Chronisch infizierte Wunde
Tab. 1 Stadien der Keimbesiedlung Trauma und Berufskrankheit Supplement 1 2010 | 19
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Inzidenz und Kosten
Die Behandlung chronischer Wunden
stellt vor dem Hintergrund der
demografischen Entwicklung in der
Bundesrepublik Deutschland ein zunehmendes
konomisches Problem dar, da diesen hufig
typische Erkrankungen des alten Menschen
zugrunde liegen; wie chronisch vense
Insuffizienzen, Durchblutungsstrungen
im Sinne einer PAVK (periphere
arterielle Verschlusskrankheit) oder der
Diabetes mellitus.
Bereits jetzt werden die reinen
Sachkosten durch Dekubitalulzera, Ulcus
cruris und das diabetische Fusyndrom
auf mehr als 3 Mrd. EUR geschtzt [3].
Die Gesamtkosten, also Sachkosten
einschlielich der Behandlungskosten fr
die Dekubitalulzera alleine, liegen bei
3,5 Mrd. EUR [6].
Charakteristika
chronischer Wunden
Grundstzlich werden Wunden, die ber
einen Zeitraum von 48 Wochen nicht
spontan abheilen oder keine
Heilungstendenzen zeigen, als chronische Wunden
definiert. Unterschieden werden:
F traumatisch erworbene Wunden wie
groflchige Schrfverletzungen,
Verbrennungen oder offene Frakturen,
F iatrogene Wunden, die nach
chirurgischen Eingriffen keine spontane
Heilung aufweisen, und
Die Therapie chronischer Wunden muss
immer sowohl die Behandlung des
zugrunde liegenden Krankheitsbildes als
auch eine lokale Wundtherapie
beinhalten. Mit Hilfe moderner
Wundbehandlung kann nach Entfernen der
nekrotischen Wundanteile und ausreichender
Antisepsis mit Hilfe eines feuchten
Milieus in vielen Fllen eine Verbesserung
der Wundsituation herbeigefhrt
werden.
Dass bei einer chronisch offenen
Wunde eine Keimbesiedlung und ein
positiver Keimnachweis bei
Wundabstrich nicht vermeidbar sind, liegt auf der
Hand. Der bloe Keimnachweis
bedeutet jedoch nicht, dass eine
plastisch-chirurgische Defektdeckung ausgeschlossen
ist. Keimarmut ist oberste
Grundvoraussetzung fr jede Defektdeckung.
Die Keimlast wird in 5 Stadien
unterschieden, entsprechend stehen
Keimsanierung oder Defektdeckung im
Vordergrund (. Tab.1 ).
Konservative Therapie
Mit konservativem Wundmanagement
kann bei keimarmen Wunden durch
1. Kontamination Keimbesiedlung ohne Keimvermehrung
2. Kolonisation Keimvermehrung ohne Schdigung der Umgebung
3. Kritische Kolonisation Fehlen jeglicher Heilungstendenz bei Anwesenheit pathogener Keime bei fehlenden klassischen Infektionszeichen 4. Lokalinfektion Kolonisation mit den klassischen Infektionszeichen wie Rtung, berwrmung und lokaler Druckschmerz
Weichteilinfekt/Wundheilungsstrung
Lokale
fasziokutane Lappen
Abb. 1 8 Chirurgisches Vorgehen abhngig von der Defektlokalisation und -tiefe bei Endoprothesen
Lokale
fasziokutane Lappen
Myokutane
Lappenplastik
Ggf. sekundrer
Wiedereinbau einer
Endoprothese
Abb. 2 8Wunde mit gut granulierendem Wundgrund, Deckung eines Groteils des Defekts mit Spalthaut, Deckung der
freiliegenden Patella durch lokalen Verschiebelappen
die Schaffung eines idealen
Wundmilieus auch bei groflchigen Wunden
eine zgige Verbesserung bis hin zur
vollstndigen Abheilung erreicht werden
(. Abb.1 ).
Bereits 1962 verffentlichte Winter
[9] die von ihm beobachteten Vorteile
der feuchten Wundbehandlung.
Beachtet man deren Grundstze, knnen
beachtliche Behandlungserfolge erzielt
werden.
