Dislozierte distale Unterarmfraktur im Kindesalter
Trauma und Berufskrankheit Supplement 2 2014 | 197
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Die distale Unterarmfraktur gehrt mit
2040% zu den hufigsten Frakturen im
Wachstumsalter [4, 5, 7, 11].
Kindliche Unterarmfrakturen
unterscheiden sich deutlich von denjenigen
Erwachsener. Metaphysre Wulstbrche,
Grnholzfrakturen und
Epiphysenlsungen kommen ausschlielich im
Kindesalter vor, demgegenber sind
intraartikulre Frakturen bei dieser Patientengruppe
sehr selten [2, 13].
Bei Kindern mit distaler
Unterarmfraktur steht aufgrund des hohen
Korrekturpotenzials des wachsenden Skeletts die
konservative Therapie im Vordergrund
[6]. Bei dislozierten distalen
Unterarmfrakturen ist die Ruhigstellung im Gips
nach erfolgter Reposition gngige Praxis.
Hierbei kann es in mehr als 40% der
Flle zur sekundren Dislokation kommen,
die eine erneute Reposition erforderlich
macht [1, 8, 9, 10, 12]. Um
Wachstumsschden zu vermeiden, sollten
wiederholte Manipulationen vermieden werden [6].
In der Traumatologie stehen
minimalinvasive operative Therapieoptionen, wie
die perkutane
Kirschner-Draht-Fixierung, zur Behandlung der distalen
Unterarmfraktur zur Verfgung. Eine
sekundre Dislokation kann durch deren Einsatz
verhindert werden. Allerdings geht auch
diese Methode mit
behandlungsspezifischen Problemen einher.
Ziel der Arbeit ist die Analyse des
Patientenkollektivs und der
Behandlungsergebnisse von distalen
Unterarmfrakturen im Wachstumsalter an der Klinik und
Poliklinik fr Kinderchirurgie,
Universittsmedizin Greifswald, in den Jahren
von 19982007. Es wird der Frage
nachgegangen, ob repositionspflichtige distale
Unterarmfrakturen primr
osteosynthetisch stabilisiert werden sollten.
Patienten und Methode
Die Behandlungsergebnisse der an der
Klinik und Poliklinik fr Kinderchirurgie,
Universittsmedizin Greifswald, in den
Jahren von 19982007 reponierten
distalen dislozierten Unterarmfrakturen
wurden retrospektiv analysiert. Die
Grundlage fr die in dieser Arbeit erfassten Daten
waren die stationren Krankenunterlagen,
die vorhandenen Rntgenaufnahmen, ein
Fragebogen zur subjektiven Einschtzung
des Behandlungsergebnisses durch die
Patienten und eine kostenfreien
Nachuntersuchung, die jedem Patienten angeboten
wurde.
Aus den Krankenblttern wurden die
Angaben zum Alter des Patienten, dessen
Geschlecht, der betroffenen Seite, dem
Unfallhergang, der Art der Fraktur, der
Art und Anzahl von Begleitverletzungen,
der Therapie, der Komplikationen durch
die Behandlung, die
Krankenhausverweildauer und der Zeitpunkt zur
Metallentfernung entnommen.
Im Fragebogen konnten die Patienten
Angaben zur Gesamtzufriedenheit mit
dem Operationsergebnis, bestehenden
Bewegungseinschrnkungen,
bestehenden Schmerzen, einer bestehenden
Kraftminderung, bestehenden
Empfindungsstrungen und dem kosmetischen
Ergebnis machen.
Eigene Behandlungsmethode
Die Reposition erfolgte primr
geschlossen in Allgemeinansthesie unter
Bildwandlerkontrolle. Wurde ein
achsengerechtes Repositionsergebnis erzielt und
erschien dies dem Operateur als stabil,
wurde im Anschluss eine dorsale
Oberarmgipslonguette mit einer volarer
Unterarmgegenlonguette angelegt. Eine
erste Rntgenkontrolle wurde um den 5. Tag
nach erfolgter Manipulation
durchgefhrt, um eine sekundre Dislokation zu
diagnostizieren und ggf. frhzeitig
behandeln zu knnen.
Erschien dem Operateur das
Repositionsergebnis bei der initialen Therapie als
nicht stabil oder wurde die Fraktur primr
als instabil eingestuft, erfolgte eine
osteosynthetische Versorgung.
Frakturen des Radius im Bereich der
Metaphyse (. Abb.1 ) oder mit
Beteiligung der Epiphyse wurden in aller Regel
mit 2 parallel ber die Tabatiere
aszendierend ber den Frakturspalt in die
Gegenkortikalis eingebrachten
Kirschner-Drhten fixiert.
