Partialagonisten punkten in der Schizophrenietherapie
Industrieforum
Partialagonisten punkten in der
Schizophrenietherapie
In der Behandlung der Schizophrenie
sollte der Fokus nicht nur auf Positiv
symptomen liegen, betonten Fachleute
auf einer von Recordati ausgerichteten
Fortbildung. Partialagonisten wie Cariprazin (Reagila®) seien wichtig, um
Betroffene für längere Zeit stabil einzustellen. Im Vergleich zu Risperidon zeige
Cariprazin bei Erwachsenen mit vorherrschender Negativsymptomatik eine signifikant überlegene Wirksamkeit, mit
besserer psychosozialer Funktionalität
und geringerer Krankheitslast [Fleischhacker W et al. Eur Psychiatry. 2019;58:1-9].
Cariprazin beeinflusse Gewicht, metabolische und kardiovaskuläre Parameter
kaum und wirke nicht sedierend. red
Nach Informationen von Recordati
Digitale Therapieformate im Aufwind
Erstmals empfiehlt die S3-Leitlinie/NVL
„Unipolare Depression“ die Verwendung
von digitalen Gesundheitsanwendungen
als Alternative zu konventioneller Therapie. In einer Studie mit 2.900 Teilnehmenden habe die App deprexis® zu einer
signifikanten Verbesserung depressiver
Symptomatik geführt. Depressive mit zusätzlichen körperlichen Erkrankungen
würden besonders von der App profitieren. Nach Diagnose einer Depression
können niedergelassene Ärztinnen und
Ärzte deprexis® zulasten der gesetz
lichen Krankenkasse rezeptieren.red
Nach Informationen von Servier
Menschen mit seltenen
Erkrankungen sind #wiedu
Die bundesweite Kampagne #wiedu
möchte das Bewusstsein für Menschen
mit seltenen Erkrankungen in der Öffentlichkeit fördern. Von Betroffenen ins
Leben gerufen und von Loudrare e. V.
organisiert soll sie mithilfe von Social-
Media-Kanälen, einer Website (rare-wiedu.de) und Mitmachaktionen wichtige
Fakten rund um seltene Erkrankungen
vermitteln; auch können Betroffene in
ihrem Alltag begleitet werden. Sponsor
ist unter anderem das Unternehmen
Biogen. #wiedu ist Teil der globalen
EURORDIS-Rare-Disease-Kampagne.red
Nach Informationen von Biogen
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Bei Ängsten und Depressionen auf ADHS achten
— Bei Angststörungen und Depressionen
liegt nicht selten ebenfalls eine Aufmerk
samkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung
(ADHS) vor – die Symptome überlappen
sich häufig. Etwa ein Viertel bis die Hälfte
der ADHS-Kranken leidet an Angststörungen, bis zu 30 % an sozialen Phobien, und
auch Depressionen sind gehäuft bei ADHS
zu beobachten. Umgekehrt tritt ADHS bei
vielen affektiven Erkrankungen als Komorbidität auf: So sind einer Metaanalyse zufolge über 70 % der Kinder mit bipolaren Störungen an ADHS erkrankt, ebenso mehr als
30 % der Kinder mit Depressionen, erläuterte Prof. Dr. Kai Kahl von der psychiatrischen
Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover [Sandstrom A et al. Acta Psychiatr
Scand. 2021;143(5):380-91]. Mit dem Alter
nehme zwar die Bedeutung von ADHS als
Begleit
erkrankung wieder ab, unter Erwachsenen mit unipolaren Depressionen
sei aber noch etwa jede siebte Person, von
denen mit bioplaren Störungen jede fünfte
betroffen. Allerdings sei es nicht einfach,
eine ADHS von Ängsten und affektiven
Störungen klar abzugrenzen: Stimmungswechsel, Unaufmerksamkeit, Desorganisation, Impulsivität und Hyperaktivität finden
sich sowohl bei ADHS als auch bei bipolarer
Erkrankung, erklärte Kahl auf einem von
Takeda veranstalteten Symposium beim
DGPPN-Kongress in Berlin. Sprechen die
Betroffenen auf die bisherigen Therapien
nicht gut an, bringt mitunter die ADHSTherapie den Durchbruch.
Für eine begleitende ADHS spreche auch
eine schlechte Response auf die Therapie
sowie besonders frühe und häufige affektive Phasen. Hier lohne es sich, gezielt nach
einer ADHS zu schauen, erläuterte Kahl. Zur
Therapie bei mittelgradiger und schwerer
Depression empfiehlt der Psychiater, zunächst die Depression anzugehen, bei
leichten depressiven Episoden oder euthymen Phasen könne auch die ADHS-Therapie
im Vordergrund stehen – je nach dem, was
die Betroffenen am meisten beeinträchtige.
Liege eine bipolare Störung vor, sollten die
Betroffenen zunächst auf Stimmungsstabilisierer eingestellt werden und dann erst auf
ADHS-Medikamente, um einen Switch in
die Manie zu vermeiden.
Bei Ängsten in Kombination mit ADHS
empfiehlt Dr. Barbara Alm vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim
zunächst zu klären, ob die Angst als Folge
von ADHS-bedingten Beeinträchtigungen
oder als eigenständige Störung auftrete.
Letztlich solle aber die schwerere Störung
zuerst angegangen werden. Mittlere bis
leichte Angststörungen könnten sich bereits durch die ADHS-Therapie bessern. Die
Fachleute verwiesen zur medikamentösen
ADHS-Therapie auch auf langwirksame Stimulanzien wie Lisdexamfetamin (Elvanse®
und Elvanse Adult®).
Thomas Müller
Interaktives Symposium 08: „Keine Angst vor
der Angst und Depression bei ADHS“,
DGPPN-Kongress 2022, 23.–26.11.2022, Berlin;
Veranstalter: Takeda
Daridorexant verändert die Therapielandschaft
bei chronischer Insomnie
— Seit dem 15. November 2022 steht für
Erwachsene mit chronischer insomnischer
Störung eine neue Therapieoption zur
Verfügung. Der erste in Europa zugelassene
duale Orexin-Rezeptorantagonist (DORA)
Daridorexant (Quviviq™) kann eingesetzt
werden, wenn Patientinnen und Patienten
seit mindestens drei Monaten an Insomnie
leiden und verstärkt in ihrer Tagesaktivität
beeinträchtigt sind.
Daridorexant könne die Behandlungslandschaft für Menschen mit chronischer in-
somnischer Störung angesichts seines
neuen Wirkmechanismus völlig verändern,
ist sich Prof. Dr. Ingo Fietze, Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums an der Charité Berlin, sicher. Die Substanz blockiere spezifisch die Aktivität der
Orexin-Rezeptoren, hemme aber nicht die
Hirnaktivität insgesamt. So reduziere es
den Drang, wach zu bleiben (Hyperarousal)
und ermögliche Schlaf, ohne dabei die
Anteile der physiologischen Schlafphasen
zu verändern.
DNP – Die Neurologie & Psychiatrie 2023; 24 (2)
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