Haftung, Regress und rechtliche Konsequenzen für den Arzt

Trauma und Berufskrankheit, Jul 2008

Die Konsequenzen eines fehlerhaften Verhaltens eines Arztes bei der Ausübung seiner ärztlichen Tätigkeit sind vielfältig. Beim Behandlungsfehler ist die zivil- und strafrechtliche Haftung von besonderer Bedeutung. Hier ist eine enge Zusammenarbeit mit dem Haftpflichtversicherer erforderlich. Bei strafrechtlich relevanten Verfahren, sei es wegen eines Behandlungsfehlers oder wegen Abrechnungsbetrugs, ist frühzeitig die Einschaltung eines Anwalts erforderlich. Bei einem Abrechnungsbetrug ist immer die vertragsärztliche Zulassung oder die Zulassung als D- oder H-Arzt in Gefahr. Ferner ist mit nicht unerheblichen Honorarrückforderungen zu rechnen. Sowohl wegen des Behandlungsfehlers als auch bei Abrechnungsbetrug ist mit einem berufsgerichtlichen Verfahren zu rechnen oder auch an das Ruhen bzw. die Entziehung der Approbation zu denken.

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Haftung, Regress und rechtliche Konsequenzen für den Arzt

rztlicher Behandlungsfehler Der Behandlungsfehler stellt die unzulssige Abweichung vom allgemein anerkannten rztlichen Standard in der Medizin dar [9]. Dabei ist grundstzlich zwischen dem Diagnosefehler und dem klassischen Behandlungsfehler zu differenzieren. - Eine objektiv unrichtige Diagnose stellt nicht unmittelbar einen Behandlungsfehler dar, vielmehr muss die Erkennbarkeit der Unrichtigkeit der objektiven Diagnose hinzutreten [17], daher ist die Rechtsprechung bei der Annahme eines Diagnosefehlers eher zurckhaltend [9]. Ein Diagnoseirrtum ist dann lediglich vorwerfbar, F wenn medizinische Symptome vorliegen, die fr eine bestimmte Krankheit kennzeichnend sind, und vom Arzt nicht ausreichend bercksichtigt werden, oder F wenn der Arzt ohne vorwerfbare Fehlinterpretation von Befunden eine objektive unrichtige Diagnose stellt, weil er eine notwendige Befunderhebung unterlassen hat [8, 9, 17]. Behandlungsfehler im engeren Sinne Er ist immer eine unzulssige Abweichung nach unten vom allgemein anerkannten Standard der Behandlung des Patienten [9, 16]. Dies bedeutet gleichzeitig, nicht entscheidend sind die Ergebnisse von Beim D-Arzt ist in der Rechtsprechung [13] anerkannt, dass fr den Diagnosefehler und, wenn hierauf aufbauend, eine fehlerhafte Entscheidung ber die weitere Behandlung besondere Heilbehandlung nach 34 SGB VII nicht der D-Arzt unmittelbar in die Haftung zu nehmen ist. Vielmehr bt er zu diesem Zeitpunkt eine hoheitliche Ttigkeit aus, die dazu fhrt, dass die jeweilige Berufsgenossenschaft nach den Grundstzen der Amtshaftung nach 839 BGB i.V.m. Artikel 34 GG in Anspruch genommen werden muss. Diese kann dann prfen, ob sie gegenber dem jeweiligen Arzt Regressansprche geltend macht. Beim H-Arzt ist die Rechtsprechung noch nicht so eindeutig. Whrend das LG Karlsruhe die oben ausgefhrten Grundstze auch fr den D-Arzt anwenden wollte, gelangte das OLG Karlsruhe [10] als Berufungsinstanz zu dem Ergebnis, die Anwendung der Haftung der Berufsgenossenschaft sei zu verneinen. Es bleibt nunmehr abzuwarten, wie der BGH diese Frage beurteilen wird, wobei grundstzlich vieles dafr sprechen sollte, dass auch hier die Abgrenzung wie beim DArzt bernommen wird. Ist dem Arzt bei der weitergehenden Behandlung des in der BG versicherten Patienten ein Behandlungsfehler anzulasten, also eine fehlerhafte Behandlung, haftet er dem Patienten sowohl aus dem unmittelbar abgeschlossenen Behandlungsvertrag als auch aus unerlaubter Handlung [13, 16]. Letzteres ergibt sich aus der Tatsache, dass der Patient nur wirksam in eine Behandlung lege artis einwilligt, eine nicht