Digitaler Zwilling für optimierte MS-Behandlung
aktuell
Multiple Sklerose
Digitaler Zwilling für optimierte
MS-Behandlung
Neurologen des Uniklinikums Dresden setzen auf KI und Digital Health, um MS-Patienten individueller
zu betreuen. Teil eines digitalen Zwillings des Patienten soll ein Dashboard zur Gehanalyse sein.
FF
Die Erstellung eines digitalen
Zwillings (Digital Twin) gilt sowohl für
Patienten als auch für Medizintechnikhersteller als Option mit hohem Potenzial, zum Beispiel die Wirkung von Medikamenten vorherzusagen. Die digitalen
Ebenbilder fußen auf Tausenden von
Datensätzen, die speziell für das jeweilige Einsatzgebiet generiert wurden –
zum Beispiel von Patienten.
Nun will das Multiple Sklerose
Zentrum (MSZ) an der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Carl
Gustav Carus Dresden seine DigitalHealth-Expertise bei Therapie und Erforschung der Multiplen Sklerose (MS) mittels digitalem MS-Zwilling ausbauen
und so nach eigenen Angaben den Weg
zum „MS-Management 2.0“ ebnen.
©©Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Quelle: www.aerztezeitung.de/ Matthias
Wallenfels
Patientendaten aus mehr als
20 Jahren Versorgung
Als Vorreiter bei der Umsetzung von
Digital Health-Konzepten sammle das
MS-Zentrum kontinuierlich Patienten-
daten und werte sie aus. Davon sollen
MS-Patienten künftig im Zuge der digitalen Neurologie profitieren. „Mit dem
‚Digitalen M
S-Zwilling‘ zünden wir für
unsere Patientinnen und Patienten
die nächste Stufe unseres Digital
Health-Konzepts“, erläutert Prof. Tjalf
Ziemssen, Gründer und Leiter des
MS-Zentrums an der Klinik für Neurologie. Die Voraussetzungen seien gut:
Mit monatlich rund 1000 Patienten
sei es eines der größten akademischen MS-Zentren Deutschlands und
verfüge seit nunmehr gut 20 Jahren
über ein kontinuierlich ausgebautes
MS-spezifisches Patientendokumentationssystem sowie zahlreiche digitale Anwendungen im Versorgungsalltag, die erprobt und routinemäßig
eingesetzt werden. Dazu gehöre nicht
nur die Tablet-gestützte Abfrage von
subjektiven Symptomen wie zum Beispiel Müdigkeit, sondern auch digitale, teilweise von den Betroffenen
selbst vorgenommene Tests zu Kon-
8 Ein Dashboard zur individuellen Gehanalyse ist Bestandteil des digitalen Zwillings von M
S-Patienten am MS-
Zentrum der Uniklinik Dresden
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zentration, Gehfähigkeit, Sehfähigkeit
und Geschicklichkeit der Hände.
Eine detaillierte Untersuchung der
Gehfunktion werde darüber hinaus
halbjährlich mit speziellen Sensoren
vorgenommen, um etwaige Gangstörungen im Verlauf erkennen zu können.
Neben digitalisierten Testverfahren
finde auch die regelmäßige Dokumentation des Ist-Zustandes und die Kontrolle des Krankheitsverlaufs ebenso
überwiegend digital statt wie das Verwalten der Daten im Rahmen der M
S-
Versorgung. Der digitale M
S-Zwilling
soll es den Ärzten künftig ermöglichen,
persönliche Krankengeschichten und
den individuellen Gesundheitszustand
zu simulieren.
Auch KI mit im Boot
Zum Einsatz komme – neben medizinischem Wissen und datengesteuerten Berechnungsverfahren – unter
anderem Künstliche Intelligenz (KI).
Die Perspektive für MS-Erkrankte und
deren Behandlungsteams sei vielversprechend: Das Konzept des ‚Digitalen
Zwillings‘ beinhaltet eine computergestützte Simulation und Modellierung, die unter anderem die Vorhersage von Krankheitsverläufen und
Behandlungserfolgen sowie ein individuelles Krankheitsmanagement
ermögliche. So lasse sich beispielsweise die individuelle Medikamentenverträglichkeit für die Behandelten
vorab und ohne Risiko testen. So
werden die Therapien schneller und
gezielter einsetzbar.
