Wenn Gerüche bei Migräne zur Belastung werden

psychopraxis. neuropraxis, Oct 2022

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Wenn Gerüche bei Migräne zur Belastung werden

aktuell Neue Migränestudie und Therapieansätze Wenn Gerüche bei Migräne zur Belastung werden Ein Drittel der Menschen mit schwerer und langjähriger Migräne besitzt offenbar eine permanente Geruchsüberempfindlichkeit – auch zwischen ihren Migräneattacken. Neue Erkenntnisse könnten zu neuen Therapieansätzen führen, etwa einem strukturierten Riechtraining zur Desensibilisierung. FF Am häufigsten als störend emp- pieansätzen führen, etwa einem strukturierten Riechtraining zur Desensibilisierung, das bereits in Dresden entwickelt wird“, so die Vizepräsidentin der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. Migränepatienten sind bekanntlich sehr häufig sensorisch empfindlich nicht nur für Gerüche, sondern auch für Licht und Geräusche. Bekannt war bisher, dass Gerüche Migräneattacken auslösen können. Neu ist, dass Patient*innen mit längerer Erkrankungsdauer der Migräne und höherer migränebedingter Alltagseinschränkung häufiger eine Geruchsüberempfindlichkeit zeigen als weniger betroffene. Bei Migräneformen mit Aura tritt die Geruchsempfindlichkeit doppelt so häufig auf wie bei Formen ohne Aura. Neben süßem Parfüm, Essensgerüchen und Zigarettenrauch wurden von ©©Gokhan Ilgaz/Getty Images/iStock finden Migränepatient*innen süßes Parfüm (36 %), Essensgerüche (22 %) und Zigarettenrauch (12 %). Je länger und je stärker sie unter ihrer Erkrankung leiden, desto häufiger ist diese Überempfindlichkeit gegen Gerüche, genannt Osmophobie, festzustellen. Etwa 30 % der Patient*innen nennen Gerüche auch als Auslöser für Migräneattacken, so P D Dr. Gudrun Goßrau, Vizepräsidentin der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. Die neuen Daten stammen aus einer gemeinsamen Studie des UniversitätsSchmerzCentrums (USC) und des Interdisziplinären Riechzentrums des Universitätsklinikums Dresden, die vor Kurzem im Journal of Headache and Pain veröffentlicht wurde [1]. „Diese Erkenntnisse können zu neuen Thera- 8 Der Geruch von süßem Parfüm wird am häufigsten als störend empfunden 250 psychopraxis. neuropraxis 5 · 2022 den Studienteilnehmer*innen besonders häufig auch Abgase, abgestandene Raumluft, Blumenduft, Lack- und Gasgeruch erwähnt. Aktivierung eines ganzen Schmerzsystems Die Studie legt nahe, dass die unangenehmen Düfte nicht nur den Riechnerv (N. olfactorius) aktivieren, sondern auch den Trigeminusnerv, der für die Schmerzwahrnehmung am Kopf verantwortlich ist. Das olfaktorische und das trigeminale System sind auf neuronaler Ebene miteinander verbunden. So kann man etwa im Versuch nachweisen, dass eine Reizung des Trigeminusnervs Aktivitäten der olfaktorischen Hirnareale auslöst. Auch die Riechschleimhaut ist von sensorischen Fasern des Trigeminus durchzogen. Diese enge Vernetzung von Duft- und trigeminalem Schmerzsystem bietet einen Erklärungsansatz, warum Düfte Kopfschmerzen auslösen können. Bei Corona-Infizierten konnte beobachtet werden, dass sie längere und schwerere Migräneschübe aufwiesen. Man nimmt an, dass die Verstärkung der Migräne über die Infektion der Riechschleimhäute und die Entzündung der Trigeminus-Nervenfasern durch S ARS Cov-2 verursacht wird. Desensibilisierungstherapie in der Erforschung Das Vermeiden der Geruchstrigger könnte ein Ansatz für neue Therapieformen sein. Vielversprechender und nachhaltiger sei aber der aktuell beforschte Ansatz der Desensibilisierung für unangenehme Düfte, so die Leiterin der Kopfschmerzambulanz am Universitätsklinikum Dresden. Dort finden auch therapeutische Studien