MikroRNAs als Biomarker für ein erhöhtes Typ-2-Diabetes-Risiko

Info Diabetologie, Apr 2019

Peter E. H. Schwarz

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MikroRNAs als Biomarker für ein erhöhtes Typ-2-Diabetes-Risiko

Info Diabetologie April 2019, Volume 13, Issue 2, pp 16–16 | Cite as Screening der Zukunft MikroRNAs als Biomarker für ein erhöhtes Typ-2-Diabetes-Risiko AuthorsAuthors and affiliations Peter E. H. Schwarz journal club First Online: 23 April 2019 18 Downloads Hintergrund und Fragestellung: Seit 2011 sind Mikro-RNAs (miRNAs) ein heißes Thema bei verschiedenen chronischen Stoffwechselerkrankungen. Insbesondere bei Diabetes versprechen sie interessante Einblicke in die Pathogenese. Es gibt Hypothesen, dass zum Beispiel die Leber insulinresistent wird und miRNAs ausschüttet, die dann wieder im peripheren Gewebe eine Insulinresistenz erzeugen. Stimmt das, wäre es interessant, solche miRNAs zu blockieren, um eine Ausbreitung der Insulinresistenz zu verhindern. Die andere Variante ist, dass das frühe Erkennen dieser iRNAs helfen könnte, Risikopersonen zu identifizieren. Genau dieser Frage stellten sich die Forscher um Rosa Jimenez-Lucena aus Cordoba, Spanien Patienten und Methoden: In der Studie wurden 462 Patienten untersucht, die eine normale Glukosetoleranz oder einen Prädiabetes hatten. Nach einer mittleren Beobachtungszeit von 60 Monaten entwickelten 107 einen Typ-2-Diabetes und 30 einen Prädiabetes neu. 223 Teilnehmer hatten zu Studienstart und -ende einen Prädiabetes und 78 waren über die Studiendauer nomoglykäm. Die Plasmaspiegel der miRNAs, die mit Betazellfunktion und Insulinsignaltransduktion zu tun haben, wurden mithilfe von RT-PCR bestimmt. Geprüft wurde der Zusammenhang zwischen den Veränderungen des Plasmaspiegels von miRNAs und jenen des Glykämiestatus. Open image in new window Mikro-RNAs wie dieser Strang kursieren nachweisbar im Blutplasma. © molekuul.be/stock.adobe.com Ergebnisse: Die miRNAs wurden in Tertilen (T1, T2, T3) eingeteilt und mit der Veränderung des Glykämiestatus assoziiert. Zu Beginn der Studie traten sowohl höhere Spiegel der miRNA 150 und der miRNA 30 A-5P als auch niedrigere Spiegel der miRNA 15 A und miRNA 375 bei Patienten auf, die später einen Typ-2-Diabetes entwickelten. Patienten mit hohen Spiegeln von miRNA 150 und 30 A-5P hatten einen niedrigeren Disposition-Index (p = 0,047 und p = 0,007). Das höchste Diabetesrisiko war mit den höchsten Spiegeln von miRNA 150 und 30 A-5P (4,2- und 2,5-fach) und den niedrigsten Spiegeln von miRNA 15 A und 375 (3,2- und 1,6-fach) assoziiert. Schlussfolgerung: MiRNAs sind ein sehr früher Prädiktor für Menschen mit einem hohen Diabetesrisiko und könnten zukünftig Teil eines Diabetes-Screenings sein. Kommentar von Prof. Dr. med. Peter Schwarz Zeichen für die beginnende Dekompensation des Systems Die miRNAs haben Potenzial. Wenn die Hypothese stimmt, dass zirkulierende miRNAs im Plasma eine Art Fingerabdruck für zelluläre Prozesse sind, können wir daraus etwas entwickeln, um Diabetes vorherzusagen. Wir wissen alle, dass der Diabetesdiagnose ein langes, diagnosefreies Intervall vorangeht, dem noch ein Intervall bis zur Entwicklung einer Insulinresistenz vorgeschaltet ist. Dass solche Stoffwechselprozesse enorme zelluläre Veränderungen nach sich ziehen, ist auch klar. Was lange als unrealistisch galt war, dass RNA-Bestandteile im Plasma zu finden sind. Das hat sich mit der Entdeckung der miRNAs — kleiner verkapselter RNA-Stränge im Plasma — geändert. Wenn man dieser miRNA nun als Teil von Stoffwechselprozessen in der Zelle nachweisen kann und diese dann auch im Plasma messbar sind, können wir diagnostisch damit vielleicht an die Wurzel der Entwicklung einer Insulinresistenz herankommen. Die Ergebnisse der aktuellen Studie weisen in diese Richtung. Es gibt zwei miRNAs, die lange vor Entstehen eines Diabetes (bis zu fünf Jahre) erhöht sind, und eine qualitative Aussage erlauben (je höher der Plasmaspiegel der miRNAs, desto höher das Diabetesrisiko). Aber auch umgekehrt funktioniert es. Zwei weitere miRNAs zeigen deutlich niedrigere Spiegel schon lange vor Beginn eines Typ-2-Diabetes, und auch hier ist die gleiche qualitative Aussage möglich. Neuronale Netzwerkstudien ergaben, dass chaotische Veränderungen von Bestandteilen eines biologischen Systems anzeigen, wenn das System zu dekompensieren beginnt. Könnten diese veränderten Spiegel von miRNAs ein solches frühes Anzeichen sein und damit einen qualitativ sehr wertvollen Prädiktor für Typ-2-Diabetes werden? Die Studie weist auf alle Fälle in diese Richtung. Ich denke, wir sollten die Erkenntnisse zu miRNAs intensiv verfolgen. Vielleicht ist eine dieser miRNAs oder die Summe von Veränderungen einer Gruppe dessen in Zukunft ein Diabetesprädiktor. Open image in new window Prof. Dr. med. Peter E. H. Schwarz Originalie Jimenez-Lucena R et al. A plasma circulating miRNAs profile predicts type 2 diabetes mellitus and prediabetes: from the CORDIOPREV study. Exp Mol Med 2018. 50(12): p.168.CrossRefGoogle Scholar Copyright information © Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019 Authors and Affiliations Peter E. H. Schwarz12Email author1.Med. Klinik IIITU DresdenDresdenDeutschland2.Paul Langerhans Institut Dresden, German Center for Diabetes ResearchDresdenDeutschland


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Peter E. H. Schwarz. MikroRNAs als Biomarker für ein erhöhtes Typ-2-Diabetes-Risiko, Info Diabetologie, 2019, 16-16, DOI: 10.1007/s15034-019-1468-8