Historischer Abriss der Behandlung der verletzten Schulter
Trauma und Berufskrankheit Supplement 1 2008 |
Sternoklavikulargelenk
Die Schulter ist ein
anatomisch-funktioneller Komplex aus sttzenden,
bewegungsaktiven, durchleitend ver- und
entsorgenden sowie
informationsvermittelnden Strukturen. Sie setzt sich zusammen
aus:
F Schultergrtel,
F Klavikula mit angrenzenden
Gelenken und
F Skapula.
So konfiguriert, stellt die Schulter eine
variable und zugleich stabile Basis fr das
Multifunktionsorgan Arm und Hand
dar, das als Sinnesorgan und
Universalwerkzeug fr uns Menschen eine
immense Bedeutung hat. Die Schulter vermittelt
dem Arm einen besonders groen
dreidimensionalen Bewegungsumfang. Sie kann
darber hinaus Lastentrger sein und
unterliegt wegen ihres multifunktionellen
Gebrauchs einem hohen Verschlei. Die
starke Exposition fhrt zwangslufig zu
einer hohen Verletzungsanflligkeit. In
der Traumatologie wird die Schulter
heute nach morphologisch-funktionellen
Gesichtspunkten gegliedert betrachtet. Das
gilt auch fr die historische Entwicklung
spezieller diagnostischer und
therapeutischer Verfahren.
Es stellt die einzige sttzend-stabile
Verbindung zwischen Rumpf,
Schultergrtel und Arm dar. Es ist der Fixpunkt fr
die so genannte Mittelmastfunktion des
Schlsselbeins und seiner fr die
Armfunktion notwendigen Bewegungen. Es
enthlt als elastischen Puffer einen
Discus articularis.
Das Sternoklavikulargelenk kann
unter groer Beanspruchung luxieren, in
der Regel nach vorn, weniger hufig nach
oben und relativ selten nach hinten. Im
letzteren Fall drohen vaskulre oder
mediastinale Begleitverletzungen.
Die Therapie der Luxation ist in der
Regel konservativ-funktionell. Operative
Manahmen sind bei hinterer Luxation
zu empfehlen, bei Komplikationen
zwingend. In der Literatur finden sich diverse
Empfehlungen zu Fesselungsoperationen
unter Verwendung von autogener Fascia
lata, Drhten oder neuerdings so
genannten Gelenkplatten. Bei
Verrenkungsbrchen sollten die Osteosynthesen das
Gelenk nicht bergreifen. Es wrden sonst
eine Behinderung der Beweglichkeit des
Schultergrtels und damit auch des Arms
resultieren.
Die Klavikula weist eine Reihe von
Besonderheiten auf, die bei der
Gesamtbetrachtung ihrer Verletzungen zu
bercksichtigen sind. Es handelt sich um einen
desmogenen Knochen. Epiphysenfugen,
Epiund Metaphyse sowie ein rhrenfrmiger
Schaft mit einer echten Markhhle fehlen
hier also. Das Schlsselbein unterliegt
einer multidirektionalen Beanspruchung
auf Zug, Stauchung, Rotation und
Biegung und hat eine durchgehend
suffiziente Durchblutung. Andererseits ist es in
ganzer Lnge nach vorn und oben
lediglich von Haut bedeckt und hat nach
dorsokaudal eine unmittelbare Nachbarschaft
zu verletzlichen Strukturen, dem nervalen
und dem vaskulren Plexus axillaris.
Unter relativer Ruhigstellung heilt es in der
Regel schnell und spontan unter Bildung
eines kugelfrmigen Kallus aus.
Therapie von Verletzungen
Beim Blick in die Geschichte fllt auf, dass
die Behandlungsempfehlungen immer
wieder zwischen konservativen und
operativen Manahmen der verschiedensten
Art schwankten. Eine wirkliche
Beschleunigung der Heilung oder eine verbesserte
therapeutische Sicherheit wurden dadurch
jedoch nicht erreicht. Man findet eine
Vielfalt von Verbandsanordnungen, meist
unter Einbeziehung des Arms. Wie wir
heute wissen, fhrt das aber eher zur
Entwicklung von die Heilung strenden
Bewegungen und Krften. Auch aufwndige
Schienen wurden zeitweilig empfohlen.
