Wie Kochsalz Mitochondrien beeinflusst
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NaCl und Makrophagen
Wie Kochsalz Mitochondrien
beeinflusst
SABRINA GEISBERGER
MAX-DELBRÜCK-CENTER FÜR MOLEKULARE MEDIZIN, BERLIN
Dietary high salt (HS) is a major risk factor for cardio-vascular and
chronic inflammatory diseases. Sodium can increase postprandially
but can also accumulate in diverse tissues. Immune cells, such as
macrophages, sense this salty environment and adapt accordingly,
shifting towards a more pro-inflammatory state. Mechanistically, HS
inhibits complex II of the electron transport chain and thereby reduces
mitochondrial function. In two independent clinical studies, an HS-diet
transiently impaired human monocytic mitochondrial function.
DOI: 10.1007/s12268-022-1781-y
© Die Autorin 2022
ó Immunzellen sind in der Lage, ihren Stoffwechsel in Abhängigkeit von der Mikroumgebung, in der sie sich befinden, zu regulieren, um so ihre Funktion korrekt erfüllen zu
können. Ein wichtiger Parameter der lokalen
Mikroumgebung ist Natrium, welches das
wichtigste Kation des extrazellulären Raums
ist. Es spielt eine Schlüsselrolle bei der Flüssigkeitshomöostase des Körpers, der Wasserretention, der Signalübertragung in Muskeln
und Neuronen und ist am Transport von
Nährstoffen, Elementen, Osmolyten und Neurotransmittern über Zellmembranen beteiligt. Speisesalz (NaCl) ist die wichtigste Quelle für die Aufnahme von Natrium. Die
menschliche Ernährung hat sich jedoch im
Laufe der Jahre stark verändert und der Salzkonsum ist erheblich gestiegen, sodass heutzutage in den westlichen Ländern oft 10 g
Salz pro Tag aufgenommen werden. Dieser
hohe Salzkonsum wird mit erhöhtem Blutdruck und einem gesteigerten Risiko für
Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung
gebracht, die auf erhöhte Wassereinlagerungen, Endorganschäden an Blutgefäßen, Nieren und Herz, oxidativen Stress und hormonelle Veränderungen zurückzuführen sind
[1]. Außerdem werden auch das Immunsystem und das Mikrobiom durch einen erhöhten Salzkonsum beeinträchtigt, was zu einem
gesteigerten Risiko und einer VerschlimmeBIOspektrum | 04.22 | 28. Jahrgang
rung chronisch-entzündlicher Autoimmunerkrankungen, wie rheumatoider Arthritis oder
Multipler Sklerose [2], sowie zu Veränderungen der bakteriellen Zusammensetzung im
Darm führt [3].
Nach einer salzigen Mahlzeit steigt das
Natrium im Serum vorübergehend an [4].
Interessanterweise kann es sich aber auch in
Geweben anreichern, wie Haut, Muskel oder
Gehirn. Diese Anreicherung nimmt mit
erhöhtem Salzkonsum, zunehmendem Alter
und lokalen Entzündungen zu. Es hat sich
gezeigt, dass Immunzellen, insbesondere
˘ Abb. 1: Salzregulation des mitochondrialen Stoffwechsels. Natrium hemmt
den Komplex II der
Atmungskette (ETC),
wodurch der Sauerstoffverbrauch (oxygen consumption
rate, OCR), das Membranpotenzial (∆ψ)
und die ATP-Produktion abnehmen.
Makrophagen verändern daraufhin ihre
Genexpression und
Funktion und werden
proinflammatorischer.
Makrophagen, bevorzugt in diese salzhaltigen Gewebe einwandern [5, 6].
Makrophagen: salzsensitive
Immunzellen
Makrophagen sind eine heterogene Population von Immunzellen des angeborenen
Immunsystems. Sie erfüllen eine Vielzahl
sehr unterschiedlicher Funktionen, da sie in
der Lage sind, ihr Transkriptions-, Stoffwechsel- und Funktionsprofil zu ändern –
ein Prozess, der als Aktivierung bzw. Polarisierung bezeichnet wird. Die Extreme dieses
Aktivierungsspektrums sind die klassischen, proinflammatorischen M1-Makrophagen und die alternativen, antiinflammatorischen M2-Makrophagen [7]. Wenn Makrophagen unter Hochsalz(HS)-Bedingungen
aktiviert werden, verschieben sie sich in
Richtung eines eher proinflammatorischen
Phänotyps. Einerseits exprimieren M1Makrophagen mehr ihrer Markergene, wie
Nos2, und sind in der Lage, Parasiten und
Bakterien effizienter abzutöten [5, 8]. Andererseits exprimieren M2-Makrophagen
geringere Mengen ihrer Markergene, wie
Retnla1, dafür aber mehr entzündungsfördernde Gene, wie Cox2. Außerdem werden
sie in ihrer Funktion der Regulierung anderer Immunzellen gehemmt, wie der T-ZellProliferationsinhibition [8, 9].
