Rekonstruktion posttraumatischer Fehlstellungen des Mittfußes
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H.Zwipp UniversittsCentrum fr Orthopdie und Unfallchirurgie, Universittsklinikum Carl Gustav Carus, Technische Universitt Dresden
Fuverletzungen
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Nach der neuen
AO-ICI-Fu-Klassifikation [14] umfasst der sog. Mittfu mit
seinen 5 Knochen, dem Os naviculare, dem
Os cuboideum sowie den 3 Ossa
cuneiformia 2 wichtige Gelenklinien, nach
proximal das Chopart- und nach distal das
Lisfranc-Gelenk (. Abb.1 ). Der Begriff
Mittfu ist im deutschen Sprachgebrauch
neu, aber notwendig, um wie im
Englischen die 3 Fublcke Rckfu
(hindfoot), Mittfu (midfoot) und Vorfu
(forefoot) zu definieren. Der im
Deutschen gebrauchte Begriff Mittelfu
sollte sich ausschlielich auf das
Metatarsale beziehen.
Rekonstruktionen posttraumatischer
Fehlstellungen des Mittfues nach
Luxationsfrakturen und Luxationen betreffen
proximal das Chopart-Gelenk, d. h. einen
oder mehrere der 4 artikulierenden
Knochen, den Taluskopf oder das Os
naviculare pedis medialseitig bzw. den
Processus anterior calcanei oder das Os
cuboideum lateralseitig. Distal betreffen sie
Luxationsfrakturen oder Luxationen im
Lisfranc-Gelenk mit Beteiligung der Ossa
cuneiformia, der Metatarsaliabasen und/
oder des krperfernen Kuboids.
Epidemiologie und Pathologie
Luxationen und Luxationsfrakturen des
Chopart-Gelenks werden oft als
Zerrungen oder isolierte Frakturen des Os
naviculare oder Kuboidfrakturen
fehlinterpretiert und in 3340% der Flle [3, 4, 7]
regelrecht bersehen. Im Rahmen des
klassischen Entstehungsmechanismus von
Chopart-Luxationsfrakturen, nmlich
bei forcierter Adduktion bzw.
Abduktion des Vorfues bei fixiertem Rckfu
mit meist gleichzeitiger axialer und
rotatorischer Gewalteinwirkung, erklrt es
sich leicht, dass Kompressionskrfte auf
der einen Seite mit Distraktionskrften
auf der Gegenseite der jeweiligen
Fusule innerhalb des Chopart-Gelenks
einhergehen. Werden diese ligamentren
Instabilitten nicht adquat therapiert, knnen
schmerzhafte sagittale Instabilittsformen
bis hin zur Ausbildung eines
posttraumatischen Plattfues oder eine chronische
kalkaneokuboidale Instabilitt in der
Horizontalebene resultieren [6, 11]. Da meist
die mediale Sule mit einer
transnavikularen Luxationsfraktur d. h. es liegt eine
Zerstrung der sog. Coxa pedis vor
betroffen ist, ist bei vorrangig
vorausgegangenem Adduktionsstress nicht nur das
Gefge der medialen Fusule knchern
zerstrt, sondern oft auch die
ligamentre Stabilitt des Kalkaneokuboidgelenks.
