Distale Radiusfraktur
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Die distale Radiusfraktur zhlt zu den am
hufigsten zu behandelnden
Knochenbrchen in jeder Altersgruppe. In 25%
aller Frakturen im Kindesalter ist der
distale Radius betroffen [24]. Bezglich der
lteren Bevlkerung wird geschtzt, dass
sich etwa 10% der Frauen ber 65Jahre
whrend der weiteren Lebensdauer eine
Fraktur des distalen Radius zuziehen [3].
In ber 90% der Flle kommt es zu
Extensionsverletzungen. Die optimale
Behandlungsstrategie, insbesondere bei der
lteren Bevlkerungsgruppe, wird kontrovers
diskutiert.
Vor einer Behandlungsempfehlung muss
die Fraktur klassifiziert werden, wofr
verschiedene Einteilungen bekannt sind.
Im deutschsprachigen Raum wird die
AO-Klassifikation (AO:
Arbeitsgemeinschaft fr Osteosynthesefragen) am
hufigsten angewendet (. Abb.1 ). Sie
unterscheidet zwischen extraartikulren (A),
partiell intraartikulren (B) sowie
vollstndig intraartikulren (C) Frakturen.
Nachteile der Klassifikationssysteme
sind, dass sie nicht standardisiert und
hufig komplex sind und keine
prognostischen Informationen beinhalten.
Zur Beurteilung der Stabilitt der
Fraktur bewhrten sich die
Instabilittskriterien nach Jupiter [13]:
F Dorsalabkippung >20
F Axiale Einstauchung >2 mm
F Metaphysre Trmmerzone
F Assoziierte Ulnafraktur, Abbruch des
Processus styloideus
F Dislozierte intraartikulre Fraktur
F Radioulnare Instabilitt
Sind 2 dieser insgesamt 6 Kriterien erfllt,
handelt es sich um eine instabile Fraktur.
Bildgebung
Die radiologische Darstellung des
Handgelenks in 2 Ebenen ist als Standard
anzusehen (. Abb.2, 4, 5).
Die CT (Computertomographie)
sollte insbesondere bei intraartikulren
Frakturen zum Einsatz kommen (. Abb.3b ).
Zum Ausschluss von TFCC- (TFCC:
triangular fibrocartilage complex) oder
anderen Bandverletzungen wird in
seltenen Fllen eine MRT
(Magnetresonanztomographie) empfohlen.
Die Kenntnis der Gelenkwinkel ist
Voraussetzung fr eine anatomische
Rekonstruktion einer distalen Radiusfraktur. In
der Frontalebene wird die Neigung der
Radiusgelenkflche (Ulnarinklination)
beurteilt, dieser Winkel betrgt
normalerweise 2530 (. Abb.4a ). Im
seitlichen Strahlengang wird die
Palmarinklination gemessen, der entsprechende
Winkel liegt bei 1015 (. Abb.5 ).
Zur Feststellung einer eventuell
vorliegenden Radiusverkrzung wird die
Radiuslnge ermittelt. Hierzu werden auf
die Radiuslngsachse je eine Senkrechte
durch die Spitze des Processus styloideus
radii und den ulnaren Begrenzungspunkt
der Radiusgelenkflche gezogen. Der
durchschnittliche Abstand dieser beiden
Linien (Radiuslnge) betrgt 1112mm
(. Abb.4b ).
Untersuchungen ergaben, dass das
Lngenverhltnis zwischen Radius und
Ulna einen hherwertigen Einfluss auf
die posttraumatische Beweglichkeit im
Handgelenk als dorsopalmare und
radioulnare Winkelfehlstellungen hat. Bereits
Gelenkstufen >1mm, radiale
Verkrzungen >2 mm und dorsopalmare
Verkippungen >10 sind als Prarthrose
anzusehen [20].
Zur Versorgung der distalen
Radiusfraktur stehen verschiedene
Behandlungsverfahren zur Verfgung:
F Konservativ
F Kirschner-Draht-Osteosynthese
F Plattenosteosynthese (palmar, dorsal)
F Fixateur externe
F Kombinationen dieser Verfahren
Bis Mitte der 1990er Jahre stand die
konservative Therapie bei der Behandlung
distaler Radiusfrakturen im Vordergrund.
Aufgrund unzureichender klinischer und
radiologischer Ausheilungsergebnisse
kam es im weiteren Verlauf zu einer
Zunahme der operativen Versorgung [19, 26].
Ziel dabei ist die Wiederherstellung
anatomischer Verhltnisse zur Sicherstellung
einer guten Ausheilungsfunktion.
