Metatarsus

Trauma und Berufskrankheit, Dec 2007

Der Metatarsus des menschlichen Fußskeletts umfasst nicht nur die 5 Metatarsalia, sondern auch das nach proximal angrenzende Lisfranc-Gelenk, die nach distal folgenden 5 Zehengrundgliedgelenke sowie die Sesambeine. Korrekturmöglichkeiten im Sinne der reorientierenden Arthrodese nach Fehlheilungen sind am häufigsten nach nicht erkannter oder insuffizient behandelter Lisfranc-Luxationsfraktur beobachtbar. Knöcherne Fehlstellungen der Metatarsalia sind insgesamt relativ selten, am ehesten jedoch bei nach zu weit nach plantar fehlverheilten Metatarsaliaköpfchen. Diese führen zu erheblichen metatarsalgieformen Problemen, sodass nur eine deflektierende Osteotomie eine Verbesserung erwarten lässt. Pseudarthrosen sind am ehesten im Bereich des 5. Mittelfußstrahls beobachtbar, und zwar v. a. nach konservativ behandelter Abrissfraktur dessen Basis oder nach Jones-Fraktur, welche durch Anfrischung, lokoregionäre Spongiosaplastik, Zuggurtungs- oder Plättchenosteosynthese in der Regel zur Ausheilung zu bringen sind. Selbst bei diastatischem Nichtverheilen einer veralteten Sesambeinfraktur kann eine sekundäre Korrektur mit Minischrauben und/oder Zuggurtung einen großen Gewinn für den Patienten darstellen.