lege artis durchgefhrte Behandlung ist in aller Regel nicht einwilligungsfhig. Haftungsumfang gegenber dem Patienten Er ist relativ weit, der Arzt hat den Patienten nach 249ff. BGB so zu stellen, wie er stehen wrde, wenn das schdigende Ereignis nicht eingetreten wre; ferner besteht ein Schmerzensgeldanspruch nach 253 Abs. 2 BGB. Hierbei erhlt der Patient im Wesentlichen zunchst ein einmaliges Schmerzensgeld, im Ausnahmefall in besonders schwerwiegenden Fllen auch eine Schmerzensgeldrente [5]. Des Weiteren hat er Anspruch auf Verdienstausfall, wenn er aufgrund des rztlichen Behandlungsfehlers weniger Geld verdient als er vorher verdient hat. Sollte ferner eine weitere Ttigkeit im Haushalt aufgrund des Behandlungsfehlers nicht oder nur eingeschrnkt mglich sein, knnen auch Schadensersatzpflichten im Zusammenhang mit der Haushaltsfhrung auftreten. Voraussetzung fr alle Flle ist jedoch, dass die eingetretene Beeintrchtigung beim Patienten kausal durch den Behandlungsfehler des Arztes verursacht wurde [8, 16]. Bei den Kausalfragen tauchen in der Praxis hufig viele medizinische Fragen auf, die durch den Sachverstndigen darzustellen sind. Liegen Beeintrchtigungen vor, die nicht urschlich zum Behandlungsfehler sind, ist eine Haftung in diesem Zusammenhang zu verneinen [16]. Haftung gegenber den Sozialversicherungstrgern Sozialversicherungstrger wenden blicherweise eine Vielzahl von Kosten auf, seien es beispielsweise im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung die Gewhrung von Krankengeld (44ff. SGB V) und Behandlungskosten (27ff SGB V); im Bereich der Unfallversicherung die Gewhrung von Heilbehandlung (27ff. SGB VII), Verletztengeld (45 ff. SGB VII) u.v.m. Auf Grundlage von 116 SGB X werden kraft gesetzlicher Anordnung cessio legis die Ansprche auf Ersatz der Kosten fr die entsprechenden kausal sich aus dem Behandlungsfehler ergebenden Behandlungskosten auf den entsprechenden Sozialversicherungstrger bergeleitet, hier gelten die gleichen Kausalittsgrundstze wie beim Patienten. Es bedarf keiner Abtretung von Schadensersatzansprchen, vielmehr geht der Anspruch automatisch ber, und der Sozialversicherungstrger macht dann auch in aller Regel entsprechende Schadensersatzansprche gegenber dem schdigenden Arzt bzw. dessen Haftpflichtversicherer geltend. Haftung gegenber der privaten Versicherung Sofern nicht die gesetzlichen Sozialversicherungstrger leistungspflichtig sind, sondern ein privater Versicherer beim Patienten die entsprechenden Kosten bernimmt, ist fr den gesetzlichen Forderungsbergang nicht der 116 SG X, sondern der 86 VVG in der ab 01.01.2008 geltenden neuen Fassung bzw. der 67 VVG in der bis dahin geltenden alter Fassung magebend. Diese Vorschriften leiten aber auch in diesem Bereich die Forderungen entsprechend auf den privaten Krankenversicherer/Pflegeversicherer ber. Die Kausalittsanforderungen sind in diesem Zusammenhang die gleichen wie bei 116 SGB X und bei der Haftung dem Patienten gegenber. Verhltnis zum Haftpflichtversicherer In diesem Zusammenhang sind 2 Probleme zu trennen; einmal prventive Manahmen und zum anderen die richtigen Verhaltensweisen im Schadensfall. Innerhalb des prventiven Bereichs ist regelmig zu kontrollieren, ob die Haftpflichtversicherung den allgemeinen Bedrfnissen der Praxis noch entspricht [11]. Es kann durchaus sein, dass sich das Spektrum der ersten Ttigkeit ndert, ohne dass die Versicherungsvertrge angepasst werden. Das hat jedoch zur Konsequenz, dass bei einem nicht mehr mitversicherten Risiko im Schadensfall keinerlei Deckungsschutz besteht (23, 26 VVG). Im Schadensfall selbst ist der Versicherer berechtigt, den Schadensfall zu