Dislozierte distale Unterarmfraktur im Kindesalter

Trauma und Berufskrankheit, Oct 2013

Hintergrund Die distale Unterarmfraktur ist die häufigste Fraktur im Wachstumsalter. Die konservative Therapie mit Reposition und Ruhigstellung im Gips ist im Kindesalter die Standardtherapie. Methode Die Behandlungsergebnisse distaler dislozierter Unterarmfrakturen im Kindesalter, die in der Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie, Universitätsmedizin Greifswald, im Zeitraum von 1998–2007 versorgt worden waren, wurden retrospektiv analysiert. Dabei wurde der Frage nachgegangen, ob repositionspflichtige distale Unterarmfrakturen primär osteosynthetisch stabilisiert werden sollten. Zur Auswertung wurden die Krankenblattdaten und ein durch die Patienten beantworteter Fragebogen herangezogen. Versorgung Im genannten Zeitraum wurden 211 Patienten mit 215 Frakturen behandelt. Nach Reposition im Gips wurden 62,8 % (n = 134) der Frakturen ruhiggestellt. Bei 17 Patienten aus diesem Kollektiv (12,7 %) kam es zur sekundären Dislokation. Bei 37,7 % (n = 81) Frakturen erfolgte eine primäre osteosynthetische Versorgung. Dislokationen nach erfolgter osteosynthetischer Stabilisierung traten nicht auf. Als postoperative Komplikation kam es bei 2 Patienten zu leichten Pintraktinfektionen der Kirschner-Drähte, die nach der Metallentfernung folgenlos abheilten. Fragebogen Der Fragebogen wurde von 30,3 % (n = 64) der Patienten beantwortet. Insgesamt waren 85,9 % (n = 55) mit dem Behandlungsergebnis in der Gesamtheit sehr, 12,5 % (n = 8) mittel und 1,6 % (n = 1) gar nicht zufrieden. Keine signifikanten Unterschiede nach erfolgter Osteosynthese und alleiniger Ruhigstellung im Gips fanden sich bezüglich der Fragen nach bestehenden Bewegungseinschränkungen, Schmerzen und Kraftminderung. Nach erfolgter Osteosynthese empfanden 40,6 % (n = 13) der Befragten die verbliebenen Narben als störend. Signifikante Unterschiede ergaben sich bezüglich der bestehenden Empfindungsstörungen. Wetterfühligkeit und Taubheitsgefühl wurden nach erfolgter Osteosynthese 3-mal häufiger angegeben. Schlussfolgerung Die Therapie der Wahl bei dislozierten distalen Unterarmfrakturen im Kindesalter sind die geschlossene Reposition und Ruhigstellung im Gipsverband. Es muss jedoch die Möglichkeit der sekundären Dislokation in Erwägung gezogen werden. Im Zweifel sollte die zusätzliche Stabilisierung mittels Kirschner-Draht-Osteosynthese erfolgen. Mit dieser perkutanen Versorgung steht eine effektive und sichere Methode für die Behandlung der distalen Unterarmfraktur zur Verfügung, um sekundäre Dislokationen zu vermeiden.

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Dislozierte distale Unterarmfraktur im Kindesalter

