Posttraumatische „frozen shoulder“
Trauma und Berufskrankheit Supplement 1 2014 | 81
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Die primre idiopathische frozen shoul
der ist ein intrinsischer Prozess mit syn
ovialer Entzndung und Fibrose der gle
nohumeralen Gelenkkapsel. Aber auch
unterschiedliche posttraumatische und
postoperative Zustnde knnen eine stei
fe und schmerzhafte Schulter zur Folge
haben, ohne dass die Kapsel primr be
troffen ist. Zur besseren Abgrenzung von
der primren Erkrankung sollten die er
worbenen posttraumatischen oder post
operativen Bewegungseinschrnkungen
als posttraumatische bzw. postoperative
Schultersteife bezeichnet werden [15].
Im Gegensatz zur idiopathischen Form
folgt die sekundre Schultersteife auf ein
definiertes Ereignis mit hufig lngeren
Immobilisierungsphasen. Mgliche Ursa
chen der posttraumatischen Form knnen
F ein direktes oder indirektes Schulter
trauma mit und ohne Fraktur (Ausl
ser kann auch ein sog. Bagatelltrauma
sein),
F Verletzungen des Gelenkknorpels
und
F der Rotatorenmanschette sein.
Die postoperative Schultersteife kann so
wohl nach offenen als auch nach arthro
skopischen Schultereingriffen auftreten.
Pathogenese
Es knnen 3 verschiedene Ursachen der
erworbenen sekundren Schultersteife
unterschieden werden ([8], . Abb.1 ):
F Extraartikulre Verwachsungen zwi
schen den Gewebegleitschichten
F Kapsulre Verwachsungen (Kapsel
kontrakturen)
F Mechanische Hindernisse (kncherne
oder artikulre Inkongruenz, Osteo
synthesematerial)
Dabei berlagern und berschneiden
sich die unterschiedlichen Pathogene
sen bei den Patienten hufig: Eine ln
ger bestehende kncherne oder artikul
re Deformitt ist beispielsweise im weite
ren Verlauf auch mit Weichteilvernarbun
gen und Kapselkontrakturen verbunden.
Trotzdem erscheint eine generelle Unter
scheidung zwischen den unterschiedli
chen Pathogenesen sinnvoll, um ein sys
tematisches Behandlungskonzept fr die
jeweilige Pathologie zu entwickeln.
Extraartikulre Vernarbungen zwischen
den bindegewebigen Verschiebeschich
ten entstehen v. a. nach offenen Schulter
eingriffen. Eine normale Schultergelenk
beweglichkeit erfordert ein freies Gleiten
zwischen den einzelnen Gewebeschich
ten, z. B. zwischen der Rotatorenman
schette, dem subakromialen Raum und
dem Deltamuskel. Vernarbungen und ge
strtes Gleiten zwischen den Verschiebe
schichten knnen aber auch durch auf
tragendes Osteosynthesematerial verur
sacht sein.
Wie bei der idiopathischen frozen
shoulder kann es auch bei den erwor
benen Schultersteifen zu einer Kapselent
zndung mit nachfolgender Kapselkon
traktur und fibrose kommen. Hierbei
ist ungeklrt, ob sich die Pathogenese der
idiopathischen von derjenigen der erwor
benen adhsiven Kapsulitis unterschei
det oder ob manche Patienten schicksal
haft eine adhsive Kapsulitis mit globa
ler Bewegungseinschrnkung nach Trau
ma oder Operation erleiden. Dabei sind
diese sekundren Schultersteifen nach
isolierter Weichteilverletzung hufig mit
denselben Risikofaktoren wie die idiopa
thische frozen shoulder assoziiert (Dia
betes mellitus, Alter, Autoimmunerkran
kungen usw., [8]).
Mechanische Hindernisse
Eine wichtige Ursache posttraumati
scher und postoperativer Bewegungsein
schrnkungen sind mechanische Hinder
nisse aufgrund von Gelenkinkongruen
zen, wie sie z. B. durch fehlverheilte Tu
berkel (. Abb.2 ), Gelenkstufen nach Ka
lotten und Glenoidfraktur, posttraumati
sche Omarthrose oder intraartikulre La
ge von Osteosynthesematerial entstehen
knnen (. Abb.3 ). Intraartikulre Fehl
stellungen werden dabei in Bezug auf die
Schulterfunktion deutlich schlechter tole
riert als extraartikulre Fehlstellungen [8].
