Metatarsus
Veraltete Lisfranc-Ligament-Instabilitt
Nach der neuen AO-ICI-Fuklassifikation [5] umfasst der Metatarsus nicht nur die 5 Mittelfuknochen, sondern auch die angrenzenden Gelenke, d. h. krpernah die gesamte Lisfranc-Gelenk-Linie, krperfern die Metatarsophalangealgelenke I-V sowie die Sesambeine (. Abb.1 ). Mgliche Fehl- und Defektheilungen umfassen somit veraltete/chronische ligamentre Instabilitten der Lisfranc- und Zehengrundgliedgelenke, fehlverheilte (malunion) und nicht verheilte (nonunion) Frakturen oder Defektsituationen der Metatarsalia einschlielich ihrer angrenzenden Gelenke. Auch die noch seltenere, veraltete Fraktur oder Pseudarthrose des Sesambeins kann eine operative Korrektur erfordern.
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An einem Fallbeispiel (. Abb.2 ) soll
gezeigt werden, dass ein anatomischer
Bandersatz des biomechanisch relevanten
Lisfranc-Ligaments mglich ist und zum
Erhalt der vollen Funktion insbesondere bei
Leistungsportlern die sonst notwendige
Arthrodese vermeiden lsst.
Diese als subtle injury bekannt
gewordene Entitt [1] wird hufig bersehen,
radiologisch meist nur bei Vorliegen eines
kleinen knchernen Ausrisses
(Fleck-Zeichen) oder erst bei gezielter
diagnostischer Suche mittels Bildwandlerstresstest
[3] erkannt. Bei akuter Verletzung knnen
MRT- oder CT-Aufnahmen [2], in
chronischen Fllen
Rntgenbelastungsaufnahrientierende Lisfranc-Arthrodese
notwendig wird. Ist nur die mediale Sule
betroffen (. Abb.3 ad), ist die Reorientierung
der Achse mit Fusion der Metatarsalia I
III zu den Cuneiformia IIII ausreichend.
Ist die gesamte Lisfranc-Reihe im
Sinne einer veralteten homolateralen
Verletzung chronisch nach lateral subluxiert
(. Abb.4 ), insbesondere unter
Mitbeteiligung einer veralteten Kuboidfraktur, ist
eine Reorientierung nur mglich, wenn
das gesamte Lisfranc-Gelenk ausgerumt
und die Metatarsalia in achsengerechter
Position zu den 3 Cuneiformia bzw. zum
Kuboid in beiden Ebenen korrekt
eingestellt und verschraubt werden. Dies ist nur
ber 2 dorsale Lngsinzisionen mit
ausreichender Hautbrcke (5 cm) und
gelegentlich zustzlich notwendiger
autologer Spongiosatransplantation
durchfhrbar [4].
Abb. 17Neue
AO-ICIKlassifikation [5]:
Metatarsus entspricht
Lokalisation 83.1.15,
bestehend aus den 5
Metatarsalia mit den
proximal angrenzenden
Lisfranc-Gelenken und
den nach distal
angrenzenden
Metatarsophalangealgelenken sowie
den beiden unter dem
Mittelfukpfchen I
positionierten
Sesambeinen mit der
Lokalisationsziffer 83.5.1/2
Abb. 2ad 9 Veraltete isolierte Ruptur des
Lisfranc-Ligaments. a MRT nach 6 Wochen:
veraltete Ruptur (Pfeil) erkennbar, b
Belastungsaufnahmen im Stehen: pathomechanische Bedeutung
mit deutlicher Erweiterung des Spatiums
zwischen MT-I- und MT-II-Basis (Pfeil) sowie
partieller Instabilitt zwischen C1 und C2 ersichtlich,
c anatomischen Ersatz mit hlftig aus der
Grozehenstreckersehne entnommenem
Sehnenspan unter Reposition von MT I zu MT II und
Setzen von entsprechenden, 8 Wochen belassenen
Stellschrauben, d biomechanische Stabilitt im
1-Jahres-Kontrollergebnis
Zusammenfassung
Der Metatarsus des menschlichen Fuskeletts
umfasst nicht nur die 5 Metatarsalia,
sondern auch das nach proximal angrenzende
Lisfranc-Gelenk, die nach distal folgenden 5
Zehengrundgliedgelenke sowie die
Sesambeine. Korrekturmglichkeiten im Sinne der
reorientierenden Arthrodese nach
Fehlheilungen sind am hufigsten nach nicht
erkannter oder insuffizient behandelter
Lisfranc-Luxationsfraktur beobachtbar.
