Untersuchungen über die Verbreitung der Heringslarven im Englischen Kanal und der südlichen Nordsee im Januar 1959

Helgoland Marine Research, May 2019

Auf 177 Stationen, die über die Nordsee südlich 55° N und den Englischen Kanal verteilt waren, wurde im Januar 1959 das Vorkommen von Heringslarven untersucht. Die Fänge wurden mit einem als „Hai“ bezeichneten, in einigen Einzelheiten abgewandelten Gulf III-Sampler nachGehringer durchgeführt. Unter langsamen, kontinuierlichen Fieren und Hieven des Gerätes (0,4 bzw. 0,25 m/sec bei 6 kn Fahrt) konnten bei Schräghols alle Wasserschichten hinreichend gleichmäßig durchfischt werden. Bei günstigen Ablesebedingungen liefert die Angabe von Drahtwinkel und Trossenlänge im flachen Wasser der südlichen Nordsee brauchbare Werte für die Schlepptiefe. Die Menge des filtrierten Wassers wurde sowohl aus dem Öffnungsquerschnitt des „Hai“ als auch aus Strommesserangaben berechnet. Im Mittel stimmen beide Werte gut überein. Sie bilden die Grundlage für die Berechnung der Larvenzahl unter 1 m2 Meeresoberfläche Die Verbreitung der Heringslarven Mitte und Ende Januar 1959 ist in den Karten Abb. 5 und 6 wiedergegeben. Das Auftreten von 5 räumlich voneinander getrennten und durch die Größenverteilung unterschiedenen Larvengruppen wird kurz beschrieben. Eine Diskussion der Resultate im Hinblick auf die Herkunft und Volksstärke der einzelnen Larvengruppen, auf ihre Verfrachtung, Ausbreitung und Verlustrate sowie auf das Individualwachstum soll in Verbindung mit der Darstellung der Ergebnisse britischer und holländischer Forschungsfahrten demnächst andernorts gegeben werden.

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Untersuchungen über die Verbreitung der Heringslarven im Englischen Kanal und der südlichen Nordsee im Januar 1959

U n t e r s u c h u n g e n fiber die V e r b r e i t u n g der H e r i n g s l a r v e n im Englischen Kanal u n d der sfidlichen N o r d s e e im J a n u a r 1959 Von G o t t h i l f H e m p e l Aus der BiologischenAnstalt Helgoland (Mit I Zahlentafelund 6 Abbildungen) Hauptaufgabe der Forschungsfahrt von FFS ,Anton Dohrn" vom 5. bis 30. Januar war die grof~r~iumige Erfassung der Heringsbrut in der Nordsee sfidlich 55o N und im gesamten Englischen Kanal. Nach britischem und holl~indischemVorbild wurde auf dieser Fahrt eine Planktonrghre nach GEHRINGER (1952) zum Fang der Heringslarven verwendet. Die vortiegende Mitteilung soll sich auf die Darstellung der Fangmethode und der mit ihr erzielten Ergebnisse beschr/inken. Eine Diskussion der hier gebotenen Verbreitungskarten und R/ickschliisse auf die Bedeutung der einzelnen Laichpl~itze, die Individualentwicklung und den Transport der Larven soll einer gemeinsamen VerSffentlichung der Ergebnisse der englischen, holl~indischen, schottischen und deutschen Forschungsfahrten des Winters 1958/59 vorbehalten bleiben. Durch diese Fahrten sollte die Verbreitung der verschiedenen im Sp/itherbst und Winter in der s/idlichen Nordsee und im Ostteil des Englischen Kanals schlfipfenden tarvenpopulationen fiber 1/ingere Zeit verfolgt werden. Die Untersuchungen waren auf~erdem im Hinblick auf die Frage nach den Verfinderungen