Bei Frakturen des Radius im
metaphysr-diaphysren bergangsbereich
wurden entweder die Kirschner-Drhte im
Markraum vorgetrieben, ohne diese in
der Gegenkortikalis einzubringen, oder
es wurden intramedullre
MarkraumAbb. 1 8 Perkutane Kirschner-Draht-Osteosynthese bei distaler metaphysrer Radiusfraktur eines
12-jhrigen Jungen
schienen (ESIN: elastisch-stabile
intramedullre Nagelung) zur Stabilisierung
verwendet.
Die Drahtenden wurden generell
eingekrzt und unter der Haut versenkt.
Patienten mit isolierter distaler
Radiusfraktur und erfolgter
Kirschner-Draht-Fixierung erhielten zudem eine dorsale
Unterarmgipslonguette. Bei einer begleitenden
Ulnafraktur wurde eine dorsale
Oberarmgipslonguette angelegt.
Eine Konsolidierungskontrolle erfolgte
radiologisch nach 3 bis 4 Wochen, und die
Metallentfernung wurde in Abhngigkeit
vom Grad der Konsolidierung geplant.
Statistische Auswertung
Alle Daten wurden in einer zuvor
erstellten Excel-Datenbank erfasst. Zur
statistischen Auswertung der Ergebnisse und
insbesondere zum Vergleich der
Behandlungsmethoden wurde das Programm
BiAS fr Windows genutzt. Dabei kamen
der Wilcoxon-Mann-Whitney-Test, der
exakte Test nach Fischer und der
Craddock-Flood-Test zur Anwendung.
Signifikanz wurde bei p<0,05 angenommen.
Um Effekte des multiplen Testens
ausschlieen zu knnen, wurde die
-Korrektur nach Holm [3] angewandt. In der
vorliegenden Situation hat das multiple
Testen keinen Einfluss auf die Beurteilung
der Einzeltests.
Patienten, Verletzungen
und Behandlung
Bei den 211 behandelten Patienten war das
mnnliche Geschlecht mit 142 Patienten
(67,3%) deutlich hufiger vertreten als das
weibliche mit 69 Patienten (32,7%).
Insgesamt betrug das Verhltnis von Jungen
zu Mdchen etwa 2:1. Der
Altersdurchschnitt lag bei 11 Jahren, das jngste
behandelte Kind war 14 Monate, der lteste
Patient war zum Unfallzeitpunkt 17 Jahre
alt. 124 Patienten (58,8%) waren 12 Jahre
alt. Der linke Arm war mit 54,5%
hufiger betroffen als der rechte (43,6%), 7
Kinder (1,9%) hatten doppelseitige Frakturen
erlitten.
Im Rahmen sportlicher
Aktivitten verletzten sich 68 Patienten (32,2%),
davon 29 (13,7%) beim Skaten und 24
(11,4%) beim Fuball. Bei Strzen aus
einer Hhe >1 m verletzten sich 56
Patienten (26,5%), bei Strzen aus einer
geringeren Hhe 19 Patienten (9%).
Verletzungen im Zusammenhang mit einem
Zweiradunfall waren bei 32 Fllen (15,2%) als
Traumaursache eruierbar.
Keine Begleitverletzungen hatten 181
(85,8%) der Verunfallten, 15 (7,1%) zogen
sich zustzlich Frakturen anderer
Lokalisationen zu, 9 (4,3%) wiesen ein
geringgradiges Schdel-Hirn-Trauma oder eine
Schdelprellung auf. Polytraumatisierte
Patienten fanden sich im
Untersuchungskollektiv nicht. Als offen eingestuft
wurden 7 Frakturen (3,3%), davon 6 als
erstgradig und 1 als zweitgradig offen.
Insgesamt wurden 215 Frakturen
versorgt. In 27,4% (n=59) der Flle handelte
es sich um isolierte Radiusfrakturen. Bei
71,6% (n=154) lag zustzlich eine
Fraktur im Bereich der Ulna vor. Epiphysre
Lsionen des Radius wurden bei 30,7%
(n=66) der Frakturen beobachtet. Primr
osteosynthetisch versorgt wurden 37,7%
(n=81) der Frakturen, davon 35,4% (n=76)
mit Kirschner-Drhten, 0,9% (n=2) mit
ESIN und 1,4% (n=3) kombiniert mit
ESIN und Kirschner-Drhten.
Dislokationen nach erfolgter osteosynthetischer
Stabilisi (...truncated)