Digitale Lernmethoden in der Pharmazie

Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz, Apr 2025

Mit Ausbruch der SARS-CoV-2-Pandemie im März 2020 und den damit verbundenen Beschränkungen im Lehrbetrieb wurden an vielen Hochschulen digitale Lernmethoden verstärkt eingesetzt. Digitale Lernmethoden umfassen im Allgemeinen vollständig oder teilweise digitalisierte Lernelemente wie Vorlesungsaufzeichnungen, freie Lernmaterialien oder E‑Portfolios. Zu den vollständig oder teilweise digitalisierten Lernformaten gehören das Game-based Learning, der Inverted Classroom, mobiles Lernen, die Nutzung sozialer Medien, Online-Peer- und kollaboratives Lernen sowie das adaptive Lernen. Digitalisierte Wirklichkeiten werden im Rahmen von simulationsgestütztem Lernen und in der Augmented und der Virtual Reality erschaffen. Onlinebasierte Veranstaltungsformate und Online-Studiengänge bestehen fast ausschließlich aus internetgestützten Lernphasen. Inwieweit digitale Lernmethoden in Lehrveranstaltungen der Pharmazie in Deutschland eingesetzt werden, wird in diesem Artikel anhand ausgewählter Praxisbeispiele erläutert. Die ausgewählten Beispiele umfassen die Erstellung eines Audio-Podcasts zur Leistungsbeurteilung einer Praktikumsstation im Praktikum Klinische Chemie als Form eines digitalen Lernelements, die Nutzung eines digitalen Analyseinstruments zur Durchführung von Medikationsanalysen als Beispiel für mobiles Lernen, ein Blended-Learning-Konzept zur Vermittlung von Grundlagen der klinischen Pharmazie, ein Online-Konzept der virtuellen Lehre am Krankenbett und eine spielähnliche Simulation zur Abgabe von Arzneimitteln. Die Einbeziehung von künstlicher Intelligenz kann bei der Entwicklung und Durchführung digitaler Lernangebote hilfreich sein. Dabei müssen jedoch eine ausreichend hohe Qualität und ein kritischer Umgang gewährleistet sein.

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Digitale Lernmethoden in der Pharmazie