in den Heringsbest/inden der s//Idlichen Nordsee geplant. Es galt festzustellen, ob sich die Lage und die Bedeutung der Laichpl~itze im Untersuchungsgebiet gegenfiber der Vorkriegszeit wesentlich ge~ndert haben. Die Ergebnisse der Fahrten, die in jenen Jahren von den deutschen und englischen Forschungsschiffen ,,Poseidon", ,,George Bligh" und ,Makrele" ausgeffihrt wurden, sind yon BOCKMANN1951 zusammengefai~t worden. Ahnli& umfangreiche Untersuchungen fiber die Heringslarven in der sSdlichen Nordsee und im Kanal konnten bis 1958 nicht wieder durchgeffihrt werden Die deuts&en Fahrten erfaf~ten die Situation jeweils nur in den Frfihjahrsmonaten, audl blieben sie auf die s/idliche Nordsee oder einzelne ihrer Teilgebiete beschr/inkt: ,,Gauss": M~irz1952, M~irz1953, M~irz19.55;,,Uth6rn", ostfriesischeKiiste: April 19,52, April 1953, M/irz/April 1955; ,,Anton Dohrn": M/irz 1955, April 1956. Darstellung der Ergebnissebei BOCKMA~N1954,BOHL1954,BOCKMANNU.HE~JPEL1953, 1957. Von englischen und holl/indischen Forschungsschiffen wurden in den letzten Jahren mehrfach kurze Forschungsfahrten in die Umgebung der Lai&1) Herrn Prof. Dr. A. Bfickmannzum 60. Geburtstaggewidmet. - Bd. VII, H. 2: G. Hempel, Untersuchungen fiber die Verbreitung der Heringslarven 73 pI/itze des 6stlichen Kanals und in die sfidliche F1/imische Bucht unternommen, die ganz oder teilweise der Erfassung der Heringsbrut dienten. Bisher sind nur einige Verbreitungskarten yon diesen Fahrten publiziert worden (SIMPSON 1948, 1949). Der HamburgischeForschungsrat, die Nieders~chsischeLandesregierung und die Deutsche Wissenschaftliche Kommission ffir Meeresforschung haben durch die Bereitstellung yon Sachmitteln den Bau mehrerer PlanktonrShren, die Anschaffung yon Scherffigen und anderen Hilfsmitteln ermSglicht. Das DeutscheHydrographische Institut lieh uns einen Tiefenschreiber. Zu grogem Dank sind wir ferner Herrn J. J. Zijlstra und dem Rijksinstituut voor Visserij Onderzoek, Ijmuiden fiir die 12berlassung yon Konstruktionszeichnungen und vielfache Beratung verpflichtet. Auch durften wir zeitweise einen Strommesser des genannten Instituts in unsere PlanktonrShre einbauen. Dr. G. Glover, Scottish Marine Biological Association, Edinburgh, vermittelte uns den Ankauf der Scherffit~e. 1. V e r l a u f d e r F a h r t u n d h y d r o g r a p h i s c h e S i t u a t i o n Aus den hydrograph. Karten Abb. 1 u. 2 ist das Stationsnetz der Fahrt zu ersehen. Die Fahrt gliedert sich in zwei Abschnitte: Die Hauptgebiete des Larvenvorkommens in der F1/imischen Bucht und im 5stlichen Kanal wurden zweimal erfaflt, am 13.--16. 1. und am 26.--28. 1. 1959. W/ihrend dieser T a g e begfinstigte ruhiges W e t t e r die Untersuchungen. Es wurde oftmals nicht nach einem starren Stationsprogramm gearbeitet, sondern durch Stichfahrten und zus~tzliche Stationen versucht, die Grenzen der einzelnen Larvenvorkommen mSglichst klar zu umreigen. Zwei N-S-Scbnitte im Englischen Kanal bei 20 W und 50 W, sowie eine Reihe yon Ffingen unter der englischen Kfiste, an der Kfiste der Normandie und in der Keltischen See sollten u. a. der Feststellung dienen, ob in diesen z. T. fischereibiologisch weniger