Kohlenhydrate reduzieren — nicht Fett!

MMW - Fortschritte der Medizin, May 2018

Diabetikern wird immer noch sehr häufig eine fettreduzierte Diät empfohlen. Man weiß es eigentlich besser. Eine große Metaanalyse zeigt wieder, dass man bei den Kohlenhydraten ansetzen muss.

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Kohlenhydrate reduzieren — nicht Fett!

MMW Fortschritte der Medizin Kohlenhydrate reduzieren - nicht Fett! 0 A: Knoten an Hals, Rücken und Kopfhaut. B: Läsionen im Hirn. C: 3 cm großer Knoten in der Lunge 1 Prof. Dr. med. H. Holzgreve 2 Prof. Dr. med. S. Martin Diabetikern wird immer noch sehr häufig eine fettreduzierte Diät empfohlen. Man weiß es eigentlich besser. Eine große Metaanalyse zeigt wieder, dass man bei den Kohlenhydraten ansetzen muss. - _ In einer Netzwerk-Metaanalyse wurde der Ein uss unterschiedlicher diätetischer Interventionen auf die glykämische Kontrolle bei erwachsenen Typ2-Diabetikern verglichen. Endpunkte der 56 randomisierten Studien mit insgesamt 4.937 Teilnehmern waren der HbA1c- und/oder der Nüchternglukosewert. Die Ernährungsintervention dauerte jeweils mindestens 12 Wochen. Neun diätetische Ansätze wurden untersucht: wenig Fett, vegetarisch, mediterran, viel Eiweiß, moderat Kohlenhydrate, wenig Kohlenhydrate, niedriger glykämischer Index, Paläo-Diät sowie eine unveränderte Ernährung. Für die HbA1c-Reduktion wurde die Niedrig-Kohlenhydrat-Diät als der beste Ansatz identi˜ziert. Hier lag die Fläche unter den kumulativen Rankingkurven im Vergleich zur Kontrolldiät bei 84%. Die mediterrane Diät kam auf 80%, die Paläo-Diät auf 76%. Für die Reduktion der Nüchternblutglukose war die mediterrane Diät mit 88% der beste Ansatz, gefolgt von Paläo-Diät mit 71% und veganer Diät mit 63% Alle Ansätze führten zu signi˜kant niedrigeren Werten als die Kontrolldiät. Die HbA1c-Werte sanken um 0,47– 0,82%, die Nüchternglukosewerte um 1,0–1,61 mmol/l. Niedrig-Fett-Ansätze schnitten am schlechtesten ab. ■ Schwingshackl L, Chaimani A, HoŠmann G et al. A network meta-analysis on the comparative eŽcacy of diŠerent dietary approaches on glycaemic control in patients with type 2 diabetes mellitus. Eur J Epidemiol. 2018;33:157–70 KOMMENTAR Diese sehr überzeugenden Daten bestätigen die Erfahrungen aus der klinischen Praxis, dass die fettreduzierte Kost bei Patienten mit Typ-2-Diabetes nicht die erfolgreichste ist. Doch wird sich an den Empfehlungen in der Praxis wenig ändern – zu groß ist wohl der Aufwand, die Schulungsunterlagen zu überarbeiten. Zudem sind Ärzte frustriert von nichtmedikamentösen Ansätzen, die ja „erfahrungsgemäß“ zu keinem langfristigen Erfolg führen. Nun, es liegt vielleicht an der falschen Diät-Option. Vielleicht gibt der eine oder andere der Ernährungstherapie mal wieder eine Chance! Ein verborgenes Malignom tritt an der Haut zutage Ein älterer Mann stellte sich beim Dermatologen wegen derber, gut verschiebbarer, ovaler, dunkelrotbrauner Knoten am Hals, am Rücken und an der Kopfhaut vor (Abb. A). Der erste war schon drei Monate zuvor im Bereich des Schlüsselbeins links aufgetreten und inzwischen auf eine Größe von 25 × 20 mm angewachsen. Mittels CT und MRT von Kopf bis Becken fanden sich multiple, Kontrastmittel anreichernde Hirnmetastasen (Abb. B) sowie der Verdacht auf ein Aspergillom der Lunge (Abb. C), aber keine Hinweise auf einen Primärtumor. Die Histologie bestätigte den malignen Charakter der Knoten. Spezialuntersuchungen deuteten am ehesten auf eine urotheliale oder hepatobiliäre Herkunft. Man entschied sich für eine palliative Strahlentherapie. Der Patient verstarb vier Monate später. Ein schnell wachsender Knoten der Haut ist malignomverdächtig. Hautmetastasen treten bei ca. 1–9% aller Patienten mit malignen Tumoren auf, am häufigsten bei Mamma-, Lungen- und Schilddrüsenkarzinomen. Bei kutaner Erstmanifestation stellen sich im weiteren Verlauf am häufigsten Niere, Lunge, Schilddrüse und Ovar als Ausgangspunkt heraus. A B C rz ä M . 9 e n il n o , 8 1 0 2 p e R sae C J M B ©


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S. Martin. Kohlenhydrate reduzieren — nicht Fett!, MMW - Fortschritte der Medizin, 2018, 35-35, DOI: 10.1007/s15006-018-0577-y