Infektionen nach Verletzungen am Fuß
Matthias Bhler
Hergo G. K. Schmidt
Abteilung Septische Chirurgie
BG-Unfallklinik Frankfurt am Main
BG-Unfallkrankenhaus Hamburg
-
Fuinfektionen nach Trauma knnen nur
selten konservativ behandelt werden. Das
Infektionsausma ist durch Ultraschall,
Nativrntgen, CT, MRT und Szintigramm
einzugrenzen. Die operative Revision muss die
Ursachen der Infektion erkennen und
beseitigen, eine evtl. Gelenkbeteiligung
therapieren, Sequester und Nekrosen radikal
entfernen sowie die Instabilitt beheben.
Hautweichteildefekte sind sekundr plastisch zu
verschlieen, Knochendefekte mit
autogener Spongiosa aufzubauen. Zur Erreichung
rascher Belastungsfhigkeit sind alle
physiotherapeutischen Mglichkeiten
einschlielich teilentlastendem Gehapparat
einzusetzen.Trotz Anwendung aller geeigneten
Mittel verbleiben hufig Schdigungen, die
eine Berufshilfe und/oder Rentenleistungen
erfordern. Um schlechte Ergebnisse bei
Infektionen nach Verletzungen am Fu zu
vermeiden, muss in erster Linie der Patient mit
seinen individuellen Bedrfnissen behandelt
werden. Oft sind Etappenrevisionen
erforderlich, denn bekanntermaen verhelfen
viele kleine Schritte dazu, groe Probleme zu
lsen.
Fuinfektionen nach Trauma Diagnostik bei
Fuinfektionen Therapie von Infektionen
nach Verletzungen am Fu
Nach Verletzungen am Fu mit Durch
trennung des intakten, schtzenden
Hautmantels kann es auf
unterschiedlichen Wegen zur Infektion von
Weichteilen oder Knochenstrukturen
kommen. Zum einen kann eine hohe
primre Keiminokulation durch erfolgte
Traumatisierung, also als unmittelbare
Verletzungsfolge, zur Infektion fhren, zum
anderen kann eine sprunghafte
bakterielle Vermehrung in traumatisch
entstandenen Weichteil- und
Knochennekrosen eintreten, welche sekundr den
Behandlungsverlauf kompliziert.
Darber hinaus besteht die Mglichkeit einer
Infektauslsung durch die Einbringung
von Fremdmaterial und Bakterien
whrend der operativen Behandlung.
Der Fu ist besonders
infektionsgefhrdet, weil hier nur eine dnne
Weichteilabdeckung besteht und auch beim
Gesunden die Durchblutung dort
deutlich schlechter ist als in proximal
gelegenen Extremittenabschnitten. Es ist
bekannt, dass die Durchblutungsrate am
Fu 4-mal schlechter ist als
beispielsweise in der Umgebung des Hftgelenks,
an den oberen Extremitten oder am
Schdel. Darber hinaus manifestieren
sich gerade am Fu viele Symptome
anderer Erkrankungen besonders
ungnstig, wie z. B. bei Diabetes mellitus, dem
postthrombotischen Syndrom oder der
arteriellen Verschlusskrankheit. Die
genannten Grnde fhren zu einer
deutlich hheren Infektionsrate nach
Fuverletzungen, im Vergleich zu
Verletzungen in weiter proximal gelegenen
Abschnitten. Die postoperative
Infektrate ist am Fu hher als an der oberen
Extremitt.
Klinische Diagnostik
Nach konservativer oder operativer
Behandlung einer geschlossenen oder
offenen Fraktur ist der ungestrte
komplikationslose Heilverlauf durch
kontinuierlich abnehmende Schwellung in
Verbindung mit eintretender
Schmerzreduktion im Verlauf von etwa 7 Tagen
gekennzeichnet. Kommt es zu einer
Infektion, bilden sich die posttraumatischen
Symptome dagegen nicht kontinuierlich
zurck, es treten vielmehr weitere
Symptome hinzu. Es kommt zu den
klassischen Infektzeichen wie Rtung
(rubor) und berwrmung (calor).