Leitthema Bundesgesundheitsbl Christoph Ritter https://doi.org/10.1007/s00103-025-04041-5 Eingegangen: 3. Dezember 2024 Angenommen: 12. März 2025 Institut für Pharmazie, Klinische Pharmazie, Universität Greifswald, Greifswald, Deutschland © The Author(s) 2025 Einleitung Mit dem Einzug der technischen Möglichkeiten wurden auch digitale Lernangebote entwickelt. Der Ausbruch der SARS-CoV-2-Pandemie im März 2020 hat den Einsatz digitaler Lernmethoden an Hochschulen gefördert, um den Lehrbetrieb unter den besonderen Bedingungen zur Verringerung der Ausbreitung der Pandemie aufrechterhalten zu können. Dieser Schub hat dazu geführt, dass die während der Pandemie verstärkt entwickelten Lehrangeboten auch nach dem Ende der Pandemie weiter genutzt oder sogar weiterentwickelt werden. Lag der Anteil an reiner Präsenzlehre laut einer bundesweiten Online-Befragung von Hochschulleitungen aus dem Jahr 2021 vor der Pandemie bei durchschnittlich 85 %, wird ein Rückgang auf 59 % erwartet. Ein deutlicher Zuwachs ist insbesondere bei Mischformaten zu erwarten, der Anteil dieser Formate lag vor der Pandemie bei 8 % und wird nach der Pandemie auf 23 % geschätzt. Es wird davon ausgegangen, dass auch der Anteil reiner Online-Formate von 7 % vor der Pandemie auf 18 % ansteigen wird [1]. Die Akzeptanz der digitalen Lehrangebote bei Studierenden ist hoch, so bewerteten im Rahmen des Rankings der Masterstudiengänge 2021 des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) 82 % der befragten Studierenden die Vielfalt der digitalen Lehrangebote als sehr gut oder gut und 89 % der Studierenden bevorzugten für die Zukunft ein Lernsetting, das digitale Lernangebote enthält [2]. Inwieweit digitale Lernangebote gegenüber der reinen Präsenzlehre zu einem höheren Lernerfolg beitragen können, kann pauschal nicht beantwortet Digitale Lernmethoden in der Pharmazie werden, da die Bandbreite digitaler Lernangebote sehr hoch ist. Schon 2016 hat Klaus Wannemacher vom HIS-Institut für Hochschulentwicklung auf der Grundlage von nationalen und internationalen Fallstudien und Fallbeispielen digitalisierte Lernelemente und Lernformate identifiziert und kategorisiert sowie diese zu 8 digitalisierten Lernszenarien aggregiert [3]. Diese Lernelemente, Lernformate und Lernszenarien sollen im Folgenden dargestellt werden. Um zu zeigen, dass diese digitalen Lehr- und Lernmethoden auch in der Pharmazie angewendet werden können, werden ausgewählte digitale Lernangebote von deutschen Hochschulstandorten aus der Pharmazie vorgestellt. Am Ende dieser Übersicht wird diskutiert, wie künstliche Intelligenz bei der Erstellung und Durchführung moderner Lernformate hilfreich sein kann. Spektrum digitaler Lernmethoden Digitalisierte Lernelemente und -formate Die zur Durchführung digitaler Lernmethoden nutzbaren Lernelemente und Lernformate lassen sich in 4 Kategorien einteilen (. Abb. 1). Diese werden im Folgenden beschrieben: Digitalisierte oder teilweise digitalisierte Lernelemente. Zur Kategorie der digitalisierten oder teilweise digitalisierten Lernelemente gehören die Vorlesungsaufzeichnung, freie Lernmaterialien und das E-Portfolio. Bei Vorlesungsaufzeichnungen handelt es sich um eine digitale Reproduktionund Aufbereitung einer Vorlesung, die Studierenden über eine Website zur Verfügung gestellt werden. Der Lehrende entscheidet, wem die Aufzeichnung zur Verfügung gestellt wird, die Lernenden entscheiden, wann und wie oft sie die Aufzeichnungen aufrufen. Freie Lernmaterialien können kostenfrei genutzt, bearbeitet und weiter verbreitet werden. E-Portfolios stellen elektronisch geführte Sammlungen von Dokumenten dar, die den Lernprozess eines Studierenden abbilden sollen. Durch E-Portfolios kann die Entwicklung eines Studierenden dokumentiert werden, sie können aber auch zur Beurteilung von Lernleistungen herangezogen werden oder sie können der Außendarstellung der durch den Studierenden erworbenen Kompetenzen dienen. Digitalisierte oder teilweise digitalisierte Lernformate. Während es sich bei Lernelementen um einzelne Lernmaterialien, Lernobjekte oder SoftwareAnwendungen handelt, stellen Lernformate Lernverfahren, -methoden oder -situationen dar. Digitalisierte oder teilweise digitalisierte Lernformate sind das Game-based Learning, der Inverted Classroom, mobiles Lernen, die Nutzung sozialer Medien, Online-Peer- und kollaboratives Lernen sowie das adaptive Lernen. Game-based Learning ist ein Lernkonzept, bei dem der Kompetenzerwerb mit spielerischen Elementen verknüpft wird. Beispiele für Lernspielformen sind Quizze, Simulationen, Educaching, Augmented Reality, gestenbasierte Spiele, Action-, Abenteuerund Rollenspiele sowie Massively Multiplayer Online Games. Lernspiele sollen die Lernmotivation der Studierenden erhöhen. Beim Inverted Classroom wird die traditionelle Vermittlung von Wissen über Frontalveranstaltungen in Präsenz Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz Leitthema Abb. 1 9 Darstellung der Systematik von Lernelementen, Lernformaten und Lernszenarien und die Einordnung der erläuterten Praxisbeispiele für digitale Lernangebote in der Pharmazie. Abbildung modifiziert nach [3]. Mit freundlicher Genehmigung des Hochschulforums Digitalisierung, Berlin. MOOC Massive Open Online Course mit selbstständiger Nachbereitung umgekehrt. Die Studierenden bereiten sich anhand verschiedener digital zur Verfügung gestellter Materialien auf ein Thema vor, das dann in Präsenzveranstaltungen besprochen und vertieft werden kann. Mobiles Lernen beschreibt die Möglichkeit, orts- und zeitungebunden mittels eines mobilen Endgerätes Wissensinhalte und Informationen zu recherchieren. Mobiles Lernen kann dabei sowohl im Kontext einer Lehrveranstaltung realisiert werden als auch völlig losgelöst davon. Soziale Medien können als digitale Lernformate in verschiedener Weise genutzt werden. Sowohl die Nutzung als digitales Austauschmedium über die verschiedensten Austauschdienste als auch die Nutzung von Plattformen zur gemeinsamen Bearbeitung von Dokumenten zählen zu diesem Lernformat. Beim Online-Peer- und kollaborativen Lernen steht der Online-Austausch mehrerer Studierenden im Mittelpunkt. Der Austausch dient dazu, in Seminar- oder Lerngruppen Fragestellungen zu diskutieren und Lösungswege zu erarbeiten. Der Lernprozess besteht bei diesem Lernformat darin, durch den gemeinsamen Austausch von Wissen und Erfahrung ein gemeinsames Verständnis für Sachverhalte zu entwickeln. Dazu gehört zunehmend auch die Möglichkeit, dass Studierende mithilfe von Peer-Gradingoder Peer-Assessment-Instrumenten gegenseitig ihre Leistungen bewerten. Um adaptives Lernen zu ermöglichen, muss die Lernumgebung an das individuelle Lernbedürfnis jedes einzelnen Studierenden angepasst werden. Dies kann zum Beispiel durch das Anlegen von Lernpfaden realisiert werden, in denen der Lernfortschritt schrittweise anhand von Wissensfragen ermittelt wird und anhand der Ergebnisse die entsprechenden Lernmaterialien zur Verfügung gestellt werden. Eine spezielle (...truncated)


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Ritter, Christoph. Digitale Lernmethoden in der Pharmazie, Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz, 2025, pp. 1-8, DOI: 10.1007/s00103-025-04041-5