Positionspapier „Schlafmedizin in der Kardiologie“, Update 2021
Positionspapiere
Kardiologe 2021 · 15:429–461
https://doi.org/10.1007/s12181-021-00506-4
Angenommen: 12. August 2021
Online publiziert: 13. September 2021
© Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herzund Kreislaufforschung e.V. Published by Springer
Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature
- all rights reserved 2021
Positionspapier „Schlafmedizin in
der Kardiologie“, Update 2021
Henrik Fox1,2 · Michael Arzt3 · Martin W. Bergmann4,15 · Thomas Bitter5 ·
Dominik Linz6 · Olaf Oldenburg7 · Thomas Penzel8 · Andreas Rillig9 ·
Christoph Schöbel10 · Anil-Martin Sinha11 · Philipp Sommer2,12 · Jens Spießhöfer13 ·
Stefan Stadler3 · Christian Erik Skobel14
1
Klinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie/Angiologie, Herz- und Diabeteszentrum NRW,
Ruhr-Universität Bochum, Bad Oeynhausen, Deutschland; 2 Zentrum für Herzinsuffizienz, Herz- und
Diabeteszentrum NRW, Universitätsklinik, Ruhr-Universität Bochum, Bad Oeynhausen, Deutschland;
3
Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II, Universitätsklinikum Regensburg, Regensburg, Deutschland;
4
Cardiologicum Hamburg, Hamburg, Deutschland; 5 Klink für Pneumologie & Beatmungsmedizin,
Städtisches Klinikum Braunschweig, Braunschweig, Deutschland; 6 Kardiologie, Maastricht University
Medical Centre and Cardiovascular Research Institute Maastricht, Maastricht, Niederlande; 7 Klinik für
Kardiologie, Ludgerus-Kliniken Münster, Clemenshospital, Münster, Deutschland; 8 Interdisziplinäres
Schlafmedizinisches Zentrum, Zentrum für Kardiologie und Angiologie, Charité – Universitätsmedizin
Berlin, Berlin, Deutschland; 9 Universitäres Herz- und Gefäßzentrum, UKE Hamburg, Hamburg,
Deutschland; 10 Zentrum für Schlaf- und Telemedizin, Ruhrlandklinik, Westdeutsches Lungenzentrum am
Universitätsklinikum Essen, Essen, Deutschland; 11 Klinik für Kardiologie, Pneumologie und Internistische
Intensivmedizin, Klinikum Hof, Hof, Deutschland; 12 Klinik für Elektrophysiologie/Rhythmologie, Herz- und
Diabeteszentrum NRW, Ruhr-Universität Bochum, Bad Oeynhausen, Deutschland; 13 Klinik für
Pneumologie und Internistische Intensivmedizin, RWTH Universitätsklinikum Aachen, Aachen,
Deutschland; 14 MVZ Ambulantes Aachener Zentrum für Pneumologie, Ärztehaus am Luisenhospital,
Aachen, Deutschland; 15 Kommission für Klinische Kardiovaskuläre Medizin, Deutsche Gesellschaft für
Kardiologie, Düsseldorf, Deutschland
Zusammenfassung
Der Verlag veröffentlicht die Beiträge in der von
den Autor*innen gewählten Genderform. Die
Verwendung einer angemessenen gendergerechten Sprache, um Menschen in ihrer Vielfalt
wertschätzend anzusprechen, wird begrüßt.
Es hat sich viel getan in der Welt der Schlafmedizin in der Kardiologie, weshalb eine
vollwertige Überarbeitung des Positionspapiers „Schlafmedizin in der Kardiologie“
erforderlich wurde. In der aktuellen neuartigen Version finden sich nicht nur alle
verfügbaren Studien, Literaturstellen und Updates zu Pathophysiologie, Diagnostikund Therapieempfehlungen, sondern auch Ausblicke auf neue Entwicklungen
und zukünftige Forschungserkenntnisse. Dieses überarbeitete Positionspapier gibt
Empfehlungen für Diagnostik und Therapie von Patienten mit kardiovaskulären
Erkrankungen mit schlafassoziierten Atmungsstörungen und erteilt darüber
hinaus einen fundierten Überblick über verfügbare Therapien und Evidenzen, gibt
aber ebenso Ratschläge wie mit Komorbiditäten umzugehen ist. Insbesondere
enthält dieses überarbeitete Positionspapier aktualisierte Stellungnahmen zu
schlafassoziierten Atmungsstörungen bei Patienten mit koronarer Herzerkrankung,
Herzinsuffizienz, arterieller Hypertonie, aber auch für Patienten mit Vorhofflimmern.
