Chronisch infizierte Wunde

Trauma und Berufskrankheit, Jan 2010

Chronic wounds are defined as wounds which do not heal over a period of 4–8 weeks or which show no tendency to heal. They are associated with pain and increasingly pose an acute health risk when of many years’ standing. Their causes often lie in the typical diseases seen in old age; therefore, based on demographics, an increase in their incidence can be expected. Depending on wound location and depth, a variety of treatment methods may be used: a conservative approach is possible in small wounds, while various surgical procedures ranging from simple primary wound closure, split-thickness skin grafting and local flap plasty to defect coverage using free microsurgical tissue transplant are available. A low bacterial load is critical for any kind of a defect closure.

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Chronisch infizierte Wunde

Tab. 1 Stadien der Keimbesiedlung Trauma und Berufskrankheit Supplement 1 2010 | 19 - Inzidenz und Kosten Die Behandlung chronischer Wunden stellt vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland ein zunehmendes konomisches Problem dar, da diesen hufig typische Erkrankungen des alten Menschen zugrunde liegen; wie chronisch vense Insuffizienzen, Durchblutungsstrungen im Sinne einer PAVK (periphere arterielle Verschlusskrankheit) oder der Diabetes mellitus. Bereits jetzt werden die reinen Sachkosten durch Dekubitalulzera, Ulcus cruris und das diabetische Fusyndrom auf mehr als 3 Mrd. EUR geschtzt [3]. Die Gesamtkosten, also Sachkosten einschlielich der Behandlungskosten fr die Dekubitalulzera alleine, liegen bei 3,5 Mrd. EUR [6]. Charakteristika chronischer Wunden Grundstzlich werden Wunden, die ber einen Zeitraum von 48 Wochen nicht spontan abheilen oder keine Heilungstendenzen zeigen, als chronische Wunden definiert. Unterschieden werden: F traumatisch erworbene Wunden wie groflchige Schrfverletzungen, Verbrennungen oder offene Frakturen, F iatrogene Wunden, die nach chirurgischen Eingriffen keine spontane Heilung aufweisen, und Die Therapie chronischer Wunden muss immer sowohl die Behandlung des zugrunde liegenden Krankheitsbildes als auch eine lokale Wundtherapie beinhalten. Mit Hilfe moderner Wundbehandlung kann nach Entfernen der nekrotischen Wundanteile und ausreichender Antisepsis mit Hilfe eines feuchten Milieus in vielen Fllen eine Verbesserung der Wundsituation herbeigefhrt werden. Dass bei einer chronisch offenen Wunde eine Keimbesiedlung und ein positiver Keimnachweis bei Wundabstrich nicht vermeidbar sind, liegt auf der Hand. Der bloe Keimnachweis bedeutet jedoch nicht, dass eine plastisch-chirurgische Defektdeckung ausgeschlossen ist. Keimarmut ist oberste Grundvoraussetzung fr jede Defektdeckung. Die Keimlast wird in 5 Stadien unterschieden, entsprechend stehen Keimsanierung oder Defektdeckung im Vordergrund (. Tab.1 ). Konservative Therapie Mit konservativem Wundmanagement kann bei keimarmen Wunden durch 1. Kontamination Keimbesiedlung ohne Keimvermehrung 2. Kolonisation Keimvermehrung ohne Schdigung der Umgebung 3. Kritische Kolonisation Fehlen jeglicher Heilungstendenz bei Anwesenheit pathogener Keime bei fehlenden klassischen Infektionszeichen 4. Lokalinfektion Kolonisation mit den klassischen Infektionszeichen wie Rtung, berwrmung und lokaler Druckschmerz Weichteilinfekt/Wundheilungsstrung Lokale fasziokutane Lappen Abb. 1 8 Chirurgisches Vorgehen abhngig von der Defektlokalisation und -tiefe bei Endoprothesen Lokale fasziokutane Lappen Myokutane Lappenplastik Ggf. sekundrer Wiedereinbau einer Endoprothese Abb. 2 8Wunde mit gut granulierendem Wundgrund, Deckung eines Groteils des Defekts mit Spalthaut, Deckung der freiliegenden Patella durch lokalen Verschiebelappen die Schaffung eines idealen Wundmilieus auch bei groflchigen Wunden eine zgige Verbesserung bis hin zur vollstndigen Abheilung erreicht werden (. Abb.1 ). Bereits 1962 verffentlichte Winter [9] die von ihm beobachteten Vorteile der feuchten Wundbehandlung. Beachtet