Funktionsanalyse des Fußes
Funktionsanalyse desFues
J.Gabel Abteilung fr Fuchirurgie
BG-Unfallklinik Murnau
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Aufrechter Gang
und Fufunktion
Die Evolution des Menschen, whrend
welcher sich ber einen Zeitraum von
knapp 4 Mio. Jahren der sog. moderne
Mensch entwickelte, ist vom zunehmend
aufrechten Gang und der damit
mglichen Entwicklung der Hand zum
komplexen Tast- und Greiforgan sowie der
Hirnentwicklung charakterisiert.
Lange bevor der Mensch sesshaft
wurde, legte er lange Wegstrecken als Nomade
zurck. Damit diente der Fu nicht mehr
lnger dem Greifen, sondern der
Fortbewegung des Zweibeiners Mensch. Der
wesentliche Gestaltwandel vollzog sich im
Rckfu, mit Reduktion der ursprnglich
5 auf 2 tarsale Knochen und der
Vertikalisierung des Rckfues durch
Verwringung von Kalkaneus (Fersenbein) und
Talus (Sprungbein). Dabei kommt zur
pronatorischen, nach auen gerichteten
Bewegung des Kalkaneus eine
supinatorisch, nach innen gerichtete
Gegenbewegung des Talus hinzu. Zustzlich kam es
zu einer massiven Verstrkung und
Medialisierung des Tuber calcanei und einer
Anhebung des Sustentaculum tali. Dieser
auch als Balkon des Fues bezeichnete
Anteil des Fersenbeins trgt mit seiner
medialen Gelenkfacette im subtalaren
Gelenk wesentlich zur Stabilisierung des
Talus auf dem Kalkaneus bei.
Auch der Mittel- und Vorfu passten
sich der Funktion als Trag- und
Fortbewegungsorgan an. Aus dem
halbkugelfrmi
Vollstndiger Gangzyklus
Abb. 1 8 Schema Gangzyklus, FFfood flat: Kontakt der Fusohlen mit dem Boden, HOheel off:
Ablsung der Fersen vom Boden, HSheel strike: Fersenkontakt mit dem Boden, MS und MSWmid
swing: mittlere Schwungphase, TOtoe off: Ablsung der Zehen vom Boden. (Aus [2])
Abb. 2 8 Pedobarographie, physiologischer Befund des linken Fues,
Rckfuarthrodese des rechten Fues mit verminderter Belastung der Ferse und
Druckspitze auf den Kopf des Mittelfuknochens 5
Abb. 3 8 Markerbasierte kinematische Ganganalyse im Ganglabor
verletzungen betroffen [8] geschtzt gut
1Mio. Mal pro Jahr in Deutschland. Die
bandelastisch gefhrte Verankerung der
Grozehe kann in der bekannten
Hallux-valgus-Fehlstellung mnden. Zudem
ist der menschliche Fu im Laufe des
Lebens durch die hohe Belastung
geschtzte durchschnittliche Lebenslaufleistung
160Mio. Schritte und
Alterungsprozesse gewissen Vernderungen unterworfen.
So kommt es typischerweise zu einer
Abflachung der Fulngswlbung, einer
Verringerung des plantaren Fettpolsters und
der koordinativen Beweglichkeit.
Der Gang dient der Fortbewegung als
Teil der Mobilitt des modernen
Menschen. Er ist zyklisch, wobei sich
funktionell 2 Aufgaben differenzieren lassen:
F die Krpergewichtsbernahme in der
Erstkontaktphase und
F die Verlagerung des Krpergewichts
in der Stand- und Schwungphase
nach vorne.
Abb. 4 9
Dreifachlngsverspannung des
Fues. (Nach [13])
Erst dadurch ist Fortbewegung mglich.
Ein vollstndiger Gangzyklus umfasst
einen Doppelschritt und beschreibt den
Bewegungsablauf, der zwischen dem
ersten Aufsetzen der Ferse (Fersenkontakt)
und dem darauffolgenden Fersenkontakt
des gleichen Fues stattfindet. Unterteilt
wird er in
F eine Standphase (62% des
Gangzyk
lus) und
F eine Schwungphase (38% des
Gang
zyklus).
Dabei ist das Gehen durch den zyklischen
Wechsel zwischen monopedaler (ein Fu
hat Bodenkontakt) und bipedaler
Phase (beide Fe haben Bodenkontakt)
gekennzeichnet ([2, 6], . Abb.1 ). Fr die
wissenschaftliche Ganganalyse lassen sich
diese beiden Phasen noch differenzierter
in insgesamt 8 Abschnitte einteilen,
dabei umfasst die lngere Standphase 5
Abschnitte [2].