Sind funktionelle Strukturen wie
Knochen und Sehnen betroffen oder
freiliegende Implantate und Prothesen
urschlich fr eine chronische Wunde, sind die
Grenzen der konservativen
Wundbehandlung sicher erreicht (. Abb.1 ). In
diesen Fllen bleibt nur das chirurgische
Dbridement, welches immer so radikal
durchgefhrt werden muss, dass
freiliegende bradytrophe und erst recht
nekrotische Gewebeanteile vollstndig entfernt
werden.
Zunehmender Beliebtheit erfreut sich
die Vakuumbehandlung der Wunden, um
auf diese Art und Weise die
Durchblutungssituation und die
Wundkonditionierung zu optimieren. Auch wenn die
Wunde zunchst durch die Versiegelung
verschlossen ist, stellt die
Vakuumschwammbehandlung keine endgltige Lsung,
sondern nur ein Vertagen der
ProblemaTab. 2 Klassifikation der
Endoprotheseninfektion. (Nach [4])
Stadium Charakteristika
Rtung, fraglicher Infekt
Oberflchliche Hautnekrose
Hautnekrose mit Fistel
Fistel mit sichtbarer Prothese
Prothese liegt frei, groer Defekt
tik dar und sollte nicht lnger als
erforderlich durchgefhrt werden.
Da gerade das bradytrophe Gewebe wie
abgestorbene Sehnensequester,
Knorpelanteile, aber auch Nischen und Spalte bei
einliegenden Implantaten als Keimnester
angesehen werden mssen, sind ein so
radikal wie mglich durchgefhrtes
Dbridement und nach Mglichkeit die
Entfernung von Osteosynthesematerial vor der
plastisch-chirurgischen Deckung der
Defekte unumgnglich. Gleichzeitig mssen
aber auch
F die Durchblutungssituation bei PAVK
durch eine vorangeschaltete
Gefdilatation oder Bypassoperation
optimiert sowie
F sowohl der Blutzuckerhaushalt als
auch der Ernhrungszustand als auch
der Eiweihaushalt bestmglichst
eingestellt und
F bestehende Insuffizienzen der
Perfo
ranzvenen beseitigt werden.
Die Angiographie sollte eine
Standarddiagnostik bei allen chronischen Wunden
der unteren Extremitt darstellen [1].
Bei der operativen Versorgung
chronischer Wunden sollte dem behandelnden
Arzt die vollstndige therapeutische Leiter
der mglichen Verfahren zum
Wundverschluss zur Verfgung stehen, vom
einfachen primren Wundverschluss ber
die Spalthauttransplantation und die
lokalen Lappenplastiken bis zur
Defektdeckung durch freie mikrochirurgische
Gewebetransplantationen.
Indikationsstellung
und Therapieverfahrenswahl
Laing et al. [4] fhrten 1992 eine
Klassifikation fr die Infektion von
Endoprothesen ein und beschrieben die an ihr
angelehnten Behandlungsmglichkeiten
(. Tab.2 ).
Zusammenfassung Abstract
Trauma Berufskrankh 2010 12 [Suppl 1]:1924
Springer-Verlag 2010
K.-H.Busch P.M.Vogt
Chronisch infizierte Wunde.
Grenzen der konservativen Behandlung/operativer Wundverschluss
DOI 10.1007/s10039-009-1583-1
Zusammenfassung
Chronische Wunden sind definiert als
Wunden, die ber einen Zeitraum von 48
Wochen nicht spontan abheilen oder keine
Heilungstendenzen zeigen. Sie gehen mit
Schmerzen und, bei langjhrigem
Bestehen, mit einer zunehmenden
gesellschaftlichen Isolierung bis hin zu einer akuten
Bedrohung der Gesundheit einher. Zugrunde
liegen hufig typische Erkrankungen des
alten Menschen, somit ist aufgrund der
demografischen Entwicklung eine Zunahme zu
erwarten. Je nach Defektlokalisation und -tiefe
kommen unterschiedliche Therapieverfahren
zum Einsatz, bei oberflchlichen Wunden ist
ein konservatives Vorgehen mglich,
ansonsten kommen verschiedene operative
Verfahren vom einfachen primren Wundverschluss
ber die Spalthauttransplantation und die
lokalen Lappenplastiken bis zur Defektdeckung
durch freie mikrochirurgische
Gewebetransplantationen in Frage. Oberste Prmisse bei
den Deckungsverfahren ist ein keimarmes
Wundmilieu.
Schlsselwrter
Chronische Wunde Alte Menschen
Keimbesiedelung Konservative Therapie
Operative Defektdeckung
Chronic wound infection.
Limits of conservative trea (...truncated)