Neues Modell der Depression

psychopraxis. neuropraxis, Apr 2012

Univ.-Prof. Dr. Bernhard J. Mitterauer

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Neues Modell der Depression

B. J. Mitterauer 0 1 0 Facharzt fr Neurologie und Psychiatrie, Wals bei Salzburg 1 Univ.-Prof. Dr. Bernhard, J. Mitterauer, Wals bei Salzburg Springer-Verlag - Klinische Studien demonstrieren einhellig, dass eine niedrige Einzeldosis von Ketamine bei Patienten mit einer depressiven Episode eine rasche antidepressive Wirkung hat (Zarate et al, 2006, Price et al, 2009). Depressive Patienten berichten ber eine signifikante Besserung ihrer Symptome innerhalb von zwei Stunden nach Infundierung einer niedrigen Dosis von Ketamine. Dieser Effekt dauert bis zu zwei Wochen an. Ketamine ist ein ionotroper, glutamaterger NMDAR (N-methyl-D-asparate Rezeptor) Antagonist. Mehr als einfache NMDAR-Blockade Die rasche antidepressive Wirkung nach Gabe von Ketamine legt einen mglichen neuen Ansatz der Behandlung der Depression nahe. Allerdings ist der Wirkungsmechanismus von Ketamine unklar (Diazgranados et al, 2010. Autry et al, 2011). Li et al (2010) beobachteten, dass Ketamine bei Sugetieren Rapamycin (mTOR) rasch aktiviert, wodurch sich die Anzahl und die Funktion neuer Synapsen im prfrontalen Cortex von Ratten erhht. Dieses Erklrungsmodell ist jedoch noch nicht befriedigend, weil der Mechanismus komplizierter sein drfte als eine einfache NMDA-Rezeptor-Blockade, wozu sich die erwhnte Forschergruppe auch bekennt. Von einem rein neurobiologischen Standpunkt mag dieses Argument zutreffen, jedoch nicht wenn man glianeuronale synaptische Einheiten bercksichtigt, welche seit lngerem experimenciert werden kann, so knnte die Blockade des berschusses von NMDA-Rezeptoren in Astrozyten zu einer raschen Balancierung der synaptischen Informationsbertragung fhren. Geht man davon aus, dass alle gngigen Neurotransmitter und deren Rezeptoren in den neuronalen und glialen Zellsystemen eine Rolle in der Pathophysiologie der Depression spielen knnen, so knnte dieses Modell der Depression eine neue Dimension der Entwicklung von Antidepressiva erffnen. tell gut erforscht sind. Wir haben uns daher mit der mglichen Rolle von Gliazellen, insbesondere von Astrozyten, die direkt in die synaptische Informationsbertragung eingreifen, in der Pathophysiologie der Depression auseinander zu setzen. Balancierung der synaptischen Informationsbertragung Ich habe ein Modell der Pathophysiologie der Depression vorgeschlagen, in dem eine stark erhhte Expression von Rezeptoren in Astrozyten entscheidend ist (Mitterauer 2010 a, b). Der berschuss von astrozytren Rezeptoren fhrt zu einem relativen Mangel von Neurotransmittern, so dass die synaptische Informationsbertragung nicht mehr balanciert ist. Dabei ist festzuhalten, dass bereits astrozytre Rezeptoren fr alle Neurotransmittertypen experimentell nachgewiesen werden konnten (Verkhratsky und Butt, 2007). Somit knnte der rasche antidepressive Effekt von NMDA-blockierenden Substanzen von meinem experimentell testbaren Modell der Pathophysiologie der Depression abgeleitet werden. Angenommen, dass in der therapieresistenten Depression ein signifikanter berschuss an NMDA-Rezeptoren in Astrozyten einen relativen Mangel an Glutamat verursacht, der durch Reuptake-Hemmer nicht balan Geht man davon aus, dass alle gngigen Neurotransmitter und deren Rezeptoren in den neuronalen und glialen Zellsystemen eine Rolle in der Pathophysiologie der Depression spielen knnen, so knnte mein Modell der Depression eine neue Dimension der Entwicklung von Antidepressiva erffnen. Dieser Ansatz drfte fr die Behandlung von therapieresistenten schweren Depressionen von besonderer Bedeutung sein. n Literatur beim Verfasser (...truncated)


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Univ.-Prof. Dr. Bernhard J. Mitterauer. Neues Modell der Depression, psychopraxis. neuropraxis, 2012, pp. 27, Volume 15, Issue 3, DOI: 10.1007/s00739-012-0372-y