Tirzepatid: Erste kardiovaskuläre Endpunktstudie
Industrieforum
Tirzepatid: Erste kardiovaskuläre
Endpunktstudie
In der doppelblinden Studie SURPASSCVOT war die kardioprotektive Wirksamkeit von Tirzepatid (bis 5–15 mg/Woche)
nicht mit Placebo, sondern mit dem GLP1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RA) Dulaglutid (1,5 mg/Woche) verglichen worden.
Letzterer hatte sich diesbezüglich in der
REWIND-Studie [1] gegenüber Placebo
als wirksamer erwiesen: Das relative Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder kardiovaskulären Tod war im Verlauf von 5,4
Jahren um 12 % (12 % vs. 13,4 %, p = 0,026)
gegenüber Placebo reduziert worden.
Die Studie SURPASS-CVOT
Die SURPASS-CVOT-Studie hatte 13.165
Teilnehmer, die seit 15 Jahren einen Diabetes aufwiesen und mit einem durchschnittlichen BMI von 32,6 kg/m2
übergewichtig waren. 65 % hatten eine
koronare Herzkrankheit, 47 % einen Herzinfarkt, 19 % einen Schlaganfall und 25 %
eine periphere arterielle Verschlusskrankheit. Nach über vier Jahren zeigte sich
eine 8 %ige relative Risikoreduktion für
den Endpunkt Myokardinfarkt, Schlaganfall und kardiovaskulärer Tod (Hazard Ratio [HR]: 0,92; 95%-Konfidenzintervall [KI]:
0,83–1,01; p = 0,086) durch das Twinkretin
gegenüber dem GLP-1-RA. Damit wurde
die statistische Signifikanz knapp verfehlt;
die Nicht-Unterlegenheit wurde jedoch
nachgewiesen. Gleichzeitig wurde eine
relative Risikoreduktion der Gesamtmortalität von 16 % (HR: 0,84; 95%-KI: 0,75–
0,94) berichtet, allerdings ohne absolute
Zahlen. Es handelt sich um einen sekundären Endpunkt.
Metabolisch war Tirzepatid Dulaglutid
überlegen: Nach drei Jahren hatte das
Twinkretin einen deutlich stärkeren antidiabetischen Effekt (HbA1c -1,73 % vs.
0,9 %) sowie eine deutlich stärkere Wirksamkeit auf das Körpergewicht (-11,43 vs.
-4,54 kg) als der GLP-1-RA gezeigt. Die Publikation der genauen Ergebnisse steht aus.
Unerwünschte, meist gastrointestinale Effekte traten in beiden Studienarmen vergleichbar oft auf. Prof. Michael Lehrke,
Klinikum Traunstein und Bad Reichenhall
bewertete Tirzepatid als „eine sehr effektive Therapie für Patienten mit Diabetes,
vor allem mit hohem kardiovaskulärem
Risiko“.
Simone Reisdorf, Dirk Einecke
[1] Gerstein HC t al. Lancet 2019;394,121–130;
Symposium „Neueste Evidenz im Fokus: Inkretin- basierte Strategien für Herz, Niere und
Stoffwechsel“, Hamburg, 26. September 2025,
DGK-Herztage (Veranstalter: Lilly)
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Vor Infarkt LDL senken
— Nicht erst Folgeereignisse, sondern den
ersten Infarkt oder Schlaganfall verhindern:
Dieses Ziel rücken jetzt die Hersteller von
PCSK9-Inhibitoren in den Vordergrund, zunächst Amgen (Evolocumab) mit der doppelblinden VESALIUS-CV-Studie, nun Sanofi,
das für Alirocumab (Praluent®) eine entsprechende große retrospektive Register- bzw.
Real-World-Studie vorweisen kann.
In dieser Untersuchung waren bei 9.903
Personen mit atherosklerotischen kardiovaskulären Erkrankungen (kein Infarkt, kein
Schlaganfall) Alirocumab und Placebo nach
2:1-Propensity-Score-Matching bezüglich
des kombinierten Endpunkts Tod, Myokardinfarkt oder Schlaganfall verglichen worden.
Heraus kam eine signifikante Risikoreduktion durch die PCSK9-Inhibitor-Behandlung,
die bei einem Symposium in Mannheim mit
32,4 % und 6,9 % absolut angegeben wurde.