Dabei entwickeln sich meist Fieber sowie,
beim Auftreten eines Abszesses, eine
fluktuierende Schwellung im
Verletzungsbereich. Bei phlegmonser
Ausbreitung findet sich eine zunehmende
Springer-Verlag 2003
M. Bhler H.G.K. Schmidt
Infections after foot injuries
When trauma is followed by infections in the
foot it is rarely possible to treat these
adequately by conservative means. After clinical
examination, both laboratory tests and
microbiological analysis are mandatory.The
severity and extent of the infection must be
determined by ultrasonography, plain X-rays,
CT, MRI and scintigraphy.The causes of the
infection must first be found and then
removed by specific surgical revision
techniques: any joint involvement must be
treated, instability eliminated, and radical
debridement performed to remove areas of
soft tissue necrosis and bone sequestra. Skin
and soft tissue defects need to be closed by
plastic reconstruction performed as a
secondary procedure; bony defects can be built
up with autogenous cancellous bone. All the
options open to physiotherapy, including
appliances allowing partial weight-bearing,
should be used with the aim of early
mobilisation and weight-bearing. Even so,
impairments that are sufficiently severe to require
occupational rehabilitation and/or justify a
partial disability pension often persist.To
avoid poor results of treatment in the case of
infections following injury to the foot, it is
essential that the primary treatment be
individually tailored to the patient. Frequent
revision is needed at each stage, since many
small steps can help to solve big problems.
schmerzhafte Hautrtung mit
Schwellung, wobei Spannungsblasen der Haut
auftreten knnen.
Wird die Infektion nicht rechtzeitig
erkannt, die Behandlung nicht
konsequent durchgefhrt, besteht die
Mglichkeit der Fistelentstehung mit serser,
spter eitriger Sekretion.Auch
infektbedingte Knochen- und
Weichgewebenekrosen knnen entstehen.
Unbehandelt kann die Infektion vom Fu
ausgehend metastatisch Infektionen in
anderen Extremittenabschnitten oder
Organen erzeugen. Die Infektion kann sich
aber auch kontinuierlich oder
diskontinuierlich nach zentral hin ber das
Subkutangewebe, die Faszien sowie die
Lymphbahnen ausbreiten. Auf diesem
Weg entstehen eine Fasziitis, eine
Lymphangitis oder eine Lymphadenitis.
Schlielich kann es bei unzureichender
oder zu spt eingeleiteter Therapie einer
Fuinfektion zur generalisierten
Infektion, also zur Sepsis mit
Multiorganversagen kommen, der Tod kann eintreten.
Laboruntersuchungen,
mikrobiologische Diagnostik
Im posttraumatischen
komplikationslosen Verlauf sind sowohl die BSG
beschleunigt als auch die Leukozytenzahl
sowie das CRP erhht. Entwickelt sich
eine Infektion, kommt es nicht zu einer
Normalisierung der genannten
Parameter, sie steigen vielmehr in
ungewhnlicher Weise sehr hoch an oder zeigen
nach kurzzeitiger Rckbildung ber
wenige Tage einen erneuten Anstieg. Trotz
persistierender Infektion knnen die
genannten Parameter im weiteren Verlauf,
also nach Wochen und Monaten, wieder
Normalwerte aufweisen, ohne dass die
Infektion saniert wurde, d. h. normale
Laborwerte schlieen eine Infektion
nicht aus. Die Beurteilung der
Laborwerte hat immer in Verbindung mit der
vorliegenden klinischen Situation zu
erfolgen.
Nach entstandener oder bei sich
entwickelnder Infektion ist es zwingend
erforderlich, die Art und speziell die
Resistenz des infektauslsenden Erregers
zu kennen, d. h. ein mikrobiologisches
Abradat wird bentigt. Eiter ist hufig
steril, es ist daher gnstiger, Gewebe
vom Rand der Infektion zu gewinnen.
Das gewonnene Abradat von infiziertem
Gewebe, entnommen mit Skalpell,
LuerZange oder Krettenlffel, muss
mglichst rasch, in einem geeigneten
Transportmedium eingebettet, zur
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