Die beste konservative
Behandlungsmethode ist fr uns bis heute der
einfache, allerdings gut sitzende, anfangs
deshalb engmaschig zu kontrollierende und
zu korrigierende Rucksackverband. Bei
Lorenz Bhler finden sich vergleichbare
Empfehlungen, aber auch solche zur
operativen Behandlung mittels Drhten oder
Ngeln. Der Rucksackverband hat sich bis
heute bewhrt. Er bewirkt eine milde
Extension bei relativer Ruhigstellung und
fhrt so zur Kallusheilung.
In der operativen Behandlung
verwendet man heute nicht mehr
Drahtnhte, isolierte Kirschner-Drhte oder andere
Implantate zur reinen inneren Schienung.
Die
Rekonstruktionsplattenosteosynthese, kranial oder ventral, kann inzwischen
als Standardmethode angesehen werden.
Eine reine innere Schienung dagegen
erscheint uns nicht adquat. Wir glauben,
dass hierzu verriegelbare Implantate
verwendet werden sollten.
Frakturen der peripheren
Klavikula wurden frher ebenfalls berwiegend
konservativ immobilisierend ber 36
Wochen behandelt. Operative Manahmen
mit Drhten oder Schlingen kamen
wahlweise zur Anwendung. Heute klassifizieren
wir die Verletzung nach Jger und Breitner.
Die Behandlung erfolgt bei dislozierten
Frakturen operativ unter Verwendung von
Zuggurtungen, kleinen Formplttchen
oder im Kindesalter durch Naht des
krftigen Periosts und kurzzeitige Ruhigstellung.
Nichtdislozierte Frakturen knnen
kurzzeitig ruhig gestellt und sehr bald
funktionell weiter behandelt werden. werden.
Heutzutage bedrfen
Schlsselbeinfrakturen einer differenzierten Behandlung.
Mediales und laterales Segment werden
vorwiegend operativ nach den Prinzipien
fr gelenknahe Frakturen, unkomplizierte
Schaftfrakturen dagegen grtenteils
konservativ behandelt. Wenn Schaftfrakturen
operiert werden, bedarf es unserer
Meinung nach einer wirklich stabilen
Osteosynthese.
Akromioklavikular- oder
Schultereckgelenk (ACG)
Es handelt sich um ein echtes Gelenk
mit einem Discus articularis und einem
Kapsel-Band-Apparat sowie zustzlichen
krftigen Bndern zwischen dem
Processus coracoideus und der Klavikula.
Die Verletzung dieses Gelenks kann
man in Distorsionen (Zerrung oder
partielle Zerreiung von Kapsel und Bndern)
entsprechend den Verletzungsstufen I und
II nach Tossy und Rockwood unterteilen.
Bei einer kompletten Luxation des
Schultergelenks sind die Bandverbindungen
und die Gelenkkapsel regelrecht
zerrissen, entsprechend einer Verletzung vom
Typ Tossy III oder Rockwood IIIVI.
Therapie von Verletzungen
Man kann die therapeutischen
Mglichkeiten zur Behandlung von
ACG-Verletzungen bzw. -sprengungen in 4 Gruppen
zusammenfassen: die
konservativ-immobilisierenden, die
konservativ-funktionellen, die operativ-immobilisierenden
und die operativ-funktionellen
Manahmen oder Konzepte.
Konservative Behandlung
Konservativ-immobilisierend. Auf diese
Art versuchte man in der Vergangenheit
durch Ruhigstellen auf Schienen (Apparat
nach Bardenheuer u. .) oder in
Hartverbnden zu therapieren. Auch heute noch
mglich und wirksam wren ein
modifizierter Thoraxabduktionsgips fr den Arm
der verletzten Seite und ein Pflasterzgel,
der die Klavikula nach unten hlt. 46
Wochen lang getragen fhrt dies zu einer
stabilen Ausheilung einer ACG-Ruptur.
Konservativ-funktionell. Da hinreichend
bekannt ist, dass Menschen mit
unbehandelter kompletter ACG-Sprengung keine
bis wenig Beschwerden haben, kann man
den Patienten eine
konservativ-funktionelle Behandlung empfehlen. Sie besteht in
einer kurzzeitigen Ruhigstellung in einem
Armtragetuch oder Gilchrist-Verband und
Freigabe der Funktion nach Abklingen des
Verletzungsschmerzes. Es verbleibt zwar
eine Instabilitt mit d (...truncated)