man deren Grundstze, knnen beachtliche Behandlungserfolge erzielt werden. Sind funktionelle Strukturen wie Knochen und Sehnen betroffen oder freiliegende Implantate und Prothesen urschlich fr eine chronische Wunde, sind die Grenzen der konservativen Wundbehandlung sicher erreicht (. Abb.1 ). In diesen Fllen bleibt nur das chirurgische Dbridement, welches immer so radikal durchgefhrt werden muss, dass freiliegende bradytrophe und erst recht nekrotische Gewebeanteile vollstndig entfernt werden. Zunehmender Beliebtheit erfreut sich die Vakuumbehandlung der Wunden, um auf diese Art und Weise die Durchblutungssituation und die Wundkonditionierung zu optimieren. Auch wenn die Wunde zunchst durch die Versiegelung verschlossen ist, stellt die Vakuumschwammbehandlung keine endgltige Lsung, sondern nur ein Vertagen der ProblemaTab. 2 Klassifikation der Endoprotheseninfektion. (Nach [4]) Stadium Charakteristika Rtung, fraglicher Infekt Oberflchliche Hautnekrose Hautnekrose mit Fistel Fistel mit sichtbarer Prothese Prothese liegt frei, groer Defekt tik dar und sollte nicht lnger als erforderlich durchgefhrt werden. Da gerade das bradytrophe Gewebe wie abgestorbene Sehnensequester, Knorpelanteile, aber auch Nischen und Spalte bei einliegenden Implantaten als Keimnester angesehen werden mssen, sind ein so radikal wie mglich durchgefhrtes Dbridement und nach Mglichkeit die Entfernung von Osteosynthesematerial vor der plastisch-chirurgischen Deckung der Defekte unumgnglich. Gleichzeitig mssen aber auch F die Durchblutungssituation bei PAVK durch eine vorangeschaltete Gefdilatation oder Bypassoperation optimiert sowie F sowohl der Blutzuckerhaushalt als auch der Ernhrungszustand als auch der Eiweihaushalt bestmglichst eingestellt und F bestehende Insuffizienzen der Perfo ranzvenen beseitigt werden. Die Angiographie sollte eine Standarddiagnostik bei allen chronischen Wunden der unteren Extremitt darstellen [1]. Bei der operativen Versorgung chronischer Wunden sollte dem behandelnden Arzt die vollstndige therapeutische Leiter der mglichen Verfahren zum Wundverschluss zur Verfgung stehen, vom einfachen primren Wundverschluss ber die Spalthauttransplantation und die lokalen Lappenplastiken bis zur Defektdeckung durch freie mikrochirurgische Gewebetransplantationen. Indikationsstellung und Therapieverfahrenswahl Laing et al. [4] fhrten 1992 eine Klassifikation fr die Infektion von Endoprothesen ein und beschrieben die an ihr angelehnten Behandlungsmglichkeiten (. Tab.2 ). Zusammenfassung Abstract Trauma Berufskrankh 2010 12 [Suppl 1]:1924 Springer-Verlag 2010 K.-H.Busch P.M.Vogt Chronisch infizierte Wunde. Grenzen der konservativen Behandlung/operativer Wundverschluss DOI 10.1007/s10039-009-1583-1 Zusammenfassung Chronische Wunden sind definiert als Wunden, die ber einen Zeitraum von 48 Wochen nicht spontan abheilen oder keine Heilungstendenzen zeigen. Sie gehen mit Schmerzen und, bei langjhrigem Bestehen, mit einer zunehmenden gesellschaftlichen Isolierung bis hin zu einer akuten Bedrohung der Gesundheit einher. Zugrunde liegen hufig typische Erkrankungen des alten Menschen, somit ist aufgrund der demografischen Entwicklung eine Zunahme zu erwarten. Je nach Defektlokalisation und -tiefe kommen unterschiedliche Therapieverfahren zum Einsatz, bei oberflchlichen Wunden ist ein konservatives Vorgehen mglich, ansonsten kommen verschiedene operative Verfahren vom einfachen primren Wundverschluss ber die Spalthauttransplantation und die lokalen Lappenplastiken bis zur Defektdeckung durch freie mikrochirurgische Gewebetransplantationen in Frage. Oberste Prmisse bei den Deckungsverfahren ist ein keimarmes Wundmilieu. Schlsselwrter Chronische Wunde Alte Menschen Keimbesiedelung Konservative Therapie Operative Defektdeckung Chronic wound infection. Limits of conservative trea (...truncated)


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K.-H. Busch, P.M. Vogt. Chronisch infizierte Wunde, Trauma und Berufskrankheit, 2010, pp. 19-24, Volume 12, Issue 1, DOI: 10.1007/s10039-009-1583-1