Trikuspidalklappeninsuffizienz
Die Kardiologie
vormals Der Kardiologe
Positionspapiere
Kardiologie
https://doi.org/10.1007/s12181-022-00566-0
Angenommen: 29. Juni 2022
© Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herzund Kreislaufforschung e.V. Published by Springer
Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature
- all rights reserved 2022
Trikuspidalklappeninsuffizienz
DGK-Positionspapier
Helge Möllmann1 · Ralph Stephan von Bardeleben2 · Henryk Dreger3 ·
Jörg Hausleiter4,5,6 · Tibor Kempf7 · Edith Lubos8 · Philipp Lurz9 · Holger Nef10 ·
Georg Nickenig11 · Philip Raake12 · Christian Opitz13 · Volker Rudolph14 ·
Hendrik Schmidt15,16 · P. Christian Schulze17,18 · Stephan Baldus5
1
Medizinische Klinik 1, St. Johannes Hospital Dortmund, Dortmund, Deutschland; 2 Zentrum für
Kardiologie 1 Herzzentrum Mainz, Universitätsmedizin Mainz, Mainz, Deutschland; 3 Medizinische Klinik
mit Schwerpunkt Kardiologie und Angiologie (Campus Charité Mitte), Charité – Universitätsmedizin
Berlin, Berlin, Deutschland; 4 Medizinische Klinik und Poliklinik 1, Ludwig-Maximilians-Universität
München, München, Deutschland; 5 Klinik für Kardiologie, Angiologie, Pneumologie und internistische
Intensivmedizin, Herzzentrum, Uniklinik Köln, Köln, Deutschland; 6 Partner Site: Munich Heart Alliance,
Deutsches Zentrum für Herz-Kreislaufforschung (DZHK), München, Deutschland; 7 Klinik für Kardiologie
und Angiologie, Medizinische Hochschule Hannover, Hannover, Deutschland; 8 Klinik für Kardiologie,
Angiologie und Internistische Intensivmedizin, Marienkrankenhaus Hamburg, Hamburg, Deutschland;
9
Universitätsklinik für Kardiologie, Herzzentrum Leipzig, Leipzig, Deutschland; 10 Medizinische Klinik I –
Kardiologie/Angiologie, Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH, Standort Gießen, Gießen,
Deutschland; 11 Medizinische Klinik II, Herzzentrum, Universitätsklinik Bonn, Bonn, Deutschland; 12 Klinik
für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie, Universitätsklinikum Heidelberg, Heidelberg, Deutschland;
13
Klinik für Innere Medizin – Kardiologie Westend, DRK Kliniken Berlin, Berlin, Deutschland; 14 Klinik für
Allgemeine und Interventionelle Kardiologie, Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen,
Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum, Bad Oeynhausen, Deutschland; 15 Klinik für
Kardiologie und Diabetologie, Klinikum Magdeburg gGmbH, Magdeburg, Deutschland;
16
Universitätsklinik und Poliklinik für Innere Medizin III, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Halle,
Deutschland; 17 Klinik für Innere Medizin I, Kardiologie, Internistische Intensivmedizin, Angiologie,
Universitätsklinikum Jena, Jena, Deutschland; 18 Kommission für Klinische Kardiovaskuläre Medizin,
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie, Düsseldorf, Deutschland
Einleitung
Der Verlag veröffentlicht die Beiträge in der von
den Autor*innen gewählten Genderform. Die
Verwendung einer angemessenen gendergerechten Sprache, um Menschen in ihrer Vielfalt
wertschätzend anzusprechen, wird begrüßt.
