Fremdanamnese — so wird die Ziffer 4 nicht mehr gestrichen

MMW - Fortschritte der Medizin, Jul 2016

Zusammenfassung Immer wieder höre ich von Kollegen: „Die Ziffer 4 Fremdanamnese ist mir so oft von den Beihilfestellen gestrichen worden, dass ich mich gar nicht mehr traue, sie abzurechnen. Die Begründung war z. B. die, ich sei kein Psychiater. Das ist doch ungerecht!“

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Fremdanamnese — so wird die Ziffer 4 nicht mehr gestrichen

Fremdanamnese - so wird die Ziffer 4 nicht mehr gestrichen - Kurz notiert 0 Was treibt die EU in Sachen Gesundheit? 0 Die Europäische Kommission hat ein EU-Portal zur öffentlichen Gesundheit eröffnet. Hier finden Sie - aber auch Ihre Patienten - Informationen über eine Viel- zahl gesundheitsrelevanter The- men: 0 0 Gesundheitskarte: Bedenken der Bundesärztekammer Das Vertragsarztrechtsänderungsgesetz vom 22.12.2006 führt auch zu Änderungen beim Bundesmantelvertrag für Ärzte. In dem Vertrag zwischen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung einerseits und den gesetzlichen Krankenkassen andererseits sind die Rahmenbedingungen für die ärztliche Berufsausübung verbindlich festgelegt. Ab 1. Juli treten entscheidende Ergänzungen in Kraft, etwa in den Bereichen Qualitätssicherung, Plausibilitätskontrollen oder vertragsärztliche Gesamtvergütung. Die neuen Bundesmantelverträge finden Sie in voller Länge unter http://www.kbv.de/2310.html. - Immer wieder höre ich von Kollegen: „Die Ziffer 4 – Fremdanamnese – ist mir so oft von den Beihilfestellen gestrichen worden, dass ich mich gar nicht mehr traue, sie abzurechnen. Die Begründung war z. B. die, ich sei kein Psychiater. Das ist doch ungerecht!“ – Tatsächlich müssen Sie bei der Ab rechnung dieser hoch bewerteten Ziffer (29,49 Euro) einige Besonderheiten beachten! Die gute Nachricht: Für Fremdanamnese oder Führung der Bezugspersonen nach Ziffer 4 wird keine Mindestzeit vorgeschrieben. Da aber viele Kollegen bemerken, dass die Kostenträger recht restriktiv reagieren, müssen Sie auch an Ihre Patienten denken. Eine Privatabrechnung darf nicht nach dem Motto erfolgen: nach mir die Sintflut! Sonst verärgern Sie die Patienten, die den Privatkassen und Beihilfestellen hilflos gegenüberstehen. Dabei darf die Ziffer 4 sowieso nur einmal im Behandlungsmonat angesetzt werden. Fremdanamnese gibt es auch bei nicht psychiatrischen Diagnosen In der Psychiatrie ist sie generell anerkannt, aber auch bei nicht psychiatrischen Diagnosen kommt es zur Führung von Bezugspersonen. Natürlich besteht die Indikation zur Fremdanamnese nicht nur bei schwersten Psychosen oder bewusstlosen Patienten. Erklären Sie den Ansatz der Ziffer 4 ruhig schon beim Beratungsgespräch, damit Ihre Patienten vorbereitet sind, falls eine Ablehnung vom Kostenträger kommt. So sind die Patienten später hoffentlich auf Ihrer Seite. Das Abgrenzungskriterium ist die Beratung oder Befragung eines anderen Menschen, den Sie nicht befragen würden, wenn er keinen Bezug zum Patienten hätte. Wenn Sie also nicht nur den Patienten als Einzelnen behandeln, sondern mit InformaDr. med. Roman Machens setzt sich intensiv mit Abrechnungsfragen auseinander. tionen zur Ehe- oder Familienstruktur in die Interaktionen aller Beteiligten eingreifen, ist die Ziffer 4 fällig – somit bei fast allen Ehe- und Paarberatungen. Die Mutter-Kind-Beziehung ist ebenfalls ein Fall für die Ziffer 4 Ähnliches gilt bei der Beratung von Kindern und ihren Eltern: Wann immer die Persönlichkeit eines Elternteils auf das Kind wirkt, wird dieser als Bezugsperson ärztlich zu beeinflussen sein. Die Erklärung für die Eltern lautet dann: „Die Ziffer 4 ist eine Art Zuschlag dafür, dass wir nicht nur Ihr Kind angesehen haben, sondern auch Sie persönlich und Ihren individuellen Kommunikationsstil mit dem Kind.“ Die medizinische Begründung für eine Privatversicherung könnte beispielsweise lauten: „Entdramatisieren einer eskalierenden Mutter-Kind-Auseinandersetzung“ oder „Neugewichtung der Rolle des Kindes in der ehelichen Beziehung“. Dr. med. Roman Machens ó


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Roman Machens. Fremdanamnese — so wird die Ziffer 4 nicht mehr gestrichen, MMW - Fortschritte der Medizin, 2016, 48-48, DOI: 10.1007/BF03365096