gut untersuchten Gebieten Heringslarven in nennenswerter Menge vorkommen. Diese Suche war praktisch vergeblich. Die Masse der an der Sfidkfiste Irlands abgelegten Heringsbrut scheint am 24. Januar noch nicht geschlfipft gewesen zu sein. Die hydrographische Situation wurde durch ein enges Beobachtungsnetz erfat~t. W i e im W i n t e r nicht anders zu erwarten, herrschte aut~erhalb der Kfistengebiete Homogenit/it bezfiglich der vertikalen Temperatur- und Salzgehaltsverteilung. Es genfigt daher, hier die von Dr. ROGALLA gezeichneten Karten der Verteilung yon Temperatur und Salzgehalt am Boden wiederzugeben (Abb. 1 u. 2). In der F1/imischen Bucht f/illt die weite Ausdehnung des Kfistenwassers vor den Kfisten Belgiens und Hollands, sowie der abgeschnfirte Kern salzreichen, warmen Kanalwassers auf. Ein solches vom W i n d bestimmtes, schubartiges Vordringen atlantischer Wassermassen durch die Strage von Dover ist u. a. auch auf den Frfihjahrs-Fahrten der ,,Gauss" beobachtet worden. 2. M e t h o d e Quantitative Proben von Heringslarven verschiedenen Alters zu gewinnen, bereitet erhebliche Schwierigkeiten. In den letzten Jahren hat sich daffir die Verwendung des von GEnRINGF.R (1952) entwickelten Gulf III-Sampler auch in Europa durchgesetzt, der vom fahrenden Schiff aus mit Hilfe eines ScherkSrpers in die gewfinschte Wassertiefe gebracht wird. Eingehende Untersuchungen fiber die Fangeigenschaften dieses Gerfites hat BRIDGER(1956, 1958) angestellt. Das Ger~it erfaflt die filteren, aktiveren Heringslarven besser als 4 o toE; / - 10,5 2 ? I \ 4 ~ J o / / / o 15,5 ^ / o 6 ? f 0 ? 2 o ? Abb. 1. Wassertemperatur in Bodennfihe, Januar 1959 8 ? 8" 52 ? _ _ J 6 o 2o 0 ? 2 o Abb. 2. Salzgehalt de s Bodenwassers, Januar 1959 4 o 6 o o Helgolfinder Wissenschaftliche Meeresuntersuchungen Abb. 3. Der ,,Hai" mit kalifornischem ScherfuB. In dem vorn zugespitzten Hohlzylinder befindet sich ein herausnehmbares Leichtmetallgest~inge, in dem das 1,4 m lange, konische Netz mit Becher zum Sammeln des Fanges befestigt ist. Hinter dem Netz ist der Strommesser angebra~t. mit der PlanktonrShre gearbeitet werden. Bis Windstfirke 6 wird beim Fang der jeweils anliegende Schiffskurs beibehalten. Nur bei st~irkerem Seegang muB das Schiff vor dem Wind fahren, um die ruckweise Beanspruchung der Schlepptrosse zu mildern. Die yon uns verwendeten und als ,Hai" bezeichneten Modifikationen des Gulf III-Sampler (Abb. 3) weichen n u t in wenigen, fiir die F~ingigkeit unwesentlichen Einzelheiten von dem holl~indischen Gerfit ab, dessen Konstruktionszeichnungen ihrem Bau zugrunde lagen: Beim ,,Hal" faint die Aufhfingung an beiden Seiten des Ger~ites anstatt oben in der Mitte, und auch der ScherfuB, der nadl dem kaliforni schen Vorbild (AHLSTROMet al., 1958 Fig.14) angefertigt wurde, hiingt an zwei Trossen statt an einer. Die Halterung des Netzes nn SchleppkSrper ist beim ,,Hal prlmlt ver ats be1 dem hollandlschen Gerat. Der SchleppkSrper des ,Hal" besteht aus verzinktem und gestrichenem Eisenblech, er ist dadurch erheblich schwerer als die Aluminiummodelle. Das Netzgest~inge ist aus Aluminium, die Netzgaze aus Phosphorbronze~) gefertigt. Beziiglich der Maschenweite (15,5 Maschen pro Zentimeter) und der EintrittsSffnung ffir das zu filtrierende Wasser (~3 18--19 cm) besteht 13bereinstimmung mit dem holl~indischen Ger~it. Ffir die F~inge in der Flfimischen Bucht und im Englischen Kanal konnten wir einen holl~ndischen Strommesser verwenden, mit dessen Hilfe Vergleichs2) Beim 1/ingeren Gebrauch des ,,Hal" erwies sich die Phosphorbronze als wenig geeignet. Durch Grfinspan und darauf haftendes Plankton setzt sich die Gaze schnell dicht, was bei den aus Monelgaze gefertigten Netzen nidlt auftreten soll. werte fiber die Menge des bei jedem Hol durchfischten Wassers gewonnen wurden. Um Vergleiche mit den friiheren Vertikalfringen durchfiihren zu kSnnen, muB der ,,Hal" alle Wasserschichten mSglichst gleichmriBig durchfischen. In Versuchen ergab sich, dab dies unter den technischen Gegebenheiten von FFS ,Anton Dohrn" am besten gewrihrleistet ist, wenn das Gerrit bei konstanter Fahrt des Schiffes mgglichst langsam gefiert und unmittelbar darauf wieder langsam gehievt wird, sobald man das Gerfit in der gewiinschten Tiefe, d.h. meist in Bodennrihe vermutet. Die durchschnittliche minimale Fiergeschwindigkeit betr/igt bei der verwendeten Winde etwa 0,4 m/sec, die Hievgeschwindigkeit ca. 0,25 m/sec. In den meisten Frillen wurde bei 5,9--6,1 kn Fahrt des Schiffes gefischt, nur einige Fringe wurden wegen grober See bei 4 oder 5 kn Fahrt gemacht. Die Fahrtstufe des Schiffes war jeweils beim Hieven und Fieren des Gerrites die gleiche, die Fahrt des ,,Hai" durchs Wasser betrug demnach beim Fieren etwa 5 kn, beim Hieven dagegen 61/2 kn. Versuche mit einem Tiefenschreiber ergaben, dab bei diesem Verfahren weder die oberen noch die tieferen Wasserschichten bevorzugt befischt werden, einheitliche Stromverhriltnisse in allen Wasserschichten vorausgesetzt. In folgender Tabelle sind die Zeiten ffir die einzelnen 5-m-Tiefenstufen von 0--35 m aus einem solchen Versuch aufgetragen, bei dem die mittlere Fiergeschwindigkeit 0,43 m/sec, die Hievgeschwindigkeit 0,24 m/sec betrug. Verweildauer (Minuten) des ,,Hal" in den einzelnen Tiefenstufen (Abb. 4) Tiefenstufe Einige Unsicherheit bestand bei der Abschritzung der erreichten Schlepptiefe, die aus dem Drahtwinkel und der jeweils ausgesteckten Trosse (O 8 ram) errechnet wurde. Die Messung des Drahtwinkels war besonders bei unruhiger See, bei Nacht und wenn der ,,Hal" nicht genau achteraus stand, ungenau. Um eine Bodenberfihrung yon ScherfuB und ,,Hai" zu vermeiden, wurde in solchen Frillen weniger Trosse gesteckt, als auf Grund des Drahtwinkels erforderlich gewesen wrire, um den ,,Hai" in Bodennrihe zu bringen. Die bodennahen Wasserschichten wurden daher wahrscheinlich in vielen Frillen nicht erreicht. Eine Zusammenstellung der fiir die einzelnen Stationen errechneten Schlepptiefen ist in der Tabelle der Fangergebnisse (Zahlentafel 1) enthalten. Spritere Versuche zeigten, daB zumindest in den oberen 35 m (Megbereich des verwendeten Tiefenschreibers) die aus dem Drahtwinkel berechneten Schlepptiefen recht gut mit den vom Tiefenschreiber registrierten fibereinstimmten (Abb. 4). Lediglich beim Hieven steht die PlanktonrShre anscheinend etwas tiefer, als sich aus dem Drahtwinkel errechnen triBt. Diese Versuche wurden allerdings bei ruhigem Wetter und unter g/instigen Megbedingungen durchgeffihrt~). ~) Anm. b. d. Korr.: Neuerdings verwenden wir bei jedem Fang einen Tiefenschreiber (Met~bereida 0--70 m). 