Infiltrationsbehandlung bei Muskelläsionen

Trauma und Berufskrankheit, Apr 2013

Muskuläre Probleme im Freizeit- und Spitzensport zählen zu den häufigsten Ursachen für Trainings- und Wettkampfpausen. Dabei kann es sich um einfache Überlastungen bis hin zu komplexen Verletzungen handeln. Eine frühzeitige Erkennung des Verletzungsmusters und -ausmaßes ist der Schlüssel zu einer erfolgreichen Therapie. Die Diagnostik beruht auf Anamnese und klinischer Untersuchung, ergänzend kommen bildgebende Verfahren hinzu. Bis heute besteht kein allgemeingültiger Konsens über das Therapieregime bei Muskelverletzungen, und es existiert kein wissenschaftlich ausreichender Beweis für die Wirksamkeit der verschiedenen Therapieoptionen. Im vorliegenden Beitrag wird auf die Injektionsbehandlung bei Muskelläsionen fokussiert. Deren Anwendung zur Schmerzlinderung ist Teil der Sportmedizin. Jedoch gibt es momentan nur wenige entsprechende Veröffentlichungen, insbesondere fehlen Untersuchungen, die sich auf größere Fallzahlen beziehen, sowie randomisierte Studien. Hier ist dringend eine verbesserte, wissenschaftliche Datenlage erforderlich, bevor eine Empfehlung auch für einen weiteren Patientenkreis gegeben werden kann.

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Infiltrationsbehandlung bei Muskelläsionen

