Neues Modell der Depression
B. J. Mitterauer
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Facharzt fr Neurologie und Psychiatrie, Wals bei Salzburg
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Univ.-Prof. Dr. Bernhard, J. Mitterauer, Wals bei Salzburg
Springer-Verlag
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Klinische Studien demonstrieren
einhellig, dass eine niedrige Einzeldosis von
Ketamine bei Patienten mit einer
depressiven Episode eine rasche antidepressive
Wirkung hat (Zarate et al, 2006, Price et
al, 2009). Depressive Patienten berichten
ber eine signifikante Besserung ihrer
Symptome innerhalb von zwei Stunden
nach Infundierung einer niedrigen Dosis
von Ketamine. Dieser Effekt dauert bis zu
zwei Wochen an. Ketamine ist ein
ionotroper, glutamaterger NMDAR
(N-methyl-D-asparate Rezeptor) Antagonist.
Mehr als einfache
NMDAR-Blockade
Die rasche antidepressive Wirkung nach
Gabe von Ketamine legt einen mglichen
neuen Ansatz der Behandlung der
Depression nahe. Allerdings ist der
Wirkungsmechanismus von Ketamine unklar
(Diazgranados et al, 2010. Autry et al, 2011). Li et al
(2010) beobachteten, dass Ketamine bei
Sugetieren Rapamycin (mTOR) rasch
aktiviert, wodurch sich die Anzahl und die
Funktion neuer Synapsen im prfrontalen
Cortex von Ratten erhht.
Dieses Erklrungsmodell ist jedoch
noch nicht befriedigend, weil der
Mechanismus komplizierter sein drfte als eine
einfache NMDA-Rezeptor-Blockade, wozu
sich die erwhnte Forschergruppe auch
bekennt. Von einem rein
neurobiologischen Standpunkt mag dieses Argument
zutreffen, jedoch nicht wenn man
glianeuronale synaptische Einheiten
bercksichtigt, welche seit lngerem
experimenciert werden kann, so knnte die Blockade
des berschusses von NMDA-Rezeptoren
in Astrozyten zu einer raschen
Balancierung der synaptischen
Informationsbertragung fhren.
Geht man davon aus, dass alle gngigen Neurotransmitter
und deren Rezeptoren in den neuronalen und glialen
Zellsystemen eine Rolle in der Pathophysiologie
der Depression spielen knnen, so knnte dieses Modell
der Depression eine neue Dimension der Entwicklung
von Antidepressiva erffnen.
tell gut erforscht sind. Wir haben uns daher
mit der mglichen Rolle von Gliazellen,
insbesondere von Astrozyten, die direkt in
die synaptische Informationsbertragung
eingreifen, in der Pathophysiologie der
Depression auseinander zu setzen.
Balancierung der synaptischen
Informationsbertragung
Ich habe ein Modell der Pathophysiologie
der Depression vorgeschlagen, in dem
eine stark erhhte Expression von
Rezeptoren in Astrozyten entscheidend ist
(Mitterauer 2010 a, b). Der berschuss von
astrozytren Rezeptoren fhrt zu einem
relativen Mangel von Neurotransmittern,
so dass die synaptische
Informationsbertragung nicht mehr balanciert ist. Dabei
ist festzuhalten, dass bereits astrozytre
Rezeptoren fr alle
Neurotransmittertypen experimentell nachgewiesen
werden konnten (Verkhratsky und Butt, 2007).
Somit knnte der rasche
antidepressive Effekt von NMDA-blockierenden
Substanzen von meinem experimentell
testbaren Modell der Pathophysiologie der
Depression abgeleitet werden.
Angenommen, dass in der therapieresistenten
Depression ein signifikanter berschuss an
NMDA-Rezeptoren in Astrozyten einen
relativen Mangel an Glutamat verursacht,
der durch Reuptake-Hemmer nicht
balan
Geht man davon aus, dass alle gngigen
Neurotransmitter und deren Rezeptoren in
den neuronalen und glialen Zellsystemen
eine Rolle in der Pathophysiologie der
Depression spielen knnen, so knnte
mein Modell der Depression eine neue
Dimension der Entwicklung von
Antidepressiva erffnen. Dieser Ansatz drfte
fr die Behandlung von
therapieresistenten schweren Depressionen von
besonderer Bedeutung sein. n
Literatur beim Verfasser
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