Trikuspidalklappeninsuffizienz

Die Kardiologie, Jul 2022

Patienten mit hochgradiger TI stellen in der Vielzahl der Fälle ein Hochrisikokollektiv dar, dessen Behandlung besonders komplex ist. Die Auswahl eines geeigneten Therapiepfades für die Betroffenen erfordert daher zunächst die präzise Charakterisierung der Genese des Vitiums. Hierzu gehören eine transthorakale und transösophageale Echokardiographie, eine Rechtsherz- und Linksherzkatheteruntersuchung und bedarfsgerecht zusätzliche Bildgebung mittels CT und MRT. Die Therapie bedarf einer interdisziplinären Diskussion, wobei die Optimierung einer medikamentösen Therapie bei Linksherzinsuffizienz, die Diskussion antiarrhythmischer Therapieverfahren bei atrialer Genese der TI, der Ausschluss chirurgisch zu behandelnder Pathologien des Herzens und der Ausschluss einer Indikation für die gezielte Therapie bei pulmonal arterieller Hypertonie (PAH) erfolgen müssen. Insbesondere aufgrund der sehr häufigen Komorbidität der Patienten hat die interventionelle Therapie mittlerweile einen wichtigen Stellenwert. Die ESC-Leitlinien aus 2021 haben hierzu für die kathetergestützte Rekonstruktion erstmalig eine Empfehlung ausgesprochen. Die bisher noch eingeschränkte Erfahrung mit dieser komplexen Therapieform, fehlende randomisiert prospektive Studien zur Effektivität und Herausforderungen in der periprozeduralen Bildgebung haben die DGK bewogen, im Vorgriff auf konkrete Kriterien für eine zukünftige Zentrumszertifizierung die oben genannten Empfehlungen beim Vorhalten eines Programmes für die interventionelle Therapie der Trikuspidalklappeninsuffizienz zu formulieren. Dieses Papier soll dazu beitragen, den betroffenen Patienten diese so wichtige Therapie in Deutschland unter der Prämisse bestmöglicher Qualität zu ermöglichen.

Article PDF cannot be displayed. You can download it here:

https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/s12181-022-00566-0.pdf