Abb. 1 8 AO-Klassifikation (AO: Arbeitsgemeinschaft fr Osteosynthesefragen) der distalen
Radiusfrakturen, weitere Erluterungen s. Text. (Aus [21])
Abb. 2 8 Rntgenaufnahme des Handgelenks (klinisches Bild), a p.-a. Projektion, b seitlicher
Strahlengang (entweder Kippen der Rntgenrhre oder Anheben des Unterarms um 1015, um
Palmarinklination besser beurteilen zu knnen). (Bilder S.O. Stange/MKK)
Konservative Therapie
Indikationen fr ein konservatives
Verfahren sind
F stabile extraartikulre A2-Frakturen,
F stabile artikulre B1-Frakturen und
F C1-Frakturen.
Aber auch dislozierte Frakturen knnen
konservativ behandelt werden. Wenn
bei der Analyse der Rntgenaufnahmen
eine Radiusverkrzung 5 mm
festgestellt wird, die Inklination >15 und die
sagittale Neigung zwischen 15
Dorsalneigung und 20 Volarneigung betragen und
eine intraartikulre Stufe <2 mm vorliegt,
kann ein konservatives Vorgehen
empfohlen werden [12, 13]. In der
Nachbehandlung sollte eine weitere
Rntgendiagnostik nach der 4711-Regel erfolgen:
Rntgenbilder sollten am 4., 7. und 11.
postoperativen Tag sowie nach 28 Tagen
angefertigt werden (. Abb.6 ). Sollte unter
konservativer Therapie ein Korrekturverlust
eintreten, wird ein frhzeitiger
Verfahrenswechsel angestrebt.
Operative Therapie
Alle instabilen Frakturen sollten
operativ versorgt werden, wofr verschiedene
Behandlungsoptionen zur Verfgung
stehen (. Abb.7 ). Auch
Kombinationsverfahren werden angewendet.
Kirschner-Draht-,
Schraubenosteosynthese
Die Kirschner-Draht-Osteosynthese
(. Abb.3c ) kann entweder extra- oder
intrafokal angewendet werden. Die
intrafokale Technik nach Kapandji
verhindert das Abrutschen des distalen
Hauptfragments nach dorsal. Sie wird hufig
bei A2-, A3-, B1-, B2- und C1-Frakturen
durchgefhrt, ebenso bei Frakturen im
Kindesalter. Zur Osteosynthese werden
Drahtstrken von 1,6 mm oder 1,8 mm
empfohlen.
Vorteile der
Kirschner-Draht-Osteosynthese sind der geringe Aufwand, das
minimale Operationstrauma und
geringe Kosten. Da die Retention nur
eingeschrnkt gesichert werden kann, sind eine
zustzliche Gipsbehandlung oder die
Anlage eines Fixateur externe notwendig.
Komplikationen durch die
KirschnerDraht-Osteosynthese knnen eine
Fixierung von Sehnengewebe oder eine
Schdigung des R. superficialis des N.
radialis sein.
Die Schraubenosteosynthese wird bei
B1-Frakturen als Osteosyntheseverfahren
empfohlen.
Fixateur externe
Der Fixateur externe (. Abb.8 ) wird als
Implantat der Wahl bei C3-Frakturen,
offenen Frakturen oder Frakturen mit
ausgedehntem Weichteilschaden empfohlen.
Er kann sowohl nichtgelenkbergreifend
als auch gelenkbergreifend angebracht
werden.
Als Komplikation kann es zu
Lockerungen, Pininfekten oder zur Ausbildung
eines CRPS (complex regional pain
syndrome) kommen.
Plattenosteosynthese
Der Groteil aller Radiusfrakturen wird
heutzutage mit einer
Plattenosteosynthese (. Abb.9 ) stabilisiert. Sie wird derzeit
als das Verfahren der Wahl angesehen
[7]. Es stehen uni- und multidirektionale
winkelstabile Platten zur Verfgung, die
entweder palmar oder dorsal angebracht
werden knnen. Subchondral
eingebrachte Schrauben zeigten in biomechanischen
Untersuchungen eine hohe Stabilitt [18].
Die Verwendung mehrreihiger
multidirektionaler Platten erbrachte gegenber
dem Einsatz einreihiger
unidirektionaler Platten keinen biomechanischen
Gewinn [6].
Vorteile der Plattenosteosynthese sind
eine sichere Retention, die Mglichkeit
der frhfunktionellen Behandlung und
keine Notwendigkeit der
Implantatentfer (...truncated)