0 c:3,. 2" c 3 ? , 2" o o e ='P =. Q o ~ ? ?IF//~ o : M i t t e J a n u a r 1959 0 ? 2* A b b . 5. V e r b r e i t u n g d e r H e r i n g s l a r v e n 4 ? M i t t e J a n u a r 1959 6 " 8 o ? ~ i o o - - 54 ? Helgotfinder WissenschaftlidaeMeeresuntersuchungen In Zahlentafel 1 sind die Fangergebnisse als Stiickzahl der Heringslarven in den einzelnen Millimetergruppen angegeben. U m diese W e r t e in Fang/m -~ umrechnen zu k6nnen, muflte ffir jeden Fang die Menge des filtrierten Wassers bekannt sein. Die Schleppstrecke wurde aus der Fahrtgeschwindigkeit und der ? ./ j~20 40 ? 1 1 $chleppzeit 14 0 2 4 6 8 1 20 22 Minuten Abb. 4. Der Schleppwegdes ,,Hai" bei 6 kn Fahrt des Schiffes. x--x---x errechnet aus Drahtwinkel und Trossenlange o-o-o gemessenmit Druckschreiber Mittlere Fiergeschwindigkeit 0,43 m/sec mittlere Hievgeschwindigkeit 0,24 m/sec Schleppdauer vom Eintauchen des anfangs auf der Wasseroberflfiche schwimmenden ,,Hai" bis zu seinem Wiederauflauchen berechnet und zum Vergleich das Log des Schiffes, das die zurfickgelegte Distanz auf 1/io sm genau angibt, notiert. Beide Werte stimmten meist sehr gut fiberein. Au s BRmGERS Versuchen (1958 ) ergibt sich, dab der Filtrationswiderstand des Netzes die Menge des bei 5,8 kn Fahrt dutch die Planktonr6hre fliel~enden Wassers nicht beeinfluBt, wenn die Einstrom6ffnung der Rfhre auf etwa 20 cm Durchmesser bei 50 cm R6hrenlumen verjfingt ist. W i t k6nnen daher annehmen, dab vor der 18 cm weiten Offnung des ,,Hai" weder ein nennenswerter Stau, noch ein starker Sog auftreten, wenn das Netz mit 6 kn Fahrt geschleppt wird. Die durchfischte ~vVassermasse hat demnach einen Querschnitt yon etwa 0,025 m e, auf 1 sm Schleppstrecke werden 4 7,0 m 3 Wasser durchfischt. Entsprechend wurde ffir jede Station die durchfischte ~ a s s e r m a s s e berechnet und diese Zahl zur Wassertiefe, d. h. der Wassermasse unter 1 m e Oberfl~che in Beziehung gesetzt. So ergab sich der Faktor ffir die Umrechnung des Gesamtfanges auf die Bestandsdichte unter 1 m 2 Wasseroberfl~iche. Bei dem yon uns angewendeten Verfahren der kontinuierlichen S&r~ighols lagen die Umrechnungsfaktoren meist zwischen 0,5 und 1. Im Gegensatz zu Verfahren, die direkt die durch das Gerfit str6mende Wassermenge messen, ffihrt die bier beschriebene Berechnungsmethode zu falschen Ergebnissen, wenn sich der Filtrationswiderstand des Netzes durch Verkleben der Maschen stark erh/Sht oder wenn in tieferen Wasserschichten abweichende Stromverhfiltnisse herrschen. Eine bessere Mfglichkeit zur Bestimmung der durchfischten Wassermenge bietet daher ein Strommesser. Nach den yon ZIJLSTRA (briefliche Mitteilung) aufgestellten und neuerdings revidierten Eichwerten entspricht 1 Umdrehung des in den ,,Hal" eingebauten Strommessers etwa 0,17 m 3 durchfischten Wassers. Ffir 1 sm (nach Schiffslog) errechneten sich als Mittel von 102 F~ngen 298,5 Umdrehungen, das entspricht nach der angegebenen Eichung 