regulieren. Hierfr ist es erforderlich, dass der Arzt diesen von einem mglichen Schadensfall unverzglich in Kenntnis setzt, was sich aus 30 VVG ergibt. Des Weiteren ist es dem Arzt nicht gestattet, bereits eine Entscheidung ber das Anerkennen einer Haftung dem Grunde nach auszusprechen, da ansonsten der Versicherungsschutz gefhrdet ist. Strafrechtliche Gesichtspunkte Der Arzt bewegt sich bei seiner rztlichen Ttigkeit immer in einem strafrechtlich relevanten Bereich. Hinsichtlich der Behandlung von Patienten ist regelmig an Krperverletzungsdelikte (223ff. StGB) oder an die fahrlssige Ttung (222 StGB) sowie an die unterlassene Hilfeleistung (323c StGB) zu denken. Speziell im Verhltnis zum Patienten ist noch zustzlich die strafrechtlich bewhrte Verletzung der Schweigepflicht (201 StGB) zu beachten [14, 18]. Hinsichtlich der Abrechnung und der dort vorstzlich vorgenommenen unrichtigen Abrechnungen sind als Straftatbestnde an den Betrug (263 StGB), die Urkundsdelikte (267ff. StGB) sowie an die Untreue (266 StGB) zu denken. Sollten im Einzelfall noch Amtstrger beteiligt sein, sind zustzlich die 331ff StGB zu beachten [14, 18]. Innerhalb des Arztstrafrechts sollten im Regelfall nur mit Hilfe eines Rechtsanwalts etwaige Aussagen als Beschuldigter gegenber der Polizei oder gegenber der Staatsanwaltschaft gemacht werden. Es bietet sich auch an, generell schon sehr frhzeitig einen Anwalt in das Verfahren einzubinden, da dieser ber die notwendige Fachkunde im Umgang mit der Staatsanwaltschaft verfgt. Verhalten gegenber der Polizei und der Staatsanwaltschaft Sollen bei einer staatsanwaltschaftlichen Durchsuchung Unterlagen beschlagnahmt werden, ist der Beschlagnahme nicht zuzustimmen. Ansonsten sollte man sich grundstzlich kooperativ zeigen, da sonst auch die Kooperationswilligkeit der Staatsanwaltschaft eingeschrnkt ist. Dies kann zur Konsequenz haben, dass keinerlei Unterlagen mehr in der Praxis sind, um Behandlungen ordnungsgem durchfhren zu knnen [18]. Bei einer Durchsuchsuchung der Praxis- und/oder Privatrume sollte darauf geachtet werden, dass inhaltliche Gesprche mit der Polizei oder den Beamten der Staatsanwaltschaft nicht gefhrt werden, da deren Inhalt durch einen Aktenvermerk Bestandteil der Ermittlungsakte wird [18]. Sollten insbesondere Krankenunterlagen beschlagnahmt werden, ist zu empfehlen, diese zu fotokopieren, damit man auch selbst ber eine ausreichende Informationsgrundlage verfgt, um ggf. inhaltlich argumentieren zu knnen. Gleiches gilt bei der Beschlagnahme von Abrechnungsunterlagen wegen Abrechnungsbetrugs. Diese Unterlagen sind fr eine weitere Verteidigung zwingend erforderliche Grundlagen. Speziell bei einer Beschlagnahme im Ermittlungsverfahren wegen eines Behandlungsfehlers ist gleichfalls der Haftpflichtversicherer unverzglich hiervon in Kenntnis zu setzen [11] und mit diesem abzustimmen, ob evtl. schon jetzt frhzeitig ein Privatgutachten in Auftrag gegeben werden soll, in welchem geprft Einstellung des Strafverfahrens gegen Zahlung einer Geldbue Da insbesondere im Arztstrafrecht ein erheblicher Ermittlungsaufwand auch fr die Staatsanwaltschaft besteht, stellt sich relativ schnell die Frage, ob nicht ein Einverstndnis zur Einstellung des Ermittlungsverfahrens ohne Zahlung einer Geldbue nach 153 StPO oder eine Einstellung gegen Zahlung einer Geldbue nach 153a StPO ausgesprochen werden sollte, sofern nicht eine Einstellung mangels Tatverdachts nach 170 Abs. 2 StPO in Betracht kommt. Die Einstellung nach 153a StPO bedarf der Zustimmung des Beschuldigten. Sie ist eine fr die Praxis nicht zu unterschtzende Vorschrift, mit der die Mglichkeit besteht, ohne vollstndige Ermittlung