Unterschiedliche Perspektiven und Zugänge
Herausgeberbrief
psychopraxis. neuropraxis 2018 · 21:139
https://doi.org/10.1007/s00739-018-0499-6
© Springer-Verlag GmbH Austria, ein Teil von
Springer Nature 2018
Liebe Leserinnen, liebe Leser!
Die Falldarstellung zur limbischen Enzephalitis bietet einen klaren hilfreichen
Ein- und Überblick in die Bedeutung aktueller hochspezifischer diagnostischer
und therapeutischer Möglichkeiten im
prozesshaften Verlauf dieser gut differenzierbaren, spezifisch behandelbaren
neuropsychiatrischen Krankheitsbilder.
Im Teil 2 zur Lithiumtherapie älterer
Patientinnenund Patientenmitbipolaren
Erkrankungen wird auf das individuelle
Risiko einer Nierenschädigung, lithiumbedingte chronische Nierenveränderungen, die Risikofaktoren der Progression
einer renalen Insuffizienz und die Gefahr
einer Lithiumintoxikation durch Medikamenteninteraktionen eingegangen sowie deren Bedeutung für eine individuelle Nutzen-Risiko-Bewertung im Rahmen
des klinischen Managements der Lithiumtherapie im Alter.
Die Wichtigkeit der frühzeitigen Diagnose einer atypischen Alzheimer-Demenz mit Sprachstörung als Initialsymptom aufgrund möglicher Therapieerfolge durch Behandlung mit Cholinesterasehemmern wird im entsprechenden
Beitrag aufgezeigt. Die zwei Fallbeispiele stellen die syndromale Ähnlichkeit der
Heterogenität zugrunde liegender Pathogenesen gegenüber, wobei bei Sprachstörungen ein Biomarkerscreening zur effizienten Differenzierung zugrunde liegender Pathologien aufgrund Therapierelevanz durchgeführt werden sollte.
Im Überblick zur Palliativmedizin
bei neurologischen Erkrankungen werden die frühzeitige Kontaktaufnahme
zum Palliativteam, das multiprofessionelle Team und Assessment sowie die
Unterstützung der Angehörigen betont.
Kurt Stastka
Psychiatrische Abteilung im Sozialmedizinischen Zentrum Süd, Kaiser-Franz-Josef-Spital, Wien, Österreich
Unterschiedliche Perspektiven
und Zugänge
Im Beitrag „Der Raum zwischen
Couch und Telefon“ zu Veränderungen des psychotherapeutischen Behandlungssettings werden anhand mehrerer
Falldarstellungen individuelle Behandlungsfortschritte durch Settingwechsel
dargestellt sowie allgemeine Auswirkungen, Effekte und rechtliche Rahmenbedingungen neuer Kommunikationsformen neben Telefonie, wie Skype und
virtuelle Realität, diskutiert.
In „Demenz – ein syndromatologisches Chamäleon“ werden die unterschiedlichen Erscheinungsformen initial
und im Verlauf sowie deren ungewöhnlicher Therapieverlauf eindrucksvoll beschrieben.
Transkulturelle Kompetenz als wertfreies, nachvollziehendes Verstehen
fremdkultureller Gepflogenheiten und
sprachbewusstes Formulieren wird im
entsprechenden Beitrag an mehreren
praxisbezogenen Fallbeispielen als sehr
hilfreich in der wechselseitigen ArztPatienten-Beziehung und Gesprächsführung dargestellt, wird dadurch doch
erheblichen Missverständnissen und
daraus resultierenden Konsequenzen
vorgebeugt.
Im Beitrag „Psychotherapie-Ausbildung in Österreich. Erste Basis- und soziodemografische Hintergrunddaten aus
der SPRISTAD Studie (A Collaborative
Study of Development in Psychotherapy
Trainees)“, der online über Open Access (www.springermedizin.at) zu finden
ist, wird präsentiert, wie sich Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten
im Laufe ihrer Ausbildung entwickeln
und dies in direktem Zusammenhang
mit den Kernkompetenzen von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten
steht.
Im aktuellen Artikel „Das Gesundheitswesen – von der Ökonomik zur Systemperspektive“ werden von Felix Tretter mehrere verschiedenartige Krisen, die
kumulativ zu einer katastrophalen Situation führen könnten, thematisiert und in
einem Memorandum 8 relevante Bereiche thesenartig identifiziert, deren gutes
Zusammenspiel für eine humane Medizin nötig erscheint.
In einer Zeit vermeintlich knapper
Ressourcen ist gerade im Bereich „mental
health“ die Breite und Tiefe wissenschaftlicher Erkenntnisse und praxisrelevanter Anwendungen über die Forschungsparadigmen hinweg im biopsychosozialen Spannungsfeld zu reflektieren und
mentalisieren, im eigenen Feld kritisch
auf Wirksamkeit zu überprüfen, um aufgrund von rein evidenzbasierten Zugängen nicht einem womöglich schädlichen
Reduktionismus und einer Skotomisierung zu unterliegen.
Insofern wünsche ich anregende Lektüre entsprechend unterschiedlicher Zugänge und Perspektiven.
Leserbriefe und Kommentare sind
sehr willkommen!
Mit freundlichen Grüßen
Ihr Kurt Stastka
Korrespondenzadresse
©Privat
Prim. Dr. K. Stastka
Psychiatrische Abteilung im
Sozialmedizinischen Zentrum
Süd, Kaiser-Franz-Josef-Spital
Kundratstraße 3, 1100 Wien,
Österreich
Interessenkonflikt. K. Stastka gibt an, dass kein
Interessenkonflikt besteht.
psychopraxis. neuropraxis 4 · 2018
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