Komplikationsmanagement bei Infektionen

Trauma und Berufskrankheit, Aug 2010

In eine Unfallklinik wird eine eindeutige Negativselektion mehrfach voroperierter Patienten mit erheblichen funktionellen Defiziten überwiesen, mit zudem mannigfaltigen Infektionsursachen. Der Zeitpunkt der Diagnosestellung und umgehenden radikalen Therapie ist für das Spätergebnis entscheidend. Bei jedem akutem Infekt in unserem Fachgebiet handelt es sich um einen Notfall, der umgehend unter Beteiligung eines erfahrenen Arztes revidiert werden muss. Die alleinige Punktion und Spülung eines Gelenks reichen nicht aus, eine sorgfältige postoperative Kontrolle ist unverzichtbar, wobei das C-reaktive Protein (CRP) eine Schlüsselstellung einnimmt. Eine alleinige Antibiotikagabe ohne operative Infektrevision ist nicht sinnvoll, desinfizierende Spüllösungen oder Zusetzungen von Antibiotika sollten wegen des Risikos der Knorpelschädigung nicht zum Einsatz kommen. Eine Implantatentfernung muss immer hinterfragt werden. Der negative Keimnachweis schließt den Infekt nicht aus. Ein evtl. Lappentransfer sollte so früh wie möglich erfolgen. Die persönliche Erfahrung des Behandlers im Umgang mit orthopädisch-chirurgischen Infektionen ist für das Outcome des Patienten entscheidend.

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Komplikationsmanagement bei Infektionen

