Infekte der Hand
Klinik fr Hand-
Plastische
Rekonstruktive und Verbrennungschirurgie
BG-Unfallklinik
Eberhard-Karls-Universitt Tbingen
Tbingen
Insbesondere durch zu spte sowie hufig unzureichende chirurgische Intervention bei Handinfektionen kommt es nicht nur zu langen Arbeitsunfhigkeitszeiten, sondern auch zu schweren funktionellen Strungen der Hand. Die Hauptursache eines zu spten Eingreifens liegt in der Bagatellisierung von Verletzungen, die zu Handinfektionen fhren (. Abb.1, 2, 3), und in einer unsachgemen Primrbehandlung. Einer Statistik aus dem Jahr 1988 an 91 Patienten mit Handinfektionen zufolge wurden immerhin 32% der Patienten spter als 1 Woche nach der Verletzung einer chirurgischen Therapie zugefhrt, obwohl sie vor der Klinikeinweisung alle unter hausrztlicher Kontrolle gestanden hatten [1].
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Der Pathomechanismus einer
Handinfektion beginnt mit einer Einschmelzung,
gefolgt von einer Zerstrung spezifischer
Gewebestrukturen zunchst im Bereich
der Eintrittspforte. Dieser Prozess
breitet sich allmhlich weiter aus und fhrt
zu einer Erhhung des inneren
Gewebedrucks besonders im gekammerten
System der Finger- und Handinnenflche.
Damit kommt es zu einer entsprechend
starken Schmerzentwicklung. Mit
berschreitung der einzelnen
Kammergrenzen (. Abb.4, 5) wird meist ber die
Beugesehnenscheiden eine
fortschreitende phlegmonse Entzndung eingeleitet,
bis es schlielich zu einer
lebensbedrohlichen Bakterimie und Sepsis kommt.
In 75% der aufgetretenen
Handinfektionen wurde die urschliche Verletzung
als Bagatellverletzung eingestuft [1].
Insbesondere an der Hand erscheinen die
aufgetretenen Verletzungen aufgrund der
uerlichen Gre hufig als geringfgig.
Patienten, die sich mit so genannten
Bagatellverletzungen an der Hand vorstellen,
bentigen die gleiche anamnestische und
diagnostische Abklrung wie Patienten
mit greren Verletzungen. Die
eingehende Anamneseerhebung, Inspektion,
Palpation und Funktionstestungen
gehren ebenso zu dieser Abklrung wie die
Labor- und Rntgendiagnostik.
Bei der Anamnese ist die
Fragestellung nach der Schmerzlokalisation, die
aber hufig nur ungenau angegeben
werden kann, und Schmerzintensitt von
eminenter Bedeutung bezglich der
weiteren Indikationsstellung zur Operation.
Ein pochender, die Nachtruhe strender
Schmerz ist Ausdruck der Erhhung
des inneren Gewebedrucks im
entsprechenden Kompartment der Hand und
damit eine absolute Operationsindikation!
Auch bei der klinischen Untersuchung
ist auf die Schmerzlokalisation, die
fortgeleitete Schmerzsymptomatik (z. B. im
Verlauf der Sehnenscheiden) und die
schmerzbedingte
Funktionsbeeintrchtigung (z. B. Schmerzen bei
Beugung/Streckung oder Schonhaltung) grtes
Augenmerk zu legen und bei
Vorhandensein derartiger Beschwerden und
Funktionsausflle die sofortige
Operationsindikation zu stellen. Die Art der Schwellung
und Rtung, die Herabsetzung der
Sensibilitt und Beweglichkeit und/oder
Fieber bestimmen in gleichem Ma die
Indikationsstellung, das operative Vorgehen
und die begleitende, u. U. nach dem
chirurgischen Dbridement einzuleitende
antibiotische Therapie.
Die Rntgendiagnostik klrt ber evtl.
Fremdkrpereinsprengungen oder
Osteolysen auf und bestimmt hufig genug
das entsprechende operative Vorgehen
(. Abb.3 ).
Die operative Planung und das
operative Vorgehen erfolgen weit ber die
vermuteten Infektionsgrenzen hinaus bis
ins gesunde Gewebe (. Abb.6, 7).
