Terpenoidsynthese in dem phototrophen Bakterium Rhodobacter capsulatus
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B I O T ECH NOLOGIE
Photobiotechnologie
Terpenoidsynthese in dem phototrophen
Bakterium Rhodobacter capsulatus
FABIENNE KNAPP, OLIVER KLAUS, VERA SVENSSON, ACHIM HECK,
ANITA LOESCHCKE, THOMAS DREPPER
INSTITUT FÜR MOLEKULARE ENZYMTECHNOLOGIE, UNIVERSITÄT DÜSSELDORF;
FORSCHUNGSZENTRUM JÜLICH GMBH
Terpenoids offer various properties relevant for biotech and pharma
industries. Production in microbes is a sustainable way to provide
these compounds for industrial use. The phototrophic bacterium
Rhodobacter capsulatus has some unique characteristics making it a
promising alternative host for terpenoid production. Recombinant
biosynthetic pathways can be individually adapted through modular
engineering to meet the specific requirements of each microbial
terpenoid production process.
Die Autoren widmen diesen Artikel Prof. Dr. Karl-Erich Jaeger für seine weitreichenden
wissenschaftlichen Beträge auf dem Gebiet der molekularen Enzymtechnologie.
DOI: 10.1007/s12268-023-1874-2
© Die Autorinnen und Autoren 2023
ó Die Klasse der Terpenoide, die häufig
auch als Isoprenoide bezeichnet werden, bildet mit über 80.000 identifizierten Verbindungen eine der größten SekundärmetabolitGruppen [1]. Sie werden natürlicherweise
von zahlreichen Mikroorganismen, Pflanzen
und Tieren synthetisiert und sind zum Beispiel in ätherischen Ölen vieler Nutz- und
Heilpflanzen zu finden. In der Natur vorkommende Terpenoide bestehen in der Regel aus
einer variablen Anzahl von C5-Isopreneinheiten. Diese Grundbausteine werden in Pround Eukaryoten über zwei unterschiedliche
Biosynthesewege, den 2-C-Methylerythritol4-phosphat(MEP)- sowie den Mevalonat
(MVA)-Weg [2,3], erzeugt und anschließend
durch enzymatisch katalysierte Kondensationsreaktionen miteinander verknüpft. Die so
entstandenen Zwischenprodukte GPP (Geranylpyrophosphat), FPP (Farnesylpyrophosphat) bzw. GGPP (Geranylgeranylpyrophosphat) werden typischerweise anschließend
in enzymatischen Schlüsselreaktionen beispielsweise zyklisiert oder chemisch „dekoriert“. Anhand der Anzahl der C5-Einheiten
wird u. a. zwischen Mono(C10)-, Sesqui(C15)-,
Di(C20)-, Tri(C30)- und Tetra(C40)- Terpenoi-
den mit jeweils zwei, drei, vier, sechs beziehungsweise acht C5-Einheiten unterschieden
[4]. Aufgrund ihrer strukturellen Diversität
weisen Terpenoide eine Vielzahl von biotechnologisch und medizinisch relevanten Funktionen auf und werden daher in der Lebensmittel-, Futtermittel-, Kosmetik- und Pharmaindustrie beispielsweise als Duft-,
Geschmacks-, Farb- oder Wirkstoffe eingesetzt. Bekannte Vertreter dieser Wert- und
Wirkstoffklassen sind z. B. die Sesquiterpene
Valencen, ein Aromastoff der Orange, und
Artemisinin aus Artemisia annua (einjähriger
Beifuß), welches erfolgreich als Wirkstoff
gegen Malaria eingesetzt wird. Da die Extraktion von Terpenoiden aus Pflanzenmaterialien ein sehr zeit- und kostenaufwendiger
Prozess sein kann, gibt es seit einiger Zeit
zahlreiche Bestrebungen, diese Naturstoffe
biotechnologisch in entsprechend modifizierten und optimierten Mikroorganismen zu
produzieren. Neben dem Bakterium Escherichia coli und der Hefe Saccharomyces cerevisiae, die bereits heute in unzähligen industriellen Produktionsprozessen erfolgreich
eingesetzt werden, rücken auch phototrophe
Mikroorganismen als alternative Terpenoid-
Produktionswirte immer mehr in den Fokus
der Wissenschaft [5].
