Arbeitsmediziner und BG-Mitarbeiter leben gefährlich

MMW - Fortschritte der Medizin, May 2018

FK

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Arbeitsmediziner und BG-Mitarbeiter leben gefährlich

MMW Fortschritte der Medizin Nachtdienst: Lerchen leiden besonders. - © Chris Ryan / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodellen) Arbeit gegen die innere Uhr bringt Hormone durcheinander Die Assoziation eines erhöhten Brustkrebsrisikos mit hoher Nachtschichtbelastung und kurz zurückliegender Exposition sind noch kein Beleg für eine Ursache-Wirkungs-Beziehung bei Frauen vor der Menopause. Aber es wird vermutet, dass die Arbeit gegen die innere Uhr den Östrogenhaushalt über eine Veränderung der Melatonin-Ausschüttung beeinƒusst. Prof. Dr. Volker Harth vom Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin in Hamburg, der die Ergebnisse der gepoolten Analyse auf dem DEGAUM-Kongress vorstellte, hielt sich mit praktischen Konsequenzen aus den Studienergebnissen insgesamt zurück. Er riet aber doch dazu, Frauen, die bereits an Brustkrebs erkrankt sind, auf den mögliche Zusammenhang hinzuweisen und zu beraten. Möglicherweise sollte in diesem Falle schon von (Nacht-) Schichtarbeit abgeraten werden. Prostata sensibel für Schichtarbeit Auch die Männer bleiben von einem möglicherweise erhöhten Krebsrisiko bei Schichtarbeit nicht verschont. Darauf weist die 10-Jahres-Auswertung der bevölkerungsbasierten Kohorte der Heinz-Nixdorf-Recall-Studie zum •e ma Schichtarbeit und Prostatakrebs hin (Behrens T et al. ). In den Jahren 2000– 2003 war eine Zufallsstichprobe von 4.814 Personen im Alter von 45–74 Jahren aus Mühlheim an der Ruhr, Bochum und Essen zum ersten Mal befragt worden. 2011–2014 wurde die Befragung wiederholt mit detaillierten Fragen zu Schichtarbeit, Nachtarbeit und Schlafpräferenz. Via Krankenhausakten und persönlichen Interviews ermittelten die Wissenscha¡ler bis September 2014 bei den Teilnehmern 76 Prostatakarzinomfälle. Adjustiert um Raucherstatus, Familienanamnese, Bildung und Einkommen fand sich gegenüber Männern, die nie Schichtarbeit geleistet hatten, • bei Männern, die über 20 Jahre in Schichten gearbeitet hatten, ein mehr als dreifach erhöhtes Risiko für ein Prostatakarzinom (Hazard Ratio [HR] 3,08; 95%-KI 1,67–5,69). • bei 10- bis 20-jähriger Schichtarbeit ein doppelt so hohes Prostatakarzinomrisiko (HR 2,18; 95%-KI 1,67– 5,69). • Bei mehr als 20 Jahren Nachtschichtarbeit ein 3,6-fach erhöhtes Prostatakarzinom (HR 3,67; 95%-KI 2,04–6,93). Frühaufsteher benachteiligt Befragte, die sich selbst hinsichtlich ihres Tagesrhythmus als Spättyp (Eule) bezeichneten, hatten aber kein signiªkant erhöhtes Prostatakarzinomrisiko bei Schicht- und Nachtschichtarbeit. Betroffen waren dagegen besonders die Frühtypen (Lerchen) und weniger stark die Intermediärtypen. Prof. Dr. •omas Behrens vom Insti tut für Prävention und Arbeitsmedizin in Bochum betonte, dass die Studie zwar Schwächen habe, etwa durch die Selbst auskun¡ über Schichtarbeit und Schlaftyp, die Ergebnisse aber konsistent seien mit der Literatur und deshalb einen weiteren wichtigen Baustein zur Diskussion um eine krebserzeugende Wirkung von Nacht- und Schichtarbeit liefern. ■ Friederike Klein ■ Symposium „Schichtarbeit 1“ am 8. März 2018 anlässlich der 58. Wissenschaftlichen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Arbeits- und Umweltmedizin vom 7.–9. März 2018 in München. Legionellen in der Autowaschanlage Anfang 2017 trat bei einem 56-jährigen Kunden einer Selbstbedienungs-Autowaschanlage eine Legionellen-Pneumonie auf (Valenza G et al. ). Der Patient verstarb in stationärer Behandlung. Aus Wasserproben der Waschanlage konnte der gleiche Sequenztyp von Legionella pneumophila wie beim Patienten isoliert werden. Da dieser Sequenztyp selten ist, ist die Übertragung in der Autowaschanlage sehr wahrscheinlich. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit plant jetzt, die Legionellen-Belastung in der Luft von Autowaschanlagen in einem Forschungsprojekt zu untersuchen. ■ FK Arbeitsmediziner und BGMitarbeiter leben gefährlich Mitarbeiter der Berufsgenossenschaft Bau erleben nach einer Online-Befragung häufig verbale/nonverbale oder körperliche Gewalt (Pavlovski B et al. ). Nur 29,1% gaben an, in den letzten Jahren nicht auf irgendeine Weise angegangen worden zu sein. Am häufigsten kam es zu Gewalterfahrungen beim Einstellen von Arbeiten (38,7%) und bei routinemäßigen Kontrollen (34,7%). Berufskrankheiten-Ermittler erlebten Übergriffe dagegen ausschließlich beim Besuch der Versicherten. Für 84,7% der Umfrageteilnehmer waren die Vorfälle unvorhersehbar gewesen. Die Betroffenen fühlten sich vor allem psychisch durch die Gewalterfahrungen beeinträchtigt. ■ FK


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FK. Arbeitsmediziner und BG-Mitarbeiter leben gefährlich, MMW - Fortschritte der Medizin, 2018, 11-11, DOI: 10.1007/s15006-018-0504-2