des Sachverhaltes das Ermittlungsverfahren einzustellen. Wird eine entsprechende Zustimmungserklrung abgegeben, gesteht der Arzt kein Eingestndnis ein, tatschlich falsch abgerechnet zu haben, es gilt fr ihn vielmehr dann nach wie vor die volle strafrechtliche Unschuldsvermutung [18]. Dies kann insbesondere innerhalb der vertragsarztrechtlichen Betrachtungsweise im Zusammenhang mit dem Abrechnungsbetrug oder auch fr berufsgerichtliche Manahmen von unschtzbarer Bedeutung sein. Des Weiteren ist abzuwgen, ob man tatschlich die Durchfhrung einer Hauptverhandlung wnscht. Hier spielen weniger juristische als vielmehr rein praktische berlegungen eine Rolle. Dabei ist zunchst zu bercksichtigen, dass die Durchfhrung einer Hauptverhandlung den Arzt nicht nur Zeit, sondern auch erhebliche Geldbetrge kostet, denn blicherweise werden solche Hauptverhandlungsverfahren aus anwaltlicher Sicht nur unter Zugrundelegung einer Honorarvereinbarung durchgefhrt, mit der Konsequenz, dass auch im Fall eines Freispruchs nicht smtliche Kosten fr die Vertretung durch einen Anwalt erstattet werden [18]. Auch ist zu bercksichtigen, dass die Durchfhrung der Hauptverhandlung zwingend die Anwesenheit des Arztes voraussetzt, er kann fr diese Zeit keinerlei weitere rztliche Ttigkeit ausben, was gleichfalls mit entsprechenden wirtschaftlichen Verlusten einhergeht [18]. Des Weiteren ist zu bercksichtigen, dass nach Nr. 26 Anordnung ber Mitteilungen in Strafsachen Abschriften der Anklageschrift sowohl der Approbationsbehrde als auch der rztekammer zur Verfgung gestellt werden. Dies kann dann noch weitere fr den Arzt zeitlich aufwndige Verwaltungsverfahren nach sich ziehen, die mit einer Einstellung nach 153a StPO vermieden werden wrden. Die rztekammern erfahren in einem solchen Fall von der Staatsanwaltschaft nichts hinsichtlich des Ermittlungsverfahrens [18]. Es ist reines Landesrecht, es orientiert sich jedoch an der Musterberufsordnung, auf die vorliegend Bezug genommen wird. Des Weiteren ist berufsrechtlich zu bercksichtigen, dass die Heilberufsgesetze der Lnder die Mglichkeit der Ahndung berufsrechtlicher Pflichtversten vorsehen. Dieses Landesrecht ist in allen Bundeslndern ziemlich hnlich, sodass hierzu auch allgemeine Ausfhrungen mglich sind. Sowohl der Behandlungsfehler als auch der Abrechnungsbetrug stellen als solches Verletzungen der Berufsordnung dar, was sich hinsichtlich des Behandlungsfehlers aus C Nr. 2 MBO und hinsichtlich des Abrechnungsbetruges aus 2 Abs. 2 MBO ergibt [1]. Die Heilberufsgesetze der jeweiligen Bundeslnder sehen bei Berufspflichtverletzungen grundstzlich folgende Manahmen vor [12]: F Verwarnung F Verweis F Geldbue bis 50.000,00 EUR F Entziehung des aktiven und passiven Kammerwahlrechts F Feststellung der Unwrdigkeit der Berufsausbung Auch dieses berufsgerichtliche Verfahren ist langwierig und kann den Arzt viel Zeit kosten. Es wird von den Verwaltungsgerichten gefhrt. Trauma Berufskrankh 2008 10 [Suppl 2]:203207 DOI 10.1007/s10039-008-1367-z Springer Medizin Verlag 2008 Haftung, Regress und rechtliche Konsequenzen fr den Arzt Zusammenfassung Die Konsequenzen eines fehlerhaften Verhaltens eines Arztes bei der Ausbung seiner rztlichen Ttigkeit sind vielfltig. Beim Behandlungsfehler ist die zivil- und strafrechtliche Haftung von besonderer Bedeutung. Hier ist eine enge Zusammenarbeit mit dem Haftpflichtversicherer erforderlich. Bei strafrechtlich relevanten Verfahren, sei es wegen eines Behandlungsfehlers oder wegen Abrechnungsbetrugs, ist frhzeitig die Einschaltung eines Anwalts erforderlich. Bei einem Abrechnungsbetrug ist immer die vertragsrztliche Zulassung oder die Zulassung als