Tirzepatid: Erste kardiovaskuläre Endpunktstudie

Jun 2026

Simone Reisdorf, Dirk Einecke

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Tirzepatid: Erste kardiovaskuläre Endpunktstudie

Industrieforum Tirzepatid: Erste kardiovaskuläre Endpunktstudie In der doppelblinden Studie SURPASSCVOT war die kardioprotektive Wirksamkeit von Tirzepatid (bis 5–15 mg/Woche) nicht mit Placebo, sondern mit dem GLP1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RA) Dulaglutid (1,5 mg/Woche) verglichen worden. Letzterer hatte sich diesbezüglich in der REWIND-Studie [1] gegenüber Placebo als wirksamer erwiesen: Das relative Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder kardiovaskulären Tod war im Verlauf von 5,4 Jahren um 12 % (12 % vs. 13,4 %, p = 0,026) gegenüber Placebo reduziert worden. Die Studie SURPASS-CVOT Die SURPASS-CVOT-Studie hatte 13.165 Teilnehmer, die seit 15 Jahren einen Diabetes aufwiesen und mit einem durchschnittlichen BMI von 32,6 kg/m2 übergewichtig waren. 65 % hatten eine koronare Herzkrankheit, 47 % einen Herzinfarkt, 19 % einen Schlaganfall und 25 % eine periphere arterielle Verschlusskrankheit. Nach über vier Jahren zeigte sich eine 8 %ige relative Risikoreduktion für den Endpunkt Myokardinfarkt, Schlaganfall und kardiovaskulärer Tod (Hazard Ratio [HR]: 0,92; 95%-Konfidenzintervall [KI]: 0,83–1,01; p = 0,086) durch das Twinkretin gegenüber dem GLP-1-RA. Damit wurde die statistische Signifikanz knapp verfehlt; die Nicht-Unterlegenheit wurde jedoch nachgewiesen. Gleichzeitig wurde eine relative Risikoreduktion der Gesamtmortalität von 16 % (HR: 0,84; 95%-KI: 0,75– 0,94) berichtet, allerdings ohne absolute Zahlen. Es handelt sich um einen sekundären Endpunkt. Metabolisch war Tirzepatid Dulaglutid überlegen: Nach drei Jahren hatte das Twinkretin einen deutlich stärkeren antidiabetischen Effekt (HbA1c -1,73 % vs. 0,9 %) sowie eine deutlich stärkere Wirksamkeit auf das Körpergewicht (-11,43 vs. -4,54 kg) als der GLP-1-RA gezeigt. Die Publikation der genauen Ergebnisse steht aus. Unerwünschte, meist gastrointestinale Effekte traten in beiden Studienarmen vergleichbar oft auf. Prof. Michael Lehrke, Klinikum Traunstein und Bad Reichenhall bewertete Tirzepatid als „eine sehr effektive Therapie für Patienten mit Diabetes, vor allem mit hohem kardiovaskulärem Risiko“. Simone Reisdorf, Dirk Einecke [1] Gerstein HC t al. Lancet 2019;394,121–130; Symposium „Neueste Evidenz im Fokus: Inkretin- basierte Strategien für Herz, Niere und Stoffwechsel“, Hamburg, 26. September 2025, DGK-Herztage (Veranstalter: Lilly) 72 Vor Infarkt LDL senken — Nicht erst Folgeereignisse, sondern den ersten Infarkt oder Schlaganfall verhindern: Dieses Ziel rücken jetzt die Hersteller von PCSK9-Inhibitoren in den Vordergrund, zunächst Amgen (Evolocumab) mit der doppelblinden VESALIUS-CV-Studie, nun Sanofi, das für Alirocumab (Praluent®) eine entsprechende große retrospektive Register- bzw. Real-World-Studie vorweisen kann. In dieser Untersuchung waren bei 9.903 Personen mit atherosklerotischen kardiovaskulären Erkrankungen (kein Infarkt, kein Schlaganfall) Alirocumab und Placebo nach 2:1-Propensity-Score-Matching bezüglich des kombinierten Endpunkts Tod, Myokardinfarkt oder Schlaganfall verglichen worden. Heraus kam eine signifikante Risikoreduktion durch die PCSK9-Inhibitor-Behandlung, die bei einem Symposium in Mannheim mit 32,4 % und 6,9 % absolut angegeben wurde. KHK-Patienten profitieren schon vor dem Herzinfarkt von konsequenter Lipidsenkung, kommentierte Prof. Amir Abbas Mahabadi, Westdeutsches Herz- und Gefäßzentrum, Universitätsmedizin Essen. Hochrisikopersonen mit KHK erhalten in Deutschland oft keine ausreichende lipidsenkende Therapie, LDL-Cholesterin-Zielwerte werden oft verfehlt. Laut Mahabadiseien regelmäßige Kontrollen wichtig, damit Betroffene den LDL-C-Zielbereich erreichen. Conny Röhmig, Dirk Einecke Booth-Talk „Prevent The First Event – Kardiovaskuläre Prävention bei KHK-Patient*innen“, DGKJahrestagung, Mannheim, 9. April 2026 (Veranstalter: Sanofi) ATTR-CM: Mehr Stabilität – bessere Prognose? — Die Transthyretin-Amyloidose mit Kar- diomyopathie (ATTR-CM) entsteht, wenn das körpereigene Eiweiß Transthyretin zerfällt, um sich als Amyloid-Fibrillen im Herz abzulagern. Der entscheidende pathogenetische Schritt dabei ist der Zerfall vom Tetramer in Monomere, berichtete Prof. Roman Pfister, Klinik III für Innere Medizin, Universitätsklinikum Köln. Es gibt Varianten im Transthyretin-Gen, die das Protein stabilisieren oder destabilisieren. Diese genetisch determinierte TTR-Stabilität steht in Zusammenhang mit der Mortalität: Je stabiler das Eiweiß ist, desto geringer ist die Mortalität. Das seit einem Jahr verfügbare Acoramidis (Beyonttra®) wurde entwickelt, um die stabilisierende Gen-Variante zu imitieren, erklärte Pfister. Das Medikament führt zu einer fast vollständigen TTR-Stabilisierung, wodurch die Bildung amyloidogener Monomere unterbunden wird. Messen lässt sich das indirekt über einen Anstieg des TTR-Spiegels im Serum. Acoramidis führt zu einem schnellen und anhaltenden TTR-Anstieg um 7 mg/dl gegenüber Placebo. Ein Anstieg um 5 mg/dl ist mit einem Mortalitätsabfall um 32 % assoziiert, betonte Pfister [1]. Halbierung der Hospitalisationen In der Phase-III-Studie ATTRibute-CM reduzierte Acoramidis nach 30 Monaten das re- lative kombinierte Risiko für eine erste kardiovaskuläre Hospitalisierung und Gesamtmortalität um 36 % vs. Placebo. Der Effekt war nach drei Monaten signifikant. Betrachtet man alle krankenhauspflichtigen Ereignisse, sank das Risiko um 50 % bei einer Number Needed to Treat von fünf pro Jahr, erläuterte Pfister. Stabilisierung oder Verbesserung? In einer Verlängerungsstudie der ATTRibuteCM wurde allen ursprünglichen Patienten der Placebogruppe Acoramidis angeboten. Sie profitierten davon, hatten aber eine schlechtere Prognose als ursprünglich Verum zugeordnete Patienten. Dies unterstreicht die Notwendigkeit von Früh-Diagnose und -Therapie, betonte Pfister. In einer Substudie von ATTRibute-CM zeigten einige mit Acoramidis behandelte Pa tienten einen Rückgang der Amyloidlast im Herzen sowie eine Verbesserung der Herzfunktion. Die könnte darauf hindeuten, dass sich in manchen Fällen die Erkrankung nicht nur stabilisiert, sondern bessert.Dirk Einecke [1] Maurer MS et al. J Am Coll Cardiol 2025;85(20):1911-23; Pressekonferenz „Von HFpEF bis ATTR-CM: Bayer erweitert das Therapiespektrum für eine holistische Patientenversorgung bei Herzinsuffizienz“; 92. DGK-Jahrestagung, Mannheim, 10. April 2026 (Veranstalter: Bayer) CARDIOVASC 2026, 26 (3) (...truncated)


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Simone Reisdorf, Dirk Einecke. Tirzepatid: Erste kardiovaskuläre Endpunktstudie, 2026, pp. 72, Volume 26, DOI: 10.1007/s15027-026-4040-1