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W I S S ENS C H AFT · S PECIA L : ZELLBIOLOGI E & ZE LLANALYT IK
A
B
D
C
E
˚ Abb. 2: A, Intrazelluläres Natrium und B, Sauerstoffverbrauch (basaler OCR, oxygen consumption rate) in in vitro behandelten humanen Monozyten unter Normalsalz (NS) und Hochsalz
(HS). C, kombinierte Komplex II+III Aktivität in isolierten Mitochondrien unter Zugabe von NaCl
oder Antimycin A (AA), relativ zu unbehandelten Mitochondrien. D, Plasmanatrium und E, damit
korrelierender basaler OCR von Monozyten vor und nach einer Pizza. Daten aus [8].
Mechanismus der salzabhängigen
Stoffwechselregulation
Ein wichtiger Faktor bei der Aktivierung von
Immunzellen ist der Stoffwechsel. Je nach
Bedarf passen Immunzellen ihren Stoffwechsel an, indem sie – z. B. im Fall von M1Makrophagen – bevorzugt anaerobe Glykolyse oder – im Fall von M2-Makrophagen –
Fettsäureoxidation und oxidative Phosphorylierung nutzen. So können Immunzellen
gezielt ihren Energiebedarf decken, gleichzeitig aber Stoffwechselwege und -intermediate umfunktionieren. Ein Beispiel dafür ist
der Krebszyklus (tricarboxylic acid (TCA)Zyklus), den M1-Makrophagen nicht dazu
nutzen, um NADH + H+ zur Energiegewinnung zu produzieren. Anstelle dessen sind
Metabolite wie Oxaloacetat, Succinat und
Citrat wichtig für die Produktion von Stickoxid, Sauerstoffradikalen, Prostaglandinen
oder auch für die Induktion proinflammato-
rischer Gene [7]. Aber auch das Gegenteil ist
der Fall und Stoffwechselveränderungen
können sich auf den Phänotyp einer Immunzelle auswirken. Daher interessierte uns, ob
eine HS-Umgebung den zentralen Kohlenstoffstoffwechsel in Makrophagen beeinflusst und dadurch möglicherweise Veränderungen in ihrer Aktivierung vermittelt. Wir
führten eine Reihe metabolischer Analysen
an murinen und humanen Monozyten und
Makrophagen durch, welche mit LPS ± IFNγ
(M1) oder IL4 ± IL13 (M2) unter Normalsalzund HS-Bedingungen aktiviert wurden. Wir
fanden heraus, dass die HS-Behandlung den
mitochondrialen Sauerstoffverbrauch (oxygen consumption rate, OCR) verringerte, welcher für die Erzeugung von ATP während der
oxidativen Phosphorylierung benötigt wird.
Auch das mitochondriale Membranpotenzial
(∆ψ) und der zelluläre ATP-Gehalt waren
reduziert, was auf eine mitochondriale Dys-
funktion unter HS-Bedingungen schließen
lässt (Abb. 1). Durch gepulste Fütterung der
Zellen mit isotopenmarkierten Nährstoffen
konnten wir diesen Prozess weiter aufschlüsseln. Wir fanden heraus, dass HS spezifisch
die Umwandlung von Succinat zu Fumarat
durch den Komplex II der mitochondrialen
Elektronentransportkette (electron transport
chain, ETC) reduzierte, während es keine
Auswirkungen auf die Glykolyse oder andere
mitochondriale Komplexe der ETC hatte. Um
nachzuweisen, dass diese mitochondriale
Dysfunktion ursächlich für die Aktivierungsund Funktionsunterschiede in HS-behandelten Makrophagen war, verwendeten wir
pharmakologische Inhibitoren der ETC unter
Normalsalzbedingungen. Sowohl eine spezifische Komplex-II- (...truncated)