D- oder H-Arzt in Gefahr. Ferner ist mit nicht unerheblichen Honorarrckforderungen zu rechnen. Sowohl wegen des Behandlungsfehlers als auch bei Abrechnungsbetrug ist mit einem berufsgerichtlichen Verfahren zu rechnen oder auch an das Ruhen bzw. die Entziehung der Approbation zu denken. Schlsselwrter Behandlungsfehler Abrechnungsbetrug Approbation Berufsgerichtliches Verfahren Vertragsarztrecht Liability, recourse and legal consequences for the doctor Abstract The consequences of an incorrect action by a doctor while exercising his or her medical practice are manifold. For errors in treatment, civil and criminal liability is especially important. Here a close cooperation with the liability insurer is essential. For criminal proceedings, whether for errors in treatment or for fraudulent invoicing, retaining a lawyer early on is necessary. In case of fraudulent invoicing, there is always the danger of losing the contract status with the insurance company. Furthermore, the return of not insubstantial medical fees is to be anticipated. In the case of errors treatment as well as fraudulent invoicing, professional conduct proceedings are to be expected, and the suspension or even loss of accreditation is possible. Keywords Treatment error Fraudulent invoicing Licensure Professional conduct investigation Doctor-insurance contract law Diesbezglich kommt es beim Abrechnungsbetrug gleichfalls zu einer Vielzahl von Problemen, die der Arzt zu bewltigen hat. In der Praxis spielen hier Behandlungsfehler keine Rolle, obwohl man auch in diesem Zusammenhang davon ausgehen kann, dass eine Pflichtverletzung des Arztes vorlag, da er auch vertragsarztrechtlich verpflichtet ist, den allgemeinen rztlichen Standard einzuhalten. Speziell bei unrichtiger Abrechnung innerhalb der vertragsrztlichen Versorgung ist hinsichtlich des Abrechnungsbetruges zu bercksichtigen, dass aufgrund einer vorstzlich falsch abgegebenen Abrechnungssammelerklrung die Kassenrztliche Vereinigung berechtigt ist, den Honoraranspruch des Arztes neu zu schtzen [15]. Dabei rumt das Bundessozialgericht [2] der Kassenrztlichen Vereinigung ein breites Schtzungsermessen ein, das im Regelfall nach wie vor noch als richtig ausgebt gilt, wenn der Arzt auf den Fachgruppendurchschnitt gekrzt wird. Diese Entscheidung betraf einen Zeitraum, in dem Honorarbudgetierungen auf Grundlage der Honorarverteilungsmastbe bzw. des EBM keinerlei Rolle spielten. Ob dies unter Beachtung der nunmehr geltenden Budgetierungen auch innerhalb des EBM bzw. des Honorarverteilungsvertrages noch so uneingeschrnkt zur Anwendung gelangen kann, erscheint fraglich. Argumentativ wird man sich mit der Frage auseinandersetzen zu haben, ob unter Bercksichtigung der unrichtig abgerechneten Gebhrenziffern tatschlich ein geringerer Honoraranspruch existiert oder ob sich die Abrechnungsfehler auf den gesamten Honoraranspruch des Arztes nicht auswirken, da nach Bereinigung der Fehlerquote nach wie vor derselbe Honoraranspruch besteht. Sollte jedoch tatschlich Honorar zurckgefordert werden, haben weder Widerspruch noch die Klage aufschiebende Wirkung, was sich aus 85 Abs. 4 Satz 9 SGB V ergibt. Das hat zur Folge, dass das zurckgeforderte Honorar sofort zurckgezahlt werden muss. Um dies zu verhindern, besteht die Mglichkeit, nach 86b SGG einen Antrag zu stellen, dass die aufschiebende Wirkung des Widerspruchs bzw. der Klage angeordnet wird. Hierbei ist dann zu erlutern, warum der Honoraraufhebungs- und -rckforderungsbescheid rechtswidrig ist. Des Weiteren sind die wirtschaftlichen Konsequenzen auf die Praxis darzustellen. Wenn die Liquiditt der Praxis trotz der Rckforderung noch ausreichend