Darüber hinaus finden sich erstmals Empfehlungen zur Telemedizin als eigenes,
neues Kapitel. Dieses Positionspapier bietet Kardiologen sowie Ärzten in der
Behandlung von kardiovaskulären Patienten die Möglichkeit einer evidenzbasierten
Behandlung der wachsend bedeutsamen und mit zunehmender Aufmerksamkeit
behafteten Komorbidität schlafassoziierter Atmungsstörungen. Und nicht zuletzt
besteht mit diesem neuen Positionspapier eine enge Verknüpfung mit dem neuen
Curriculum Schlafmedizin der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, weshalb dieses
Positionspapier eine Orientierung für die erworbenen Fähigkeiten des Curriculums im
Umgang von kardiovaskulären Patienten mit schlafassoziierten Atmungsstörungen
darstellt.
Schlüsselwörter
Schlafbezogene Atmungsstörungen · Herzinsuffizienz · Arterielle Hypertonie · Koronare
Herzerkrankung · Vorhofflimmern
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Der Kardiologe 5 · 2021 429
Positionspapiere
1 Präambel
Das erste Positionspapier „Schlafmedizin in der Kardiologie“ der Deutschen
Gesellschaft für Kardiologie, Herz- und
Kreislaufforschung (DGK) stammt aus
dem Jahr 2009. Wissenschaft und Forschung haben zwischenzeitlich wieder
viele neue Erkenntnisse auf dem Gebiet
des gesunden und gestörten Schlafes
hervorgebracht, insbesondere in Bezug
auf schlafbezogene Atmungsstörungen
(SBAS). Die prognostische Bedeutung von
SBAS ist zwischenzeitlich gut belegt, und
Abkürzungen
AASM
AHI
ASV
BiPAP
BMI
CPAP
CRT
CSR
CTEPH
DGK
DGSM
EEG
EMG
EOG
EPAP
ESC
ESH
HFpEF
HFrEF
ICD
LV-EF
NIV
NREM
OHS
OSA
PG
PH
PSG
REM
SBAS
TIA
ZSA
430
American Academy of Sleep
Medicine
Apnoe-Hypopnoe-Index
Adaptive Servoventilation
Bi-Level Positive Airway Pressure
Body Mass Index
Continuous positive airway pressure,
Beatmung mittels kontinuierlich
positivem Atemwegsdruck
Kardiale Resynchronisationstherapie
Cheyne-Stokes-Atmung
Chronisch thromboembolische
pulmonale Hypertonie
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung
Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin
Elektroenzephalographie
Elektromyographie
Elektrookulographie
Expiratory positive airway pressure
European Society of Cardiology
European Society of Hypertension
Herzinsuffizienz mit erhaltener
linksventrikulärer Ejektionsfraktion,
heart failure with preserved left
ventricular ejection fraction
Herzinsuffizienz mit reduzierter
linksventrikulärer Ejektionsfraktion,
heart failure with reduced left
ventricular ejection fraction
Implantierbarer KardioverterDefibrillator
Linksventrikuläre Ejektionsfraktion
Nichtinvasive Ventilation
Non-rapid eye movement, NichtTraumschlaf-Schlafstadien N1–N3
Obesitas-Hypoventilationssyndrom
Obstruktive Schlafapnoe
Polygraphie
Pulmonale Hypertonie
Polysomnographie
Rapid eye movement, Traumschlaf
mit schnellen Augenbewegungen
Schlafbezogene Atmungsstörungen
Transiente ischämische Attacke
Zentrale Schlafapnoe
Der Kardiologe 5 · 2021
im Hinblick auf die Behandlung sind zahlreicheneueErkenntnisseerschienen,die es
galt, in diesem aktualisierten Positionspapier zu bewerten und einzuordnen. Dabei
reift die Erkenntnis, dass die Physiologie
und Pathophysiologie von SBAS weitaus
komplexer zu sein scheint, als man bislang
dachte, und neue Studien sowie große
Register, randomisierte klinische Untersuchungen und Metaanalysen haben zwischenzeitlich fundierte Erkenntnisse über
das Krankheitsbild von SBAS, den klinischen Ste (...truncated)