- Bei jedem Infekt im chirurgisch-orthopdischen Fachgebiet handelt es sich um ein multifaktorielles Geschehen, welches nach wie vor grte Anforderungen an den behandelnden Arzt stellt [22, 24]. Dabei muss bedacht werden, dass Infektionen mit einliegendem Implantat eine andere Wertigkeit besitzen als Infektionen ohne ein solches. Im ersteren Fall sind 103 we niger Bakterien erforderlich, um einen Infekt entstehen zu lassen. Stetig zunehmende Erkenntnisse ber die Biofilmbildung [10, 23] fhren dazu, dass sich der sinnvolle Revisionszeitpunkt bei Implantaterhalt immer nher zum primren Operationszeitpunkt hin verschiebt. Die Frhdiagnostik einer Infektion ist somit zusammen mit einem hieraus resultierenden aggressiven chirurgischen Vorgehen das entscheidende Kriterium fr das sptere Endergebnis des Patienten. Nach Punktion oder Operation ist eine sorgfltige berwachung des Behandelten unverzichtbar. Es mangelt allerdings, wie die Erfahrung eines septischen Zentrums belegt, hufig an der persnlichen individuellen Erfahrung im Umgang mit dieser Komplikation. Unwidersprochen ist jedoch die Beobachtung, dass nur die sofortige kompetente Behandlung gute Langzeitergebnisse sichert [20, 31, 33] und jede Verzgerung nachteilige Folgen fr den Patienten mit sich bringt [33, 38]. Fr den von einer Komplikation persnlich Betroffenen ist es vllig unverstndlich, wie es hierzu kommen konnte (. Abb.1 ). Neben der persnlichen Verunsicherung spielen in der Gesamtproblematik auch sozialmedizinische Aspekte eine wesentliche Rolle [22, 27]. Funktionelle Folgeschden [11, 13, 26], persistierende Schmerzen und lngere stationre Behandlungszeiten, in seltenen Einzelfllen sogar der Tod des Patienten sind die Folgen zu spt erkannter Infektionen und fhren oft zu erheblichen Haftpflichtforderungen [13, 18, 31]. Die kliHier wird der Erhalt des Knorpels angestrebt, somit kommt dem Faktor Zeit eine noch grere Bedeutung zu. Die grundlegenden Arbeiten zu dieser Problematik gehen auf Riegels-Nielsen et al. [32] zurck. Bereits 24 h nach Infektionsbeginn werden lysosomale Enzyme in den Gelenkraum freigesetzt, aber erst nach weiteren 23 Tagen finden sich beginnende klinische Infektzeichen. Freigesetzte vermehrt produzierte Glukosamine fhren rasch zur Knorpelerweichung und zur Auffaserung der Knorpeloberflche. Einwandernde polymorphkernige Leukozyten zerfallen nach Aufnahme der Bakterien, wodurch lysosomale Enzyme freigesetzt werden. Zustzlich hat die Leukozytenproteinase mit ihrer enzymatischen Wirkung einen synergistischen Effekt [32] auf die Knorpelzerstrung. Durch proteolytische Enzyme aus Leukozyten und Synovia werden aus der Knorpelmatrix Proteoglykane herausgelst. Die entzndungsbedingten Fibrinbelge blockieren Absorptionen und behindern zustzlich die Knorpelernhrung [27]. All diese Mechanismen laufen innerhalb von 7 Tagen ab [22], danach beginnt der chronische Infekt. Bei nur 10-tgiger Dauer desselben muss bekanntermaen bereits mit einer Arthroserate von 25% gerechnet werden [1, 21]. Auch die Synovia nimmt am Prozess der Gelenkdestruktion teil. Auf das auslsende Agens reagiert sie ab Tag 3 mit einer unspezifischen Hypertrophie unabhngig vom auslsenden Erreger [32] und kann bereits nach 11 Tagen auf das bis zu 5-Fache angewachsen sein. Zu diesem Zeitpunkt beginnt die Synovia, den Knorpel als so genannter Pannus zu berwuchern, wodurch die Ernhrung der Knorpelzellen zustzlich empfindlich gestrt wird, da diese berwiegend durch Diffusion aus der Gelenkflssigkeit erfolgt. Diese im Stadium III und IV nach Gchter beschriebene Synoviahypertrophie mit berwachsen des Knorpels ist eigentlich als Schutzmechanismus des Organismus zum Knorpelerhalt zu verstehen, hat aber deletre Nebenwirkungen auf denselben [14, 37]. Ab Tag 17 der Gelenkinfektion kommt es zum Durchbruch der Gelenkkapsel, was die Ankylose nach 5 Wochen irreversibel einleitet [22, 32]. Manahmen. Allein eine Splung des Gelenks in der Frhphase mit Entfernung der in ihm vorhandenen Leukozyten fhrt zu einer Verminderung des Gesamtschadens, da dadurch die schdlichen Auswirkungen der Leukozytenproteinase auf den Knorpel unterbunden werden [22, 25]. Akute Protheseninfektion Wurde noch vor 10 Jahren eine 6-monatige Frist angesetzt, wird die Definition Frhinfekt mittlerweile auf einen Zeitraum von 34 Wochen nach der Implantation limitiert [33]. Gerade eine einliegende Endoprothese bedeutet hierbei den wesentlichen pathogenetischen Faktor. Darber hinaus konnte klar nachgewiesen werden, dass Bakterien, die adhrent auf Oberflchen von Endoprothesen im Biofilm haften, eine Resistenz gegen die bakterizide Wirkung von Antibiotika entwickeln knnen und dieses vernderte Resistenzmuster sogar beibehalten, wenn sie sich aus der sessilen Form in die planktonische umwandeln und sich von der Oberflche des Implantates wieder entfernt haben [9]. Liegt die Verdoppelungszeit von Bakterien blicherweise Zusammenfassung Abstract Trauma Berufskrankh 2010 12[Suppl 3]:236242 Springer-Verlag 2010 DOI 10.1007/s10039-010-1653-4 V.Heppert P.Herrmann P.Thoele C.Wagner Komplikationsmanagement bei Infektionen Zusammenfassung In eine Unfallklinik wird eine eindeutige Negativselektion mehrfach voroperierter Patienten mit erheblichen funktionellen Defiziten berwiesen, mit zudem mannigfaltigen Infektionsursachen. Der Zeitpunkt der Diagnosestellung und umgehenden radikalen Therapie ist fr das Sptergebnis entscheidend. Bei jedem akutem Infekt in unserem Fachgebiet handelt es sich um einen Notfall, der umgehend unter Beteiligung eines erfahrenen Arztes revidiert werden muss. Die alleinige Punktion und Splung eines Gelenks reichen nicht aus, eine sorgfltige postoperative Kontrolle ist unverzichtbar, wobei das C-reaktive Protein (CRP) eine Schlsselstellung einnimmt. Eine alleinige Antibiotikagabe ohne operative Infektrevision ist nicht sinnvoll, desAbstract Orthopaedic infections are rare complications in a trauma clinic but the frequency of infections after arthroplasty has increased significantly due to the fact that more and more arthroplastic interventions are carried out. In our level 1 trauma center there is a negative selection of patients who have undergone manifold surgical interventions presenting with functional deficits and also many causes of infection. What is fact? Diagnosis of infection should be carried out as soon as possible. Acute infection is an emergency case and should be operated on as soon as possible by experienced surgeons. Medical drainage alone is not sufficient therapy for joint infection and disinfectant solutions provoke cartilage damage. Clinical supervision after an operation is mandatory and measurement Management of complications of infections infizierende Spllsungen oder Zusetzungen von Antibiotika sollten wegen des Risikos der Knorpelschdigung nicht zum Einsatz kommen. Eine Implantatentfernung muss immer hinterfragt werden. Der negative Keimnachweis schliet den Infekt nicht aus. Ein evtl. Lappentransfer sollte so frh wie mglich erfolgen. Die persnlich (...truncated)


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Dr. V. Heppert, P. Herrmann, P. Thoele, C. Wagner. Komplikationsmanagement bei Infektionen, Trauma und Berufskrankheit, 2010, pp. 236-242, Volume 12, Issue 3, DOI: 10.1007/s10039-010-1653-4