Trikuspidalklappeninsuffizienz

Die Kardiologie vormals Der Kardiologe Positionspapiere Kardiologie https://doi.org/10.1007/s12181-022-00566-0 Angenommen: 29. Juni 2022 © Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herzund Kreislaufforschung e.V. Published by Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature - all rights reserved 2022 Trikuspidalklappeninsuffizienz DGK-Positionspapier Helge Möllmann1 · Ralph Stephan von Bardeleben2 · Henryk Dreger3 · Jörg Hausleiter4,5,6 · Tibor Kempf7 · Edith Lubos8 · Philipp Lurz9 · Holger Nef10 · Georg Nickenig11 · Philip Raake12 · Christian Opitz13 · Volker Rudolph14 · Hendrik Schmidt15,16 · P. Christian Schulze17,18 · Stephan Baldus5 1 Medizinische Klinik 1, St. Johannes Hospital Dortmund, Dortmund, Deutschland; 2 Zentrum für Kardiologie 1 Herzzentrum Mainz, Universitätsmedizin Mainz, Mainz, Deutschland; 3 Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Kardiologie und Angiologie (Campus Charité Mitte), Charité – Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland; 4 Medizinische Klinik und Poliklinik 1, Ludwig-Maximilians-Universität München, München, Deutschland; 5 Klinik für Kardiologie, Angiologie, Pneumologie und internistische Intensivmedizin, Herzzentrum, Uniklinik Köln, Köln, Deutschland; 6 Partner Site: Munich Heart Alliance, Deutsches Zentrum für Herz-Kreislaufforschung (DZHK), München, Deutschland; 7 Klinik für Kardiologie und Angiologie, Medizinische Hochschule Hannover, Hannover, Deutschland; 8 Klinik für Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin, Marienkrankenhaus Hamburg, Hamburg, Deutschland; 9 Universitätsklinik für Kardiologie, Herzzentrum Leipzig, Leipzig, Deutschland; 10 Medizinische Klinik I – Kardiologie/Angiologie, Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH, Standort Gießen, Gießen, Deutschland; 11 Medizinische Klinik II, Herzzentrum, Universitätsklinik Bonn, Bonn, Deutschland; 12 Klinik für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie, Universitätsklinikum Heidelberg, Heidelberg, Deutschland; 13 Klinik für Innere Medizin – Kardiologie Westend, DRK Kliniken Berlin, Berlin, Deutschland; 14 Klinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie, Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen, Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum, Bad Oeynhausen, Deutschland; 15 Klinik für Kardiologie und Diabetologie, Klinikum Magdeburg gGmbH, Magdeburg, Deutschland; 16 Universitätsklinik und Poliklinik für Innere Medizin III, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Halle, Deutschland; 17 Klinik für Innere Medizin I, Kardiologie, Internistische Intensivmedizin, Angiologie, Universitätsklinikum Jena, Jena, Deutschland; 18 Kommission für Klinische Kardiovaskuläre Medizin, Deutsche Gesellschaft für Kardiologie, Düsseldorf, Deutschland Einleitung Der Verlag veröffentlicht die Beiträge in der von den Autor*innen gewählten Genderform. Die Verwendung einer angemessenen gendergerechten Sprache, um Menschen in ihrer Vielfalt wertschätzend anzusprechen, wird begrüßt. QR-Code scannen & Beitrag online lesen Die Therapie von Patienten mit hochgradiger Trikuspidalklappeninsuffizienz (TI) ist einer der anspruchsvollsten Behandlungsaufträge im Bereich der strukturellen Herzerkrankungen. Viele der Betroffenen sind älter, komorbid und in über der Hälfte aller Fälle charakterisiert durch zusätzlich myokardiale oder valvuläre Linksherzerkrankungen. Die meist späte Präsentation begünstigt das Vorliegen einer fortgeschrittenen Rechtsherzerkrankung mit Zeichen des rechtsventrikulären Remodelings, was eine isolierte chirurgische Therapie für nur einen kleinen Teil der Patienten und dann mit erhöhtem Risiko durchführbar macht [1]. Getrieben durch dieses klinische Dilemma wurden in den letzten Jahren mit großer Dynamik interventionelle Behandlungsoptionen entwickelt. Prinzipiell basieren die zur Verfügung stehenden Techniken dabei auf den bereits etablierten Verfahren zur perkutanen Therapie der Mitralinsuffizienz (MI). Aller- dings beeinflusst die zum Teil sehr variable Anatomie und entsprechend unterschiedliche Pathologie der Klappe in Kombination mit der anspruchsvollen Bildgebung in besonderer Weise den Erfolg der Prozedur. Gleichzeitig katalysieren erste Hinweise auf einen überzeugenden symptomatischen wie auch möglicherweise prognostischen Effekt einer erfolgreichen Intervention die Anwendung und Verbreitung dieses Therapieverfahrens [2, 3]. Basierend auf den bisher zur Verfügung stehenden Daten fasst das vorliegende Positionspapier der DGK den aktuellen Stand zur kathetergestützten Therapie der TI und die sinnvoll erscheinenden Voraussetzungen für ein solches Programm an einem Standort zusammen. Epidemiologie Eine TI ist häufig und kann bei 65–85 % der Bevölkerung nachgewiesen werden [4]. Eine TI mit einem mindestens moderaten Schweregrad hat eine Prävalenz Die Kardiologie 1 Positionspapiere von 0,5–0,6 %. Die Prävalenz steigt mit zunehmendem Alter an (> 4 % bei über 75Jährigen) und ist bei Frauen und Patienten mit Linksherzerkrankungen höher [4, 5]. Eine leichtgradige TI bei normaler Klappenmorphologie ist meist physiologisch, aber bereits das Auftreten einer mittelgradigen TI ist unabhängig von einer kardialen Grunderkrankung mit einer erhöhten Morbidität und Mortalität assoziiert. Die Mortalität nimmt mit zunehmendem Schweregrad der TI erheblich zu (> 30 % pro Jahr), häufig bedingt durch sekundäre Komplikationen der TI wie Koagulopathie, Niereninsuffizienz, Leberversagen und terminale HI [6–8]. Trotz der Häufigkeit und klinischen Relevanz einer TI sind operative/interventionelle Eingriffe an der Trikuspidalklappe bisher noch selten (< 3000 pro Jahr). Der Anteil von kathetergestützten Verfahren daran ist gering, allerdings mit zuletzt deutlich steigender Anzahl [9]. Eine TI kann entweder primärer oder sekundärer Ätiologie sein. Die primäre TI (< 10 % der Fälle) durch eine direkte (organische) Schädigung der Klappe findet sich bei Patienten mit angeborenen Herzerkrankungen, Systemerkrankungen wie z. B. eines Karzinoidsyndroms, einer Endokarditis, nach iatrogenen Schädigungen (z. B. nach Myokardbiopsie) oder durch Schrittmacher- und ICD-Sonden oder infolge von Tumoren (. Tab. 1; [10, 11]). Zu einer sekundären oder funktionellen TI (> 90 % der Fälle) kommt es dagegen meist als Folge eines ungünstigen Remodelings des rechten Ventrikels (RV, mit der Folge der Anulusdilatation und eines Tetherings der Segel) und des rechten Vorhofs (mit in der Folge einer Dilatation des Trikuspidalklappenanulus) z. B. auf dem Boden einer Herzinsuffizienz mit erhaltener LV-Funktion (HFpEF) und bei valvulären oder myokardialen Linksherzerkrankungen mit postkapillärer pulmonaler Hypertonie (PH). Aber auch eine präkapilläre PH provoziert die Entstehung einer TI Abkürzungen HI MI PH RV TI VHF 2 Herzinsuffizienz Mitralklappeninsuffizienz Pulmonale Hypertonie Rechter Ventrikel Trikuspidalklappeninsuffizienz Vorhofflimmern Die Kardiologie Zusammenfassung Patienten mit hochgradiger TI stellen in der Vielzahl der Fälle ein Hochrisikokollektiv dar, dessen Behandlung besonders komplex ist. Die Auswahl (...truncated)


This is a preview of a remote PDF: https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/s12181-022-00566-0.pdf
Article home page: https://link.springer.com/article/10.1007/s12181-022-00566-0

Möllmann, Helge, von Bardeleben, Ralph Stephan, Dreger, Henryk, Hausleiter, Jörg, Kempf, Tibor, Lubos, Edith, Lurz, Philipp, Nef, Holger, Nickenig, Georg, Raake, Philip, Opitz, Christian, Rudolph, Volker, Schmidt, Hendrik, Schulze, P. Christian, Baldus, Stephan. Trikuspidalklappeninsuffizienz, Die Kardiologie, 2022, pp. 1-11, DOI: 10.1007/s12181-022-00566-0