0 Folgende Verfahren erlangten in der Dia- gnostik von Muskelverletzungen einen Stellenwert: F Ultraschall, F Magnetresonanztomographie (MRT) und F Rntgen - Bei Muskelverletzungen ist eine frhzeitige Erkennung des Verletzungsmusters und -ausmaes der Schlssel zu einer erfolgreichen Therapie. Die Anamnese stellt ein genaues und richtungweisendes Diagnostikum da. Eine zweite Sule ist die klinische Untersuchung. Beides kann durch eine bildgebende Diagnostik ergnzt werden. J.GilleS.BarkJ.HerzogG.HeinrichsC.Jrgens Sektion fr Unfallchirurgie, Klinik fr Chirurgie des Sttz- und Bewegungsapparates, Universittsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lbeck Magnetresonanztomographie. Das MRT erlaubt die genaue Zuordnung, welcher Muskel verletzt und wo in diesem die Verletzung lokalisiert ist. Dies ist in . Abb.1 am Beispiel einer Verletzung des rechten Schultergrtels eines 25-jhrigen American-Football-Spielers, dem beim Wurf in dem Arm gegriffen wurde, gezeigt. Klinisch imponierte ein ausgeprgtes Hmatom in der Achsel. Die MRTUntersuchung 5 Tage nach dem Trauma erbrachte den Nachweis eines Risses des M. teres major mit groem intramuskulrem Hmatom. Die hohe Sensitivitt dieser Technik erlaubt die Klassifikation verschiedener Typen von Muskelverletzungen. Rntgenuntersuchung. Sie ermglicht die Darstellung von Weichteilverkalkungen in der Muskulatur [12]. Die Problematik dabei beruht auf der zeitlichen Verzgerung bis zur Ausbildung einer Ossifikation. Das Sichtbarwerden einer Verkalkung im Bereich der Muskulatur steht erst am Ende eines Degenerationsprozesses, sodass die Verkalkung nicht direkt mit den Beschwerden korreliert [20]. Bei offenen Muskelverletzungen knnen mittels Nativrntgen rntgendichte Fremdkrper ausgeschlossen werden [17]. Strukturelle Muskellsionen knnen direkt (Kontusionen), indirekt (Zerrungen, Muskelfaserriss) oder versptet (Muskelkater) entstehen []. Kontusionen und Muskelfaserrisse werden in 3 Schweregrade eingeteilt (. Tab.1 ). Abb. 1 8 MRT-Untersuchung des rechten Schultergrtels 5 Tage nach Trauma, a axial, T2-Wichtung, b sagittal, PDW (Protonendichtewichtung), roter Pfeil Riss des M. teres major, grner Pfeil groes intramuskulres Hmatom Es besteht bis heute kein allgemeingltiger Konsens ber das Therapieregime bei Muskelverletzungen, und es existiert kein wissenschaftlich ausreichender Beweis fr die Wirksamkeit der verschiedenen Therapieoptionen [15]. Dies zeigt auch die Vielfalt der mglichen Therapieverfahren bei Muskelverletzungen: F PECH-Schema (PECH: Pause, Eis, Kompression, Hochlagerung) [1], F Einnahme nichtsteroidaler Antirheu matika (NSAR) [2], F Krankengymnastik mit manueller Therapie [16], F operative Therapie und F Injektionsbehandlung mit Kortikosteroiden, autologen Blutprodukten (u. a. thrombozytenreiches Plasma), Actovegin/Traumeel [16]. Whrend die konservative und operative Therapie in gesonderten Beitrgen dieser Ausgabe von Trauma und Berufskrankheit beschrieben werden, soll im Folgenden auf die Injektionsbehandlung bei Muskellsionen fokussiert werden. Injektionsbehandlung bei Muskellsionen Wie bei jeder anderen rztlichen Therapie sollte der Patient ber die Art und Bedeutung der Diagnose sowie der vorgesehenen Therapie aufgeklrt werden. Durch Arbeiten unter sterilen Kautelen ist die grtmgliche Sorgfalt aufzubringen, Weichteilinfektionen zu vermeiden. Lokalansthesie Die Infiltrationsbehandlung mit einem Lokalansthetikum (LA) ist im Sport sehr weit verbreitet und wird im Volksmund als Fitspritzen bezeichnet. Der breiten Anwendung von LA bei Muskellsionen im Alltag steht ein Mangel an wissenschaftlicher Literatur gegenber. Von verschiedenen Autoren wurden frhe Injektionsbehandlungen bei Muskelverletzungen einschlielich der Punktion eines Hmatoms empfohlen [3]. Zirkulre Injektionstechniken um die Muskellsion herum oder entlang des verletzten Muskels mit 5 bis 7 Nadeln sowie direkt in die Lsion hinein sind beschrieben (. Abb.2, 3, [14]). Hierbei soll zunchst Lokalansthetikum appliziert werAbb. 2 9 Ultraschalluntersuchung vor Infiltrationsbehandlung zur Detektion der Muskelverletzung bei bekanntem Muskelfaserriss der sog. Hamstring-Muskulatur den, mit der Vorstellung der Muskeldetonisierung und Schmerzlinderung. Abgesehen von einzelnen Fallberichten, die meist von einer erfolgreichen Therapie berichteten, gibt es nur wenige Ergebnisse in der Literatur, die sich auf eine grere Fallserie beziehen; randomisierte Untersuchungen fehlen bis dato gnzlich. In einer retrospektiven Untersuchung von 100 Rugby-Spielern mit 307 Verletzungen und 1023 LA-Injektionen wurden Nachuntersuchungen ber durchschnittlich 5 Jahre vorgenommen [15]. Die Behandlung mit LA erfolgte in den meisten Fllen nach Verletzungen im Bereich der Hand, des Sprunggelenks und Schultergrtels und nicht bei Muskelverletzungen. Die meisten befragten Spieler gaben an, durch die Infiltration eine gute Beschwerdelinderung erfahren zu haben und wrden sich erneut einer LA-Infiltration unterziehen, sollten sie sich in der gleichen Situation befinden (98% der Flle). Dennoch beklagten 32% der Spieler Nebenwirkungen durch die LA-Infiltration. Interessanterweise berichtete die Mehrzahl der Spieler, die LA-Infiltration auf eigenen Wunsch und nicht aufgrund der medizinischen Empfehlung durch den behandelnden Arzt erhalten zu haben. Die Anwendung von LA zur Schmerzlinderung im Sport ist Teil der Sportmedizin, und dies wird auch in Zukunft der Fall sein [3]. Es ist deshalb eine vordringliche Aufgabe, auf Grundlage einer verbesserten, wissenschaftlichen Studienlage Empfehlungen aussprechen zu knnen, um (Kontra-)Indikationen der LA-Infiltration bei Muskellsionen benennen und eine individuelle Nutzen-Risiko-Analyse ermglichen zu knnen. HomopathischeunddurchblutungsfrderndeMedikamente Nach primrer LA-Infiltration bei akuten Muskellsionen wird nachfolgend die Gabe Abb. 3 9 Infiltrationsbehandlung bei frischem Muskelfaserriss der sog. Hamstring-Muskulatur, a,b sukzessives Setzen von 5 bis 7 Kanlen unter sterilen Kautelen, c Infiltration Tab. 1 Schweregrade von Kontusionen und Muskelfaserrissen Grad Ausprgung I Zerreiung von wenigen Muskelfasern mit geringer Schwellung und Schmerz sowie wenig Funktionsverlust II Grere Rupturen von mehreren Muskelfasern mit deutlich einschrnkendem Funktionsverlust III Ausgedehnte Rupturen von Muskelfasern mit gleichzeitiger Faszienverletzung und deutlich eingeschrnkter Funktion von homopathischen und durchblutungsfrdernden Medikamenten empfohlen; dies soll die Wundheilungsphasen positiv beeinflussen [8]. Daher erfolgen autorenabhngig auch weitere Injektionen z. B. am 2. und 4. posttraumatischen Tag [14]. In einer Untersuchung von Lee et al. [9] wurden 4 Patienten mit HamstringLsion Grad I mit Actovegin-Infiltrationen (Nycomed, Linz, sterreich) behandelt. Im Vergleich zur Kontrollgruppe (20 4,45 Tage) konnten die Behandlungsgruppe (12 2,94 Tage) ihre sportliche Ttigkeit signifikant schneller wieder aufnehmen [9]. Bei Muskellsionen Grad II dauerte es im Durchschnitt 18,7 4 (...truncated)


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PD Dr. J. Gille, S. Bark, J. Herzog, G. Heinrichs, C. Jürgens. Infiltrationsbehandlung bei Muskelläsionen, Trauma und Berufskrankheit, 2013, pp. 81-84, Volume 15, Issue 1 Supplement, DOI: 10.1007/s10039-012-1875-8