Live Cell Imaging funktionaler Parameter von Kardiomyozyten
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W I S S EN S CH AFT · S PECIA L : ZELLBI OLOGI E & CE LL IMAGING
Molekulare Medizin
Live Cell Imaging funktionaler
Parameter von Kardiomyozyten
SYMEON PAPADOPOULOS, AGAPIOS SACHINIDIS
ZENTRUM FÜR PHYSIOLOGIE, UNIVERSITÄT ZU KÖLN
Because of the advantages of dynamic, non-invasive live cell imaging
techniques (LCIT) over static visualisation methods, the former are
increasingly applied in various disciplines such as biomedicine, cell
biology, pharmacology, and developmental biology, to obtain more reliable results than with fixed cells. We prove and discuss the advantages of LCIT via its application in real-time visualization of sarcomeres,
Ca2+ changes and ROS in cardiomyocytes from human induced pluripotent stem cells.
DOI: 10.1007/s12268-023-1953-4
© Die Autoren 2023
ó Humane induzierte pluripotente Stammzellen (hiPSCs) können zur Erzeugung somatischer Zellen – wie z. B. Kardiomyozyten
(CMs) oder Hepatozyten – differenziert werden. Diese können mittels in vitro-Testsystemen zum Nachweis nachteiliger Effekte von
z. B. Medikamenten und anderen Umweltstressfaktoren eingesetzt werden [1, 2]. Die
klassischen Verfahren (z. B. immunhistochemische Methoden) zum Nachweis pathologischer struktureller Veränderungen des Cytoskeletts in CMs sind hierbei oft ineffizient,
da sie statische Momentaufnahmen von
fixierten Zellen erlauben. Für eine kostengünstigere und weniger zeitaufwändigere
Visualisierung und Quantifizierung dynamischer Vorgänge funktioneller Parameter, wie
z. B. der muskulären Einzelfaserkontraktion
und der intrazellulären freien Ca2+-Konzentration ([Ca2+]i), sind Live-Cell-Imaging(LCI)Verfahren erforderlich. Wir haben drei transgene hiPSC-Zelllinien erzeugt [2, 3], die
jeweils zu CMs differenziert wurden [2, 3].
Die CMs erlauben die Visualisierung von Sarkomeren, der [Ca2+]i bzw. Veränderungen in
der Produktion von reactive oxygen species
(ROS) in den Mitochondrien, in Echtzeit
(Abb. 1).
Live Cell Imaging von Sarkomeren in
hiPSC-CMs
Die clustered regularly interspaced short palindromic repeats(CRISPR)-Technologie ermöglicht das Einbringen gezielter genetischer
Veränderungen in hiPSCs. Dies ermöglicht
die stabile Expression entsprechend veränderter Proteine, z. B. die Expression von
enhanced green fluorescent protein(eGFP)gekoppelten Reporter-Proteinen. Dadurch
eröffnet die CRISPR-Cas9-Technologie zahlreiche Möglichkeiten für die Live-Cell-Visualisierung und funktionelle Charakterisie-
¯ Abb. 1: Allgemeines Schema zur Herstellung
von humanen transgenen induzierten pluripotenten Stammzellen (hiPSCs) und der abgeleiteten Kardiomyozyten (CMs). A, obere Abbildung:
Beginn der Erhöhung der intrazellulären Ca2+Konzentration ([Ca2+])i; untere Abbildung: Maximum der [Ca2+]i in von GECI-eGFP+-hiPSCs
(genetically-encoded-Ca2+-indicator-enhancedgrün-fluoreszierendes-Protein-hiPSCs)-abgeleiteten CMs (GECI-eGFP+-hiPSC-CMs). Das intrazelluläre Ca2+ wird sichtbar als grüne Farbe.
B, ACTN2 (α-cardiac actinin) ist angereichert in
den Z-Scheiben (grüne Farbe) der Sarkomere
von ACTN2-copepod(ACTN2-cop)-GFP+-hiPSCs
abgeleiteten CMs (ACTN2-copGFP+-CMs).
C, Visualisierung mitochondrialer ROS in unbehandelten (grüne Farbe) und mit Doxorubicin
behandelten (= Positivkontrolle; rote Farbe)
DyRed1-ES+-CMs.