Konkret basiere der digitale MS-
Zwilling auf verschiedenen Kenngrößen der MS – etwa Parametern
aus den neurologischen Untersu-
Hier steht eine Anzeige.
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chungen und Funktionstests, aus der
Bildgebung, aus neuartigen neurobiologischen und immunologischen
Daten sowie aus Informationen über
die Lebensumstände und -pläne des
Patienten. Sie würden mithilfe KI-
basierter Berechnungsverfahren analysiert. Den Ärzten sei es dadurch möglich, große Mengen an Patientendaten
aus verschiedenen Quellen zusammenzuführen, zu verarbeiten und für
das Krankheitsmanagement zu nutzen.
Mit einer übersichtlichen Darstellung
von voranalysierten Patientendaten
auf einem Dashboard könne die Ärztin
oder der Arzt die zu Behandelnden
optimal beraten und gemeinsam mit
der zu behandelnden Person individualisierte klinische Entscheidungen
treffen.
Zwilling spiegelt klinischen Pfad
wider
Zudem präsentiere der digitale MS-
Zwilling als intelligentes System den
klinischen Pfad, also den konkreten
Weg des Patienten durch die verschiedenen Prozeduren der Behandlung
im MS-Zentrum. Somit diene er nicht
nur als Wegweiser durch die individuelle Behandlung, sondern stelle gleichzeitig ein Qualitätssicherungsinstrument für Ärzte und Patienten dar. Die
Erarbeitung entsprechender Qualitäts-
indikatoren sowie deren Implementierung in die klinischen Pfade seien Teil
des aktuell laufenden Projekts„Pfadgestütztes Qualitätsmanagement in der
MS-Versorgung“ (QPATH4MS).
Hinweis des Verlags. Der Verlag bleibt
in Hinblick auf geografische Zuordnungen
und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen
neutral.
psychopraxis.neuropraxis2021·24:322–324
https://doi.org/10.1007/s00739-
021-00763-8
© Springer-Verlag GmbH Austria, ein Teil
von Springer Nature 2021
Auswirkung der COVID-19-Pandemie
auf Migränepatienten
Die globale COVID-19-Pandemie hat enorme Auswirkungen auf alle Gesundheitssysteme weltweit. Die
Pandemie hat auch Auswirkungen auf die Versorgung von Patienten mit Migräne.
FF
Inwieweit die Pandemie die
tronisches Tagebuch und es wurde der
Zeitraum während des Lockdowns in
den Niederlanden von Mitte März bis
Mitte April 2020 mit einem Zeitraum
vor dem Lockdown verglichen. Vollständige Datensätze lagen von 592 Patienten vor.
©©peterschreiber.media/Getty Images/iStock
Häufigkeit und Schwere von Migräneattacken beeinflusst, wurde in mehreren Publikationen untersucht. In
einer Kohortenstudie, die in Holland
durchgeführt wurde [1], führten 870
Migränepatienten regelmäßig ein elek-
8 Die COVID-19-Pandemie hat Migränepatienten in unterschiedlichem Ausmaß beeinflusst
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Die Patienten waren im Mittel
46 Jahre alt und 82 % waren Frauen.
14 % litten unter einer chronischen
Migräne, die Hälfte hatte eine Vorgeschichte mit einer Depression. Während des Lockdowns kam es zu einer
Reduktion der Zahl der Migränetage
pro Monat um 0,48 und einer Reduktion der Tage mit Medikamenteneinnahme pro Monat ebenfalls um 0,48.
Die Lebensqualität bezüglich der Migräne nahm in diesem Zeitraum zu.
Kommentar: In einer holländischen
Kohortenstudie führte der Lockdown
zu einer geringen aber statistisch signifikanten Reduktion der Zahl der Migränetage pro Monat. Die Autoren führen
dies darauf zurück, dass mehr Betroffene von zu Hause arbeiteten und
damit die Berufstätigkeit mit weniger
Stress verbunden war. Nicht erwähnt
wird, dass der Lockdown möglicherweise (...truncated)