Digitale Lernmethoden in der Pharmazie
Leitthema
Bundesgesundheitsbl
Christoph Ritter
https://doi.org/10.1007/s00103-025-04041-5
Eingegangen: 3. Dezember 2024
Angenommen: 12. März 2025
Institut für Pharmazie, Klinische Pharmazie, Universität Greifswald, Greifswald, Deutschland
© The Author(s) 2025
Einleitung
Mit dem Einzug der technischen Möglichkeiten wurden auch digitale Lernangebote entwickelt. Der Ausbruch der
SARS-CoV-2-Pandemie im März 2020
hat den Einsatz digitaler Lernmethoden
an Hochschulen gefördert, um den Lehrbetrieb unter den besonderen Bedingungen zur Verringerung der Ausbreitung
der Pandemie aufrechterhalten zu können. Dieser Schub hat dazu geführt, dass
die während der Pandemie verstärkt entwickelten Lehrangeboten auch nach dem
Ende der Pandemie weiter genutzt oder
sogar weiterentwickelt werden. Lag der
Anteil an reiner Präsenzlehre laut einer bundesweiten Online-Befragung von
Hochschulleitungen aus dem Jahr 2021
vor der Pandemie bei durchschnittlich
85 %, wird ein Rückgang auf 59 % erwartet. Ein deutlicher Zuwachs ist insbesondere bei Mischformaten zu erwarten, der
Anteil dieser Formate lag vor der Pandemie bei 8 % und wird nach der Pandemie
auf 23 % geschätzt. Es wird davon ausgegangen, dass auch der Anteil reiner Online-Formate von 7 % vor der Pandemie
auf 18 % ansteigen wird [1].
Die Akzeptanz der digitalen Lehrangebote bei Studierenden ist hoch, so bewerteten im Rahmen des Rankings der
Masterstudiengänge 2021 des Centrums
für Hochschulentwicklung (CHE) 82 %
der befragten Studierenden die Vielfalt
der digitalen Lehrangebote als sehr gut
oder gut und 89 % der Studierenden bevorzugten für die Zukunft ein Lernsetting, das digitale Lernangebote enthält
[2]. Inwieweit digitale Lernangebote gegenüber der reinen Präsenzlehre zu einem höheren Lernerfolg beitragen können, kann pauschal nicht beantwortet
Digitale Lernmethoden in der
Pharmazie
werden, da die Bandbreite digitaler Lernangebote sehr hoch ist.
Schon 2016 hat Klaus Wannemacher
vom HIS-Institut für Hochschulentwicklung auf der Grundlage von nationalen und internationalen Fallstudien und
Fallbeispielen digitalisierte Lernelemente und Lernformate identifiziert und kategorisiert sowie diese zu 8 digitalisierten Lernszenarien aggregiert [3]. Diese
Lernelemente, Lernformate und Lernszenarien sollen im Folgenden dargestellt werden. Um zu zeigen, dass diese digitalen Lehr- und Lernmethoden
auch in der Pharmazie angewendet werden können, werden ausgewählte digitale
Lernangebote von deutschen Hochschulstandorten aus der Pharmazie vorgestellt.
Am Ende dieser Übersicht wird diskutiert, wie künstliche Intelligenz bei der
Erstellung und Durchführung moderner
Lernformate hilfreich sein kann.
Spektrum digitaler Lernmethoden
Digitalisierte Lernelemente und
-formate
Die zur Durchführung digitaler Lernmethoden nutzbaren Lernelemente und
Lernformate lassen sich in 4 Kategorien einteilen (. Abb. 1). Diese werden im
Folgenden beschrieben:
Digitalisierte oder teilweise digitalisierte Lernelemente. Zur Kategorie
der digitalisierten oder teilweise digitalisierten Lernelemente gehören die
Vorlesungsaufzeichnung, freie Lernmaterialien und das E-Portfolio. Bei Vorlesungsaufzeichnungen handelt es sich um
eine digitale Reproduktionund Aufbereitung einer Vorlesung, die Studierenden
über eine Website zur Verfügung gestellt
werden. Der Lehrende entscheidet, wem
die Aufzeichnung zur Verfügung gestellt
wird, die Lernenden entscheiden, wann
und wie oft sie die Aufzeichnungen
aufrufen. Freie Lernmaterialien können
kostenfrei genutzt, bearbeitet und weiter
verbreitet werden. E-Portfolios stellen
elektronisch geführte Sammlungen von
Dokumenten dar, die den Lernprozess eines Studierenden abbilden sollen. Durch
E-Portfolios kann die Entwicklung eines
Studierenden dokumentiert werden, sie
können aber auch zur Beurteilung von
Lernleistungen herangezogen werden
oder sie können der Außendarstellung
der durch den Studierenden erworbenen
Kompetenzen dienen.