Rhodobacter sind vielversprechende
alternative Terpenoidproduzenten
Phototrophe Bakterien, wie die Nichtschwefelpurpurbakterien Rhodobacter capsulatus
und Rhodobacter sphaeroides, können mittels
anoxygener Photosynthese Licht als Energiequelle für die Fixierung von Kohlenstoffdioxid (CO2) und Luftstickstoff (N2) sowie für
biotechnologische Produktionsprozesse nutzen [6]. Aufgrund des phototrophen Stoffwechsels weisen Rhodobacter-Zellen neben
dem intrinsischen Carotinoid-Biosyntheseweg – diese Photopigmente gehört zu der
Klasse der Tetraterpenoide und werden in
großen Mengen in der Zelle synthetisiert –
besondere morphologische Eigenschaften
auf, die für die Synthese wirtsfremder Terpenoide von Vorteil sein können. Hierzu zählt
die Ausbildung von intracytoplasmatischer
Membranvesikel, die sowohl membranständige Enzyme als auch die hydrophoben Intermediate und Produkte der Terpen-Biosynthesewege aufnehmen und speichern können.
Um Rhodobacter-Zellen für die Produktion
von Terpenoiden umzuprogrammieren und
zu optimieren, können verschiedene zelluläre Prozesse adressiert und in einem modularen Engineering-Konzept miteinander kombiniert werden (Abb. 1). Neben der Verbesserung der heterologen Genexpression werden so Maßnahmen ergriffen, die zu einem
gerichteten Fluss der Stoffwechselintermediate innerhalb des rekombinanten Biosynthesewegs vom zentralen Kohlenstoffmetabolismus hin zur Zielverbindung führen.
Heterologe Synthese verschiedener
Terpenoide in Rhodobacter capsulatus
In allen bislang evaluierten TerpenoidBiosynthese wegen führte die alleinige
Expression des jeweiligen heterologen Terpensynthasegens in R. capsulatus zu einer
sehr geringen Produktausbeute. Erst durch
die Kombination einiger der in Abbildung 1
genannten Engineering-Module konnten in
den letzten Jahren verschiedene wirtsfremde
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Tab. 1: Erfolgreich produzierte Terpenoide in Rhodobacter capsulatus, die angewandten Engineering-Strategien sowie die anwendungsrelevanten
Eigenschaften der Produkte. Farben der Module siehe Abb. 1.
Terpen
Heterologe Synthase
engineering Module
Eigenschaften
Valencen
CnVS
(Callitropsis nootkatensis)
rotes, grünes & blaues Modul
Geschmacks- und Duftstoff
Patchoulol
PcPS
(Pogostemon cablin)
rotes & grünes Modul
Duftstoff
β-Caryophyllen
QHS1
(Artemisia annua)
rotes & grünes Modul
entzündungshemmende Wirkung; antiphytopathogen
[11]
Casben
RcCS
(Ricinius communis)
grünes Modul
antimykotisch
[10]
Squalen
McSQS
(Methylococcus capsulatus)
gelbes, grünes & blaues Modul
Antioxidationsmittel und Impfstoffzusatz
[7, 10]
Cycloartenol
CAS1
(Arabidopsis thaliana)
rotes, blaues & oranges Modul
Phytosterol-Vorstufe
[7, 9]
β-Carotin
CrtYI
(Pantoea ananatis)
grünes Modul
Lebensmittelfarbstoff, Vitamin A-Vorstufe
[10]
Referenz
[8]
[8]
˚ Abb. 1: Modulares Konzept zur Implementierung und Verbesserung der Terpenoidproduktion in Rhodobacter. Die jeweiligen Module sind farblich
markiert und umfassen die folgenden Strategien: Gelbes Modul: Optimierung der Expression von Terpenoid-Biosynthesegenen. RBS: Ribosomenbindestelle. Rotes Modul: Metabolic Engineering der Isoprenbiosynthese. Dieser Optimierungsschritt kann die heterologe Expression der MVA-Biosynthesegene einschließen. MEP: 2-C-Methylerythritol 4-phosphat; MVA: Mevalonat. Grünes Modul: Optimierung der Prenylphosphat-Synthese. Die Prenylphosphat-Verbindungen GPP, FPP sowie GGPP sind die direkten Terpenoidvorstufen, die durch geeignete Terpensynthasen (blaues Modul) zu den
gewünschten Zielverbindungen umgesetzt werden. Oranges Modul: Optimierung des Zusammenspiels der einzelnen Engineeri (...truncated)