KHK-Patienten profitieren schon vor dem
Herzinfarkt von konsequenter Lipidsenkung,
kommentierte Prof. Amir Abbas Mahabadi,
Westdeutsches Herz- und Gefäßzentrum,
Universitätsmedizin Essen.
Hochrisikopersonen mit KHK erhalten in
Deutschland oft keine ausreichende lipidsenkende Therapie, LDL-Cholesterin-Zielwerte werden oft verfehlt. Laut Mahabadiseien regelmäßige Kontrollen wichtig, damit Betroffene den LDL-C-Zielbereich erreichen.
Conny Röhmig, Dirk Einecke
Booth-Talk „Prevent The First Event – Kardiovaskuläre Prävention bei KHK-Patient*innen“, DGKJahrestagung, Mannheim, 9. April 2026 (Veranstalter: Sanofi)
ATTR-CM: Mehr Stabilität – bessere Prognose?
— Die Transthyretin-Amyloidose mit Kar-
diomyopathie (ATTR-CM) entsteht, wenn
das körpereigene Eiweiß Transthyretin zerfällt, um sich als Amyloid-Fibrillen im Herz
abzulagern. Der entscheidende pathogenetische Schritt dabei ist der Zerfall vom Tetramer in Monomere, berichtete Prof. Roman
Pfister, Klinik III für Innere Medizin, Universitätsklinikum Köln. Es gibt Varianten im Transthyretin-Gen, die das Protein stabilisieren
oder destabilisieren. Diese genetisch determinierte TTR-Stabilität steht in Zusammenhang mit der Mortalität: Je stabiler das
Eiweiß ist, desto geringer ist die Mortalität.
Das seit einem Jahr verfügbare Acoramidis
(Beyonttra®) wurde entwickelt, um die stabilisierende Gen-Variante zu imitieren, erklärte
Pfister. Das Medikament führt zu einer fast
vollständigen TTR-Stabilisierung, wodurch
die Bildung amyloidogener Monomere unterbunden wird. Messen lässt sich das indirekt über einen Anstieg des TTR-Spiegels im
Serum. Acoramidis führt zu einem schnellen
und anhaltenden TTR-Anstieg um 7 mg/dl
gegenüber Placebo. Ein Anstieg um 5 mg/dl
ist mit einem Mortalitätsabfall um 32 % assoziiert, betonte Pfister [1].
Halbierung der Hospitalisationen
In der Phase-III-Studie ATTRibute-CM reduzierte Acoramidis nach 30 Monaten das re-
lative kombinierte Risiko für eine erste kardiovaskuläre Hospitalisierung und Gesamtmortalität um 36 % vs. Placebo. Der Effekt
war nach drei Monaten signifikant. Betrachtet man alle krankenhauspflichtigen Ereignisse, sank das Risiko um 50 % bei einer
Number Needed to Treat von fünf pro Jahr,
erläuterte Pfister.
Stabilisierung oder Verbesserung?
In einer Verlängerungsstudie der ATTRibuteCM wurde allen ursprünglichen Patienten
der Placebogruppe Acoramidis angeboten.
Sie profitierten davon, hatten aber eine
schlechtere Prognose als ursprünglich Verum zugeordnete Patienten. Dies unterstreicht die Notwendigkeit von Früh-Diagnose und -Therapie, betonte Pfister.
In einer Substudie von ATTRibute-CM zeigten einige mit Acoramidis behandelte Pa
tienten einen Rückgang der Amyloidlast im
Herzen sowie eine Verbesserung der Herzfunktion. Die könnte darauf hindeuten, dass
sich in manchen Fällen die Erkrankung nicht
nur stabilisiert, sondern bessert.Dirk Einecke
[1] Maurer MS et al. J Am Coll Cardiol
2025;85(20):1911-23; Pressekonferenz „Von HFpEF
bis ATTR-CM: Bayer erweitert das Therapiespektrum für eine holistische Patientenversorgung bei
Herzinsuffizienz“; 92. DGK-Jahrestagung, Mannheim, 10. April 2026 (Veranstalter: Bayer)
CARDIOVASC 2026, 26 (3)
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