Eine analoge Pathologie betrifft die
seltenere transtalare Luxationsfraktur mit
Zerstrung des Taluskopfs. Bei
bersehenen oder unzureichend behandelten
Rotationsverletzungen des
Kalkaneokuboidgelenks mit Verkrzung der
lateralen Fusule durch Impressionsfrakturen
des distalen Kalkaneus oder des Kuboids
kommt es zur Abduktionsfehlstellung im
Chopart-Gelenk, die oft mit einer
pronatorischen Fehlstellung des Vor- und
Mittfues kombiniert ist. Da es sich immer
um eine dreidimensionale Fehlstellung
im Chopart-Gelenk handelt (. Abb.2 ),
kommt es in der Horizontalebene zur
abduktorischen oder adduktorischen
Fehlstellung im Chopart-Gelenk, in der
Sagittalebene zur Hohl- oder
Plattfudeformitt und in der Frontalebene aufgrund
der rotatorischen Verwerfung zur
pathologischen Pronation oder Supination des
Mitt- und des Vorfues. Eine Verkrzung
der medialen Fusule kann jedoch auch
nach korrekter Versorgung einer
transnavikularen Chopart-Luxationsfraktur
aufgrund einer posttraumatischen
avaskuAbb. 2 9
Posttraumatischer Pes cavo varus nach
4 Jahre lang bersehener
transnavikularer
Luxationsfraktur einer 75-jhrigen
Patientin. a Die unbelastete
MRT-Aufnahme des
rechten Fues zeigt eine
Innenrotationsfehlstellung des
Mittfues gegenber dem
Rckfu von 25, b
physiologische,
achsengerechte talometatarsale
Ausrichtung des unverletzten
linken, gesunden Fues. c,d
Die seitlichen
Belastungsaufnahmen des Fues
zeigen rechts den Pes cavo
varus bei Fehlstellung
zwischen Taluskopf und Os
naviculare pedis mit
Tiefertreten des Kuboids nach
plantar. e Die
dorsoplantare Aufsicht zeigt die
pathologische Innenrotation des
Mittfues bei vllig
aufgebrauchtem lateralem Anteil
des Os naviculare und die
Luxation des medialen
Anteils des Os naviculare nach
medial unter
Auendrehung des Talus nach lateral
von entsprechend 25, f,g
reorientierende
ChopartArthrodese unter
Ausrichtung der Fuachsen in
beiden Ebenen, h,i
2-JahresFollow-up-Untersuchung
mit sehr gutem klinischem
und radiologischem
Ergebnis nach notwendiger
reorientierender
Chopart-Arthrodese, MRT
Magnetresonanztomographie
Zusammenfassung Abstract
Trauma Berufskrankh 2014 16[Suppl 1]:4652
Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2014
DOI 10.1007/s10039-013-2045-3
Rekonstruktion posttraumatischer Fehlstellungen des Mittfues
lren Nekrose des Os naviculare zur
Verwerfung der medialen Fusule fhren
[11]. Eine weniger deformierende, aber in
der Regel schmerzhafte Fehlverheilung ist
die relativ hufige Pseudarthrose des
Processus anterior calcanei nach
Nichterkennung oder fehlender Immobilisation der
Fraktur (. Abb.3 ).
Schmerzhafte Fehlstellungen im
Lisfranc-Gelenk entstehen nach bersehenen
oder unvollstndig reponierten bzw.
inadquat retinierten Luxationen oder
Luxationsfrakturen. Ebenso wie die
ChopartLuxationsfrakturen werden Luxationen
und Luxationsfrakturen des
Lisfranc-Gelenks in etwa einem Drittel der Flle
initial bersehen. In einem weiteren Drittel
finden sich Fehlstellungen nach dem
primren Versuch einer geschlossenen
Reposition, perkutaner
Kirschner-DrahtFixation bzw. Gipsimmobilisation [13].
Aufgrund der hufigen Interposition von
dorsalen Kapsel- und Bandanteilen
sowie kleineren Abschlagfragmenten der
Basen der Metatarsalia, insbesondere des
zweiten Metatarsale, ist eine geschlossene
Reposition nur selten mglich und eine
Gipsretention unzureichend, sodass
regelhaft eine posttraumatische Arthrose
des Lisfranc-Gelenks folgt. Nach
homolateraler Luxationsfraktur verbleibt bei
inadquater Versorgung eine
Achsenabweichung des Vorfues im Sinne eines Pes
abductus (. Abb.4 ). Erfolgt keine
rechtzeitige Korrektur, resultieren im weiteren
Verlauf eine Subluxation im
Talonavikulargelenk und eine Fehlrotation im
Subtalargelenk im Sinne eines Rckfuvalgus.
Die Folgen sind anfangs mobile, spter
einsteifende schmerzhafte Fehlstellungen
des gesamten Fues. Durch die
Gefgestrung des Fulngsgewlbes auf Hhe
der tarsometatarsalen Gelenke kommt es
zustzlich zur Ausbildung einer
Plattfukomponente, sodass schlielich das
posttraumatische Vollbild eines Pes plano
valgus abductus besteht.
Diagnostik und Klassifikation
Fehlverheilungen im Chopart- oder
Lisfranc-Gelenk sind in den dorsoplantaren
und lateralen Fubelastungsaufnahmen
beidseits sowie zur Beurteilung der
Rckfuachse mittels sog.
Saltzman-Aufnahmen [8] im Ausma der pathologischen
Zusammenfassung
Die 5 Knochen des Mittfues entsprechen
dem Os naviculare, dem Os cuboideum und
den 3 Ossa cuneiformia, die gemeinsam nach
proximal Teil des Chopart-Gelenks, nach
distal Teil des Lisfranc-Gelenks sind. Die
Beweglichkeit der medialen Fusule ist primr im
Talonavikularge (...truncated)