Deutscher Schmerzpreis 2016 verliehen

Schmerzmedizin, May 2016

Dr. Andreas Häckel

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Deutscher Schmerzpreis 2016 verliehen

Schmerzmedizin Bedarfsplanung als Ziel DGS-Vizepräsident Dr. Oliver Emrich aus Ludwigshafen stellte zunächst klar, dass sich alle Fachgesellscha€en in einem permanenten Austausch be‚nden, bisher allerdings mit Blick auf diesen Facharzt noch keinen Konsens gefunden haben. Deutlich wurde, dass der Dissens im Kern ein Kon„ikt widerstreitender Interessen zwischen Kliniken und Vertretern der ambulanten Versorgung ist. DGS-Vizepräsident Dr. Johannes Horlemann aus Kevelaer nannte die Debatte ein klassisches Beispiel für „Pfründepolitik“. „Wir sehen keine Organisation, die so auf Seiten der Patienten steht, wie unsere Fachgesellscha€“, sagte er. Patienten dür€en nicht als „Futter für Gesundheitsmaschinerien“ missbraucht werden, warnte Horlemann: „Zu dieser Maschinerie gehören auch große Universitätskliniken.“ Patienten benötigten eine ständige persönliche Zuwendung. Die sei aber nicht gewährleistet, „wenn wechselnde Ärzte wechselnde Strategien fahren.“ Für die Einführung des umstrittenen Facharztes sprechen aus Sicht der DGS viele Argumente: Um die Versorgung von Millionen chronisch kranker Schmerzpatienten sicherzustellen, werde eine solide Bedarfsplanung benötigt. Die gibt es für diese Patientengruppe bisher nicht. Bedarfsplanung orientiert sich an Fachgebieten, nicht an Zusatzbezeichnungen. Weil Schmerzmedizin eine Zusatzbezeichnung ist, gibt es hier keine Bedarfsplanung. Und damit keine Sicherstellung und keine Gewährleistung, wenn es um Kontinuität in der Betreuung geht. Schmerzpatienten benötigen Kompetenz auf allen Fachgebieten, so die DGS. Chronische Schmerzen müssten endlich als eigenständige Erkrankung diagnostiziert und therapiert werden. Das solle der Facharzt für Schmerzmedizin leisten. Die Klientel dieses Facharztes sollten aus DGS-Sicht Patienten sein, die in den abgestu€en Versorgungsstrukturen vom Hausarzt über den Facharzt auch mit fachgebietsbezogener spezieller Schmerztherapie nicht ausreichend behandelt werden können. Dabei müsse es ein klares, eindeutiges Zugangsmanagement geben. Gesundheitspolitiker und die Kassenärztlichen Vereinigungen nehmen für Schmerzpatienten den Sicherstellungsau€rag nicht wahr, kritisierte Emrich. Dabei trügen niedergelassene Ärzte die Hauptlast der Versorgung. „Von einer funktionierenden abgestu€en Versorgung vom Allgemein- zum Facharzt bis hin zu spezialisierten Zentren und Kliniken kann in Deutschland keine Rede sein“, stellte Emrich klar. Es mangele einfach an allem: der Zahl ärztlicher Schmerztherapeuten, der Zahl von Schmerzambulanzen und vor allem an der Zahl fachkundiger Psychotherapeuten. Nachwuchsförderung wichtig Die DGS sorgt sich auch um den Ärztenachwuchs. Beim Schmerztag wurde ein spezieller Workshop angeboten, der Studenten schon früh für die Bedeutung der Schmerzmedizin sensibilisieren soll. „Wir haben in den vergangenen Jahren ein steigendes Interesse erlebt“, sagte Dr. Silvia Maurer, DGS-Vizepräsidentin aus Bad Bergzabern. Das Trommeln um Studenten soll weiter intensiviert werden. Die studentische Ausbildung und Prüfung im Querschnittsfach Q 14 Schmerzmedizin ist seit der Aufnahme in der Approbationsordnung für Ärzte im Juli 2012 zwar ab 2016 gesetzlich vorgeschrieben, allerdings sind die dafür benötigten Strukturen bisher kaum „ächendeckend vorhanden, hieß es in Frankfurt Schmerzmedizinische Versorgung kann auch heute schon funktionieren, so DGS-Vizepräsident Klaus H. Längler aus Erkelenz. Er stellte einen erfolgreichen IV-Vertrag für Rückenschmerzpatienten vor, den die DGS in Kooperation mit mehreren Krankenkassen und der Managementgesellscha€ IMC Integrative Managed Care konzipiert hat. Bisher hätten mehr als 10.000 Patienten teilgenommen, sagte er. Sie seien früher wieder arbeitsfähig und erkrankten seltener erneut an Rückenschmerzen. „Kurz- und mittelfristig bieten multimodale ¢erapieansätze und integrierte Versorgungsverträge durchaus gute Lösungen“, sagte Längler. Langfristig könne aber nur eine konkrete Person die e£ziente Versorgung dieser Patienten sicherstellen – und das sei der von der DGS seit langem geforderte Facharzt für Schmerzmedizin. Christoph Fuhr Erö nungspressekonferenz, Frankfurt am Main, 2.3.2016 Deutscher Schmerzpreis 2016 verliehen Der Duisburger Schmerzmediziner Dr. Günther Bittel ist der neue Preisträger des Deutschen Schmerzpreises 2016. Der von der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) und der Deutschen Schmerzliga im Rahmen des Deutschen Schmerz- und Palliativtages verliehene und vom Limburger Unternehmen Mundipharma gestiftete Preis honoriert damit Bittels Verdienste für das überregionale Schmerzzentrum Duisburg, das er seit vielen Jahren leitet. Der Preisträger habe dort nicht nur alle Verfahren der multimodalen Schmerztherapie etabliert, sondern sich auch aktiv politisch für die Belange der Schmerzmedizin im deutschen Gesundheitswesen eingesetzt. Neben seinem kontinuierlichen Engagement für die Weiterbildung in der Schmerzmedizin organisiert Bittel jährlich die Duisburger Schmerztage, ist Mitautor des DGS-Lehrbuchs „Grundlagen der Schmerztherapie“ sowie Verfasser zahlreicher Fachpublikationen. Sein besonderes Interesse gilt der Integration naturheilkundlicher Therapieverfahren und der Berücksichtigung umweltmedizinischer Zusammenhänge. In seiner Dankesrede betonte Bittel, dass er keinen Grund für ein Nachlassen dieser Bemühungen sehe, sondern dass die Dringlichkeit einer adäquaten Versorgung von Schmerzpatienten mit deren steigender Zahl stetig zunehme. „Wir müssen erkennen, dass einiges bei den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, der Frage der Umweltbelastung und der Frage der sozialen Ausgrenzung von chronisch Kranken sehr falsch läuft.“ Das mit dem Preis verbundene Preisgeld will der Duisburger Schmerzmediziner in diesem Sinne für den Wiederaufbau des zerstörten Gesundheits- und Sozialzentrums in Kobane, Nordsyrien, stiften. Dr. Andreas Häckel


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Dr. Andreas Häckel. Deutscher Schmerzpreis 2016 verliehen, Schmerzmedizin, 2016, 9, DOI: 10.1007/s00940-016-0307-4