische Maßnahmen gekommen. Allerdings ist der häu gste Grund dafür, dass keine substanzielle Besserung eintritt, ein krankheitsförderndes Fehlverhalten des Patienten, getrieben durch die Angst, dass Bewegung eben doch schade. Das führt zu Schon- und Vermeidungsverhalten. Diese Menschen wünschen sich Therapeuten, die „an“ ihnen Leistungen erbringen. Andere neigen zur Somatisierung oder es besteht berufsbezogener Stress. All das sind psychosoziale Risikofaktoren, die international als „Yellow ‰ags“ bezeichnet werden. - ? Was machen Sie mit solchen Patienten? Überall: Solche Patienten benötigen dringend das, was sie in unserem Gesundheitssystem selten bekommen: Zeit, Zuwendung, Informationen. Diese Menschen haben ein großes Bedürfnis, ihre Ängste zu formulieren, Ängste, die sie selbst zunächst oft nicht als solche W Kreuzschmerzen unter der Initial enn sich akute nicht spezi sche therapie nicht innerhalb von etwa vier Wochen bessern, empfehlen Schmerzmediziner, außer dem erneuten Ausschluss von potenziell bedrohlichen Zuständen (Red Flags) sowie von psychosozialen Faktoren (Yellow Flags), weiter nach möglichen Ursachen, zum Beispiel entzündlicher oder muskulärer Natur, zu suchen. In 70–80 % der Fälle sind Rückenschmerzen myofaszial bedingt. Häu g übersehen wird der verkürzte und besonders in fortgeschrittenem Alter auch geschwächte Musculus (M.) quadratus lumborum. Weitere zur Verkürzung neigende Muskeln an der Lendenwirbelsäule sind die Mm. erector trunci. Klinisch zwischen entzündungs- und muskulär bedingten nozizeptiven Schmerzen zu unterscheiden, hat therapeutische Konsequenzen, weshalb die Deutsche Gesellscha— für SchmerzAls Unterstützung bei der Unterscheidung von entzündungs- und muskulär bedingten nozizeptiven Schmerzen hat die DGS den Fragebogen Myotect® entwickelt. wahrnehmen. Das muss im Gespräch herausgearbeitet werden. ? Die Nationale Versorgungsleitlinie Nicht-spezi scher Kreuzschmerz ist 2017 aktualisiert worden, die Orthopäden ha ben gerade eine Leitlinie zu spezi schen Kreuzschmerzen vorgestellt und die DGS In 70–80 % der Fälle sind Rückenschmerzen myofaszial bedingt. medizin (DGS) den validierten Praxisfragebogen Myotect® entwickelt hat. Der Patient beantwortet 20 Fragen zum Be nden und zur Beschreibung der Schmerzen sowie den damit verbundenen Beeinträchtigungen. Eine weitere Seite besteht aus vom Arzt zu beurteilenden fünf klinischen Aspekten wie zum Beispiel Gelenkproblemen und Muskelbefunden. Aus dem Punktescore ergibt sich ein Wert, der die muskuläre Ursache der Schmerzen unwahrscheinlich, möglich oder sicher erscheinen lässt. Der DGS-Praxisfragebogen zur žerapiesicherheit bei Kreuz-/Rücken-, Schulter- und Nackenschmerzen (Myotect®) kann heruntergeladen werden unter www.dgs-praxisleitlinien.de Hohe Sensitivität In zwei Untersuchungen mit insgesamt mehr als 4.000 Patienten mit muskulären und entzündlich bedingten Schmerzen des Haltungs- und Bewegungsapparates (Kreuz-/Rücken,- Schulter- und Nackenschmerzen) betrug die Sensitivität des Praxisfragebogens 86 %, der positive Vorhersagewert für das Vorhandensein eines Muskel- oder Entzündungsschmerzes 82 %. Bei hochgradigen Muskelspannungsstörungen lassen die auf Rückenmarksebene gehemmten Motoneuronen keine Muskelaktivität zu, beim Versuch eines Muskelau£autrainings würde die Muskulatur weiter überlastet. In diesem Falle sei zu erwägen, ein den Muskeltonus veränderndes Medikament zu verschreiben, sagt Privatdozent Dr. Michael Überall aus Nürnberg. Denn die o— verordneten NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) haben darauf keine Wirkung. Ziel ist es, die muskuläre Verspannung zu reduzieren und damit die notwendige Übungstherapie zu ermöglichen und zu unterstützen. Da der selektive Kaliumkanalö¥ner Flupirtin nach Empfehlungen eines Ausschusses der EMA (European Medicines Agency) voraussichtlich demnächst vom Markt genommen werden wird, müsse kün—ig wieder auf traditionelle Muskelrelaxanzien wie Methocarbamol oder Pridinolmesilat zurückgegri¥en werden, erklärt Überall.


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Springer Medizin. Muskulär oder entzündlich? Ein Fragebogen hilft, Schmerzmedizin, 2018, 43-43, DOI: 10.1007/s00940-018-0826-2