Digitalisierte oder teilweise digitalisierte Lernformate. Während es sich
bei Lernelementen um einzelne Lernmaterialien, Lernobjekte oder SoftwareAnwendungen handelt, stellen Lernformate Lernverfahren, -methoden oder
-situationen dar. Digitalisierte oder teilweise digitalisierte Lernformate sind
das Game-based Learning, der Inverted
Classroom, mobiles Lernen, die Nutzung sozialer Medien, Online-Peer- und
kollaboratives Lernen sowie das adaptive Lernen. Game-based Learning ist
ein Lernkonzept, bei dem der Kompetenzerwerb mit spielerischen Elementen verknüpft wird. Beispiele für Lernspielformen sind Quizze, Simulationen,
Educaching, Augmented Reality, gestenbasierte Spiele, Action-, Abenteuerund Rollenspiele sowie Massively Multiplayer Online Games. Lernspiele sollen
die Lernmotivation der Studierenden
erhöhen. Beim Inverted Classroom wird
die traditionelle Vermittlung von Wissen
über Frontalveranstaltungen in Präsenz
Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz
Leitthema
Abb. 1 9 Darstellung der
Systematik von Lernelementen, Lernformaten und
Lernszenarien und die Einordnung der erläuterten
Praxisbeispiele für digitale
Lernangebote in der Pharmazie. Abbildung modifiziert nach [3]. Mit freundlicher Genehmigung des
Hochschulforums Digitalisierung, Berlin. MOOC Massive Open Online Course
mit selbstständiger Nachbereitung umgekehrt. Die Studierenden bereiten sich
anhand verschiedener digital zur Verfügung gestellter Materialien auf ein Thema
vor, das dann in Präsenzveranstaltungen
besprochen und vertieft werden kann.
Mobiles Lernen beschreibt die Möglichkeit, orts- und zeitungebunden mittels
eines mobilen Endgerätes Wissensinhalte und Informationen zu recherchieren.
Mobiles Lernen kann dabei sowohl im
Kontext einer Lehrveranstaltung realisiert werden als auch völlig losgelöst
davon. Soziale Medien können als digitale Lernformate in verschiedener Weise
genutzt werden. Sowohl die Nutzung
als digitales Austauschmedium über die
verschiedensten Austauschdienste als
auch die Nutzung von Plattformen zur
gemeinsamen Bearbeitung von Dokumenten zählen zu diesem Lernformat.
Beim Online-Peer- und kollaborativen
Lernen steht der Online-Austausch mehrerer Studierenden im Mittelpunkt. Der
Austausch dient dazu, in Seminar- oder
Lerngruppen Fragestellungen zu diskutieren und Lösungswege zu erarbeiten.
Der Lernprozess besteht bei diesem Lernformat darin, durch den gemeinsamen
Austausch von Wissen und Erfahrung
ein gemeinsames Verständnis für Sachverhalte zu entwickeln. Dazu gehört
zunehmend auch die Möglichkeit, dass
Studierende mithilfe von Peer-Gradingoder Peer-Assessment-Instrumenten gegenseitig ihre Leistungen bewerten. Um
adaptives Lernen zu ermöglichen, muss
die Lernumgebung an das individuelle
Lernbedürfnis jedes einzelnen Studierenden angepasst werden. Dies kann
zum Beispiel durch das Anlegen von
Lernpfaden realisiert werden, in denen
der Lernfortschritt schrittweise anhand
von Wissensfragen ermittelt wird und
anhand der Ergebnisse die entsprechenden Lernmaterialien zur Verfügung
gestellt werden. Eine spezielle (...truncated)