Kncherne Fehlstellungen der Metatarsalia sind
insgesamt relativ selten, am ehesten jedoch
bei nach zu weit nach plantar fehlverheilten
Metatarsaliakpfchen. Diese fhren zu
erheblichen metatarsalgieformen Problemen,
sodass nur eine deflektierende Osteotomie
eine Verbesserung erwarten lsst.
PseudarthroAbstract
The metatarsus of the human foot does not
consist solely of the five metatarsals, but
also includes the Lisfranc joint in the
proximal direction, the five
metatarso-phalangeal joints of the toes further distally, and the
sesamoid bones. Possible corrections, such
as arthrodesis for realignment following
malunion, are observed mostly after Lisfranc
dislocation fractures that have gone
unrecognised or been inadequately treated. Bony
malalignment of the metatarsals is
relatively rare overall, arising mostly when
metatarsal heads have been too far towards the
plantar surface after healing. This leads to
considerable problems with metatarsal head pain,
so that improvement cannot be expected
exThe metatarsus. Possible corrections following
malunion and persistent defect after healing
Fehlverheiltes Metatarsale (malunion)
Fehlverheilungen eines der Metatarsalia,
die eine operative Korrektur erforderlich
machen, sind nach eigener Beobachtung
extrem selten. Sie sind am ehesten noch
beobachtbar bei komplexeren
Vorfutraumen (distalen Schaftfrakturen,
subkapitalen Brchen und intraartikulren
Luxationsfrakturen der
Metatarsaliakpfchen), die aufgrund des schweren
Weichteilschadens initial minimalinvasive
Vorgehensweisen erfordern (. Abb.5 a,b)
oder beim polytraumatisierten Patienten
nicht erkannt oder inadquat behandelt
werden. Whrend Achsabweichungen
im Sinne der Abduktion/Adduktion erst
ab etwa 30 problematisch werden, sind
Fehlstellungen des Mittelfukpfchens
nach dorsal, aber insbesondere nach
plantar um nur einige mm in der Regel
immer problematisch. Ist das Kpfchen zu
weit nach dorsal fehlverheilt, mssen die
benachbarten Metatarsaliakpfchen
vermehrt Last aufnehmen, ist es zu weit nach
plantar fehlverheilt (. Abb.5 c,d),
entwickelt sich rasch eine sehr ausgeprgte
Metatarsalgie, die eine Deflexion der
Kpfchenposition erfordert (. Abb.5 eg).
Nicht verheiltes Metatarsale
(nonunion)
Pseudarthrosen im Bereich der
Metatarsalia finden sich am hufigsten nach
Abrissfraktur der MFK-V-Basis oder nach
Jones-Fraktur (. Abb.6 ). Whrend an
der MFK-V-Basis die Anfrischung der
Pseudarthrose ggf. kombiniert mit
lokoregionrer Spongiosatransplantation aus
dem Kuboid kombiniert mit
Zuggurtungsosteosynthese zur Ausheilung fhrt
[4], ist dieses Verfahren bei einer
Pseudarthrose nach Jones-Fraktur nicht
ausreichend, da diese im schlecht
durchbluteten metaphysren Bereich des 5.
Mittelfuknochens lokalisiert ist. In
manchen Fllen kann sie mit intramedullrer
Zugschraubenosteosynthese zur
Ausheilung gebracht werden, in anderen Fllen
(. Abb.6 ) mittels Anfrischung, kleiner
lokoregionrer Spongiosatransplantation
und Miniplttchenosteosynthese.
Zusammenfassung Abstract
Trauma Berufskrankh 2007 9[Suppl 3]: S315S322
Springer Medizin Verlag 2007
DOI 10.1007/s10039-007-1282-8
H.Zwipp
Metatarsus. Korrekturmglichkeiten nach Fehl- und Defektheilungen
sen sind am ehesten im Bereich des 5.
Mittelfustrahls beobachtbar, und zwar v. a. nach
konservativ behandelter Abrissfraktur dessen
Basis oder nach Jones-Fraktur, welche durch
Anfrischung, lokoregionre
Spongiosaplastik, Zuggurtungs- oder
Plttchenosteosynthese in der Regel zur Ausheilung zu bringen
sind. Selbst bei diastatischem Nichtverheilen
einer veralteten Sesambeinfraktur kann eine
sekundre (...truncated)