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Metatarsus

Veraltete Lisfranc-Ligament-Instabilitt Nach der neuen AO-ICI-Fuklassifikation [5] umfasst der Metatarsus nicht nur die 5 Mittelfuknochen, sondern auch die angrenzenden Gelenke, d. h. krpernah die gesamte Lisfranc-Gelenk-Linie, krperfern die Metatarsophalangealgelenke I-V sowie die Sesambeine (. Abb.1 ). Mgliche Fehl- und Defektheilungen umfassen somit veraltete/chronische ligamentre Instabilitten der Lisfranc- und Zehengrundgliedgelenke, fehlverheilte (malunion) und nicht verheilte (nonunion) Frakturen oder Defektsituationen der Metatarsalia einschlielich ihrer angrenzenden Gelenke. Auch die noch seltenere, veraltete Fraktur oder Pseudarthrose des Sesambeins kann eine operative Korrektur erfordern. - An einem Fallbeispiel (. Abb.2 ) soll gezeigt werden, dass ein anatomischer Bandersatz des biomechanisch relevanten Lisfranc-Ligaments mglich ist und zum Erhalt der vollen Funktion insbesondere bei Leistungsportlern die sonst notwendige Arthrodese vermeiden lsst. Diese als subtle injury bekannt gewordene Entitt [1] wird hufig bersehen, radiologisch meist nur bei Vorliegen eines kleinen knchernen Ausrisses (Fleck-Zeichen) oder erst bei gezielter diagnostischer Suche mittels Bildwandlerstresstest [3] erkannt. Bei akuter Verletzung knnen MRT- oder CT-Aufnahmen [2], in chronischen Fllen Rntgenbelastungsaufnahrientierende Lisfranc-Arthrodese notwendig wird. Ist nur die mediale Sule betroffen (. Abb.3 ad), ist die Reorientierung der Achse mit Fusion der Metatarsalia I III zu den Cuneiformia IIII ausreichend. Ist die gesamte Lisfranc-Reihe im Sinne einer veralteten homolateralen Verletzung chronisch nach lateral subluxiert (. Abb.4 ), insbesondere unter Mitbeteiligung einer veralteten Kuboidfraktur, ist eine Reorientierung nur mglich, wenn das gesamte Lisfranc-Gelenk ausgerumt und die Metatarsalia in achsengerechter Position zu den 3 Cuneiformia bzw. zum Kuboid in beiden Ebenen korrekt eingestellt und verschraubt werden. Dies ist nur ber 2 dorsale Lngsinzisionen mit ausreichender Hautbrcke (5 cm) und gelegentlich zustzlich notwendiger autologer Spongiosatransplantation durchfhrbar [4]. Abb. 17Neue AO-ICIKlassifikation [5]: Metatarsus entspricht Lokalisation 83.1.15, bestehend aus den 5 Metatarsalia mit den proximal angrenzenden Lisfranc-Gelenken und den nach distal angrenzenden Metatarsophalangealgelenken sowie den beiden unter dem Mittelfukpfchen I positionierten Sesambeinen mit der Lokalisationsziffer 83.5.1/2 Abb. 2ad 9 Veraltete isolierte Ruptur des Lisfranc-Ligaments. a MRT nach 6 Wochen: veraltete Ruptur (Pfeil) erkennbar, b Belastungsaufnahmen im Stehen: pathomechanische Bedeutung mit deutlicher Erweiterung des Spatiums zwischen MT-I- und MT-II-Basis (Pfeil) sowie partieller Instabilitt zwischen C1 und C2 ersichtlich, c anatomischen Ersatz mit hlftig aus der Grozehenstreckersehne entnommenem Sehnenspan unter Reposition von MT I zu MT II und Setzen von entsprechenden, 8 Wochen belassenen Stellschrauben, d biomechanische Stabilitt im 1-Jahres-Kontrollergebnis Zusammenfassung Der Metatarsus des menschlichen Fuskeletts umfasst nicht nur die 5 Metatarsalia, sondern auch das nach proximal angrenzende Lisfranc-Gelenk, die nach distal folgenden 5 Zehengrundgliedgelenke sowie die Sesambeine. Korrekturmglichkeiten im Sinne der reorientierenden Arthrodese nach Fehlheilungen sind am hufigsten nach nicht erkannter oder insuffizient behandelter Lisfranc-Luxationsfraktur beobachtbar. Kncherne Fehlstellungen der Metatarsalia sind insgesamt relativ selten, am ehesten jedoch bei nach zu weit nach plantar fehlverheilten Metatarsaliakpfchen. Diese fhren zu erheblichen metatarsalgieformen Problemen, sodass nur eine deflektierende Osteotomie eine Verbesserung erwarten lsst. PseudarthroAbstract The metatarsus of the human foot does not consist solely of the five metatarsals, but also includes the Lisfranc joint in the proximal direction, the five metatarso-phalangeal joints of the toes further distally, and the sesamoid bones. Possible corrections, such as arthrodesis for realignment following malunion, are observed mostly after Lisfranc dislocation fractures that have gone unrecognised or been inadequately treated. Bony malalignment of the metatarsals is relatively rare overall, arising mostly when metatarsal heads have been too far towards the plantar surface after healing. This leads to considerable problems with metatarsal head pain, so that improvement cannot be expected exThe metatarsus. Possible corrections following malunion and persistent defect after healing Fehlverheiltes Metatarsale (malunion) Fehlverheilungen eines der Metatarsalia, die eine operative Korrektur erforderlich machen, sind nach eigener Beobachtung extrem selten. Sie sind am ehesten noch beobachtbar bei komplexeren Vorfutraumen (distalen Schaftfrakturen, subkapitalen Brchen und intraartikulren Luxationsfrakturen der Metatarsaliakpfchen), die aufgrund des schweren Weichteilschadens initial minimalinvasive Vorgehensweisen erfordern (. Abb.5 a,b) oder beim polytraumatisierten Patienten nicht erkannt oder inadquat behandelt werden. Whrend Achsabweichungen im Sinne der Abduktion/Adduktion erst ab etwa 30 problematisch werden, sind Fehlstellungen des Mittelfukpfchens nach dorsal, aber insbesondere nach plantar um nur einige mm in der Regel immer problematisch. Ist das Kpfchen zu weit nach dorsal fehlverheilt, mssen die benachbarten Metatarsaliakpfchen vermehrt Last aufnehmen, ist es zu weit nach plantar fehlverheilt (. Abb.5 c,d), entwickelt sich rasch eine sehr ausgeprgte Metatarsalgie, die eine Deflexion der Kpfchenposition erfordert (. Abb.5 eg). Nicht verheiltes Metatarsale (nonunion) Pseudarthrosen im Bereich der Metatarsalia finden sich am hufigsten nach Abrissfraktur der MFK-V-Basis oder nach Jones-Fraktur (. Abb.6 ). Whrend an der MFK-V-Basis die Anfrischung der Pseudarthrose ggf. kombiniert mit lokoregionrer Spongiosatransplantation aus dem Kuboid kombiniert mit Zuggurtungsosteosynthese zur Ausheilung fhrt [4], ist dieses Verfahren bei einer Pseudarthrose nach Jones-Fraktur nicht ausreichend, da diese im schlecht durchbluteten metaphysren Bereich des 5. Mittelfuknochens lokalisiert ist. In manchen Fllen kann sie mit intramedullrer Zugschraubenosteosynthese zur Ausheilung gebracht werden, in anderen Fllen (. Abb.6 ) mittels Anfrischung, kleiner lokoregionrer Spongiosatransplantation und Miniplttchenosteosynthese. Zusammenfassung Abstract Trauma Berufskrankh 2007 9[Suppl 3]: S315S322 Springer Medizin Verlag 2007 DOI 10.1007/s10039-007-1282-8 H.Zwipp Metatarsus. Korrekturmglichkeiten nach Fehl- und Defektheilungen sen sind am ehesten im Bereich des 5. Mittelfustrahls beobachtbar, und zwar v. a. nach konservativ behandelter Abrissfraktur dessen Basis oder nach Jones-Fraktur, welche durch Anfrischung, lokoregionre Spongiosaplastik, Zuggurtungs- oder Plttchenosteosynthese in der Regel zur Ausheilung zu bringen sind. Selbst bei diastatischem Nichtverheilen einer veralteten Sesambeinfraktur kann eine sekundre (...truncated)


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Prof. Dr. H. Zwipp. Metatarsus, Trauma und Berufskrankheit, 2007, pp. S315-S322, Volume 9, Issue 3 Supplement, DOI: 10.1007/s10039-007-1282-8