Wie Sie die „Pantozolitis“ loswerden

MMW - Fortschritte der Medizin, May 2018

Peter Stiefelhagen

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Wie Sie die „Pantozolitis“ loswerden

MMW Fortschritte der Medizin Sorgenkind Säureblocker: Bei vorhandener Indikation überwiegt der Nutzen Ständig werden wir mit neuen Publikationen konfrontiert, die über potenzielle Risiken einer PPI-Therapie berichten. Dies führt sowohl bei Patienten als auch bei Ärzten zu Verunsicherung und nicht selten auch zu Fehlentscheidungen. Doch was ist gesichert? Um diesem Übel zu begegnen, wurde in den USA jetzt - man kann es kaum glauben - eine eigene evidenzbasierte Leitlinie für das Absetzen eines PPI erarbeitet und veröffentlicht. Sie umfasst über zehn Seiten und beschreibt detailliert, wie und wann man einen PPI absetzen soll [1]. Es ist das erste Mal, dass man sich in einer Leitlinie spezifisch um eine Übertherapie bei einem bestimmten Medikament so intensiv Gedanken macht. Das Vorgehen erinnert an eine Radiosendung der 1980iger-Jahre - also lange vor dem Zeitalter des Online-Dating - mit dem Titel: Wie finde ich einen Partner? Obwohl die Sendung sehr erfolgreich war, forderten mit der Zeit immer mehr Zuhörer eine Sendung mit dem Titel: Wie werde ich ihn wieder los? Was die PPI betrifft, so finden Sie in der o.g. Leitlinie auf diese Frage eine ausführliche Antwort. ■ Dr. Peter Stiefelhagen - _ Koinzidenz bedeutet noch lange nicht Kausalität. Dieser Lehrsatz der Wissenscha gilt auch im Hinblick auf potenzielle PPI-Risiken. „Für die Assoziation zwischen PPI und gastrointestinalen Infektionen scheint die Evidenzlage noch am überzeugendsten zu sein“, berichtete Prof. Stephan Miehlke vom Endoskopiezentrum Hamburg-Eppendorf. In einer großen Metaanalyse von 16 Observationsstudien hat man dies für eine rekurrierende Clostridium-diŽcile-Infektion zweifelsfrei belegen können. Mit Säuresuppression entwickelte sich eine solche Infektion bei 22,1% der Patienten, ohne Säuresuppression dagegen nur bei 17,3%. Kein Einfluss auf die Knochendichte Auch das –ema „PPI und Osteoporose“ wird intensiv und kontrovers diskutiert, zumal Registerdaten für ein erhöhtes Frakturrisiko unter einer PPI-–erapie sprechen. Um die Auswirkungen einer PPI-–erapie auf den Knochen genau beurteilen zu können, wurden bei 52 Patienten mit einer mindestens fün™ährigen PPI-–erapie und 52 vergleichbaren Patienten ohne PPI-–erapie Knochendichtemessungen und quantitative 3-DComputertomogra›en durchgeführt und zusätzlich Biomarker des Knochenstožwechsels und Parameter der Knochenstärke analysiert. „Im Ergebnis fanden sich keinerlei Unterschiede zwischen den beiden Gruppen“, so Miehlke. Aus der aktuellen Studienlage könne man schlussfolgern, dass die statistische Assoziation zwischen PPI-–erapie und Knochenfrakturen nicht kausal und wahrscheinlich auch nicht real ist. Höheres Risiko für die Progression einer Nierenerkrankung Im Rahmen einer retrospektiven Studie wurde der Ein¡uss einer PPI-–erapie auf den Verlauf einer Nierenerkrankung analysiert. Als primärer Endpunkt wurde die Progression der chronischen Nierenerkrankung, de›niert als eine Verdoppelung des Serumkreatinins oder einer Abnahme des geschätzten GFR Kommentar Wie Sie die „Pantozolitis“ loswerden PPI sind sicherlich nicht nur die insgesamt am häufigsten verordneten Medikamente, sondern sie werden auch am häufigsten ohne nachvollziehbare Indikation eingesetzt. Zyniker empfehlen daher, sie doch ins Trinkwasser zu geben. Denn Ärzte verordnen PPI nicht nur bei gesicherter Indikation wie zur Ulkusprophylaxe oder zur Therapie der Refluxkrankheit, häufig besteht auch die irrige Vorstellung, man könne damit die Verträglichkeit einer Polypharmazie verbessern. Und wenn die PPI-Gabe einmal initiiert wurde, findet sich so schnell niemand, der den Mut hat, sie wieder abzusetzen, obwohl dies im Hinblick auf potenzielle Risiken nicht nur sinnvoll, sondern sogar geboten wäre. © Ekaterina Voinova / stock.adobe.com Hier helfen PPI nicht weiter.


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Peter Stiefelhagen. Wie Sie die „Pantozolitis“ loswerden, MMW - Fortschritte der Medizin, 2018, 12-12, DOI: 10.1007/s15006-018-0554-5