Evolution eines photosynthetischen Organells
EVA NOWACK CARNEGIE INSTITUTION FOR SCIENCE
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Abb. 1: Lichtmikroskopische (links) und elektronenmikroskopische (rechts) Aufnahme von Pau- linella chromatophora. Cr: Chromatophoren; M: Mundffnung; N: Zellkern; P: Pseudopodium; Pm: Plasmamembran; T: Theka (aus Silikatplttchen zusammengesetzte Zellwand)
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Eva Nowack 1999-2003 Biologiestudium,
Universitt zu Kln
; 2004 Diplom. 2009 Promotion bei Prof. Dr. M. Melkonian,
Interna- tional Graduate School for Gene- tics and Functional Genomics
, Kln. Seit 2010 Postdoc,
Carne- gie Institution for Science
,
Stanford, CA
, USA als DFG- Stipendiatin
-
Chloroplasten, die photosynthetischen
Organellen der Pflanzen, sind durch
Endosymbiose aus einem Cyanobakterium
entstanden. Im Laufe der Evolution ist ein
Groteil der cyanobakteriellen Gene in den
Zellkern der Wirtszelle gewandert. Viele Proteine,
die von transferierten Genen codiert werden,
werden im Zytoplasma synthetisiert und
anschlieend in die Chloroplasten importiert,
wo sie essenzielle Funktionen erfllen.
Chloroplasten und Wirtszelle knnen nicht mehr
als getrennte Organismen betrachtet werden.
Ein chimrer Organismus mit neuen
physiologischen Fhigkeiten ist entstanden, dessen
Nachkommen heute als dominierende
Primrproduzenten den gesamten Planeten
besiedeln. Die Evolution der Chloroplasten
im Detail zu verstehen, ist schwierig, da
diese Endosymbiose mehr als eine Milliarde
Jahre zurckliegt.
Die Ambe Paulinella chromatophora
(Rhizaria) hat ungewhnliche photosynthetische
Einheiten sogenannte Chromatophoren
die morphologisch mehr Cyanobakterien als
Chloroplasten hneln (Abb. 1). Unsere
Untersuchungen haben gezeigt, dass
Chromatophoren unabhngig von und spter als
Chloroplasten aus Cyanobakterien entstanden sind
[1]. Die Gre des Chromatophorengenoms
(eine Megabase) liegt zwischen der eines frei
lebenden Cyanobakteriums und der eines
Chloroplasten [2]. Im Zellkern von
P.chromatophora haben wir ber 30 Gene
identifiziert, die ursprnglich aus den
Chromatophoren stammen [3]. Gentransfer in den
Wirtszellkern ist schon von anderen
bakteriellen Endosymbionten berichtet worden.
Das weitere Schicksal solcher transferierten
Gene war allerdings bisher unbekannt, da
von Endosymbionten anders als von
Organellen, nicht angenommen wird, dass sie mit
einem Proteinimportapparat ausgestattet sind.
Interessanterweise codieren drei der
transferierten Gene in P.chromatophora (psaE,
psaK1 und psaK2) fr Untereinheiten des
PhotosystemsI (PSI), die im
Chromatophorengenom fehlen. Mittels immunologischer
und proteinbiochemischer Methoden
konnten wir zeigen, dass die Proteine PsaE, PsaK1
und PsaK2 im Zytoplasma der Wirtszelle
synthetisiert werden und in die
Chromatophoren importiert werden, wo sie mit
Chromatophoren-codierten PSI-Untereinheiten zu
vollstndigen PSI-Komplexen assemblieren [4].
Der Mechanismus, durch den die Proteine
durch die Membranen, die das Chromatophor
umgeben, importiert werden, ist unbekannt;
allerdings gibt es Hinweise darauf, dass
vesi1Internationale Gesellschaft fr Endocytobiologie
kulrer Transport durch den Golgi-Apparat
involviert sein knnte.
Unsere Ergebnisse charakterisieren
P.chromatophora als ein missing link in der
Evolution eines Organells. Genauere
Untersuchungen der Fraktion des
Chromatophorenproteoms, die aus der Wirtszelle
importiert wird, sowie eine Entschlsselung des
Importweges knnten Aufschlsse ber
Mechanismen zulassen, die eine Wirtszelle
dazu befhigen, Bakterien als
Endosymbionten zu versklaven und in Organellen
umzuwandeln.
(...truncated)