Dies gilt auch fr die Wahl des
ansthesistischen Verfahrens. Als Faustregel gilt hier,
dass zwischen dem Infekt und der zu
setzenden u. U. geplanten
Leitungsansthesie mindestens 2 Gelenke im Abstand zum
Infektionsort gewhlt werden. Der
Eingriff wird in Oberarmblutsperre mit einer
grozgigen Schnittfhrung nach
handchirurgischen Prinzipien und mit
mikrochirurgischen Methoden durchgefhrt
(Lupenbrille, Mikroskop,
mikrochirurgisches Instrumentarium). Das
Dbridement smtlichen eingeschmolzenen
Gewebes erfolgt bis in gut durchblutete
Strukturen ohne Rcksicht auf den
Funktionsverlust und den hinterlassenen
Defekt (. Abb.8 ). Ein ausreichendes
Dbridement erfordert hufig genug einen
plasDas Abstract dieses Vortrags wird regional im
Abstractband des LVBG Thringen verffentlicht
(ohne Bilder).
Abb. 1 8 Infektion nach Fremdkrperverletzung des Fingerendglieds, mgliche Ursachen: unbemerktes Eindringen,
unvollstndige Fremdkrperentfernung, a deutliche Rtung und Schwellung, b Dbridement und Antibiotikakettentherapie, c
entfernter Fremdkrper
Abb. 2 7 Infektion des
Fingermittelglieds nach
Fremdkrperverletzung,
a Klinik, b,c
Fremdkrperentfernung und
grozgiges Dbridement, d
ent
fernter Fremdkrper
Abb. 3 8 Als Bagatellverletzung verkannte bzw. bagatellisierte und ohne Diagnose fehlbehandelte infizierte
Hochdruckinjektionsverletzung, a Klinik, b Rntgen, c grozgiges Dbridement
148 | Trauma und Berufskrankheit Supplement 1 2008
Abb. 4 9 Kammergrenzen
berschreitende
Infektausbreitung nach geringfgig
erscheinender
Primrverletzung des Mittelfingers,
a Klinik, b,c
Operationsplanung, d Operation
Abb. 5 9
Infektausbreitung im Kammersystem
der Hand nach Verletzung
des Mittelfingers, a
infizierte Wunde, b deutliche
Schwellung des
betroffenen Fingers, c
umfangreiches Dbridement, d
rekonstruktiver
Defektverschluss
Abb. 6 8Weit ber die vermuteten Infektionsgrenzen hinausgehende Operationsplanung, a deutliche Schwellung und
Rtung der infizierten Hand, b,c Dbridement smtlichen eingeschmolzenen Gewebes bis in gut durchblutete Strukturen
Abb. 7 8 Folgen einer ungengenden pr- und intraoperativen Planung und Indikationsstellung (a,b) zum Revisionseingriff,
beachte die Einstichstellen einer zu nahe am Infektionsort gesetzten Lokalansthesie und die insuffiziente Schnittfhrung (c)
Abb. 8 8 Sofortige chirurgische Indikationsstellung (a), Dbridement bis ins Gesunde (b) ohne Rcksicht auf Wundverschluss (c)
Abb. 9 7 Nach ausreichendem Dbridement
er
forderlicher plastisch chirurgischer
Defektverschluss, a infizierte Wunde, bd
Ausheilungsergebnis nach Deckung durch heterodigitalen
Insellappen vom streckseitigen Grundglied des
Zeigefingers (Foucher)
Zusammenfassung Abstract
H.-E.Schaller
Infekte der Hand
Zusammenfassung
Durch zu spte und/oder unzureichende
chirurgische Intervention bei Handinfektionen
kommt es zu langen
Arbeitsunfhigkeitszeiten sowie schweren funktionellen
Strungen der Hand. Urschlich fr das zu spte
Eingreifen knnen eine Bagatellisierung von
Verletzungen oder eine unsachgeme
Primrbehandlung sein. Um diese schweren
Komplikationen nach Handverletzungen zu
vermeiden, muss bei Patienten, die sich mit
so genannten Bagatellverletzungen an der
Hand vorstellen, die gleiche anamnestische/
diagnostische Abklrung wie bei Patienten
mit greren Verletzungen durchgefhrt
werden. Die operative Planung und Technik
erfolgen weit ber die vermuteten
Infektionsgrenzen hinaus bis ins gesunde Gewebe
Infections of the hand
Abstract
Delayed or insufficient surgical
intervention of hand infections can lead to long
periods of being unfit for work as well as severe
functional disabilities of the hand. The
reasons that surg (...truncated)