48,6 m 3 durchfischten Wassers. Die aus dem Offnungsquerschnitt und aus den Zfihl In denjenigen F/illen, in denen das Bodenwasser vom ,,Hai" nicht erfat~t wurde (s. o.), birgt die Umrechnung des Fanges auf die Wassersfiule unter 1 mseine grot~e Unsicherheit, da nicht bekannt ist, ob die bodennahen Wasserschichten die gleiche Besiedlungsdichte aufweisen wie die befisehten Schichten. Bei Fischbrutuntersuchungen fiber grogen Meerestiefen bietet sich die Umrechnung nach der Schlepptiefe an, die meist der angenommenen unteren Verbreitungsgrenze der Fis&brut (50--100 m) entsprechend gew/ihlt wird. Die Umrec~nung auf die Wassertiefe wSrde hier irreffihrende Umrechnungsfaktoren ergeben. E r g e b n i s s e Die Fangergebnisse, umgerechnet auf die Anzahl der Heringslarven unter 1 m 20berfl/iche, sind ffir die 1. und 2. Teilfahrt getrennt in A b h 5 und 6 dargestellt. Dazu wurde das Material nach 5-cm-Lfingengruppen eingeteilt. Die Mage beziehen sich auf mit Formalin konserviertes Material, die L a r v e n sind also etwas geschrumpft. Gemessen wurde die Totall/inge v o n d e r Schnauze bis zur Schwanzspitze. U m einen Vergleich mit den neueren ausl~ndischen Ver5ffentlichungen zu ermgglichen, ist in Zahlentafel 1 auch eine Einteilung nach Entwicklungsstadien, wie sie BRIDGER (1956) anhand der Resorption des Dottersackes und der Ausbildung der Flossen beschrieben hat, wiedergegeben. Anhand ihrer Verbreitung und ihrer KSrperl/inge konnten insgesamt 5 Gruppen yon Heringslarven im Untersuchungsgebiet unterschieden werden. 1. Isoliert yon den Larven der F1/imischen Bucht wurden auf der ersten und zweiten Kreuzfahrt nSrdlich 540 N einzelne, meist groge Larven yon 16 his 33 mm Kgrperl/inge gefangen. Die Zahl der Larven pro m -~betrug nur 2 bis 3. Die Heringslarven hatten die Deutsche Bucht im J a n u a r offenbar noch nicht erreicht. 2. Die ngrdlichen Vorl/iufer der groflen Larvenpopulation in der F1/imischen Bucht standen Mitte J a n u a r im Kanalwasser querab Ijmuiden. W i e bei der ganzen Population herrschten hier Tiere yon 15--19 mm Totallfinge vor. F/inge am Ostrand des salzreichen, warmen Wassers waren um diese Zeit noch vergeblich. Die Hauptmasse der Larven, bis ca. 70 Tiere/m 2 stand vor Seeland aut~erhalb des Kfistenwassers (mittlere L/inge 17,1 ram). Der Westteil der Flfimischen Bucht war ganz frei von Heringslarven. 14 T a g e sp~iter waren die Larven ins hollfindische Kiistenwasser bei Ijmuiden eingedrungen und im Kfistenstrom weir nach Norden verfrachtet worden. Durch Stichfahrten konnte festgestellt werden, dag vor Texel die Verbreitung der Larven auf das Kfistenwasser beschr/inkt war und dab am 28. 1. die ersten Larven die Gewfisser vor Terschelling erreicht hatten. W~ihrend die vor Seeland konzentrierten Larven am 26. J a n u a r im Mittel etwa 19 mm lang waren, magen die im Kiistenwasser gefangenen Vort/iufer fast ausschliet~lich fiber 20 mm. Die mittlere Lfinge beim Gros der Larven, das sich nach Nordosten ausgebreitet hatte, lag nun bei 19,8 ram. 3. Im nordSstlichen Kanalausgang wurde eine dritte Gruppe yon L a r v e n beobachtet, deren Bestandsdichte etwa 30 Tiere/m 2 betrug. Die mittlere L/inge lag Mitte Januar