Künstliche Intelligenz in der Neuroonkologie
Neurologie
psychopraxis. neuropraxis
https://doi.org/10.1007/s00739-023-00967-0
Angenommen: 22. November 2023
© The Author(s) 2023
Künstliche Intelligenz in der
Neuroonkologie
Martha Nowosielski-Krappinger
Department für Neurologie, Medizinische Universität Innsbruck, Innsbruck, Österreich
Zusammenfassung
Künstliche Intelligenz ist in aller Munde, teilweise bemerkt, großteils jedoch unbemerkt,
ist sie seit vielen Jahren Teil unseres Lebens. Die Bestrebungen, menschliche Intelligenz
zu mechanisieren, bestehen schon seit den 1950er-Jahren. Erst die technischen
und mathematischen Errungenschaften der letzten 20 Jahre haben die Anwendung
erleichtert, sodass unterschiedliche Institutionen die künstliche Intelligenz in ihrem
(Arbeits-)Alltag nützen. Auch die Medizin bedient sich der künstlichen Intelligenz,
im Folgenden exemplarisch dargestellt für neuroonkologische Erkrankungen. Als
multidisziplinäres Fach müssen viele Faktoren (Bildgebung, molekulare und genetische
wie auch klinische Faktoren) miteinander in Zusammenhang gebracht werden, um
den Patient:innen die bestmögliche Behandlung anzubieten. Je größer der Datensatz,
desto eher ist man auf eine computerbasierte Unterstützung in Form von künstlicher
Intelligenz angewiesen. Wie künstliche Intelligenz funktioniert und in welchen
Bereichen sie in der Neuroonkologie Anwendung findet, wird im folgenden Artikel
beleuchtet.
Schlüsselwörter
Maschinelles Lernen · Neuronale Netzwerke (tiefes Lernen) · Automatisierte Bildanalyse · Digitale
Pathologie · Unterstützende Funktion
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Künstliche Intelligenz (KI) ist spätestens
seitChatGPT (OpenAI, 2022) inaller Munde.
Und wenn sich dann auch Hollywood mit
dem Thema auseinandersetzt, dann weiß
man, dass es in der breiten Bevölkerung
angekommen ist. Doch künstliche Intelligenz begleitet uns schon lange, teilweise auch unbemerkt im Hintergrund. Den
Grundstein für das Fachgebiet der Künstlichen Intelligenz legte der britische Mathematiker Alan Turing im Jahr 1936. Turing
bewies, dass eine Rechenmaschine – eine sogenannte „Turingmaschine“ – in der
Lage ist, kognitive Prozesse auszuführen.
Heute nutzt zum Beispiel die Finanzbranche KI zur Betrugserkennung. Regierungen und Behörden nutzen KI-Techniken,
wie automatische Gesichtserkennung, zur
Überwachung. Auch in Videospielen oder
der Werbebranche kommt KI zum Einsatz.
Was ist denn nun künstliche Intelligenz? Einfach gesagt ist es die Bestrebung,
menschliche Intelligenz zu mechanisieren.
Als künstliche Intelligenz wird somit jegli-
che Arbeit bezeichnet, die von einem Computer durchgeführt wird, die normalerweise durch den Menschen gemacht wird.
Durch die technischen Errungenschaften
mit Schaffung großer Rechenkapazitäten
zusammen mit den mathematischen Entwicklungen ist dieses Feld in den letzten
20 Jahren enorm gewachsen.
Machine learning: supervised
learning und unsupervised
learning
Es gibt unterschiedliche Arten der KI
(. Abb. 1). Eine Untergruppe der KI bezeichnet das maschinelle Lernen (engl.
„machine learning“). Hier wiederum gibt es
zwei prinzipielle Ansätze, das „supervised
learning“ und das „unsupervised learning“.
Beim „supervised learning“ wird dem Computer ein spezieller Datensatz präsentiert
und mittels spezieller mathematischer
Algorithmen „lernt“ dieser aus den Daten
und erkennt Gesetzmäßigkeiten (Training)
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Neurologie
beschäftigt sich mit der Analyse der Gesamtheiten ähnlicher Einzelelemente. In
der Neuroonkologie ist der „golden standard“ der Bildgebung für eine Vielzahl an
Fragestellungen die Magnetresonanztomographie (MRT).
