Familienunternehmen und ihre Besonderheiten

Jan 2026

This article in the Journal “Group, Interaction, Organization” focuses on the “field-typical” characteristics of family run businesses. It identifies and explains the specific features of this type of economic organizations that evolve in the course of time through the co-evolution between an enterprise and the entrepreneurial family. The corresponding “familyness” of a variety of phenomena in the enterprise, such as the special ways in which organizational issues are treated in periods of growth as well as the practices in which everyday business cooperations are managed. This clearly shows the outstanding economic performance of this type of enterprise and at the same time under which conditions the very “familyness” of the enterprise would cause limitations to the necessary growth of the business.

Article PDF cannot be displayed. You can download it here:

https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/s11612-025-00854-9.pdf

Familienunternehmen und ihre Besonderheiten

Gruppe. Interaktion. Organisation. Zeitschrift für angewandte Organisationspsychologie (2025) 56:723–734 https://doi.org/10.1007/s11612-025-00854-9 HAUPTBEITRÄGE – OFFENER TEIL Familienunternehmen und ihre Besonderheiten Rudolf Wimmer1,2 Eingegangen: 17. November 2025 / Angenommen: 19. Dezember 2025 / Online publiziert: 19. Januar 2026 © The Author(s) 2026 Zusammenfassung Dieser Beitrag in der Zeitschrift Gruppe, Interaktion, Organisation konzentriert sich auf die feldtypischen Merkmale von familiengeführten Unternehmen. Es werden die Spezifika des Typs von Wirtschaftsorganisationen herausgearbeitet, die sich aus der Koevolution eines Unternehmens und einer Unternehmerfamilie im Zeitverlauf ausprägen. Die damit verbundene Familienhaftigkeit vieler Phänomene im Unternehmen prägt insbesondere die Art und Weise, wie im Laufe des Wachstums Organisationsfragen gelöst werden und mit welchen Führungspraktiken das alltägliche Kooperationsgeschehen gesteuert wird. Damit wird deutlich, worin die besondere Leistungsfähigkeit dieses Unternehmenstyps zu sehen ist und unter welchen Bedingungen genau diese Familienhaftigkeit die erforderliche Weiterentwicklung des Unternehmens begrenzt. Schlüsselwörter Volkswirtschaftsrelevanz · Führungspraktiken · Organisationsspezifika · Kommunikationskultur Family businesses—a specific type of enterprises Abstract This article in the Journal “Group, Interaction, Organization” focuses on the “field-typical” characteristics of family run businesses. It identifies and explains the specific features of this type of economic organizations that evolve in the course of time through the co-evolution between an enterprise and the entrepreneurial family. The corresponding “familyness” of a variety of phenomena in the enterprise, such as the special ways in which organizational issues are treated in periods of growth as well as the practices in which everyday business cooperations are managed. This clearly shows the outstanding economic performance of this type of enterprise and at the same time under which conditions the very “familyness” of the enterprise would cause limitations to the necessary growth of the business. Keywords Economic relevance · Leadership practices · Organization structure · Communication culture 1 Einleitung Inzwischen ist in der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung weithin anerkannt, dass es sich bei familiengeführten Unternehmen um eine ganz eigenständige Ausprägung unternehmerischen Wirtschaftens in unserer Gesellschaft handelt. Sie unterscheiden sich grundlegend von börsenotierten Publikumsgesellschaften, die sich in ihrer Unter Univ. Prof. Dr. Rudolf Wimmer 1 osb Wien Consulting GmbH, Volksgartenstraße 3 / 1. DG, 1010 Wien, Österreich 2 Universität Witten/Herdecke, Witten, Deutschland nehmenspolitik konsequent an den Erwartungen des Kapitalmarktes orientieren oder von Unternehmen, die sich im Eigentum der öffentlichen Hand befinden oder von Genossenschaften, die ihren Mitgliedern gehören und aus deren Selbstorganisation heraus gesteuert werden. Die Eigentumsverhältnisse schaffen eine die jeweilige organisationale Identität