BIOspektrum | 04.23 | 29. Jahrgang
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rung zellulärer Proteine mittels Fluoreszenzmikroskopie. In dem hier präsentierten Beispiel haben wir mittels CRISPR/Cas9 das
Stopcodon des in hiPSCs transkriptionell
inaktiven, herzspezifischen α-Aktinin-Gens
(ACTN2) entfernt und es durch copGFP
ersetzt. Die so gewonnenen ACTN2-copGFP+hiPSCs können durch ein spezielles Protokoll
zu ACTN2-copGFP+-CMs differenziert werden. Durch das so in Z-Scheiben eingebaute
ACTN2 wird eine Visualisierung von Sarkomeren ermöglicht [4]. Wir haben die
Anwendbarkeit unserer Plattform mittels
Verwendung von Isoprenalin als klassischem
Adrenorezeptor-Agonisten, mittels des
L-Typ-Kalziumkanal-Agonistens Bay-K8864,
des L-Typ-Kalziumkanal-Blockers Nifedipin
sowie des muskarinischen Agonistens Carbachol validiert [3]. Der Hauptvorteil unserer
Linie gegenüber anderen Zellsystemen
besteht darin, dass wir das native ACTN2Gen editiert haben, indem wir sein Stopcodon entfernt und es durch die copGFPSequenz ersetzt haben [4, 2, 3].
Live Cell Imaging von transienten
Veränderungen der intrazellulären
Ca2+-Konzentration in hiPSC-CMs
Für die Live-Cell-Bildgebung transienter Veränderungen von [Ca2+]i in CMs haben wir
transgene GECI-eGFP+-hiPSCs mit genetisch
codierten Ca2+-Indikatoren (GECI) hergestellt. Diese können zu GECI-eGFP+-CMs differenziert werden. Die Anwendung genetisch
codierter Biosensoren (GKB) auf der Basis
einzelner fluoreszierender Proteine basiert
auf der allosterischen Modulation eines einzelnen fluoreszierenden Proteins [5]. Das
Prinzip des Ca2+/GCaMP-Biosensors liegt
darin, dass in den GECI-eGFP+-CMs Ca2+ an
die Calmodulin-Komponente bindet, die mit
dem eGFP und dem Calmodulin-bindenden
Peptid M13 fusioniert ist. Die Bindung des
Ca2+ führt zur einer Konformationsänderung
von Calmodulin [5]. Dadurch kommt es zu
einer stärkeren Bindung von CaM zum
M13-Peptid. Dies führt zu einer beschleunigten De-Protonierung des eGFP-Chromophors,
wodurch eine Verstärkung des Fluoreszenz-
signals von eGFP stattfindet. GKB für die
Ca2+-Bildgebung besitzen mehrere Vorteile,
verglichen mit chemisch synthetischen LCIFarbstoffen wie Fluo-4. Die Beladung von
Zellen, z. B. mit Fluo-4, ist invasiv, nicht kontrollierbar und wird mit Off-Target-Effekten
begleitet [3]). Die mit GKB gewonnenen
Befunde sind robust und reproduzierbar [5].
Abbildung 2 zeigt die Fluktuationen der
[Ca2+]i von GECI-CMs, welche 48 Stunden
einer simulierten Mikrogravitation (SMGCMs) [2] ausgesetzt waren. Da ein großer
(ΔF/Δt)max-Wert mit einer erhöhten inotropen Wirkung korreliert, folgern wir, dass der
SMG-Stress einen negativ inotropen Effekt
auf die Kontraktilität der CMs ausübt.
Visualisierung der Mitochondrialen
ROS-Produktion in hiPSC-CMs
Zur Visualisierung reaktiver Sauerstoffspezies (ROS) in Mitochondrien in Echtzeit
haben wir eine transgene hiPSC-Linie
(IMR90) erzeugt, welche die Expression des
genetisch codierten Sensorproteins Mito-
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A
¯ Abb. 2: Stresseffekte einer simulierten Mikrogravitation (SMG) auf A, die
[Ca2+]i-Fluktuationen
während der Kontraktion von KontrollGECI-eGFP+-CMs
(c-CMs) und B, GECIeGFP+-CMs, die
48 Stunden einer
SMG ausgesetzt
waren (SMG-CMs)
(Olympus FluoView1000; Exit./
Emmis.: 488/
510 nm). Die Videoaufnahmen der Fluktuationen wurden mit
dem Video-Analyse
Softwaretool (VA1.9)
analysiert. C, maximale Steilheit der
Fluoreszenzveränderung durch die zeitliche Veränderung
(ΔF/ΔT)max (Mittelwert ± SEM, n = 6,
* p < 0,05). D, timeto-peak (TTP: zeitliches Intervall, bis
das Fluoreszenzmaximum erreicht ist).
B
C
Timer in einer Tetracyclin (Tet)-induzierbaren Weise (Tet-on) ermöglicht. MitoTimer
codiert für das DyRed1-E5-Protein (eine
mutierte Form des DsRed-Protein (...truncated)