Die Endozytose — ein zellulärer Aufnahmeweg mit vielfältigen Funktionen
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W I S S EN S CH AFT
Membrantransport
Die Endozytose – ein zellulärer Aufnahmeweg mit vielfältigen Funktionen
TANJA MARITZEN
ABTEILUNG FÜR NANOPHYSIOLOGIE, TU KAISERSLAUTERN
The plasma membrane harbors a specific set of transmembrane proteins which enable diverse cellular functions such as nutrient uptake,
ion homeostasis and cellular signaling. The surface levels of these proteins need to be dynamically regulated to allow for plastic changes in
cellular behaviour e. g. upon cell stress or during neuronal communication. Endocytosis is a powerful mechanism for quickly adapting the
surface proteome via protein internalization. Here, I discuss how endocytosis contributes to brain function and counteracts cell stress.
DOI: 10.1007/s12268-021-1641-1
© Die Autorin 2021
ó Die Zellen unseres Organismus müssen
sich einerseits über die Plasmamembran von
ihrer Umgebung abgrenzen, andererseits
aber auch in engem Stoff- und Signalaustausch mit dem extrazellulären Raum stehen,
um sich mit Nährstoffen zu versorgen und
adäquat auf sich verändernde Umweltbedingungen und Signale reagieren zu können. In
die Plasmamembran eingebettete Transmem-
branproteine spielen für beide Prozesse eine
maßgebliche Rolle und eine dynamische
Regulation ihrer Oberflächenlevel ist Voraussetzung für die Plastizität zellulärer Antworten. Ein Mittel für die rapide Anpassung des
Oberflächenproteoms an zelluläre Gegebenheiten ist die Endozytose. Bei diesem Prozess
wird ein Stück Plasmamembran um die zu
internalisierenden Transmembranproteine
˚ Abb. 1: Die vier Phasen der Clathrin-vermittelten Endozytose. (1) Über die Interaktion mit
Membranlipiden und den zu internalisierenden Proteinen reichern sich Adaptorproteine an der
Plasmamembran an. (2) Durch die Rekrutierung weiterer Endozytose-Proteine wie z. B. des
Mantelproteins Clathrin bewirken sie eine zunehmende Membrankrümmung. (3) Das Mechanoenzym Dynamin kappt am Ende die verbleibende Verbindung mit der Plasmamembran. (4) Nach
der Freisetzung verliert das Vesikel seinen Mantel und kann nun mit Endosomen fusionieren.
Erstellt mithilfe von BioRender.com.
herum immer weiter einwärts gekrümmt.
Dabei entsteht eine nur noch über einen
schmalen Hals verbundene Einstülpung, die
letztlich komplett abgeschnürt wird und als
Vesikel ihre Fracht ins Innere der Zelle trägt
(Abb. 1). Da das Repertoire an Frachtproteinen sehr breit ist, beeinflusst die Endozytose eine Vielzahl von zellulären Prozessen. Sie ist für die Aufnahme von eisenbeladenem Transferrinrezeptor und damit die
Blutbildung genauso essenziell wie für die
Justierung der Oberflächenlevel von Neurotransmitterrezeptoren (Abb. 2). Dementsprechend stehen Endozytosedefekte in Zusammenhang mit verschiedensten Erkrankungen, angefangen bei Hypercholesterolämie
bis hin zu neurologischen Erkrankungen [1].