statt. So trainierten Versuchspersonen ihren Geruchssinn regelmäßig mit z. B. Rosen- und Zitronendüften. Daraufhin nahm die Kopfschmerzstärke zwar nicht ab, aber die Schmerzwahrnehmungsschwelle stieg. Das heißt: Nach dem Riechtraining waren die Betroffenen weniger empfindlich für Schmerzreize. Diese Daten aus einer Studie mit Kindern mit Migräne wurden aktuell in einer Therapiestudie mit Erwachsenen mit Migräne bestätigt. Derzeit ist die Untersuchung der zugrundeliegenden Gehirnmechanismen mittels M RT Gegenstand wissenschaftlichen Untersuchungen. Methoden Die aktuell publizierte Querschnittstudie [1] basiert auf einer Befragung von 113 Personen (99 weiblich, 14 männlich) im Alter von 19 bis 78 mit episodischer oder chronischer Migräne. Die Krankheit wurde mit der International Classification of Headache Disorders III von einem spezialisierten Neurologen bewertet. Der Schweregrad der Migräne wurde mit dem Migraine disability assesment score (MIDAS) ermittelt. Literatur 1. Gossrau G, Frost M, Klimova A, Koch T, Sabatowski R, Mignot C, Haehner A (2022) Interictal osmophobia is associated with longer migraine disease duration. J Head ache Pain. 23(1):81. https://doi.org/10.1186/ s10194-022-01451-7 Hinweis des Verlags. Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral. psychopraxis.neuropraxis2022·25:251–253 https://doi.org/10.1007/s00739-022- 00857-x © The Author(s), under exclusive licence to Springer-Verlag GmbH Austria, ein Teil von Springer Nature 2022 Quelle: Pressestelle der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e. V. 2 Jahre Pilotprojekt Spinale Muskelatrophie im Neugeborenen-Screening Die Spinale Muskelatrophie (SMA) ist eine der häufigsten autosomal-rezessiv vererbten Erkrankungen mit einer Häufigkeit von 1:10.000 weltweit. Das zentrale Symptom der SMA ist die Muskelschwäche, wobei die Mehrzahl der Kinder mit der schweren Verlaufsform vor 2017 innerhalb der ersten zwei Lebensjahre um den ersten Geburtstag starb. Durch Früherkennung und rasch einsetzende Behandlung können seit 2017 viele S MA-Patient*innen stabilisiert und in ihrer Prognose verbessert werden. FF Im Rahmen eines D FP-Webinars von Springer Medizin, das – moderiert von Dr. Barbara Matuschka, MSc., Univ.-Klinikum Tulln – im Juni 2022 stattfand, berichtete O Ä Dr. Vassiliki Konstantopoulou, medizinische Leiterin des Österreichischen Neugeborenen-Screenings (ÖNGS) und des Labors für Stoffwechseldiagnostik der Univ.Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde, AKH Wien, über die Geschichte des Neugeborenen-Screenings (NGS) sowie die Einführung des Pilotprojekts SMA in das österreichische Neugeborenen-Screening. Neugeborenen-Screening: Wie fing alles an? 1934 wurde die Phenylketonurie (PKU) entdeckt; 1963 wurde von Prof. Guthrie eine Testmethode entwickelt, welche es ermöglichte, die PKU bereits im Neugeborenenalter nachzuweisen. Ab 1964 gab es Neugeborenen-Screeningprogramme auf PKU; 1966 startete Univ.-Prof. Dr. Otto Thalhammer in Pionierarbeit an der Univ.-Kinderklinik Wien im Auftrag des BM für Gesundheit und Familie sowie des BM für Wissenschaft und Kunst auch in Österreich das Neugeborenenscreening. Österreich spielte in der Einführung und Weiterentwicklung des NGS lange eine Vor- reiterrolle. – Heute werden europaweit durch 1 Test rund 50 Krankheiten erkannt. In Österreich werden 85.000 bis 90.000 Neugeborene pro Jahr untersucht. Das Ö NGS unterliegt einer ständigen Überprüfung und E (...truncated)


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Wenn Gerüche bei Migräne zur Belastung werden, psychopraxis. neuropraxis, 2022, pp. 250-251, Volume 25, Issue 5, DOI: 10.1007/s00739-022-00857-x