Weichteilmanagement und knöcherne Rekonstruktion
Abteilung Septische Chirurgie Knochen-
Gelenk- und Protheseninfektionen
BG-Unfallklinik Ludwigshafen
Klinik fr Hand-
Plastische und Rekonstruktive Chirurgie - Schwerbrandverletztenzentrum
BG-Unfallklinik Ludwigshafen
Klinik fr Unfallchirurgie und Orthopdie
BG-Unfallklinik Ludwigshafen
Trauma und Berufskrankheit Supplement 2 2009 | 211
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Das Problem, mit dem wir uns im
vorliegenden Beitrag beschftigen, zhlt
zu den schwierigsten im Gebiet der
rekonstruktiven Chirurgie.
Grundstzlich mssen mehrere Fachgebiete
beteiligt sein, der Zugang zum Problem muss
immer multidisziplinr angelegt sein [13,
15, 16]. Dies macht aber nur dann Sinn,
wenn bereits zu Beginn der Behandlung
ein entsprechendes Gesamtkonzept
erstellt wird [8].
Die Vielfalt der
Komplikationsmglichkeiten whrend des
Krankheitsverlaufs bei Frakturen mit
Weichteilschaden erfordert eine stndige
berprfung und ggf. Korrektur des
eingeschlagenen Weges. Auch die therapeutische
Korrektur ist wiederum von den
einzelnen Fachgebieten individuell zu
berprfen. Eine falsche Strategie ist in derartigen
Fllen immer besser als berhaupt
keine Strategie, denn falsch angedachte
Lsungen zeigen ihre Probleme bei
sorgfltiger klinischer Kontrolle rasch und
knnen dann korrigiert werden. Abwarten
und nichts tun ist fr den Patienten
definitiv mit keinem Vorteil verbunden und
demzufolge kontraproduktiv. Leider sind
dennoch endlose Vakuumversiegelungen
(VVS) ohne jedes weiterfhrende
Konzept klinischer Alltag. Nach einer
Odyssee des Patienten wird dieser meist erst am
Schluss in ein septisches Zentrum
berwiesen. Dies kostet viel Geld und ntzt
niemandem auer der behandelnden
Klinik, da paradoxerweise abhngig von der
Anzahl der VVS die DRG-Vergtung
exponentiell zunimmt.
Von einer anderen Warte aus
betrachtet kann eine kurz angedachte
Amputation einen Patienten in die persnliche
Katastrophe fhren, seelisch, beruflich und
privat. In diesem Kontext mssen
folgende Fragen erlaubt sein:
F Kann und darf wirklich jeder
behandelnde Arzt die Entscheidung zu
einer Amputation treffen?
F Ist es nicht besser, bei einer solch
schwer wiegenden Entscheidung eine
2. Meinung einzuholen?
F Sollte in solchen Komplexfllen
vitale Indikation natrlich
ausgeschlossen nicht nur derjenige die
Indikation zur Amputation stellen, der die
heutigen Mglichkeiten des
Extremittenerhaltes kennt?
Osteomyelitis is infected dead bone,
surrendered by an envelope of compromised
soft tissue
so die Aussage von George Cierny III [2,
3]. Besser kann man das Problem nicht
beschreiben. Der Infekt des Knochens ist
nahezu immer mit schwierigen
Weichteilverhltnissen vergesellschaftet (. Abb.1 ).
Sie resultieren aus:
F dem Trauma
F den Voroperationen
F der chronischen Infektsituation
F regionalen bzw. systemischen
Durchblutungsstrungen.
Es steht immer am Anfang der
Behandlungskette. Lokale Kontusionen der Haut
fhren zu instabilen Narben und
regionalen Abflussstrungen, die hufig an
einer Braunverfrbung der Haut durch
Pigmenteinlagerungen zu erkennen sind
(. Abb.1b ). Diese Weichteile neigen bei
Revisionseingriffen zu
Wundkomplikationen. Bei der Indikation zu
Folgeeingriffen muss dies unbedingt bedacht werden.
Jede Operation hinterlsst Narbengewebe,
welches insbesondere nach multiplen
Voreingriffen den Zugang zum Knochen
ungemein erschwert. Hierdurch steigt das
Risiko von Wundheilungsstrungen.
Erforderliche notwendige Eingriffe am Knochen
(z. B. Osteosynthesen, Spongiosaplastiken)
werden daher zu vermeiden versucht, der
Heilungsverlauf verlngert sich [17].