Mechanismus der Endozytose
Wie funktioniert die Endozytose? In molekularer Hinsicht gibt es verschiedene Endozytosemechanismen, von denen die Clathrinvermittelte Endozytose der am besten verstandene Mechanismus ist, der auch quantitativ den größten Beitrag zur Aufnahme von
Transmembranproteinen liefert [2]. Die Clathrin-vermittelte Endozytose läuft in vier
Phasen ab (Abb. 1, [3]). In der Initiationsphase binden endozytotische Gerüst- und Adaptorproteine an die Membran, indem sie cytosolische Sortierungsmotive in den Frachtproteinen erkennen und/oder an ein bestimmtes
Membranlipid, Phosphatidylinositol(4,5)
bisphosphat (PIP2), binden sowie miteinander interagieren. In der zweiten Phase rekrutieren diese frühen Endozytoseproteine das
namensgebende Mantelprotein Clathrin, das
sich zu gekrümmten polygonalen Gittern
zusammenlagert. Ebenfalls rekrutierte Proteine aus der BAR-Domänen-Familie bewirken zusammen mit Clathrin und weiteren
Faktoren eine immer weiter fortschreitende
Membrankrümmung. Am Ende ist das stark
gekrümmte Membranstück nur noch über
einen dünnen Hals mit der Plasmamembran
verbunden. In der dritten Phase wird dieser
Hals letztlich durch ein Zusammenspiel von
BAR-Domänen-Proteinen, Aktin und dem
Mechanoenzym Dynamin durchtrennt. In der
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˘ Abb. 2: Funktionen der Endozytose an der Synapse. An der Präsynapse
ist die Endozytose essenziell, um gestrandete Transmembranproteine
synaptischer Vesikel wie Synaptobrevin2 und Synaptotagmin1 zu recyceln. An der Postsynapse trägt die regulierte und Subtyp-selektive Endozytose von Neurotransmitterrezeptoren wie den AMPA-Typ-Glutamatrezeptoren zur synaptischen Plastizität bei. Erstellt mithilfe von BioRender.
com.
letzten Phase sorgen Entmantelungsfaktoren
wie das Protein HSC70 zusammen mit Auxilin und PIP2-abbauenden PI-Phosphatasen
dafür, dass der Clathrin- und Adaptormantel
um das Vesikel wieder in seine Bestandteile
zerfällt.
Obwohl Clathrin das namensgebende Protein ist, ist dieses Mantelprotein für den verwandten Mechanismus in Hefen nicht essenziell. Auch an der Säugetiersynapse mehren
sich die Hinweise, dass zwar eine Reihe der
aus der Clathrin-vermittelten Endozytose
bekannten endozytotischen Faktoren an den
dort stattfindenden Internalisierungsprozessen beteiligt ist, aber Clathrin selber nicht
immer notwendig ist [4].
Endozytotische Adaptorproteine
Ein Vorteil der Clathrin-vermittelten Endozytose besteht darin, dass individuelle
Frachtproteine selektiv für die Internalisierung angereichert werden können. Dies
geschieht über die Erkennung spezifischer
cytosolischer Sortierungsdeterminanten
durch endozytotische Adaptorproteine [1].
Das wichtigste Adaptorprotein ist der
AP-2-Komplex, der sowohl Leucin-basierte
Motive als auch Tyrosin-basierte Signale bindet. Während vollständige Funktionsverlustmutanten von AP-2 nicht mit dem Überleben
vereinbar sind, konnten kürzlich mildere
AP-2-Mutationen in Patienten mit epileptischer Enzephalopathie identifiziert werden
[5], was die Bedeutung der Endozytose gerade für neuronale Prozesse unterstreicht.
Obwohl AP-2 als Adaptor für eine große
Anzahl von Frachtproteinen fungiert, wurde
schnell klar, dass es v. a. an der Synapse eine
Reihe wichtiger Transmembranproteine gibt,
die keins der von AP-2 erkannten Sortierungsmotive aufweisen und entsprechend
über andere Mechanismen rekrutiert werden
müssen, wie z. B. die synaptischen Vesikelproteine Synaptotagmin1 und Synaptobrevin2. Inzwischen ist klar, dass AP-2 eine Reihe weiterer endozytotischer Adaptorproteine
zur Seite stehen, die spezielle Sortierungsmotive erkennen und damit das Spektrum der
Frachtproteine erweitern [1]. Dazu gehört
z. B. das Protein Stonin2 sowie auch die eng
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verwandten Adaptoren AP180 und
CALM.
Die Bedeutung
der Endozytose
für die
Neurotransmission
Untersuchungen von Mausmodellen wichtiger Endozytoseproteine haben gezeigt, dass
besonders die Gehirnfunktion von einer gut
funktionierenden Endozytose abhängig ist
(Abb. 2). Die Neuronen in unserem Gehirn
kommunizieren in erster Linie über die Ausschüttung von Neurotransmittern miteinander. Die Neurotransmitter werden in der
Präsynap (...truncated)