Pleuramesotheliom: Prophylaktische Bestrahlung
Literatur kompak t
Tumoren der Lunge
Pleuramesotheliom: Prophylaktische Bestrahlung
Große thorakale Eingriffe können beim Pleuramesotheliom dazu führen, dass
Metastasen entstehen. Ist es deshalb angezeigt, sicherheitshalber schon mal
zu bestrahlen, auch wenn noch keine Tochtergeschwulste zu erkennen sind?
D
er Einsatz der prophylaktischen Radiotherapie beim malignen Pleuramesotheliom bleibt kontrovers. Sie dient
vor allem zur Vorbeugung von behandlungsbedingten Metastasen (sogenannte
„procedure-tract metastases“, PTM). In
vielen Zentren wird aber erst nach Entwicklung von PTM bestrahlt. Nun wurde in einer multizentrischen britischen
Phase-III-Studie der Nutzen einer prophylaktischen mit dem einer verzögerten Radiotherapie verglichen.
203 Patienten, die sich in den 35 Tagen
vor der Rekrutierung einer umfassenden
Intervention am Rippenfell unterzogen
hatten (z. B. offene Pleurabiopsie, operative Thorakotomie) erhielten randomisiert entweder eine sofortige Radiotherapie (21 Gy in 3 Fraktionen) innerhalb von
42 Tagen nach der Intervention oder eine
verzögerte Radiotherapie (21 Gy in 3
Fraktionen) nach Diagnose von PTM.
Stratifiziert wurde nach histologischem
Subtyp und der Art des Eingriffs. Primärer Endpunkt war die Inzidenz von PTM
binnen 12 Monaten innerhalb von 7 cm
um den Ort der Intervention.
Es zeigte sich kein signifikanter Unterschied in der PTM-Inzidenz zwischen
der Gruppe mit sofortiger versus verzö-
Atemnot durch fortgeschrittenes NSCLC oder
Mesotheliom: Akupunktur und/oder Morphin?
Zur Linderung von Atemnot bei Tumorpatienten werden häufig Opioide gegeben, obschon sie dafür nicht zugelassen sind. Ob auch die Akupunktur bei
Atemnot hilfreich sein kann, wurde nun in einer Phase-II-Studie untersucht.
A
ufgenommen wurden 173 ambulante Patienten mit nichtkleinzelligem
Lungenkarzinom (NSCLC) oder Mesotheliom, die unter Atemnot litten. In
Ruhe musste ihr Dyspnoe-Score ≥ 4 auf
einer visuellen Analogskala (VAS) betragen. Um die Wirksamkeit der Akupunktur zu prüfen, erhielten die Patien-
Abb. 1: Unter anderem am Sternum
wurden die Patienten akupunktiert.
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ten entweder diese alleine (Arm A),
Morphin alleine (Arm M) oder beides
(Arm AM). Die Akupunktur wurde am
oberen Sternum (Abb. 1), thorakal paravertebral, an den Trapezius-Triggerpunkten und an Punkt LI4 nahe dem
Daumengrundgelenk durchgeführt. Für
ein längeres Anhalten der Wirkung
wurden zusätzlich am Manubrium sterni semipermanente Akupunkturnadeln
gesetzt, die bei verstärkter Atemnot
vom Patienten selbst massiert werden
konnten. Primärer Endpunkt war der
Anteil der Patienten, der nach 4 Stunden
eine Verbesserung um ≥ 1,5 Punkte auf
der VAS zeigte.
Eine solche Verbesserung ergab sich
bei 74 %, 60 % bzw. 66 % der Patienten
in den Studienarmen A, M und AM, bei
45 % der Teilnehmer auch noch nach 2
Wochen. Es gab keine signifikanten Unterschiede zwischen den Studienarmen,
auch nicht in den Lungenfunktionstests.
gerter Radiotherapie (9 vs. 16 %; Hazard
Ratio 0,51; p = 0,14). Eine schwerwiegende Nebenwirkung bei einem Patienten
mit sofortiger Radiotherapie waren
schmerzhafte PTM im Bestrahlungsfeld.
Häufige Nebenwirkungen der sofortigen
Radiotherapie betrafen die Haut. Die sofortige Radiotherapie war nicht kosteneffektiv.
Fazit: Diesen Daten zufolge ist es nicht
gerechtfertigt, alle Patienten mit Mesotheliom nach einer großen thorakalen
Intervention prophylaktisch zu bestrahlen, um behandlungsbedingten Metastasen vorzubeugen.
Christina Berndt
O’Clive A et al. Prophylactic radiotherapy for the
prevention of procedure-tract metastases after
surgical and large-bore pleural procedures in
malignant pleural mesothelioma (SMART): a multicentre, open-label, phase 3, randomised controlled trial. Lancet Oncol. 2016;17(8):1094-104.
Die VAS-Werte für Entspannung verbesserten sich in Arm A um 1,06 Punkte sowie in Arm AM um 1,48 Punkte
(Arm M -0,19 Punkte; p < 0,001). An
Tag 7 verbesserte sich außerdem der
Angst-Score in Arm A um 1,5 und in
Arm AM um 1,2 Punkte, während er
sich im Arm M nicht veränderte
(p = 0,003). In Arm A erhielten weniger
Patienten ≥ 1 Morphindosis verglichen
mit Arm M oder AM (21 vs. 87 vs. 87 %;
p < 0,001). Die Möglichkeit, die Akupunkturwirkung durch Massieren der
Verweil-Akupunkturnadeln zu verstärken, wurde in den entsprechenden
Gruppen häufig genutzt (bis zu 32 mal
pro Tag).
Fazit: Akupunktur, Morphin oder die
Kombination aus beiden konnten die
Atemnot bei Patienten mit NSCLC oder
Mesotheliom signifikant lindern. Die
Akupunktur wirkte Angst mindernd
und verringerte den Morphingebrauch.
Sie stellt daher eine Alternative zum Einsatz von Opioiden dar. Brigitte Schalhorn
Minchom A et al. A randomised study comparing the effectiveness of acupuncture or morphine versus the combination for the relief of
dyspnoea in patients with advanced non-small
cell lung cancer and mesothelioma. Eur J Cancer.
2016;61:102-10.
Im Focus Onkologie 2016; 19 (12)
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