Chronische Infektsituation
Beim akuten Infekt ist die gertete Haut
sehr vulnerabel. Eine einheitliche
Klassifikation existiert noch nicht [16].
Beim chronischen Infekt finden sich
manchmal 1 cm dicke Narbenplatten
ber dem Knochen. In diesem
Narbengewebe sind in der pathologischen
Untersuchung alle Zellen zu finden, die die
Infektion unterhalten. Ohne Sanierung
dieser Weichteile wird eine Infektberuhigung
nur schwer mglich sein.
Abb. 1 9 a Notwendigkeit einer
erneuten Lappenplastik nach Nekrose der Spitze
am M.-latissimus-dorsi-Lappen, Lsung des
Problems durch Rollstiellappen
(heutzutage nur noch sehr seltene
Ausnahmeindikationsstellungen), b schwere Strung der
Hauttrophik bei chronischer Osteitis
Abb. 2 9 a Defektsituation von Knochen und
Weichteilen, b bei longitudinaler Wunde: nicht
verschliebare Wunde als Folge der
Extremittenverkrzung
Abb. 3 9 a
Wiederherstellung der Stabilitt durch
Osteobridge bei
68-jhrigem Patienten nach
erfolglosem Versuch mit
freier Fibula, b radiologisches,
c klinisches
Ausheilungsergebnis
Abb. 4 8 a Chronische Osteitis der Tibia, Zustand nach 4 gescheiterten Lappenplastiken, proximaler Unterschenkel mit
einliegendem Spacer, b Defektsitus nach Dbridement, c verschlossene Wunde nach offenem Segmenttransport von distal in den
Tibiakopf, 4 Monate spter Fixateurabbau ohne weitere Folgeeingriffe
Regionalebzw.systemische
Durchblutungsstrungen
Sie frdern ebenfalls die
Wundheilungsstrung. Eine Gefdiagnostik (Pulse,
Doppler-, bildgebende Verfahren) sollte
bei zweifelhaften Befunden immer
durchgefhrt werden. Gegebenenfalls sind vor
der Lappenplastik gefchirurgische
Eingriffe indiziert.
Grundstzlich sollte jeder infizierte
Knochenanteil entfernt werden, um hnlich
der Tumorchirurgie grtmgliche
Sicherheit zu erzielen [12]. Dieser
Radikalitt sind aber durch individuelle Befunde
und das Risikoprofil des Patienten
Grenzen gesetzt: Krzere Defekte kann man
mit einer Extremittenverkrzung
sanieren [16], Defekte von 34 cm werden
nahezu berall mit Spongiosaplastik
berbrckt, grere Defekte mit dem
IlisarovVerfahren [16, 19], der freien Fibula oder
so genannten Compound Flaps [7].
Extremittenverkrzung. Bei einem
Knochendefekt von bis zu maximal 3 cm
ist die Verkrzung einer Extremitt mit
dem Patienten zu diskutieren. Dabei
hanTrauma Berufskrankh 2009 11 [Suppl 2]: 211216
Springer Medizin Verlag 2009
DOI 10.1007/s10039-008-1464-z
V.Heppert P.Herrmann P.Thoele M.Pelzer C.Wagner
Weichteilmanagement und kncherne Rekonstruktion
Soft tissue management and osseous reconstruction
Zusammenfassung
Auf dem Gebiet der Frakturbehandlung
wurden in den letzten Jahrzehnten erhebliche
Fortschritte erzielt. Gleiches gilt fr die
Entwicklung plastisch-rekonstruktiver Verfahren
zum Verschluss von Weichteildefekten. Aber
die sinnvolle Kombination dieser eigentlich
perfekt aufeinander abgestimmten
Verfahren im klinischen Alltag lsst leider ideale
Gesamtkonzepte zur Ausnahme werden.
Kontraproduktive Abrechnungsverfahren wie die
diagnosis related groups (DRG) werten
eine Amputation hufig gnstiger fr eine
Klinik als den Erhaltungsversuch einer
geschdigten Extremitt. Aber auch
Informationslcken der rzte/-innen ber die heute
gngigen Verfahren der anderen Gebiete sind
nicht wegzudiskutieren. Die Spezialisierung
Abstract
Fracture treatment has seen much progress
during the last decades, as has plastic
reconstructive surgery. New flaps were found for
closing soft tissue defects, and we can now
say that there is nearly no defect that cannot
be closed (...truncated)