Abb. 1 8 Unterschiedliche, selten isoliert
auftretende Ursachen einer posttraumatischen oder
postoperativen Schultersteife
Abb. 2 8Verhinderung v. a. der Auenrotation durch nicht in die Frakturosteosynthese intergriertes
Tuberculum-majus-Fragment
Klinische Befunde
und Diagnostik
Eine differenzierte Anamnese und klini
sche Untersuchung sowie eine zielfh
rende Diagnostik sind fr die weitere
Therapie und insbesondere fr die Ent
scheidung, ob noch eine konservative Be
handlung mglich oder bereits eine ope
rative Versorgung notwendig ist, essen
ziell. Whrend sich Patienten mit prim
rer Schultersteife mit einer schmerzhaf
ten globalen Bewegungseinschrnkung
der Schulter vorstellen, wobei der Beginn
der Beschwerden nicht auf ein definiertes
(Unfall )Ereignis zurckgefhrt werden
kann, kann Letzteres bei der sekundren
Schultersteife benannt werden.
Bei der klinischen Inspektion ist auf Nar
ben, sichtbare Fehlstellungen und Mus
kelatrophien im Seitenvergleich zu ach
ten. Zu berprfen sind das aktive und
das passive Bewegungsausma, die bei
Patienten mit einer Schultersteife glei
chermaen eingeschrnkt sind. Bei aus
schlielichem Verlust der aktiven Beweg
lichkeit ist an andere Ursachen wie Ro
tatorenmanschettenverletzungen oder
Nervenlsionen zu denken.
Im Gegensatz zu den primren Schul
tersteifen ist zumindest im Anfangssta
dium nur eine Bewegungshauptrichtung
v. a. Rotationsbewegungen einge
schrnkt [8, 15]. Sind beispielsweise pri
mr die ventrale Kapsel oder die Subska
pularissehne betroffen, resultiert hieraus
hauptschlich eine initial isolierte Ein
schrnkung der Auenrotation, whrend
die brigen Bewegungsrichtungen wei
testgehend nicht betroffen sein knnen.
Erst im weiteren Verlauf kommt es kon
sekutiv zur Einschrnkung auch der In
nenrotation aufgrund der immobilitts
bedingten Kontraktur auch der dorsalen
Kapselanteile.
Eine Impingementsymptomatik, die
viele Patienten mit Schultersteife aufwei
Abb. 3 9Weitere
mgliche mechanische, bereits
nativradiologisch
feststellbare Ursachen einer
eingeschrnkten
Schulterbeweglichkeit: a primr
bersehene hintere
Schulterluxation, b posttraumatische
Omarthrose nach
Oberarmkopffraktur, c sekundr
dislozierte
Oberarmkopffraktur mit intraartikulrer
Lage des
Osteosynthesematerials
sen, kann die Diagnose der posttraumati
schen Schultersteife verschleiern und so
mit auch den Behandlungsbeginn verz
gern. Urschlich ist das sog. Non outlet
Impingement [6, 8, 22]: Ventrale und dor
sale Kapselkontrakturen knnen bei der
Flexion des Arms eine vermehrte Trans
lation des Oberarmkopfs nach kranial be
wirken, was einen erhhten Anpressdruck
der Rotatorenmanschette gegen das Akro
mion zur Folge hat [5, 20].
Im Nativrntgenbild sind wesentliche
Ursachen der posttraumatischen und
postoperativen Schultersteife auszuschlie
en. Neben der posttraumatischen Arth
rose sind v. a. kncherne Fehlstellungen
oder Implantatfehllagen radiologisch gut
zu eruieren.
Die Computertomographie (CT), die
sicherlich bei der idiopathischen Schulter
steife keinen Stellenwert hat, liefert in der
posttraumatischen Situation wichtige In
formationen, um mgliche Revisionsein
griffe besser planen zu knnen. Bei chro
nisch verhakten Luxationen oder vor Kor
rekturosteosynthesen lsst sich beurteilen,
ob ein Gelenk erhaltender Eingriff ber
haupt noch mglich ist oder ein prothe
tischer Ersatz des Gelenks die sinnvollere
Alternative darstellt.
Die Arthrographie kann bei Kapsel
kontrakturen durch das reduzierte Kap
(...truncated)