Yersinia enterocoliticaO:3 — Was macht diesen Serotyp so erfolgreich?
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Frank Uliczka
2003–2007 Biologiestudium an
der TU Braunschweig. 2011 Promotion an der TU Braunschweig/
Helmholtz-Zentrum für Infektionsbiologie in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. P. Dersch.
Seit 2012 Genetic Engineering
Research Scientist bei der Cyano
Biofuels GmbH in Berlin.
DOI: 10.1007/s12268-012-0187-7
© Springer-Verlag 2012
ó Der Zoonoseerreger Yersinia enterocolitica ist in der Lage, schwere Darm-assoziierte
Krankheiten (Yersiniosen) auszulösen.
Anhand des unterschiedlichen Aufbaus ihrer
Lipopolysaccharide können Y. enterocoliticaStämme in verschiedene Serotypen eingruppiert werden. Die am häufigsten isolierten
pathogenen Stämme repräsentieren die Serotypen O:3; O:5,27; O:8 und O:9. Innerhalb
Europas ist Y. enterocolitica Serotyp O:3 der
am weitesten verbreitete Yersinia-Stamm.
Besonders häufig wird dieser aus gesunden
Schweinen isoliert und ist Verursacher von
über 90 Prozent der humanen Yersiniosen.
Die Übertragung erfolgt durch orale Aufnahme von kontaminierter Nahrung. Im Darm
können sie das Epithel durch spezialisierte
microfold-Zellen (M-Zellen) durchqueren und
schließlich tiefer liegendes Gewebe kolonisieren. Die hochaffine Bindung an β1-Inte-
VAAM-Promotionspreis 2012
Yersinia enterocolitica O:3 – Was macht diesen
Serotyp so erfolgreich?
FRANK ULICZKA
MOLEKULARE INFEKTIONSBIOLOGIE, HELMHOLTZ-ZENTRUM FÜR
INFEKTIONSFORSCHUNG, BRAUNSCHWEIG
grine der M-Zellen vermittelt das Außenmembranprotein Invasin. Dieses aktiviert
intrazelluläre Signalkaskaden, was letztendlich zur Aufnahme der Yersinien in die Zelle
führt [1]. Die Expression des invA-Gens (Invasin) ist durch unterschiedliche Faktoren reguliert. Insbesondere Temperaturen zwischen
23 und 26 °C sorgen für eine hohe Produktion
von Invasin. Vorangegangene Analysen zeigten, dass der Transkriptionsfaktor RovA für
diese direkte positive Regulation verantwortlich ist. Weiterhin war bekannt, dass
RovA als Thermosensor fungiert und bei Körpertemperatur durch Proteasen abgebaut
wird. Die Konsequenz ist eine geringe RovAKonzentration bei 37 °C und somit auch keine Expression des invA-Gens.
Im Gegensatz zu anderen enteropathogenen Yersinia-Stämmen ist die Expression von
Invasin in Y. enterocolitica-O:3-Stämmen untypisch reguliert: Sie erfolgt konstitutiv ohne
jegliche Temperaturregulation [2]. Diese spe-
zielle Eigenschaft zeigen nicht nur europäische, sondern auch O:3-Isolate weltweit. Diese ungewöhnliche permanente Produktion
von Invasin konnten wir auf eine Integration
einer Insertionssequenz (IS1667-Element) in
die Promotorregion von invA zurückführen.
Innerhalb des IS1667-Elementes identifizierten wir einen Promotor, der auswärtsgerichtet die Transkription von invA siebenfach
erhöht (Abb. 1). Interessanterweise ist die
Expression von invA trotz des IS1667-Elementes immer noch abhängig von RovA.
Sequenzanalysen verschiedener O:3-Genome
deckten eine Punktmutation im rovA-Gen auf.
Diese Mutation führt zu einer Aminosäuresubstitution von Prolin nach Serin an Position 98. In Vergleichsanalysen erwies sich die
RovAS98-Variante als deutlich stabiler gegenüber proteolytischem Abbau im Vergleich zu
herkömmlichem RovA. Die Kombination der
Insertion des IS1667-Elementes in den invAPromotor mit der Stabilisierung des Transkriptionsfaktors RovA sorgt für eine konstante Expression von invA. Die Beteiligung
von beiden genetischen Veränderungen an
der Pathogenität von Y. enterocolitica O:3
konnte im Mausmodell bestätigt werden [2].
Danksagung
Das Projekt Food-Borne-Zoonotic-Infections
of Humans (FBI-Zoo) wird vom BMBF finanziert.
ó
Literatur
[1] Uliczka F, Kornprobst T, Eitel J et al. (2009) Cell invasion
of Yersinia pseudotuberculosis by invasin and YadA requires
protein kinase C, phospholipase C-γ1 and Akt kinase. Cell
Microbiol 11:1782–1801
[2] Uliczka F, Pisano F, Schaake J, et al. (2011) Unique Cell
Adhesion and Invasion Properties of Yersinia enterocolitica
O:3, the Most Frequent Cause of Human Yersiniosis. PLoS
Pathog 7(7):e1002117
˚ Abb. 1: Vergleich der Expression von Invasin in Yersinia enterocolitica O:8 und O:3 bei 37 °C.
Oben: In Y. enterocolitica O:8 wird der Transkriptionsfaktor RovA bei 37 °C abgebaut, wodurch
kein Invasin gebildet wird. Unten: Das IS1667-Element und das stabilisierte RovA sorgen für eine
konstante invA-Expression in Y. enterocolitica O:3 bei Körpertemperatur.
BIOspektrum | 03.12 | 18. Jahrgang
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Dr. Frank Uliczka
Cyano Biofuels GmbH
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