Winkelstabile Plattenosteosynthese für proximale Humerusfrakturen

Trauma und Berufskrankheit, Apr 2008

Fractures of the proximal humerus is one of the most common injuries suffered by humans, and its incidence is increasing rapidly, especially in elderly women. The main risk factor is osteoporosis, so that internal fixation of the eggshell-shaped fragments is the main challenge in its surgical treatment. In view of the high rate of necrosis of the humeral head and the unsatisfactory functional results, the old T-plate was replaced with “less invasive” procedures. For the three- and four-part humeral head fractures, fixed-angle plates are used with increasing frequency for internal fixation. Third-generation plates with polyaxial screws have already been developed. Initial studies with first-generation fixed-angle plates showed that the complication rate is still between 10% and 25% and that the Constant score in follow-up studies is betweeb 65% and 83%.

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Winkelstabile Plattenosteosynthese für proximale Humerusfrakturen

Trauma und Berufskrankheit Supplement 1 2008 | 39 - Epidemiologie Die proximale Humerusfraktur ist eine hufige Verletzung. Sie stellt etwa 45% aller Frakturen dar und ist die dritthufigste Fraktur des alten Menschen [13]. Ihre Inzidenz nimmt zu, was durch die Studie von Bengner et al. [1] belegt wurde. In den letzten 30 Jahren hat sich die Anzahl der proximalen Humerusfrakturen bei den ber 60-Jhrigen verdreifacht, wahrscheinlich aufgrund der hheren Lebenserwartung. In der schwedischen Studie von Horak u. Nilsson [7], mit 729 analysierten Frakturen, konnte die Osteoporose als Hauptursache der Brche von Handgelenk, Hfte und proximalem Humerus nachgewiesen werden. Auch wurde eine signifikante Korrelation zwischen dem Grad der Fragmentdislokation und dem Alter der Patienten gefunden. Die hufigste Verletzungsursache waren der direkte Anprall auf die Schulter oder der Sturz auf den gestreckten Arm [15]. Bei jngeren Patienten sind es hauptschlich die Sportunflle mit direktem Anprall der Schulter, welche zu einer proximalen Humerusfraktur fhren. Bei solchen Hochrasanztraumen sind die Frakturen hufig disloziert. Die dnische Studie von Lind et al. [11] ber 730 Frakturen zhlte 553 Frakturen bei der Frau (75,8%) und nur 177 beim Mann (24,2%), was einem Geschlechterverhltnis von 3:1 entspricht, bei einem Durchschnittsalter von 65,5 Jahren. Die globale Jahresinzidenz betrug 73 proximale Humerusfrakturen pro 100.000 Einwohner mit einem Hchstwert von 409:100.000 bei der Frau. In der amerikanischen Studie von Rose et al. [16] wurden hnliche Werte gefunden: Bei 274 proximalen Humerusfrakturen betrug die Jahresinzidenz 30,5:100.000 beim Mann und 63,3:100.000 bei der Frau. Dabei konnte ebenfalls eine hhere Inzidenz bei Frauen ber 50 Jahre nachgewiesen werden, mit einem Spitzensatz von 439,4:100.000 bei der 80-jhrigen Frau und einem Geschlechterverhltnis von 2,1:1. Neuere Studien aus Finnland [15] ergaben, dass sich die Inzidenz der stationr behandelten proximalen Humerusfraktur zwischen 1970 und 2002 verdreifachte (Inzidenzanstieg von 208:100.000 Einwohner im Jahr 1970 auf 1120:100.000 Einwohner im Jahr 2002) (. Abb.1, 2). Der grte Anteil, mit 75%, bezog sich auf Frauen >60 Jahre. Die Bruchursache war in 79% der direkte Sturz auf die Schulter. Der Frauenanteil unter den 28% hospitalisierten Patienten lag bei 75%, der Anteil der ber 60-Jhrigen ebenfalls. Ungefhr 80% der Frakturen waren nicht oder wenig disloziert und konnten konservativ behandelt werden. Dies korrespondiert auch mit den Studien von Neer [14]. Abb. 1 7 Inzidenz (pro 100.000 Einwohner) bei Patienten ber 60 Jahre der stationr behandelten osteoporotischen Frakturen des proximalen Humerus in Finnland von 1970 2002. (Nach [15]) z n ied300 z n I z n ied300 z n I Abb. 2 9 Altersspezifische Inzidenz (pro 100.000 Einwohner) der stationr behandelten osteoporotischen proximalen Humerusfrakturen bei a Frauen >60 Jahre und b Mnnern >60 Jahre in Finnland von 19702002, gefllte Quadrate 80 Jahre, Kreise 70 79 Jahre, offene Quadrate 6069 Jahre. (Nach [15]) Abb. 3 8 Eierschalenfrmige Fraktur und Hauptzug- und Dislokationsrichtungen der Fragmente bei der Neer-Klassifikation Die Osteoporose ist der Hauptrisikofaktor und somit auch die Hauptherausforderung bei der chirurgischen Versorgung. Die Osteosynthese und Retention der eierschalenfrmigen Fragmente knnen sich als sehr schwierig erweisen. Chu et al. [2] konnten in einer Studie von 2004 zeigen, dass die wichtigsten epidemiologischen Kofaktoren bei proximalen Humerusfrakturen die Osteoporose, das Alter und vorausgegangene Strze waren. Weitere Kofaktoren waren der SturzAbb. 