»
Mittels „radiomics“ werden
Grauwerte aus einzelnen Voxel
analysiert und statistisch zueinander
in Beziehung gesetzt
Abb. 1 8 Künstliche Intelligenz bezeichnet jegliche Arbeit die von einer/m Maschine/Computer
durchgeführt wird, die normalerweise durch den Menschen gemacht wird. Maschinelles Lernen
beschreibt einen Prozess, bei dem Algorithmen aus Daten lernen können („supervised learning“)
bzw. einen Prozess, bei welchem Zusammenhänge in großen Datenmengen gefunden werden
(Clusteranalyse, „unsupervised learning“). Beim „deep learning“ interagieren neuronale Netzwerke
auf unterschiedlichen Ebenen miteinander. So kann gelernte Information auf niedrigere Ebenen
übertragen werden, umdie Vorhersage bzw. das Ergebnis zu verbessern
und kann diese dann auf neue unbekannte
Daten umlegen (Validierung), z. B. lineare
Regression, „support vektor machines“,
„random forest analyse“, „decision trees“.
Beim „unsupervised learning“ findet der
Computer Zusammenhänge in großen
Datenmengen, ohne festzulegen wonach
gesucht werden soll (Clusteranalyse) [1].
Deep Learning
„Deep Learning“ – wiederum eine Untergruppe des maschinellen Lernens – entstand aus der Idee heraus, den visuellen
Kortex des Menschen nachzuahmen. Im
Gehirn entstehen aus einzelnen Linien und
Formen durch Interaktion unterschiedlicher Ebenen ganze Objekte und auch im
„deep learning“ sind unterschiedliche Ebenen miteinander durch künstliche Netzwerke (sog. „artificial neuronal networks“)
miteinander verbunden. Durch einen sog.
„backpropagation“ Algorithmus kann das
System selbstständig einen Schritt zurückgehen und eine Erkenntnis, die es gewonnen hat, auf die niedrigeren und intermedi-
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ären Ebenen anwenden, um das Ergebnis
am Ende zu verbessern.
»
KI ist vor allem in Bereichen mit
digitalisierten Datensätzen weit
verbreitet
Wie kommen diese Methoden nun in der
Neuroonkologie zur Anwendung? KI ist vor
allem in Bereichen mit digitalisierten Datensätzen weit verbreitet, an erster Stelle
steht hier die Bildgebung, doch auch die
Pathologie wird zunehmend digitalisiert
und auch aus elektronischen Patientendatenwerdenzunehmend mittels KI basierter
Technologien Analysen durchgeführt.
KI und Bildgebung
Sei es bei neuroonkologischen Kongressen, allgemein radiologischen oder spezialisierten neuroradiologischen Tagungen –
das Schlagwort, unter dem alle neuen KIbasierten Entwicklungen im Bereich der
Bildgebung zusammengefasst werden
können, nennt sich „radiomics“. Das Suffix
„omics“, aus dem Griechischen kommend,
Der Radiologe, die Radiologin betrachtet
und befundet anschließend anatomische
Strukturen, Verläufe von Faserbahnen und
erkennt Pathologien und Veränderungen,
die das „Gesamtbild“ betreffen. Mittels „radiomics“ werden die einzelnen Voxel im
Bild und deren Grauwerte (welcher der Radiologie/die Radiologin mit bloßem Auge
gar nicht erkennen könnte) analysiert und
die statistische Verteilung der Grauwerte wird mittels unterschiedlicher Berechnungen erfasst (diese umfassen Mittelwert
und Median, jedoch auch Texturanalyse
und z. B. die Fourier’sche Transformation). Diese großen Datenmengen werden
anschließend gebündelt, in Datenbanken
eingespeist und es wird versucht, diese
bildgebenden Daten mit klinischen Parametern und molekularen Markern in Zusammenhang zu bringen, mit dem Ziel,
spezifische „Muster“ zu identifizieren. Hier
kommen die eingangs erwähnten math (...truncated)