Trauma und Berufskrankheit Supplement 2 2014 | 197 - Die distale Unterarmfraktur gehrt mit 2040% zu den hufigsten Frakturen im Wachstumsalter [4, 5, 7, 11]. Kindliche Unterarmfrakturen unterscheiden sich deutlich von denjenigen Erwachsener. Metaphysre Wulstbrche, Grnholzfrakturen und Epiphysenlsungen kommen ausschlielich im Kindesalter vor, demgegenber sind intraartikulre Frakturen bei dieser Patientengruppe sehr selten [2, 13]. Bei Kindern mit distaler Unterarmfraktur steht aufgrund des hohen Korrekturpotenzials des wachsenden Skeletts die konservative Therapie im Vordergrund [6]. Bei dislozierten distalen Unterarmfrakturen ist die Ruhigstellung im Gips nach erfolgter Reposition gngige Praxis. Hierbei kann es in mehr als 40% der Flle zur sekundren Dislokation kommen, die eine erneute Reposition erforderlich macht [1, 8, 9, 10, 12]. Um Wachstumsschden zu vermeiden, sollten wiederholte Manipulationen vermieden werden [6]. In der Traumatologie stehen minimalinvasive operative Therapieoptionen, wie die perkutane Kirschner-Draht-Fixierung, zur Behandlung der distalen Unterarmfraktur zur Verfgung. Eine sekundre Dislokation kann durch deren Einsatz verhindert werden. Allerdings geht auch diese Methode mit behandlungsspezifischen Problemen einher. Ziel der Arbeit ist die Analyse des Patientenkollektivs und der Behandlungsergebnisse von distalen Unterarmfrakturen im Wachstumsalter an der Klinik und Poliklinik fr Kinderchirurgie, Universittsmedizin Greifswald, in den Jahren von 19982007. Es wird der Frage nachgegangen, ob repositionspflichtige distale Unterarmfrakturen primr osteosynthetisch stabilisiert werden sollten. Patienten und Methode Die Behandlungsergebnisse der an der Klinik und Poliklinik fr Kinderchirurgie, Universittsmedizin Greifswald, in den Jahren von 19982007 reponierten distalen dislozierten Unterarmfrakturen wurden retrospektiv analysiert. Die Grundlage fr die in dieser Arbeit erfassten Daten waren die stationren Krankenunterlagen, die vorhandenen Rntgenaufnahmen, ein Fragebogen zur subjektiven Einschtzung des Behandlungsergebnisses durch die Patienten und eine kostenfreien Nachuntersuchung, die jedem Patienten angeboten wurde. Aus den Krankenblttern wurden die Angaben zum Alter des Patienten, dessen Geschlecht, der betroffenen Seite, dem Unfallhergang, der Art der Fraktur, der Art und Anzahl von Begleitverletzungen, der Therapie, der Komplikationen durch die Behandlung, die Krankenhausverweildauer und der Zeitpunkt zur Metallentfernung entnommen. Im Fragebogen konnten die Patienten Angaben zur Gesamtzufriedenheit mit dem Operationsergebnis, bestehenden Bewegungseinschrnkungen, bestehenden Schmerzen, einer bestehenden Kraftminderung, bestehenden Empfindungsstrungen und dem kosmetischen Ergebnis machen. Eigene Behandlungsmethode Die Reposition erfolgte primr geschlossen in Allgemeinansthesie unter Bildwandlerkontrolle. Wurde ein achsengerechtes Repositionsergebnis erzielt und erschien dies dem Operateur als stabil, wurde im Anschluss eine dorsale Oberarmgipslonguette mit einer volarer Unterarmgegenlonguette angelegt. Eine erste Rntgenkontrolle wurde um den 5. Tag nach erfolgter Manipulation durchgefhrt, um eine sekundre Dislokation zu diagnostizieren und ggf. frhzeitig behandeln zu knnen. Erschien dem Operateur das Repositionsergebnis bei der initialen Therapie als nicht stabil oder wurde die Fraktur primr als instabil eingestuft, erfolgte eine osteosynthetische Versorgung. Frakturen des Radius im Bereich der Metaphyse (. Abb.1 ) oder mit Beteiligung der Epiphyse wurden in aller Regel mit 2 parallel ber die Tabatiere aszendierend ber den Frakturspalt in die Gegenkortikalis eingebrachten Kirschner-Drhten fixiert. Bei Frakturen des Radius im metaphysr-diaphysren bergangsbereich wurden entweder die Kirschner-Drhte im Markraum vorgetrieben, ohne diese in der Gegenkortikalis einzubringen, oder es wurden intramedullre MarkraumAbb. 