prägende strukturelle Koppelung zwischen der Seite des Unternehmens und seinem diese Eigentumsverhältnisse repräsentierenden Gegenüber, das kann der Kapitalmarkt sein, an dem die Aktien notieren oder eine Beteiligungsgesellschaft von Investoren oder eben einer Kommune, die einen Teil ihrer Aufgaben in eigenständige Betriebe ausgelagert hat oder schließlich eine Familie, die in ihrem familialen Miteinander gemeinsam die Verantwortung für die Entwicklung ihres Unternehmens trägt. Die Geschich- K 724 te des Kapitalismus hat diese unterschiedlichen Ausprägungen von Wirtschaftsorganisationen in den vergangenen zwei Jahrhunderten genauer ausdifferenziert, er hat sie in seiner charakteristischen Eigendynamik in ihrer Gewichtung und gesamtwirtschaftlichen Relevanz permanent verändert, ein Transformationsgeschehen, das in der gesellschaftlichen Evolution zweifelsohne ungebrochen weitergehen wird (Berghoff 2016; Kocka 2017). Vor diesem Hintergrund fokussiert sich der vorliegende Beitrag auf die Spezifika von Unternehmen, die sich im Eigentum einer Familie oder einer Mehrfamilienkonstellation befinden. Wenn dies der Fall ist, dann gehen wir davon aus, dass die Familie über ihre Eigentümerfunktion und der damit verbundenen unternehmerischen Verantwortung einen bestimmenden Einfluss auf alle relevanten Dimensionen der Unternehmensentwicklung nimmt (dazu Wimmer und Simon 2019). Dieser prägende Einfluss lässt auf der Seite des Unternehmens Eigenheiten (gemeint sind, ganz charakteristische Merkmale) entstehen, die es rechtfertigen, von einem spezifischen sozialen Feld zu sprechen, das in besonderer Weise das Verhalten, das Entscheiden, die Formen und Kultur des Miteinanders der in diesem Feld sich engagierenden Akteure bestimmt. Diese feldspezifischen Besonderheiten familiengeführter Unternehmen gilt es im Folgenden in den wesensbestimmenden Merkmalen herauszuarbeiten. 2 Die gesamtwirtschaftliche Bedeutung von Familienunternehmen Bevor wir auf diese Merkmale im Einzelnen eingehen, sei noch ein kurzer Blick auf die gesellschaftliche Relevanz familiengeführter Unternehmen geworfen. Die gesamtwirtschaftliche Bedeutung dieses Unternehmenstyps wird in der öffentlichen Wahrnehmung nach wie vor gerne unterschätzt. Ungeachtet der methodologischen Probleme betreffend exakter Befunde zur quantitativen Verbreitung dieses Unternehmenstyps sind sich die relevanten Forscher*innen in ihrer Einschätzung sehr einig: „These are the most prevalent form of business organization in the world“. (Sharma et al. 2014, S. 1) Familienunternehmen sind ein globales Phänomen. Selbst vorsichtige Schätzungen sehen weltweit einen Anteil von 65 bis 80 % an Unternehmen in Familienhand (Gersick 1997, S. 25). Für die USA gehen Astrachan und Shanker (2003) bei einer weiten Definition von 89 % Familienunternehmen aus. Sie erwirtschaften 59 % des Bruttoinlandsprodukts der Vereinigten Staaten (Thornton 2000, S. 7). In Asien spielen mächtige familiale Nerzwerke seit jeher eine zentrale Rolle und selbst in China wird die sprunghafte Wachstumsentwicklung der letzten Jahrzehnte vornehmlich von privaten, familiengeführten Unternehmen K R. Wimmer getragen (freilich streng eingebettet in die staatskapitalistische Steuerung der Kommunistischen Partei, dazu Milanović 2024, S. 103 ff.). Die japanische Wirtschaft wird ohnehin seit Jahrhunderten von ganz spezifischen, besonders langlebigen Familiendynastien dominiert (Caspary et al. 2024). In Indien hat die wirtschaftliche Liberalisierung nach 1991 eine gewaltige Gründungswelle ausgelöst, die viele familiendominierte Pionierunternehmen an die Seite der großen clangeprägten, zum Teil sehr alten Traditionsunternehmen (wie etwa die Tata-Gruppe) hat treten lassen (Schröder 2018). Die aktuelle Wachstumsdynamik Indiens wird vornehmlich von dieser sich wechselseitig stimulierenden Konstellation von Unternehme (...truncated)


This is a preview of a remote PDF: https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/s11612-025-00854-9.pdf
Article home page: https://link.springer.com/article/10.1007/s11612-025-00854-9

Rudolf Wimmer. Familienunternehmen und ihre Besonderheiten, 2026, pp. 723-734, Volume 56, DOI: 10.1007/s11612-025-00854-9