bei 15,9 mm, d.h. nur wenig niedriger als bei der vorgenannten Gruppe. Ende Januar standen diese Larven anscheinend vor Seeland und batten Anschlug an die ngrdlichere Gruppe (Gr. 2) gefunden. Helgol/inderWissenschaftlicheMeeresuntersuchungen Die Heringslarven, die in groger Zahl (bis 70 Tiere/m2) im 5stlichen Kanal gefangen wurden, scheinen zwei Laichakten zu entstammen: 4. Die nSrdlich 500 20'N gefangenen Larven waren meist > 15 mm (2 = 16,6 ram). Auf dem 2. Teil der Reise wurden diese Larven nicht als selbst/indige Gruppe beobaehtet. Vielleicht standen sie um diese Zeit nahe der Kfiste bei Calais, einige mSgen auch der folgenden Gruppe beigemis&t gewesen sein. 5. Die Mitte Januar sfidlich und westlich dieser Gruppe angetroffenen Heringslarven waren bedeutend kleiner (2 = 11,5 mm), Dottersacklarven wurden jedoch auch hier nicht gefangen. Die Verbreitung dieser jungen Larven war Ende Januar wenig einheitlich, einige yon ihnen standen im 5stlichen Kanal, eine reichere Ansammlung in der Strage yon Dover, dort betrug die Durchsehnittsl/inge der Larven 14,3 mm. Die Verbreitung der Heringslarven hatte ihre scharfe Westgrenze am 0-Meridian, die englische Seite des Kanals war auch 5stlich davon frei yon Heringslarven. Die Wiederholung der Aufnahme nach etwa 14 Tagen dureh eine zweite Kreuzfahrt erlaubte nicht nur Rfickschlfisse auf den Transport der Heringslaryen, sondern lieferte auch einige Anhaltspunkte fiber das Wachstum der Laryen bei 7--9 o C. Fiir die Hauptmasse der Larvengruppe 2 errechnet sich ein Zuwachs von 2,7 mm, ffir die Larvengruppe 5 ein solcher von 2,8 mm. Diese Zuwachsraten stimmen mit den yon BOCKMANN 1951 beschriebenen fiberein, der einen monatlichen Zuwachs yon 2--6 mm feststellte. Allerdings ist nicht ausgeschlossen, dag Ende Januar den genannten Gruppen Tiere der Gruppen 3 bzw. 5 beigemischt waren. Das wfirde bedeuten, dag wir bei Larvengruppe 2 den Zuwachs unterschritzen, bei Gruppe 5 aber fiberschritzen. Wie eingangs hervorgehoben, erhalten die Ergebnisse der Januar-Reise fiber die Durchsehnittsl/ingen und die Verbreitungsgebiete ihre volle Bedeutung erst, wenn sie mit den Befunden der anderen Forschungsfahrten, auf welchen die Situation wrihrend und unmittelbar nach der Laichzeit erfat;t wurde, kombiniert werden kgnnen. Z u s a m m e n f a s s u n g Auf 177 Stationen, die fiber die Nordsee sfidlich 55o N und den Englischen Kanal verteilt waren, wurde im Januar 1959 das Vorkommen yon Heringslarven untersucht. Die Fringe wurden mit einem als ,,Hai" bezeichneten, in einigen Einzelheiten abgewandelten Gulf III-Sampler nach GEHRINGER durchgeffihrt. Unter langsamen, kontinuierlichen Fieren und Hieven des Gerrites (0,4 bzw. 0,25 m/sec bei 6 kn Fahrt) konnten bei Schrrighols alle Wasserschichten hinreichend gleichmrifiig durchfischt werden. Bei gfinstigen Ablesebedingungen liefert die Angabe yon Drahtwinkel und Trossenl/inge im flachen Wasser der siidlichen Nordsee brauehbare Werte ffir die Schlepptiefe. Die Menge des filtrierten Wassers wurde sowohl aus dem t~ffnungsquerschnitt des ,,ttai" als auch aus Strommesserangaben berechnet. Im Mittel stimmen beide Werte gut iiberein. Sie bilden die Grundlage ffir