ist, wird hufig bereits aus diesem Gesichtspunkt heraus ohne Prfung der materiellen Rechtmigkeit des Bescheides die Anordnung der aufschiebenden Wirkung des Widerspruchs/ der Klage abgelehnt. Sollte der Arzt eine Untreue begangen haben, wird er Schadensersatzansprchen der geschdigten Krankenkassen entgegensehen mssen. Auswirkungen auf die vertragsrztliche Ttigkeit Der Abrechnungsbetrug stellt nach gefestigter Rechtsprechung des BSG eine grbliche Pflichtverletzung dar, sodass unter Berufung auf 95 Abs. 6 Satz 1 SGB V die Zulassung entzogen werden kann, wobei seit 01.01.2007 auch die Mglichkeit existiert, diese nur hlftig zu entziehen (95 Abs. 6 Satz 2 SGB V) [6]. Der Berufungsausschuss hat zustzlich unter Berufung auf 97 Abs. 4 SGB V die Mglichkeit, die sofortige Vollziehung der Zulassungsentziehung anzuordnen. Dies ist nur dann zulssig, wenn ein besonderes ffentliches Interesse hierfr besteht. Dies aber ist in der Regel bereits zu bejahen, wenn der Arzt in unmittelbarer Vergangenheit vor der Entscheidung der Zulassungsgremien falsch abgerechnet hat. Berufsgenossenschaft Sollte speziell bei der berufsgenossenschaftlichen Ttigkeit ein Abrechnungsbetrug vorgekommen sein, besteht die Gefahr des Verlustes der Beteiligung als D- oder als H-Arzt im Sinne von 34 SGB VII. Dies geschieht im Wege des Verwaltungsaktes durch den zustndigen Landesverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften [3]. Die Berufsgenossenschaft kann hinsichtlich der Entziehung dieser Stellung die sofortige Vollziehung nach 86a Abs. 2 Nr. 5 SGG anordnen, sofern ein besonderes ffentliches Interesse besteht. Auch approbationsrechtlich kann ein strafrechtlich relevantes Verhalten des Arztes erhebliche Konsequenzen haben. Dies gilt nicht nur im Falle des Abrechnungsbetruges, sondern auch wenn Behandlungsfehler vorgekommen sind [7]. Das Ruhen der Approbation nach 6 Abs. 1 Nr. 1 BO kann dann angeordnet werden, wenn gegen den Arzt wegen des Verdachts einer Straftat, aus der sich seine Unwrdigkeit oder Unzuverlssigkeit zur Ausbung des rztlichen Berufs ergeben kann, ein Strafverfahren eingeleitet wird. Das Ruhen hat zum Inhalt, dass die Stellung als Arztes vorlufig verlustig wird und keine Berechtigung mehr besteht, berhaupt rztlich ttig zu sein [7]. Beim Ruhen der Approbation kann die sofortige Vollziehung nach 80 Abs. 2 Satz 1 Nr. 4 VwGO angeordnet werden. Hier bei ist aber zu beachten, dass dies einen erheblicher Eingriff in die Berufsfreiheit des Arztes aus Art. 12 GG darstellt, der einer ausfhrlichen Begrndung bedarf. Es muss dargelegt werden, warum zum Schutz wichtiger Gemeinschaftsgter eine sofortige Vollziehung erforderlich ist. Hierfr ist es notwendig, dass die Grnde weiter reichen als die das Ruhen der Approbation rechtfertigenden [4]. Ferner besteht die Mglichkeit, insbesondere bei einer rechtskrftigen Verurteilung innerhalb eines Strafverfahrens, den Widerruf der Approbation auszusprechen, was sich aus 5 Abs. 2 BO ergibt. Konsequenz hieraus sind der endgltige Verlust der Stellung als Arzt und auch der endgltige Verlust, rztlich ttig zu sein. Auch hinsichtlich des Widerrufs der Approbation besteht die Mglichkeit der Anordnung der sofortigen Vollziehung. Korrespondenzadresse J. Schroeder-Printzen Kanzlei Schroeder-Printzen Kaufmann & Kollegen, Potsdam Hannover Kurfrstenstrae 31, 14467 Potsdam Interessenkonflikt. Der korrespondierende Autor gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.


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J. Schroeder-Printzen. Haftung, Regress und rechtliche Konsequenzen für den Arzt, Trauma und Berufskrankheit, 2008, 203-207, DOI: 10.1007/s10039-008-1367-z