Die Druckbelastung der Fusohle kann
ber eine Pedobarographie (. Abb.2 ) als
bildgebendes Verfahren der kinetischen
Analyse erfasst werden. Sie etablierte sich
im Bereich der Schuhorthopdietechnik
und Einlagenversorgung [8].
Biomechanisch ist interessant, dass
sich die Funktion des Fues von einem
sozusagen mobilen Adapter in der ersten
Hlfte der Standphase
(Stodmpferphase) zu einem quasi starren Hebel in der
zweiten Hlfte (Abstophase, Propulsion)
ndert (. Abb.3 ). Um dies zu
ermglichen, bedarf es einiger
anatomisch-funktioneller Besonderheiten.
Anatomische Aspekte
Knochen und Gelenke
Der Fu besteht aus 26 Knochen und
regelhaft 2 Sesambeinen unter dem ersten
Mittelfukopf. Funktionell und
anatomisch gesehen knnen diese Knochen in
Gruppen zusammengefasst werden: Die
anatomische Nomenklatur beschreibt
F den Tarsus mit den
Fuwurzelkno
chen:
1Talus,
1Kalkaneus,
1Os naviculare (Kahnbein),
1Os cuboideum (Wrfelbein) und
1den 3 Ossa cuneiformia (Keilbeine),
F den Metatarsus mit den 5
Mittelfu
knochen und
F die Zehenknochen [11].
In der chirurgischen Praxis setzte sich
die Einteilung in Rckfu, Mittelfu und
Vorfu durch:
Rckfu. Er umfasst den Skelettabschnitt
vom oberen Sprunggelenk
(Talokruralgelenk) bis zur Chopart-Gelenklinie
(Articulatio tarsi transversa) und damit die
beiden Knochen Talus und Kalkaneus.
Mittelfu. Er besteht aus dem Os
cuboideum und dem Os naviculare, den 3
Ossa cuneiformia mit der
Lisfranc-Gelenklinie (Articulatio tarsometatarsale) und den
Mittelfuknochen.
Vorfu. Er beginnt an den
Zehengrundgelenken (Articulatio
metatarsophalangeae) und besteht aus den Fuzehen.
Der Fu weist insgesamt 108
Gelenke auf, von welchen nicht alle fr seine
Funktion von gleich wichtiger Bedeutung
sind. So lassen sich essenzielle von
teilweise bzw. nichtessenziellen Fugelenken
unterscheiden [4, 9]. Eine
herausragende Stellung fr eine physiologische
Fufunktion nehmen die 7 essenziellen
Fugelenke ein: OSG und Subtalargelenk,
Talonavikulargelenk und die
Zehengrundgelenke 25. Bei einer Strung der
Mechanik und Beweglichkeit dieser Gelenke
resultiert eine relevante Einschrnkung der
Funktion des gesamten Fues. Dies ist bei
der Behandlung von Gelenkverletzungen
ebenso zu bercksichtigen, wie bei der
Indikationsstellung fr
gelenkversteifende Eingriffe (Arthrodesen).
Bnder und Muskulatur
Da zum Gehen und Laufen eine Einheit
mit funktionierender kinematischer
Kette zwischen Unterschenkel und Fu
bentigt wird, sind die Knochen des
Fuskeletts durch ein Netzwerk von insgesamt
57 Bndern ber die Gelenke
miteinander verbunden.
Besonders deutlich wird die
Bedeutung eines intakten Bandapparats am
oberen Sprunggelenk, welches seine
federnde Festigkeit neben dem Auen- und
Innenbandapparat v. a. durch die
Syndesmose erhlt.
Fr die ligamentre Fhrung und
Stabilitt des Fues ist insbesondere das
Lig. calcaneonaviculare plantare
(Pfannenband, Springligament) zu nennen,
das mit seinem berzug aus Faserknorpel
den Taluskopf im unteren Sprunggelenk
absttzt. Zusammen mit dem Lig.
plantare und wesentlich auch der
Plantaraponeurose sorgt es auerdem fr die
Dreifachlngsverspannung der
Fulngswlche theoretische Grundlage fr den in der
Behandlung von Erkrankungen und
Verletzungen des Fues fuchirurgisch ttigen
Orthopden und Unfallchirurgen. Es wird ein
praxisrelevanter berblick ber die
wesentlichen biomechanischen Aspekte der
Fufunktion gegeben, womit das Interesse an
diesem Thema geweckt werden soll. Fr
weitergehende Fragestellungen sei auf die
entsprechende Fachliter (...truncated)