die Berechnung der Larvenzahl unter 1 ms Meeresoberflriehe Die Verbreitung der Hering slarven Mitte und Ende Januar 1959 ist in den Karten Abb. 5 und 6 wiedergegeben. Das Auftreten yon 5 r/iumlich vone i n a n d e r g e t r e n n t e n u n d durch die G r 6 g e n v e r t e i l u n g u n t e r s c h i e d e n e n L a r v e n Eine Diskussion der R e s u l t a t e i m Hinblick a u f die H e r k u n f t u n d V o l k s st/irke der einzelnen L a r v e n g r u p p e n , a u f ihre V e r f r a c h t u n g , A u s b r e i t u n g u n d V e r l u s t r a t e sowie a u f das I n d i v i d u a l w a c h s t u m soll in V e r b i n d u n g m i t der D a r s t e l l u n g der E r g e b n i s s e britischer u n d holI/indischer F o r s c h u n g s f a h r t e n demnfichst a n d e r n o r t s g e g e b e n werden. T h e distribution of the h e r r i n g l a r v a e in the s o u t h e r n N o r t h Sea a n d the T h e distribution of h e r r i n g l a r v a e a c c o r d i n g to t h e i r l e n g t h a n d t h e i r stage of d e v e l o p m e n t is s h o w n in table 1 a n d in two m a p s . A discussion will be g i v e n l a t e r in connection w i t h the results of Dutch a n d Briti sh cruises in N o v e m b e r 1958 to F e b r u a r y 1959. 2$0 H e r i n g s t a r v e n ~ - 9 m m m 0 - 14 m m 15 - 19 m m 2 0 - 24 m m [ ] > 2 5 m m o k e i n e L a r v e n g r u p p e n w i r d kurz beschrieben . S u m m a r y E n g l i s h C h a n n e l was i n v e s t i g a t e d in J a n u a r y 1959 d u r i n g a cruise of R V ,,Anton D o h r n " . T h e sampIes w e r e t a k e n b y oblique h a u l s of a modified G u l f I I I - S a m p l e r (,,Hai" ). T h e technique of h a n d l i n g the g e a r a n d of c a l c u l a t i n g the n u m b e r of l a r v a e p e r m 2 is described in full. Tests b y m e a n s of a d e p t h r e c o r d e r s h o w e d two results: 1. U p to 20 f a t h o m s at least all s t r a t a h a v e b e e n fished e q u a l l y b y a continuous slow s h o o t i n g a n d h a u l i n g the s a m p l e r . 2. T h e L i t e r a t u r v e r z e i c h n i s 1, A h l s t r o m , E . H., J. D. I s a a c s , J , R. T h r a i l k i l l , L. W. K i d d , 1958 : High-speed plankton sampler . U.S. Dept. Int., Fish WildI. Serv. Fish. Bull . 132 . 2. B o h l , H. J., 1954 : (Herring): Larvae in the Southern North Sea and the German Bight during March 1953 . Cons. perm. Inteln. Explor. Mer, Ann. Biol. 10 , 151 -- 152 . 3. B r i d g e r , J. P., 1956 : On Day and Night Variation in Catches of Fish Larvae . J. Cons. perm. Intern. Explor. Mer 22 , 42 -- 57 . 4. B r i d g e r , J. P., 1958 : On efficiency tests made with a modified Gulf III High-Speed Tow-Net . J. Cons. Intern. Explor. Mer 23 , 357 -- 365 . 5. B f i c k m a n n , A ., 1951 : Die Untersuchungen der Biologischen Anstalt fiber die Okologie der Heringsbrut in der sfidlichen Nordsee. I. Helgol . Wiss. Meeresunters. 3 , 1 -- 57 . 6. 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Gotthilf Hempel. Untersuchungen über die Verbreitung der Heringslarven im Englischen Kanal und der südlichen Nordsee im Januar 1959, Helgoland Marine Research, 72, DOI: 10.1007/BF01613236