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Die Therapie von Patienten mit hochgradiger Trikuspidalklappeninsuffizienz (TI) ist
einer der anspruchsvollsten Behandlungsaufträge im Bereich der strukturellen Herzerkrankungen. Viele der Betroffenen sind
älter, komorbid und in über der Hälfte aller Fälle charakterisiert durch zusätzlich
myokardiale oder valvuläre Linksherzerkrankungen. Die meist späte Präsentation begünstigt das Vorliegen einer fortgeschrittenen Rechtsherzerkrankung mit
Zeichen des rechtsventrikulären Remodelings, was eine isolierte chirurgische Therapie für nur einen kleinen Teil der Patienten und dann mit erhöhtem Risiko
durchführbar macht [1]. Getrieben durch
dieses klinische Dilemma wurden in den
letzten Jahren mit großer Dynamik interventionelle Behandlungsoptionen entwickelt. Prinzipiell basieren die zur Verfügung
stehenden Techniken dabei auf den bereits etablierten Verfahren zur perkutanen
Therapie der Mitralinsuffizienz (MI). Aller-
dings beeinflusst die zum Teil sehr variable
Anatomie und entsprechend unterschiedliche Pathologie der Klappe in Kombination mit der anspruchsvollen Bildgebung
in besonderer Weise den Erfolg der Prozedur. Gleichzeitig katalysieren erste Hinweise auf einen überzeugenden symptomatischen wie auch möglicherweise prognostischen Effekt einer erfolgreichen Intervention die Anwendung und Verbreitung
dieses Therapieverfahrens [2, 3]. Basierend
auf den bisher zur Verfügung stehenden
Daten fasst das vorliegende Positionspapier der DGK den aktuellen Stand zur kathetergestützten Therapie der TI und die
sinnvoll erscheinenden Voraussetzungen
für ein solches Programm an einem Standort zusammen.
Epidemiologie
Eine TI ist häufig und kann bei 65–85 %
der Bevölkerung nachgewiesen werden
[4]. Eine TI mit einem mindestens moderaten Schweregrad hat eine Prävalenz
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von 0,5–0,6 %. Die Prävalenz steigt mit zunehmendem Alter an (> 4 % bei über 75Jährigen) und ist bei Frauen und Patienten
mit Linksherzerkrankungen höher [4, 5].
Eine leichtgradige TI bei normaler Klappenmorphologie ist meist physiologisch,
aber bereits das Auftreten einer mittelgradigen TI ist unabhängig von einer kardialen Grunderkrankung mit einer erhöhten Morbidität und Mortalität assoziiert.
Die Mortalität nimmt mit zunehmendem
Schweregrad der TI erheblich zu (> 30 %
pro Jahr), häufig bedingt durch sekundäre
Komplikationen der TI wie Koagulopathie,
Niereninsuffizienz, Leberversagen und terminale HI [6–8].
Trotz der Häufigkeit und klinischen Relevanz einer TI sind operative/interventionelle Eingriffe an der Trikuspidalklappe bisher noch selten (< 3000 pro Jahr). Der Anteil von kathetergestützten Verfahren daran ist gering, allerdings mit zuletzt deutlich steigender Anzahl [9].
Eine TI kann entweder primärer oder
sekundärer Ätiologie sein. Die primäre TI
(< 10 % der Fälle) durch eine direkte (organische) Schädigung der Klappe findet sich
bei Patienten mit angeborenen Herzerkrankungen, Systemerkrankungen wie z. B.
eines Karzinoidsyndroms, einer Endokarditis, nach iatrogenen Schädigungen (z. B.
nach Myokardbiopsie) oder durch Schrittmacher- und ICD-Sonden oder infolge von
Tumoren (. Tab. 1; [10, 11]).
Zu einer sekundären oder funktionellen TI (> 90 % der Fälle) kommt es dagegen meist als Folge eines ungünstigen
Remodelings des rechten Ventrikels (RV,
mit der Folge der Anulusdilatation und
eines Tetherings der Segel) und des rechten Vorhofs (mit in der Folge einer Dilatation des Trikuspidalklappenanulus) z. B.
auf dem Boden einer Herzinsuffizienz mit
erhaltener LV-Funktion (HFpEF) und bei
valvulären oder myokardialen Linksherzerkrankungen mit postkapillärer pulmonaler
Hypertonie (PH). Aber auch eine präkapilläre PH provoziert die Entstehung einer TI
Abkürzungen
HI
MI
PH
RV
TI
VHF
2
Herzinsuffizienz
Mitralklappeninsuffizienz
Pulmonale Hypertonie
Rechter Ventrikel
Trikuspidalklappeninsuffizienz
Vorhofflimmern
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Zusammenfassung
Patienten mit hochgradiger TI stellen in der Vielzahl der Fälle ein Hochrisikokollektiv
dar, dessen Behandlung besonders komplex ist. Die Auswahl (...truncated)