Digitale Medizin – wie verändert sich Gesundheitsversorgung?

HNO, Apr 2019

M. P. Schönermark

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Digitale Medizin – wie verändert sich Gesundheitsversorgung?

HNO May 2019, Volume 67, Issue 5, pp 324–325 | Cite as Digitale Medizin – wie verändert sich Gesundheitsversorgung? AuthorsAuthors and affiliations M. P. Schönermark Einführung zum Thema First Online: 30 April 2019 36 Downloads Digital medicine—how is health care changing? Liebe Leserinnen und Leser, diese Ausgabe der HNO flankiert unter dem Leitthema „Digitale Medizin“ die diesjährige Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für HNO-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. In den dazu erscheinenden Beiträgen stehen keine wissenschaftlichen Studienergebnisse im Vordergrund, sondern es werden Themen in den Mittelpunkt gestellt, die einen Ausblick auf die zukünftige Berufswirklichkeit der in Klinik und Praxis tätigen HNO-Ärzte erlauben. Aus der Betrachtung und Analyse derzeitiger, durch digitale Technologien wie der künstlichen Intelligenz (KI) getriebener Veränderungen der klinischen Versorgung ziehen einschlägige Experten Schlussfolgerungen für die zu erwartenden zukünftigen Entwicklungen. Sie erlauben eine Ahnung, wie fundamental sich die klinische Medizin schon in wenigen Jahren ändern wird. Viele traditionelle Paradigmen für unsere Sozialisation als Hals-Nasen-Ohren-Ärzte geraten ins Wanken Naturgemäß sind einige Aspekte noch spekulativ, aber es wird deutlich, dass viele Paradigmen, die unsere Sozialisation als Hals-Nasen-Ohren-Ärzte traditionell bestimmt haben, zumindest ins Wanken geraten, wenn nicht sogar abgelöst werden. Insofern ist es fast konsequenter, schon von „Postdigitalisierung“ als noch von „Digitalisierung“ zu sprechen, die in vollem Gange ist, und die sich nicht aufhalten lässt. Vielmehr sind wir gefordert, möglichst konkrete Zielbilder zu entwickeln, wie wir die klinische HNO-Heilkunde zukünftig gestalten wollen, frei nach dem Motto: „you can wait for the future to happen, or you can shape it“. In dem Beitrag von Sonntag werden die grundsätzlichen Entwicklungszüge der KI in der Medizin zusammengefasst. Die Domäne der KI ist die Entscheidungsunterstützung, insbesondere bei der klinischen Diagnostik durch die Analyse digitalisierter Datensätze, aber zukünftig wohl auch bei der Priorisierung und Auswahl von therapeutischen Optionen. Der Autor weist allerdings darauf hin, dass noch sehr viel technologische Wegstrecke zurückzulegen ist, bis die KI ihr volles, für den Patienten segensreiches Potenzial im klinischen Alltag entfalten kann. Darüber hinaus muss die Ausbildung der Ärzte adjustiert werden, damit die Technologie sinnvoll angewendet werden kann. Nateqi führt in seinem Artikel vor Augen, was KI-unterstützte Diagnoseprogramme heute schon leisten können. Am Beispiel der verschiedenen zugänglichen Symptom-Checker erläutert er die prinzipiell zugrunde liegenden Algorithmen dieser Diagnosesysteme und führt anhand einer Benchmarking-Studie vor, mit welcher Präzision HNO-typische Diagnosen ausgehend von Symptomen durch die Rechenprogramme gestellt werden können. Es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, wie rasant diese Entwicklung fortschreiten wird. Da in der HNO-Heilkunde die meisten Daten ohnehin bereits digitalisiert vorliegen (z. B. Bildgebung oder audiologische Befunde), wird unser Fach sehr viel stärker von den Segnungen und Irritationen, die mit diesen Unterstützungsprogrammen einhergehen, betroffen sein als andere Fachdisziplinen. Auch in der operativen Medizin hält die KI und eine darauf basierende umfassende Digitalisierung immer mehr Einzug, wie der Beitrag von Meppelink beschreibt. Die schon kurz vor der Realisierung stehende Vision beinhaltet einen digitalen, voll integrierten OP, der Navigation, Planungssoftware und roboterbasierte Assistenzsysteme intelligent miteinander verbindet. Dies soll nicht nur zu einer höheren Effektivität, d. h. zu einem besseren Operationsergebnis, bei einer erhöhten Sicherheit für den Patienten führen, sondern auch die Effizienz des Eingriffs erhöhen, indem der Kopf-Hals-Chirurg schneller und gezielter arbeiten kann. Es ist leicht vorstellbar, dass mithilfe dieser Technologien Eingriffe möglich werden, die bis heute, aufgrund des hohen Risikos oder des zu erwartenden großen Defekts, als nicht durchführbar gelten. Im Beitrag von Neumann et al. wird der Blick schließlich auf die Gesamtorganisation Krankenhaus gelenkt. Die Autoren weisen darauf hin, dass mit der Digitalisierung nicht nur wie im OP Effizienz- und Effektivitätspotenziale gehoben werden können, sondern dass die Voraussetzung dafür eine Anpassung, wenn nicht sogar eine grundlegende Veränderung des Geschäftsmodells ist. Das bedeutet, dass sowohl die Kultur als auch die Kernprozesse eines Krankenhauses unter digitalen Bedingungen neu zu definieren sind, was in einer traditionell strukturkonservativen Branche eine große Herausforderung darstellt. Insgesamt lassen die 4 Beiträge dieses Schwerpunkthefts, die sich mit den praktischen Aspekten der Digitalisierung in der Medizin beschäftigen, eine Ahnung zu, wie und in welchen Sektoren der HNO-ärztlichen Tätigkeit sich die klinische Handlungswirklichkeit signifikant verändern wird. Wir alle tun gut daran, uns proaktiv diesen Herausforderungen zu stellen. Insbesondere sollten wir unseren ärztlichen Nachwuchs adäquat auf die Herausforderungen vorbereiten und ermuntern, die immensen Chancen, die in der Digitalisierung schlummern, beherzt zum Nutzen unserer Patienten zu verwirklichen. Univ.-Prof. Dr. med. Matthias P. Schönermark Notes Interessenkonflikt M.P. Schönermark gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht. Copyright information © Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019 Authors and Affiliations M. P. Schönermark1Email author1.SKC Beratungsgesellschaft mbHHannoverDeutschland


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M. P. Schönermark. Digitale Medizin – wie verändert sich Gesundheitsversorgung?, HNO, 2019, 324-325, DOI: 10.1007/s00106-019-0650-6