1 8 Perkutane Kirschner-Draht-Osteosynthese bei distaler metaphysrer Radiusfraktur eines 12-jhrigen Jungen schienen (ESIN: elastisch-stabile intramedullre Nagelung) zur Stabilisierung verwendet. Die Drahtenden wurden generell eingekrzt und unter der Haut versenkt. Patienten mit isolierter distaler Radiusfraktur und erfolgter Kirschner-Draht-Fixierung erhielten zudem eine dorsale Unterarmgipslonguette. Bei einer begleitenden Ulnafraktur wurde eine dorsale Oberarmgipslonguette angelegt. Eine Konsolidierungskontrolle erfolgte radiologisch nach 3 bis 4 Wochen, und die Metallentfernung wurde in Abhngigkeit vom Grad der Konsolidierung geplant. Statistische Auswertung Alle Daten wurden in einer zuvor erstellten Excel-Datenbank erfasst. Zur statistischen Auswertung der Ergebnisse und insbesondere zum Vergleich der Behandlungsmethoden wurde das Programm BiAS fr Windows genutzt. Dabei kamen der Wilcoxon-Mann-Whitney-Test, der exakte Test nach Fischer und der Craddock-Flood-Test zur Anwendung. Signifikanz wurde bei p<0,05 angenommen. Um Effekte des multiplen Testens ausschlieen zu knnen, wurde die -Korrektur nach Holm [3] angewandt. In der vorliegenden Situation hat das multiple Testen keinen Einfluss auf die Beurteilung der Einzeltests. Patienten, Verletzungen und Behandlung Bei den 211 behandelten Patienten war das mnnliche Geschlecht mit 142 Patienten (67,3%) deutlich hufiger vertreten als das weibliche mit 69 Patienten (32,7%). Insgesamt betrug das Verhltnis von Jungen zu Mdchen etwa 2:1. Der Altersdurchschnitt lag bei 11 Jahren, das jngste behandelte Kind war 14 Monate, der lteste Patient war zum Unfallzeitpunkt 17 Jahre alt. 124 Patienten (58,8%) waren 12 Jahre alt. Der linke Arm war mit 54,5% hufiger betroffen als der rechte (43,6%), 7 Kinder (1,9%) hatten doppelseitige Frakturen erlitten. Im Rahmen sportlicher Aktivitten verletzten sich 68 Patienten (32,2%), davon 29 (13,7%) beim Skaten und 24 (11,4%) beim Fuball. Bei Strzen aus einer Hhe >1 m verletzten sich 56 Patienten (26,5%), bei Strzen aus einer geringeren Hhe 19 Patienten (9%). Verletzungen im Zusammenhang mit einem Zweiradunfall waren bei 32 Fllen (15,2%) als Traumaursache eruierbar. Keine Begleitverletzungen hatten 181 (85,8%) der Verunfallten, 15 (7,1%) zogen sich zustzlich Frakturen anderer Lokalisationen zu, 9 (4,3%) wiesen ein geringgradiges Schdel-Hirn-Trauma oder eine Schdelprellung auf. Polytraumatisierte Patienten fanden sich im Untersuchungskollektiv nicht. Als offen eingestuft wurden 7 Frakturen (3,3%), davon 6 als erstgradig und 1 als zweitgradig offen. Insgesamt wurden 215 Frakturen versorgt. In 27,4% (n=59) der Flle handelte es sich um isolierte Radiusfrakturen. Bei 71,6% (n=154) lag zustzlich eine Fraktur im Bereich der Ulna vor. Epiphysre Lsionen des Radius wurden bei 30,7% (n=66) der Frakturen beobachtet. Primr osteosynthetisch versorgt wurden 37,7% (n=81) der Frakturen, davon 35,4% (n=76) mit Kirschner-Drhten, 0,9% (n=2) mit ESIN und 1,4% (n=3) kombiniert mit ESIN und Kirschner-Drhten. Dislokationen nach erfolgter osteosynthetischer Stabilisi (...truncated)


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Dr. D. Großmann, W. Barthlen. Dislozierte distale Unterarmfraktur im Kindesalter, Trauma und Berufskrankheit, 2013, pp. 197-201, Volume 16, Issue 2 Supplement, DOI: 10.1007/s10039-013-2012-z