4 8Verbundosteosynthese mittels T-Platte und Spongiosaschrauben einer 2-Teile Fraktur mechanismus (d h. direktes Anpralltrauma), Epilepsie und Einnahme von Antiepileptika, Depressionen, Diabetes mellitus und Linkshndigkeit. Therapie Grundlage fr eine erfolgreiche Behandlung sind die genaue Einschtzung der Fraktur und somit die genaue Klassifikation. Allerdings weisen die meist verwendeten Klassifikationen nur eine geringe Intra- und Interobserverreliabilitt auf [17]. Des Weiteren sollte die Einschtzung der Morbiditt und der Compliance des Patienten bercksichtigt werden. Im deutschsprachigen Raum hat sich die Klassifikation nach Neer [14] im klinischen Alltag durchgesetzt (. Abb.3 ). Der Zug der Sehnen auf die Fragmente fhrt zu der typischen Dislokationsform, sodass u. U. eine geschlossene Reposition nicht mglich ist. Nach Neer [14] werden folgende Fragmente differenziert: F das Tuberculum-majus-Fragment (Zug durch die Mm. supra- und infraspinatus nach kranial/dorsal) F das Tuberculum minus (Zug durch den M. subscapularis medial) F das Schaftfragment (Zug durch den M. pectoralis major nach ventral/medial) F das Kalottenfragment (kippt meistens nach dorsal) Etwa 8085% der proximalen Humerusfrakturen sind unverschoben oder wenig disloziert. Diese knnen oft frhfunktionell konservativ behandelt werden und ergeben dann gute Ergebnisse. Im Gegensatz dazu fhrt die konservative Behandlung der 3-und 4-Segment-Frakturen hufig zu einer schweren Funktionseinschrnkung der Schulter und geht mit einem erhhtem Risiko einer Humeruskopfnekrose von 911% [9] aufgrund der oft geschdigten Humeruskopfdurchblutung einher. Nach dem heutigen Stand der Literatur sind dislozierte 3- und 4-Fragment-Frakturen daher operativ zu versorgen, wenn keine anderweitige Kontraindikation vorliegt. Die operativen Mglichkeiten sind in . Tab.1 aufgefhrt Ziel der operativen Versorgung sind die anatomische Reposition und die exakte Wiederherstellung der Gelenkflche. Rotatorenmanschetteneinrisse sollten vernht und die Tuberkel sorgfltig reponiert werden. Ansonsten kommt es durch die verkrzten Hebelarme der dislozierten Tuberkel zu einer Verkrzung der Sehnenanstze und somit zu einer Kraftminderung. Ein Impingement durch Tuberkelfragmente, Osteosynthesematerial oder Narbengewebe ist mglichst zu verhindern. Bei lteren Patienten sollte ggf. die Implantation einer Hemiprothese bei nicht reponierbarer Humeruskopfsplitterfraktur frhzeitig bedacht werden. Die Bizepssehne, die A. circumflexa sowie der N. axillaris mssen geschont werden. Das Risiko eines Perfusionsschadens des Humeruskopfs kann durch eine behutsame Repositionstechnik und Weichteilschonung verringert werden. T-Platten-Osteosynthese Bis in die 1980er Jahre war fr die proximale mehrfragmentre Humeruskopffrak Zusammenfassung Abstract Trauma Berufskrankh 2008 10[Suppl 1]:3946 Springer Medizin Verlag 2008 T.Illert R.Grass H.Zwipp Winkelstabile Plattenosteosynthese fr proximale Humerusfrakturen. Konzept und Ergebnisse DOI 10.1007/s10039-007-1295-3 Zusammenfassung Die proximale Humerusfraktur ist eine der hufigsten Verletzungen des Menschen und nimmt an Inzidenz rapide zu, insbesondere bei lteren Frauen. Die Osteoporose ist ihr Hauptrisikofaktor, deswegen stellt die Osteosynthese der eierschalenfrmigen Fragmente auch die Hauptherausforderung bei der chirurgischen Versorgung dar. Aufgru (...truncated)


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T. Illert, R. Grass, H. Zwipp. Winkelstabile Plattenosteosynthese für proximale Humerusfrakturen, Trauma und Berufskrankheit, 2008, pp. 39-46, Volume 10, Issue 1, DOI: 10.1007/s10039-007-1295-3