Mit i-FDG-PET verlässliche Hodgkin-Prognose
Literatur kompak t
Leukämien und Lymphome
Konsolidierende Bestrahlung beim Hodgkin-Lymphom wichtig
Ein frühes Hodgkin-Lymphom (HL) wird initial mit einer Kombinationschemotherapie behandelt. Empfohlen wird eine anschließende
konsolidierende Strahlentherapie (RT), die jedoch nicht immer
durchgeführt wird. Zu Unrecht, wie eine retrospektive Analyse zeigt.
D
as Team um Rahul R. Parikh wertete Daten der US-amerikanischen National Cancer Database (NCDB) aus. Bei
den Patienten war zwischen 1998 und
2011 die Diagnose HL im Stadium I/II gestellt worden. Ziel war es, eine Assoziation zwischen Strahlentherapie, Kovariablen und dem Behandlungsergebnis zu
finden. Insgesamt gingen Daten von
29.752 Patienten (Alter: median 37 Jahre)
in die Analyse ein. Alle Patienten hatten
primär eine Chemotherapie erhalten. Für
17.170 Patienten lagen Daten zum Gesamtüberleben (OS) vor.
54 % der Patienten hatten nach der
Chemotherapie eine RT mit median 30,6
Gy erhalten. Ihre Anwendung als Kon-
solidierungstherapie war signifikant assoziiert mit einem jüngeren Alter (≤ 40
Jahre), einem günstigen Versicherungsstatus, einem höheren sozioökonomischen Status sowie der Behandlung in einem spezialisierten regionalen Krebszentrum (p < 0,05 für alle Faktoren).
Die Rate des 5-Jahres-OS lag bei Patienten, die eine RT erhalten hatten, bei
94,5 %, bei denjenigen ohne diese Konsolidierungstherapie bei 88,9 % (p < 0,01).
Die RT war ein signifikanter Prädiktor
für das Überleben in der As-treated- (Hazard Ratio [HR] 0,53; 95 %-Konfidenzintervall [95 %-KI] 0,49–0,58; p < 0,01)
sowie in der Intention-to-treat-Analyse
(p < 0,01). Auch nach statistischer Be-
Mit i-FDG-PET verlässliche Hodgkin-Prognose
Mit einer Positronenemissionstomografie mittels Fluorodeoxyglukose
(FDG-PET) lassen sich verbliebene Tumorzellen nachweisen. Beim fortgeschrittenen Hodgkin-Lymphom ist das ein Hinweis auf ein drohendes
Rezidiv. Nun wurde der prognostische Wert dieser Methode für das
Frühstadium untersucht.
W
eil Hodgkin-Patienten lange überleben, bekommen Spätfolgen der
Therapie große Bedeutung. In fortgeschrittenen Stadien ist ein zwischen verschiedenen Therapieschritten (interim,
i) vorgenommenes FDG-PET von prognostischem Wert: Es macht folgenreiche Behandlungen bei Patienten mit besonders guter Prognose überflüssig und
bietet die Basis dafür, die Therapie bei
schlechter Prognose zu intensivieren.
Für das Frühstadium initiierten italienische Kollegen eine retrospektive multizentrische Studie, in der alle Patienten
mit einer Chemotherapie aus Adriamycin, Bleomycin, Vinblastin und Dacarbazin (ABVD) sowie Bestrahlung behandelt
worden waren. 257 Patienten erhielten
ein FDG-PET bei Diagnose sowie nach
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den ersten zwei ABVD-Zyklen. Alle
Scans wurden verblindet mithilfe des
Deauville-5-Punkte-Scoring-Systems begutachtet. Es wurden zwei Cutoff-Werte
Tab. 1: i-FDG-PET und Überleben
i-FDG-PET
negativ
positiv
5-Jahres-PFS (DC 3)
98,1 %
83,7 %
5-Jahres-PFS (DC 4)
97,7 %
78,6 %
5-Jahres-OS (DC 3)
98,5 %
93,0 %
5-Jahres-OS (DC 4)
98,6 %
89,3 %
i-FDG-PET = interim Positronenemissionstomografie
mittels Fluorodeoxyglukose; PFS = progressionsfreies
Überleben; OS = Gesamtüberleben; DC = DeauvilleCutoff
rücksichtigung klinischer und pathologischer Einflussfaktoren blieb die RT-Konsolidierung mit einem verbesserten OS
assoziiert (HR 0,46; 95 %-KI 0,38–0,56;
p < 0,01). Die Anwendung der RT-Konsolidierung war jedoch im Beobachtungszeitraum von 55 % auf 44 % gesunken.
Meist war sie schon initial im Behandlungsplan nicht berücksichtigt worden.
Fazit: Dieser Analyse zufolge ist die Konsolidierungs-RT beim frühen HL klar mit
einem besseren Überleben verbunden.
Die Forscher mahnen daher einen besseren Zugang der Patienten zu dieser Therapie an. Der Verzicht darauf scheine
häufig aus nicht medizinischen Gründen
zu erfolgen.
Friederike Klein
Parikh RR et al. Early-stage classical Hodgkin
lymphoma: The utilization of radiation therapy
and its impact on overall survival. Int J Radiat
Oncol Biol Phys. 2015;93(3):684-693.
analysiert: ein Deauville-Score ≥ 3 bzw.
≥ 4. Bei einem medianen Follow-up von
56 Monaten lagen die Raten für 5-JahresGesamtüberleben (OS), krankheitsspezifisches bzw. progressionsfreies Überleben
(PFS) für die gesamte Kohorte bei 97,5 %,
98,3 % bzw. 95,6 %. 43 der 257 Patienten
(16,7 %) hatten ein positives i-FDG-PET
(Deauville-Score 3–5). Die Raten für
5-Jahres-PFS und 5-Jahres-OS für die iFDG-PET-negativen bzw. -positiven Patienten sind in Tab. 1 aufgeführt.
Fazit: Ein FDG-PET nach zwei Zyklen
ABVD ist bei Hodgkin-Patienten im
Frühstadium prognostisch für die Vorhersage von PFS und Gesamtüberleben.
Ein negatives i-FDG-PET bedeutet ein
niedriges Rezidivrisiko. Die Fortführung der Therapie bei positivem i-FDGPET ermöglicht meist eine dauerhafte
Komplettremission.
Christina Berndt
Simontacchi G et al. Interim PET After Two ABVD
Cycles in Early-Stage Hodgkin Lymphoma: Outcomes Following the Continuation of Chemotherapy Plus Radiotherapy. Int J Radiat Oncol
Biol Phys. 2015;92(5):1077-83.
Im Focus Onkologie 2015; 18 (10)
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