Ultra-Langzeitinsulin punktet in puncto Hypoglykämierate

Info Diabetologie, Sep 2012

Dr. med. Cornelia Jaursch-Hancke

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Ultra-Langzeitinsulin punktet in puncto Hypoglykämierate

Ultra-Langzeitinsulin punktet in puncto Hypoglykämierate Typ- -Diabetes Fragestellung: Lässt sich durch das ultralang wirksame Insulindecludec die Hypoglykämierate im Vergleich zu Insulinglargin weiter reduzieren? Hintergrund: Das Risiko für Hypoglykämien macht die Optimierung der Stoffwechsellage bei Typ-2-Diabetikern oft kompliziert. Unterschiede bei der Insulinresorption, Wirkdauer und Insulinspitzen, bedingt durch die subkutane Insulininjektion, tragen zum Hypoglykämierisiko bei. Gesucht und entwickelt wurde deshalb ein BasalInsulin mit einem stabilen, lang andauernden, flachen Wirkprofil, welches das Risiko für Hypoglykämien vermindern soll. Bisherige klinische Studien haben gezeigt, dass Degludec bei subkutaner Injektion lösliche MultiHexamere bildet, die als Monomere langsam und kontinuierlich resorbiert werden. Im Vergleich zu Glargin ist die Insulinwirkung dadurch konstanter. So war auch in klinischen Studien (Phase 2), bei denen einmal täglich Degludec mit Glargin bei Typ-2-Diabetikern verglichen wurde, die Rate an Hypoglykämien mit Degludec niedriger. In dieser Phase 3, Beginn Basis-Bolus-Typ-2-Studie, soll nun die Wirksamkeit und Sicherheit von Degludec mit Glargin verglichen werden. - Patienten und Methode: In insgesamt 12 Ländern wurde in 123 Zentren über 52 Wochen lang der Effekt und die Sicherheit einer einmal täglichen Gabe von Degludec im Vergleich zu Glargin randomisiert untersucht. Zu den Mahlzeiten verwendeten die Typ-2-Diabetiker entweder Insulinaspart mit oder ohne Metformin oder Pioglitazon oder beide Medikamente. In die Studie aufgenommen wurden Erwachsene über 18 Jahren und mit einem HbA1c-Wert von 7 bis 10% nach 3 Monaten oder diejenigen mit einer längeren Insulintherapie mit oder ohne zusätzlicher Gabe von oralen Antidiabetika. Der primäre Endpunkt war eine Nichtunterlegenheit von Degludec zu Glargin, gemessen in der Veränderung des HbA1c-Wertes von Studienbeginn bis -ende. 744 Patienten wurden auf Degludec eingestellt, 248 Patienten erhielten Glargin. Das mittlere Alter der Patienten betrug 58,9 Jahre (SD 9,3). Der HbA1c-Wert lag initial bei 8,3% und der Nüchternglukosewert bei 9,2 mmol/l. Ergebnisse: 618 (82%) und 211 (84%) Patienten beendeten die Studie. Nach einem Jahr fiel der HbA1c-Wert in der Degludec-Gruppe um 1,1%, in der Glargin-Gruppe um 1,2%. So lag der geschätzte Behandlungsunterschied (Degludec versus Glargin) bei 0,08% (95%-KI –0,05 bis 0,21), sodass die Nichtunterlegenheit von Degludec bestätigt wurde. Allerdings war die Rate gesicherter Hypoglykämien (Plasmaglukose <3,1 mmol/l oder schwere Episoden mit Fremdhilfe) bei Degludec niedriger als bei Glargin (11,1 versus 13,6 Episoden/Patient/und Jahr – geschätzte Ratio 0,82, 95%-KI 0,69 zu 0,99; p = 0,0359). Auch die Zahl an nächtlichen Hypoglykämien war geringer (1,4 vs. 1,8 Episoden/Patient; 0,75, 0,58 bis zu 0,99; p = 0,0399). Schwere Hypoglykämien traten in beiden Gruppen aber ähnlich häufig auf (0,06 versus 0,05 Episoden /Patient / Jahr). Insgesamt war die Zahl jedoch zu niedrig um einen Unterschied objektivieren zu können. Schlussfolgerungen: Degludec verursacht bei Typ2-Diabetikern weniger Hypoglykämien als Glargin. Dadurch kann sich deren Stoffwechsellage langfristig wahrscheinlich verbessern, da eine Hypoglykämieangst die Stoffwechseleinstellung deutlich erschweren kann. Kommentar: Dokumentierte Hypoglykämien traten sowohl mit Insulindegludec als auch mit Insulinglargin überwiegend tagsüber auf, also in dem Zeitraum, wo Mahlzeiten und Insulin-Bolus-Gaben eine Rolle spielen. Nur 10 bis 15% der hypoglykämischen Ereignisse wurden in beiden Behandlungsarmen nachts registriert. Die Rate schwerer Hypoglykämien unterschied sich nicht. Auch nahmen die Studienteilnehmer in beiden Armen ca. 3,6 bis 4 kg an Gewicht zu. Die erzielten HbA1c-Wert unterschieden sich ebenfalls nicht. Ob Degludec tatsächlich hinsichtlich der Hypoglykämierate vorteilhafter ist als Glargin, wird sich erst nach der Zulassung in der Praxis zeigen. Ebenfalls muss die Pharmakokinetik und Pharmakodynamik bei längerer Anwendung weiterhin überprüft werden. Bisherige kleinere Studien haben ergeben, dass Degludec offenbar sowohl einmal pro Tag als auch dreimal pro Woche mit ähnlichen Resultaten eingesetzt werden kann. Ob das wirklich ein Vorteil ist, oder ob es dadurch nicht zu schwer berechenbaren Schwankungen der Insulinwirkung kommt, ist derzeit immer noch offen. Garber AJ, King AB, Del Prato S et al. Insulin degludec, an ultra-longacting basal insulin, versus insulin glargine in basal-bolus treatment with mealtime insulin aspart in type 2 diabetes (BEGIN Basal-Bolus Type 2): a phase 3, randomized open-label, treat-to-target noninferiority trial. Lancet 2012;379(9825): 1498–507.


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Dr. med. Cornelia Jaursch-Hancke. Ultra-Langzeitinsulin punktet in puncto Hypoglykämierate, Info Diabetologie, 2012, 29-29, DOI: 10.1007/s15034-012-0165-7