Liquor-NGS unterstützt die Serologie bei der Suche nach dem Erreger

InFo Neurologie & Psychiatrie, Sep 2019

Matthias Maschke

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Liquor-NGS unterstützt die Serologie bei der Suche nach dem Erreger

InFo Neurologie & Psychiatrie September 2019, Volume 21, Issue 9, pp 28–28 | Cite as Metagenomisches Next-generation Sequencing (NGS) bei Meningitis und Enzephalitis Liquor-NGS unterstützt die Serologie bei der Suche nach dem Erreger AuthorsAuthors and affiliations Matthias Maschke journal club First Online: 23 September 2019 19 Downloads Fragestellung: Diese Multicenter-Studie untersuchte, ob das metagenomische Next-generation Sequencing (NGS) des Liquors geeignet ist, den Erreger einer Meningitis oder Enzephalitis zu identifizieren. Hintergrund: Bei Patienten mit einer akuten Meningitis oder Enzephalitis ist die Suche nach dem auslösenden Erreger häufig frustran. Nach neueren Studien bleibt trotz moderner PCR-Techniken in 29–60 % der Fälle das auslösende Agens unerkannt. Dabei ist die rasche Identifikation des Erregers kritisch für die Auswahl der richtigen Behandlung, zur Einschätzung der Prognose und zur Verhütung einer Ausbreitung des Erregers auf Gesunde. Für das metagenomische NGS wird aus dem Liquor DNA und/oder RNA extrahiert. Mithilfe von Millionen bekannter humaner Nukleotidsequenzen kann dann der humane Anteil herausgefiltert werden. Die im Liquor verbleibende DNA/RNA kann mit großen Gendatenbanken verglichen werden, um darüber den pathogenen Keim zu identifizieren. In kleineren Fallserien konnte der Nutzen dieser Methode bereits gezeigt werden [1]. Patienten und Methodik: In den USA wurde über die Dauer von einem Jahr eine prospektive Multicenterstudie mit der Frage nach der Effektivität des NGS gegenüber konventionellen Methoden an 204 konsekutiven Patienten mit Enzephalitis und Meningitis durchgeführt. Zudem wurde evaluiert, ob der Einsatz des NGS einen Einfluss auf den klinischen Verlauf hatte. Das mittlere Lebensalter der eingeschlossenen Patienten betrug 39,6 Jahre, 64 % der Patienten hatten eine Enzephalitis und 41 % waren immunsupprimiert (10 % HIV-positiv, 7 % organtransplantiert, 7 % Chemotherapie). Ergebnisse: Insgesamt wurden bei den 204 Patienten 58 spezifische Infektionen (27,9 %) nachgewiesen. Bei diesen 58 Infektionen wurden 13 (22 %) nur mittels Liquor-NGS identifiziert. Die Identifizierung bei diesen 13 Patienten führte in sieben Fällen zu einer Änderung der Therapie. Andererseits wurden 26 der 58 Infektionen nicht mittels NGS erkannt, sondern über serologische Untersuchungen aus dem Liquor oder Untersuchungen aus anderem Material außer Liquor. Infektionen, die ausschließlich über Liquor-NGS diagnostiziert wurden, waren unter anderem das St.-Louis-Enzephalitis-Virus (SLEV), das Hepatitis-E-Virus und Streptococcus agalactiae. Andere Keime, bei der explizit die serologische Testung negativ war, aber das Liquor-NGS positiv ausfiel, waren Neisserien, Nocardia farcinica, Candida tropicalis, Klebsiella aerogenes, Streptococcus mitis und Enterococcus faecalis. Schlussfolgerungen: Die Autoren stellten fest, dass die Anwendung des Liquor-NGS bei einem Teil der Patienten zu einer Änderung der Behandlung führte. Bei einem anderen Teil der Patienten war aber das Liquor-NGS negativ, möglicherweise auch aufgrund methodischer Mängel (die Zeit zwischen Abnahme und Verarbeitung der Liquorprobe betrug teilweise acht Tage, Gewinnung des Liquors mehrere Tage nach Start der empirischen Therapie), obwohl die serologischen Untersuchungen einen Keim nachweisen konnten. Daher sehen die Autoren einen Vorteil in der parallelen Diagnostik mittels konventioneller serologischer Methoden und des Liquor-NGS. Kommentar von Matthias Maschke, Trier Ein beträchtlicher Schritt vorwärts Die Methode des Liquor-NGS ist vor dem Hintergrund der weiterhin relativ hohen Mortalität (in der vorliegenden Studie 11,3 %) von neurologischen Infektionserkrankungen sicherlich ein beträchtlicher Schritt vorwärts, um rechtzeitig eine adäquate Therapie einleiten zu können. Teilweise leiten die Ergebnisse zu Keimen, die klinisch nie in Betracht gezogen wurden. Momentan scheitert ein breiter Einsatz noch an den Kosten der Methode (geschätzt ohne Personal- oder Gerätekosten zwischen 225 bis 1.100 US Dollar pro Patient) und der fehlenden flächendeckenden Verfügbarkeit. Aktuell sind zudem noch Studien notwendig, um genauer zu identifizieren, welche Patienten am besten geeignet sind, um von einem Liquor-NGS zu profitieren. Open image in new window Prof. Dr. med. Matthias Maschke, Trier Referenz 1. Simner PJ et al. Clin Infect Dis 2018; 66: 778–88CrossRefGoogle Scholar Literatur Wilson MR, Sample HA, Zorn KC et al. Clinical metagenomic sequencing for diagnosis of meningitis and encephalitis. N Engl J Med 2019; 380: 2327–40CrossRefGoogle Scholar Copyright information © Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019 Authors and Affiliations Matthias Maschke1Email author1.Abteilung für Neurologie und NeurophysiologieKrankenhaus der Barmherzigen Brüder TrierTrierDeutschland


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Matthias Maschke. Liquor-NGS unterstützt die Serologie bei der Suche nach dem Erreger, InFo Neurologie & Psychiatrie, 2019, 28-28, DOI: 10.1007/s15005-019-0143-x