Aus Akutschmerzdienst wird Schmerzdienst

Schmerzmedizin, Nov 2017

Dr. Wiebke Kathmann

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Aus Akutschmerzdienst wird Schmerzdienst

Schmerzmedizin 0 Das Rückenschmerz-Symposium: Welchen Nutzen haben neue diagnostische Methoden und Mechanismen-basierte Therapien in der klinischen Praxis?“ Deutscher Schmerzkongress , Mannheim, 13. Oktober 2017 riet Casser. Denn hier handelt es sich meist um Funktionsstörungen im muskuloskelettalen System. Diese sind manualdiagnostisch und -therapeutisch erfass- und mit Mobilisation behandelbar. Allerdings kann auch hier die persistierende Nozizeption aus Gelenken, Bändern, Disci oder Muskeln zu einer peripheren oder zentralen Sensibilisierung führen, die sich als zunehmende spontane und generalisiert aužretende Hyperalgesie oder Allodynie zeigt. All dies verweist laut Casser auf die Bedeutung einer frühzeitigen Zusammenarbeit mit interdisziplinärem Assessment und multimodalem 'erapieansatz. Dr. Wiebke Kathmann - ab, ist der Rückenschmerz meist hartnäckig, konservativ eher nicht mit Erfolg zu behandeln und sollte mit zentral wirksamen Medikamenten, wie Antiepileptika, behandelt werden. Pragmatische Annäherung Wie also soll die Annäherung an das Symptom Rückenschmerz beim individuellen Patienten mit Kreuzscherz und/ oder Beinbeschwerden mit Funktionseinschränkung erfolgen? Dazu verwies Casser auf die Versorgungsleitlinie Kreuzschmerz. Sie verfolge drei Ziele: 1. Die Früherkennung bedrohlicher Ursachen (‚red ‹ags’) und psychosozialer Problematiken (‚yellow ‹ags’) durch frühzeitiges anamnestisches und klinisches Screening. 2. Die Vermeidung über‹üssiger und obsoleter ‘erapiemaßnahmen sowie bildgebender Diagnostik (MRT, Röntgen). 3. Eine Kostenverlagerung im Gesund heitswesen. Bei diesem Ansatz kommt laut Casser der Primärversorgung zunehmende Bedeutung zu, da hier die Unterscheidung in spezi–schen/klassi–zierten und nicht spezi–schen/nicht klassi–zierten Kreuzschmerz gemacht werde. Ersterer mache etwa 15 % der chronischen Rückenschmerzen aus und sei durch den diagnostischen Nachweise der Kompression neuraler Strukturen, Entzündung der Gelenke und Synchondrosen sowie Instabilität eines oder mehrerer Bewegungssegmente charakterisiert. Letzterer weise keinen sicheren kausalen Zusammenhang zwischen Beschwerden, klinischem Befund und bildgebender Diagnostik auf und solle zu einer Verlaufskontrolle medizinischer und psychosozialer Befunde mit gleichzeitiger Zurückhaltung bei diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen führen, Aus Akutschmerzdienst wird Schmerzdienst Dieser Wandel in Bezeichnung und Funktion soll Patienten klarer vermitteln, welche Versorgungsleistungen er erwarten kann, und auch das tatsächliche Leistungsangebot für andere Player im Team klarer widerspiegeln. D dung von invasiven Katheterverfah ie alte De–nition über die Anwenren außerhalb von Stationen scheint nicht mehr zielführend. Dennoch haben 80 % der Kliniken einen Akutschmerzdienst, der außer Katheterverfahren keine weiteren Angebote vorhält. Dies sei nicht länger zeitgemäß, wie Dr. Joachim Erlenwein, Spezielle Schmerztherapie, Klinik für Anästhesie, Universitätsmedizin Göttingen, betonte. Denn einerseits hätten viele Patienten heutzutage neben den chronischen Schmerzen weitere Komorbiditäten, andererseits sei die Schmerzversorgung in den konservativen Fächern schlecht. Zudem ließen sich viele Schmerzprobleme von nicht operablen Patienten nicht mittels Patientenkontrollierter Analgesie (PCA) mit Pumpe behandeln. Auf diese Patienten, die womöglich neben akuten auch noch chronische oder Tumorschmerzen hätten, seien heutige Akutschmerzdienste nicht vorbereitet. In einem Drittel der Krankenhäuser seien sie aber die einzige auf die Behandlung von Schmerzen spezialisierte Struktur. Daher müssten die Leistungen an den Bedarf angepasst und spezielle nicht invasive Leistungen als Teil von etablierten Versorgungskonzepten integriert werden. Aužreten im Sinne eines interdisziplinären Teams angestrebt werden, so Erlenwein. Die Kompetenzen der einzelnen Teammitglieder müssten genau de–niert werden, ebenso die Mindestanforderungen an ihre Quali–kation. Als organisatorische Voraussetzungen für den Schmerzdienst der Zukunž nannte Erlenwein zudem Kompetenzen durch Fort- und Weiterbildung, Richtwerte für die Zeit pro Patient und Kontakt für die Erstanamnese, Katheterversorgung, Konsilardienst sowie passende apparative und räumliche Ressourcen. Werde all dies zusammen mit einer guten und für alle Beteiligten zugänglichen Dokumentation verknüpž und eine ergebnisbezogene Qualitätserfassung durchgeführt, so könne dies das Entlassmanagement und letztlich die Versorgungssituation für die Patienten deutlich verbessern. Das Budget sichere man am besten und transparentesten über ein Umlageverfahren oder ein Kosten-Center, das direkt der Klinikleitung unterstellt ist. Dr. Wiebke Kathmann „Aktualisierung der Akutschmerzleitlinie – was kommt, was bleibt, was geht?“, Deutscher Schmerzkongress, Mannheim, 12. Oktober 2017


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Dr. Wiebke Kathmann. Aus Akutschmerzdienst wird Schmerzdienst, Schmerzmedizin, 2017, 20-20, DOI: 10.1007/s00940-017-0670-9